Werk-Anker vom 1. Oktober 2026
Werkgenese der generalistischen Forschungskunst und ihre Weiterführung im So-Heits-Atelier
Arbeitsfassung vom 1. Oktober 2026
Aufgabe und Zusammenhang
Der Werk-Anker erschließt Wolfgang Fenners Lebenswerk aus seinen tatsächlichen Entstehungszusammenhängen: aus Beobachtungen, Tätigkeiten, Materialien, Werkzeugen, Bildern, Orten, Begegnungen und gesellschaftlichen Situationen. Er hält fest, wie aus einer Erfahrung eine Fragestellung, aus einer Tätigkeit ein Werk und aus einer Werkbearbeitung ein weiteres Verfahren hervorging.
Die Werke bilden den Entstehungsboden der heutigen Theorie. Ihre damalige Gestalt und Bedeutung bleiben erhalten, auch wenn sie gegenwärtig mit neuen Begriffen untersucht werden. Historische Aussage, praktisch angelegte Methode, spätere Selbstauslegung und heutige begriffliche Verdichtung werden aufeinander bezogen, ohne miteinander gleichgesetzt zu werden.
Das Lebenswerk wird als zusammenhängender Forschungsorganismus erschlossen. Einzelne Fotografien, Plastiken, Bücher, Aktionen und Konzepte behalten dabei ihre Eigenständigkeit. Der Zusammenhang entsteht durch nachvollziehbare Beziehungen zwischen ihnen.
Naturbeobachtung und frühe Fotografie
Die Werkgenese beginnt mit der Aufmerksamkeit für Naturvorgänge und Lebenszusammenhänge. Vogelbeobachtung und frühe fotografische Tätigkeit schärften den Blick für Bewegung, Verhalten, Umgebung und die Bedingungen einer Aufnahme.
Nach eigener Erinnerung fotografierte Wolfgang Fenner bereits als Kind bewusst Vögel. Die Begegnung mit einem Förster in seiner Jugend gehört zu den prägenden Erfahrungen mit Nachhaltigkeit und langfristiger Verantwortung.
In der Fotografie treten Beobachtung und Gestaltung zusammen. Ein Standort wird gewählt, ein Zeitpunkt abgewartet und ein Ausschnitt festgelegt. Das Bild entsteht aus einer tatsächlichen Begegnung und einer Entscheidung darüber, was sichtbar werden soll.
Diese frühe Verbindung von Naturbeobachtung und Bildgestaltung bildet eine Grundlage späterer Untersuchungen von Wahrnehmung, Auswahl und Wirkungszusammenhang.
Handwerk, Material und Funktionsprüfung
Die Ausbildung als Maschinenschlosser von 1965 bis 1969 führt Material, Werkzeug, Maß, Passung und Toleranz als konkrete Erfahrungsbereiche in die Werkgenese ein.
Eine vorgestellte Form muss durch Bearbeitung hergestellt werden. Ihre Funktion zeigt sich im Verhältnis zu anderen Teilen und zu den Bedingungen ihres Gebrauchs. Zu großer Druck, falsche Werkzeugführung oder eine überschrittene Toleranz können das Ergebnis verändern oder unbrauchbar machen.
Diese Erfahrungen bleiben in der späteren Kunstpraxis wirksam. Vorstellungen werden in Material überführt und begegnen dort Eigenschaften und Widerständen. Das entstehende Ergebnis kann eine Änderung des ursprünglichen Vorhabens verlangen.
Der heutige Zusammenhang von Passung, Toleranz, Rückprüfung und Loslassen besitzt hier eine handwerkliche Erfahrungsgrundlage. Seine spätere theoretische Ausarbeitung wird als eigener Entwicklungsschritt geführt.
Fotografie, Fotojournalismus und Werbung
Die fotografische und fotojournalistische Arbeit von 1968 bis 1973 erweitert die Werkgenese um öffentliche Ereignisse, Menschen und gesellschaftliche Darstellung. Dazu gehören unter anderem Musikveranstaltungen und Festivalfotografie.
Die Arbeit in der Werbung erschließt weitere Zusammenhänge zwischen Bild, Aufmerksamkeit, Botschaft und Wirkung. Sichtbar wird, wie Darstellungen Erwartungen erzeugen und wie Auswahl und Inszenierung die Wahrnehmung beeinflussen.
Fotografische Arbeiten können dabei unterschiedliche Funktionen besitzen: eigenständige Bildgestaltung, komponierte Folge, Beobachtung eines Vorgangs oder Dokumentation einer künstlerischen Handlung. Diese Funktionen können innerhalb eines Werkes zusammentreffen.
