Was durch das Vier-Ebenen-Modell überprüft werden kann.

Aus Globale-Schwarm-Intelligenz

Durch das Vier-Ebenen-Modell kann grundsätzlich alles überprüft werden, was der Mensch wahrnimmt, beschreibt, gestaltet, organisiert oder durch seine Tätigkeit verändert.

Dazu gehören Begriffe und Weltbilder ebenso wie wissenschaftliche Theorien, politische Entscheidungen, wirtschaftliche Systeme, technische Erfindungen, soziale Institutionen, Gesetze, Kunstwerke, Bildungsmodelle, Medienerzählungen und alltägliche Handlungen.

Der Gegenstandsbereich ist damit sehr weit. Das bedeutet jedoch nicht, dass das Modell über alles selbst ein abschließendes Urteil fällen könnte. Seine eigentliche Funktion besteht darin, sichtbar zu machen, auf welcher Ebene eine Aussage oder Tätigkeit angesiedelt ist, worauf sie sich stützt, welche Ebenen ausgeblendet oder miteinander verwechselt werden und welche Folgen daraus hervorgehen.

Man könnte deshalb sagen: Das Vier-Ebenen-Modell besitzt einen nahezu unbegrenzten Gegenstandsbereich, aber eine klar begrenzte Prüffunktion. Es liefert nicht automatisch die richtige Antwort auf jede Frage. Es stellt vielmehr sicher, dass eine Frage nicht innerhalb nur einer Ebene beantwortet wird, obwohl ihre Voraussetzungen und Folgen auf anderen Ebenen liegen.

Prüfung der physischen Voraussetzungen

Auf der ersten Ebene kann geprüft werden, welche materiellen, energetischen, räumlichen und zeitlichen Bedingungen einem Gegenstand oder einer Tätigkeit zugrunde liegen. Hier geht es darum, was tatsächlich benötigt, verbraucht, verändert oder beschädigt wird.

Bei einem technischen Produkt wäre beispielsweise zu untersuchen, aus welchen Stoffen es besteht, welche Energie für Herstellung und Betrieb erforderlich ist, welche Abfälle entstehen und welche physikalischen Grenzen bestehen. Bei einem Gebäude wäre zu fragen, welche Materialien, Lasten, Temperaturen und Widerstände berücksichtigt werden müssen. Bei einer politischen Entscheidung wäre zu prüfen, welche stofflichen Voraussetzungen sie besitzt und ob sie physische Bedingungen lediglich sprachlich umbenennt oder tatsächlich verändert.

Diese Ebene verhindert, dass eine Idee bereits deshalb für möglich gehalten wird, weil sie sprachlich, rechtlich oder ökonomisch beschlossen wurde. Ein gesellschaftlicher Beschluss kann keine physische Tragfähigkeit herstellen, wenn die notwendigen Bedingungen fehlen.

Prüfung des lebendigen Funktionierens

Auf der zweiten Ebene wird untersucht, was eine Tätigkeit, ein System oder ein Produkt für lebendige Organismen bedeutet. Dabei stehen Abhängigkeiten, Stoffwechsel, Wahrnehmung, Belastbarkeit, Verletzbarkeit, Regeneration und die Möglichkeit des Weiterlebens im Mittelpunkt.

Hier kann beispielsweise überprüft werden, ob eine Arbeitsorganisation zwar wirtschaftlich effizient erscheint, aber den Menschen dauerhaft körperlich oder psychisch überlastet. Eine landwirtschaftliche Methode kann hohe Erträge hervorbringen und zugleich Böden, Pflanzen, Tiere oder Wasserhaushalte schädigen. Ein medizinisches Verfahren kann einen einzelnen Messwert verbessern und dennoch andere Funktionszusammenhänge des Organismus beeinträchtigen.

Auf dieser Ebene reicht es daher nicht, abstrakt von Erfolg oder Nutzen zu sprechen. Es muss untersucht werden, was tatsächlich funktioniert, für wen es funktioniert, wie lange es funktioniert und welche anderen lebendigen Zusammenhänge den Preis dafür tragen.

Das Vier-Ebenen-Modell erweitert damit den Begriff des Funktionierens. Etwas funktioniert nicht bereits deshalb, weil es den vorgesehenen Zweck erfüllt. Es muss auch geprüft werden, ob es dabei seine eigenen Voraussetzungen oder die Voraussetzungen anderer Lebewesen zerstört.

