Versuchsanordnung

Aus Globale-Schwarm-Intelligenz

Die vorgeschlagene Versuchsanordnung untersucht, wie sich die Beurteilung einer Fragestellung verändert, wenn eine eigene menschliche Antwort mit unterschiedlichen Formen KI-gestützter Bearbeitung verglichen wird.

Im Zentrum steht dabei nicht die Frage, welche Antwort sprachlich überzeugender erscheint, sondern ob und wie unterschiedliche Voraussetzungen, Abhängigkeiten, Auslassungen und Begründungsstrukturen sichtbar werden.

Ausgangspunkt ist eine klar formulierte Frage, die zunächst von einer Versuchsperson ohne Unterstützung durch künstliche Intelligenz beantwortet wird. Diese erste Antwort bildet die individuelle Ausgangsposition. Sie soll möglichst unbeeinflusst dokumentieren, welche Begriffe, Annahmen, Wertungen und Begründungen die Person selbst verwendet.

Im zweiten Schritt erhält ein KI-System dieselbe Ausgangsfrage, ohne dass ihm mein eigener theoretischer Prüfrahmen vorgegeben wird. Dadurch entsteht eine zweite Antwort, die mit der ursprünglichen menschlichen Antwort verglichen werden kann. Untersucht werden soll dabei nicht nur, welche zusätzlichen Informationen die KI einbringt, sondern auch, welche Voraussetzungen sie stillschweigend übernimmt, welche Zusammenhänge sie ausblendet und wie sie Unsicherheiten behandelt.

Im dritten Schritt bearbeitet dasselbe KI-System dieselbe Frage erneut, erhält diesmal jedoch zusätzlich mein Vier-Ebenen-Modell sowie die Begriffe Tragwirklichkeit und Wahrheitsfähigkeit als expliziten Prüfrahmen. E1 richtet die Aufmerksamkeit auf physikalisch-materielle Bedingungen, E2 auf organismische Abhängigkeiten und Verletzbarkeiten, E3 auf menschlich erzeugte Begriffe, Rollen, Modelle und gesellschaftliche Setzungen. E4 verlangt anschließend, diese Hervorbringungen selbst wieder zu prüfen und mit ihren Voraussetzungen und möglichen Konsequenzen zu konfrontieren.

Damit entstehen drei miteinander vergleichbare Antwortzustände: die eigenständig hervorgebrachte menschliche Antwort, die reguläre KI-Antwort und die unter einem zusätzlichen Prüfrahmen erzeugte KI-Antwort. Der eigentliche Untersuchungsgegenstand liegt jedoch nicht allein in diesen drei Texten, sondern in ihrer Gegenüberstellung.

Geprüft werden soll, ob sich durch den Vergleich Unterschiede in den verwendeten Annahmen, in der Auswahl relevanter Bedingungen, in der Gewichtung von Folgen und in der Behandlung von Unsicherheit erkennen lassen. Von besonderem Interesse ist, ob die Versuchsperson nach der Gegenüberstellung ihre ursprüngliche Position verändert und ob diese Veränderung begründet werden kann. Entscheidend wäre dabei nicht, dass eine KI-Antwort übernommen wird, sondern ob die Person ihre eigene Auffassung genauer prüfen, differenzieren oder gegebenenfalls korrigieren kann.

Die Versuchsanordnung enthält ausdrücklich auch eine Gegenhypothese. Es ist möglich, dass der zusätzliche Prüfrahmen keinen Erkenntnisgewinn erzeugt, sondern lediglich zu einer komplexeren und sprachlich überzeugenderen KI-Antwort führt. Ebenso ist möglich, dass das Vier-Ebenen-Modell bereits bekannte Unterscheidungen lediglich in anderer Terminologie wiederholt oder selbst neue Verzerrungen hervorbringt. Deshalb erhält auch die dritte Antwort keinen besonderen Wahrheitsstatus.

Die Untersuchung richtet sich damit auf die Frage, ob ein zusätzlicher Prüfrahmen tatsächlich die Wahrheitsfähigkeit verbessert, also die Fähigkeit, eigene und fremde Aussagen auf Voraussetzungen, Auslassungen, Abhängigkeiten und Korrekturmöglichkeiten hin zu untersuchen. Der Erfolg der Versuchsanordnung läge nicht darin, eine vermeintlich richtige Antwort zu erzeugen, sondern darin, die Bedingungen des eigenen Urteilens sichtbarer und prüfbarer zu machen.

In einer erweiterten Versuchsanordnung könnten mehrere Personen oder Gruppen dieselbe Ausgangsfrage bearbeiten. Dadurch ließe sich vergleichen, ob der Prüfrahmen systematisch bestimmte Arten von Voraussetzungen oder Auslassungen sichtbar macht oder ob die Ergebnisse stark von Person, Fragestellung und verwendetem KI-System abhängen. Ebenso könnten mehrere Durchgänge durchgeführt werden, um zu untersuchen, ob sich nicht nur einzelne Antworten, sondern mit der Zeit auch die verwendeten Begriffe, Maßstäbe und Problemdefinitionen verändern.

Die Versuchsanordnung ist damit nicht als Nachweis der Richtigkeit meines Modells gedacht. Sie dient vielmehr dazu, seine praktische und wissenschaftliche Belastbarkeit selbst zum Gegenstand der Untersuchung zu machen. Auch das Vier-Ebenen-Modell muss sich der Prüfung aussetzen, die es von anderen Aussagen verlangt.

Meine drei Schritte klarer voneinander abgrenzen