Der fotografische Bestand ist grundsätzlich als künstlerischer Werkbestand zu erschließen. Seine Ordnung darf nicht von der Annahme ausgehen, aus einer unsortierten Masse müssten lediglich wenige brauchbare Einzelbilder herausgelöst werden.
Kunststudium, Technē und Experimentelle Umweltgestaltung
Während des Bildhauerstudiums von 1974 bis 1980 in Braunschweig verbinden sich die vorausgehenden Erfahrungen mit einer erweiterten künstlerischen Untersuchung. Die Beschäftigung mit Technē gehört bereits in diese frühe Studienphase.
Seit 1975 entwickelt Wolfgang Fenner die Experimentelle Umweltgestaltung. 1976 stellt er sie als Entwurf eines neuen Studienbereichs innerhalb der freien Kunst vor. Der Ansatz verbindet unterschiedliche künstlerische Disziplinen, Naturbeobachtung, handwerkliche Verfahren und wissenschaftliche Fragestellungen.
Wasser- und Strömungsversuche, Wellenmaschine, Deichmodelle, Klang- und Videoexperimente sowie das Auto als plastische Versuchsanordnung gehören zu dieser Arbeitsphase. Sie eröffnen unterschiedliche Zugänge zur Frage, wie eine Form entsteht, wirkt und verändert wird.
Das spätere Lebenswerk setzt diese Untersuchung unter wechselnden räumlichen, materiellen und gesellschaftlichen Bedingungen fort. Darin liegt sein Zusammenhang mit dem vorgeschlagenen generalistischen Ausbildungsansatz.
Wellenbecken, Wasser und Deichmodelle
Das 1975 entwickelte Wellenbecken mit Wellenmaschine bildet einen zentralen Werkkomplex. Ein Scheibenwischermotor mit Exzenter erzeugt die Bewegung. Begrenzungen, Hindernisse und eingebrachte Materialien verändern den Verlauf von Wasser und Sediment.
Wasser wirkt an der Formbildung mit. Es trägt Material ab, lagert es um und verändert dadurch die Bedingungen der folgenden Bewegung. Die Untersuchung führt zur Frage nach einem „Formen-ABC des Wassers“.
Am Reißverschlussdeich treffen konstruktive Erwartung und tatsächlicher Verlauf aufeinander. Überspülung und die Bildung eines natürlichen Vorwalls werden zu Beobachtungen, an denen der Entwurf erneut untersucht werden kann.
Für den Werk-Anker gehören deshalb der ursprüngliche Entwurf, die gebaute Anordnung, der Versuchsverlauf und die anschließende Bearbeitung zusammen. Die entstandenen Fotografien und Zeichnungen erschließen weitere Aspekte dieses Prozesses.
Asymmetrische Automodelle und Verhältnisuntersuchung
Die asymmetrischen Automodelle untersuchen Beziehungen zwischen Form, Funktion und der Erwartung symmetrischer Gestaltung. Handwerkliche Erfahrungen, darunter die Bedeutung von Freiwinkeln am Werkzeug, gehören zum Hintergrund dieser Auseinandersetzung.
Die frühe Arbeit stellt praktische Fragen an Gestaltung und Funktionsfähigkeit. Die heutige Verhältnisfigur 51:49 greift solche Erfahrungen auf und verdichtet sie begrifflich.
Der Werk-Anker hält beide Zeitschichten auseinander: die damalige plastische Untersuchung und ihre heutige Einordnung innerhalb der Plastischen Anthropologie. Dadurch bleibt erkennbar, wie ein späterer Begriff aus früheren Erfahrungen entwickelt wurde.
Offene Vorgaben und Erwachsenen-Malbücher
Mit den Erwachsenen-Malbüchern seit 1978 wird das Buch zu einem Raum eigener Tätigkeit. Vorgabebilder eröffnen Bearbeitungsmöglichkeiten, deren Ergebnisse nicht vollständig festgelegt sind.
Telefonmalbuch, Fußgänger-Malbuch und Krickel-Krakel-Verfahren führen diese Beteiligungsweise in unterschiedlichen Formen weiter. Ihre jeweilige Arbeitsweise wird anhand vorhandener Anleitungen, Vorlagen und Bearbeitungen erschlossen.
Das Vorgabebild besitzt eine doppelte Funktion: Es gibt einen Anfang und lässt zugleich etwas offen. Der Benutzer kann ergänzen, verändern, überlagern und eine eigene Form hervorbringen.
Eine Frage muss diesem Vorgang nicht vorausgehen. Sie kann erst beim Zeichnen oder beim Betrachten des Entstandenen auftreten. Diese Offenheit bleibt eine wesentliche Grundlage des heutigen Mitmachbuchs.