Prüfung der menschlichen Begriffe und Konstruktionen

Auf der dritten Ebene können Sprache, Begriffe, Modelle, Institutionen, Werte, Rollen, Weltbilder und gesellschaftliche Ordnungen untersucht werden. Hier wird gefragt, wie der Mensch einen Zusammenhang beschreibt, welche Unterscheidungen er vornimmt und welche Wirklichkeit er durch seine Begriffe erzeugt.

Das betrifft beispielsweise die Unterscheidung zwischen Natur und Umwelt, Eigentum und Gemeingut, Wachstum und Entwicklung, Erfolg und Funktionieren, Normalität und Abweichung oder Wirklichkeit und Fiktion. Solche Begriffe sind nicht neutral. Sie lenken Wahrnehmung, bestimmen Zuständigkeiten und ermöglichen bestimmte Handlungen, während andere Zusammenhänge unsichtbar werden.

Das Modell kann deshalb prüfen, ob ein Begriff seinen Gegenstand angemessen beschreibt oder ob er verschiedene Ebenen miteinander vermischt. Es kann sichtbar machen, wenn ein gesellschaftlich erzeugter Wert wie Geld so behandelt wird, als sei er eine natürliche Eigenschaft eines Gegenstandes. Ebenso kann es zeigen, wenn eine wissenschaftliche Modellvorstellung mit dem beschriebenen Vorgang selbst gleichgesetzt wird.

Auf dieser Ebene lässt sich auch Wikipedia untersuchen. Ein Artikel kann viele belegte Aussagen enthalten und dennoch grundlegende Ebenenverwechslungen oder Auslassungen aufweisen. Quellenbeleg und sachliche Vollständigkeit sind nicht dasselbe. Eine Aussage kann korrekt zitiert sein und dennoch innerhalb einer unzureichenden Rahmensetzung stehen.

Prüfung der Rückkopplung und Korrekturfähigkeit

Die vierte Ebene untersucht, ob eine Vorstellung, Tätigkeit oder Institution ihre Folgen wahrnehmen und auf sie reagieren kann. Sie fragt, welche Rückmeldungen zugelassen, verdrängt oder umgedeutet werden und ob ein System zur Korrektur fähig ist.

Hier zeigt sich häufig der entscheidende Unterschied zwischen funktionierenden und nichtfunktionierenden Ordnungen. Ein technisches System wird gewöhnlich verändert, wenn es wiederholt versagt. In politischen, wirtschaftlichen oder kulturellen Systemen werden negative Folgen dagegen häufig nicht als Widerlegung des Systems verstanden. Sie werden ausgelagert, einzelnen Personen zugeschrieben oder durch neue Begriffe verdeckt.

Das Vier-Ebenen-Modell kann daher untersuchen, ob eine Ordnung aus ihren Folgen lernt. Es kann prüfen, wer Rückmeldungen geben darf, welche Messgrößen gelten, welche Schäden anerkannt werden und wer die Möglichkeit besitzt, eine Korrektur durchzusetzen.

Die vierte Ebene ist dabei keine neutrale Beobachterposition außerhalb der Welt. Auch jede Prüfung ist eine menschliche Tätigkeit und muss ihrerseits überprüfbar bleiben. Das Modell darf deshalb nicht selbst zu einer unangreifbaren Lehre werden. Es muss offenlegen, welche Maßstäbe es verwendet und aufgrund welcher Beobachtungen es zu einer Einschätzung kommt.

Die notwendige Rahmensetzung

Das Vier-Ebenen-Modell braucht eine Rahmensetzung. Ohne sie würde der Anspruch, „alles“ überprüfen zu können, zu unbestimmt und möglicherweise totalitär. Die Rahmensetzung beginnt mit einer klaren Benennung des Gegenstandes. Es muss festgelegt werden, ob ein einzelner Begriff, ein Kunstwerk, eine Institution, eine Technologie, eine Handlung oder ein vollständiges gesellschaftliches System untersucht wird.

Ebenso muss der räumliche und zeitliche Maßstab bestimmt werden. Eine Tätigkeit kann kurzfristig funktionieren und langfristig zerstörerisch sein. Sie kann für einen Betrieb vorteilhaft und für eine Region schädlich sein. Sie kann einem einzelnen Menschen nützen und zugleich Kosten auf andere Menschen oder spätere Generationen übertragen.

Die Rahmensetzung muss deshalb deutlich machen, welcher Zeitraum, welcher Raum und welche Beteiligten berücksichtigt werden. Ohne diese Festlegung kann nahezu jedes System seinen Erfolg dadurch beweisen, dass es die unerwünschten Folgen aus dem gewählten Untersuchungsrahmen ausschließt.

Der Referenzrahmen des Funktionierens

Besonders wichtig ist die Frage, woran Funktionieren und Nichtfunktionieren gemessen werden. Das Vier-Ebenen-Modell darf nicht voraussetzen, dass es nur einen einzigen Maßstab gibt. Ein Vorgang kann auf einer Ebene funktionieren und auf einer anderen scheitern.

Ein Unternehmen kann Gewinne erzielen und damit innerhalb einer wirtschaftlichen Konstruktion funktionieren. Gleichzeitig kann es Böden, Körper oder soziale Beziehungen beschädigen. Das wirtschaftliche Funktionieren widerlegt die Schäden nicht. Es zeigt lediglich, dass ein bestimmter Zweck innerhalb eines begrenzten Referenzrahmens erfüllt wurde.

Die Aufgabe des Vier-Ebenen-Modells besteht deshalb nicht darin, alle verschiedenen Maßstäbe zu einem einzigen Wert zusammenzurechnen. Es soll ihre Unterschiede und Konflikte sichtbar machen. Es fragt, welcher Maßstab Vorrang erhält, wer ihn gesetzt hat und welche Bedingungen dadurch unbeachtet bleiben.

Die erste und zweite Ebene bilden dabei eine unverzichtbare Grenze. Menschliche Regelwerke können verändert werden, physische und lebendige Existenzbedingungen dagegen nur innerhalb begrenzter Toleranzräume. Ein System, das dauerhaft seine eigenen Träger zerstört, kann nicht allein deshalb als funktionierend gelten, weil es seine selbst gesetzten Kennzahlen erreicht.

Was das Modell nicht leisten kann

Das Vier-Ebenen-Modell kann nicht aus sich selbst heraus sämtliche naturwissenschaftlichen, medizinischen, juristischen oder historischen Sachfragen beantworten. Dafür benötigt es das jeweilige Fachwissen, überprüfbare Quellen, Messungen und Erfahrungen. Es kann jedoch zeigen, welche Fachbereiche einbezogen werden müssten und welche Fragen durch eine einseitige Betrachtung unbeantwortet bleiben.

Es kann auch keine metaphysischen oder religiösen Aussagen endgültig beweisen oder widerlegen, wenn diese prinzipiell außerhalb empirischer Überprüfung formuliert sind. Es kann aber untersuchen, zu welcher Ebene solche Aussagen gehören, welche Geltung sie beanspruchen und welche Folgen entstehen, wenn sie in politische, rechtliche oder körperliche Handlungen umgesetzt werden.

Ebenso darf das Modell nicht jede individuelle Handlung vollständig beurteilen wollen. Je größer und komplexer der untersuchte Zusammenhang ist, desto deutlicher müssen Unsicherheiten, fehlende Daten und konkurrierende Erklärungen benannt werden.

Die eigentliche Reichweite des Modells

Die Stärke des Vier-Ebenen-Modells liegt nicht darin, dass es eine endgültige Gesamterklärung der Welt liefert. Seine Stärke besteht darin, dass es Übergänge kontrollierbar macht. Es verfolgt, wie aus einer materiellen Bedingung eine Wahrnehmung entsteht, wie diese Wahrnehmung sprachlich gedeutet wird, wie aus der Deutung eine Tätigkeit oder Institution hervorgeht und wie deren Folgen wieder auf materielle und lebendige Bedingungen zurückwirken.

Damit kann das Modell überall dort eingesetzt werden, wo menschliche Vorstellungen in Tätigkeiten und Konsequenzen übergehen. Es überprüft nicht nur, ob eine Aussage innerhalb ihres eigenen Systems schlüssig ist. Es fragt, ob die Ebenenbezüge stimmen, ob Abhängigkeiten berücksichtigt sind und ob Rückmeldungen zur Korrektur führen können.

Seine Rahmensetzung könnte deshalb folgendermaßen zusammengefasst werden: Untersucht werden menschliche Begriffe, Werke, Tätigkeiten und Ordnungen dort, wo sie sich auf physische und lebendige Bedingungen beziehen oder in diese eingreifen. Geprüft werden ihre Voraussetzungen, Ebenenzuordnungen, Abhängigkeiten, Folgen und Korrekturmöglichkeiten. Nicht beansprucht wird eine unangreifbare Letztentscheidung über alles Existierende.

Das Vier-Ebenen-Modell ist damit kein grenzenloses Urteilssystem, sondern ein begrenzendes Prüfverfahren. Gerade indem es seine eigene Reichweite bestimmt, verhindert es, dass eine einzelne Perspektive, Fachdisziplin oder gesellschaftliche Ordnung sich selbst zur vollständigen Welt erklärt.