Schultafel, Staumauer und gesellschaftliche Einschreibung
Die Schultafel verbindet bildnerische Fläche, Sprache, öffentliche Aussage und Veränderbarkeit. Auf ihr kann etwas eingeschrieben, überarbeitet oder gelöscht werden.
Die Schultafelbilder „Staumauer“ entstehen im Frühjahr 1989 im Zusammenhang mit deutscher Teilung und gesellschaftlichem Umbruch. Frühere Untersuchungen von Begrenzung, Widerstand und Strömung erhalten hier eine gesellschaftliche Bearbeitung.
Spätere Schultafelarbeiten und die Schultafelpyramide erweitern diesen Zusammenhang. Einschreibung, Lernen, Symbolbildung und die Verfestigung einer Aussage werden zu Gegenständen der Untersuchung.
Goldschrift und Kreide eröffnen dabei unterschiedliche Beziehungen zur Veränderbarkeit. Entscheidend ist jeweils die konkrete Werkgestalt: Material, Anordnung, Beschriftung, Bearbeitungszustand und Ausstellungssituation tragen die Bedeutung gemeinsam.
Die „Schöpfungsgeschichte“ als zentraler Werkzusammenhang
Die „Schöpfungsgeschichte“ umfasst einen umfangreichen Zusammenhang aus fotografischen Folgen, plastischen Arbeiten, Naturvorgängen, Eingriffen und Installationen. Nach Wolfgang Fenners Bestandsangabe gehören etwa 12.000 Fotografien zu diesem Komplex.
Naturformen, Boden, Wasser, Nahrung, Werkzeug, Körper, Verletzung, Wachstum und Verfall begegnen menschlicher Auswahl, Bearbeitung und Bedeutungsgebung. Gold, Eigentum und religiöse Bildbezüge erweitern die Untersuchung.
Die fotografischen Folgen besitzen eine eigene Komposition. Reihenfolge, Wiederholung, Perspektivwechsel und Übergänge zwischen Gesamtansicht und Detail gehören zum Werk. Sie machen Entwicklungen wahrnehmbar, die an einem einzelnen Bild oder fertigen Objekt nicht ablesbar sind.
Die „Schöpfungsgeschichte“ ist als fortlaufender Werkzusammenhang zu erhalten. Ihre späteren Ausstellungen, Buchfassungen und gegenwärtigen Bearbeitungen bilden unterschiedliche Erscheinungsformen dieses Zusammenhangs.
Abendmahl-Opfertisch, Nahrung und Formbildung
Der Abendmahl-Opfertisch verbindet eine durch Wasser entstandene Landschaft mit Abformung und weiterer plastischer Bearbeitung. Naturvorgang, künstlerischer Eingriff und kulturelle Bedeutungsgebung werden aufeinander bezogen.
Nahrung, Körper, Abendmahl, Opfer und Dank gehören zu den Bedeutungsschichten der Arbeit. Zugleich bleibt ihre materielle Entstehung untersuchbar.
Fotografische Folgen erschließen die Übergänge zwischen vorgefundener Form, Auswahl, Abformung und weiterem Werkzustand. Eine heutige Präsentation dieser Entstehung muss die jeweilige Bildfolge und ihre Zuordnung zum Objekt erhalten.
Die gegenwärtige Untersuchung warmer und kalter Ästhetik kann hier ansetzen: an der Beziehung einer Gestaltung zu dem Lebenszusammenhang, aus dem sie hervorgeht und auf den sie zurückwirkt.
Vergoldetes Werkzeug, „Alltägliche Gewalt“ und Eigentum
Der vergoldete Spaten verbindet ein Werkzeug des Eingriffs in Boden mit einer kulturellen Wertzuschreibung. Seine Bearbeitung verändert Erscheinung und Bedeutung; seine Verwendung führt zu tatsächlichen Spuren.
Der fotografische Zyklus „Alltägliche Gewalt“ untersucht solche Tätigkeitsfolgen. Die überlieferte Beschreibung führt ihn als komponierte Folge von achtzehn Bildern. Für seine Erschließung sind Bildreihenfolge, Ausschnitte und Bearbeitungen wesentlich.
Das Eigentumsquadrat eröffnet eine weitere Untersuchung: Eine Markierung oder Vereinbarung verändert gesellschaftliche Verfügungsmöglichkeiten, während die materiellen Beziehungen des Bodens fortbestehen.
Goldobjekte, Kartoffelarbeiten und der Midas-Bezug erweitern die Frage nach Wert und Lebensfunktion. Dabei müssen die Vorgänge präzise bleiben. Vergoldung als Beschichtung und vollständige Verwandlung im Mythos sind unterschiedliche Vorgänge, die im Werk miteinander in Beziehung gesetzt werden können.
Körper, Schutz, Rolle und Inszenierung
Astronautenarbeiten und Feuerkäfig erschließen Schutz, Versorgung, Abhängigkeit und Handlungsmöglichkeiten. Der Anzug kann eine abgeschlossene Gestalt zeigen und zugleich auf die Bedingungen verweisen, die das Leben innerhalb dieser Gestalt ermöglichen.
Rollenversuche und darstellerische Verfahren machen andere Unterschiede erfahrbar: zwischen lebendigem Darsteller und Figur, zwischen Handlung und Inszenierung sowie zwischen Requisite und gesellschaftlich wirksamem Gegenstand.
Der Körper bleibt an diesen Versuchen beteiligt. Bewegung, Gleichgewicht, Erschöpfung und Verletzbarkeit können einer Vorstellung von vollständiger Verfügung widersprechen.
Für den Werk-Anker sind deshalb auch Aufführungsverlauf, räumliche Situation, Requisiten und Reaktionen der Beteiligten wesentlich. Eine nachträgliche Inhaltsangabe allein erschließt die Arbeit nicht vollständig.
Grenzwerkstatt und Kunsthalle auf Zeit
Die Kunsthalle auf Zeit in Ratzeburg von 1992 und die Grenzwerkstatt erweitern den Werkzusammenhang zu einem öffentlichen Raum. Ein ehemaliger Baumarkt wird zum Ort künstlerischer Untersuchung und gemeinsamer Auseinandersetzung.
Material, Werkzeug, Herstellung, Grenze und gesellschaftliche Gestaltung begegnen einander an einem konkreten Ort. Die „Schöpfungsgeschichte“ erhält dort eine räumliche und soziale Verdichtung.
Die Ausstellung wird als sozialer Organismus bearbeitet. Wege, Körper, Werke, Gespräche und zeitliche Veränderungen wirken zusammen. Die Gestaltung des Zusammenhangs gehört selbst zum Werk.
Der Werk-Anker erhält dafür räumliche Anordnungen, Fotografien, Texte, Beteiligte und zeitliche Abläufe. Spätere Deutungen können diese Dokumente erschließen, müssen aber auf sie zurückführbar bleiben.
Demokratie, Kollektive Kreativität und öffentliche Beteiligung
Die Demokratiewerkstätten, die Arbeit im Aktsaal der Kunsthochschule Dresden und die Projekte im Berliner Haus der Demokratie führen die Untersuchung in gesellschaftliche Beteiligungsräume.
1993 gründet Wolfgang Fenner die Künstlergruppe „Kollektive Kreativität“, die er leitet. Wissenschaftliche Begleitung und unterschiedliche praktische Erfahrungen erweitern die gemeinsame Arbeit.
Frage-und-Antwort-Tische, die Konzepte mit tausend Tapeziertischen, der Rote Punkt und die Vorhaben des Globalen Dorffestes eröffnen unterschiedliche Schwellen der Begegnung. Aus einer einfachen Vorgabe kann eine eigene Äußerung und daraus eine gemeinsame Bearbeitung entstehen.
Die Auseinandersetzung mit Franz Oppenheimer führt Fragen von Wirtschaftsordnung, genossenschaftlicher Zusammenarbeit und Gemeinsinn in diesen Werkzusammenhang ein. Konkrete Begegnungen, Lektüren, Kooperationen und spätere Vergleiche werden jeweils mit ihrer eigenen Herkunft geführt.
Arche, Entelechie-Museum und Partizipatorisches Welttheater
Die Begehbare Arche, das Entelechie-Museum und das Partizipatorische Welttheater entwickeln unterschiedliche räumliche und gesellschaftliche Formen gemeinsamen Lernens und Gestaltens.
Sie verbinden Werk, Besucher, Handlung, Rollenbildung und zukünftige Möglichkeiten. Ihr jeweiliger Realisierungsstand gehört zur Werkbeschreibung.
Auch ausgearbeitete, nicht verwirklichte Entwürfe besitzen Werkcharakter. Sie dokumentieren, welche Handlungsmöglichkeit zu einem bestimmten Zeitpunkt vorgeschlagen wurde. Sie werden als Konzepte erschlossen, ohne ihre geplanten Abläufe nachträglich als stattgefundene Ereignisse darzustellen.
Die documenta-Bewerbungen gehören in diese Entwicklung. Die früheren Hundert-Tage-Konzeptionen bilden wichtige Bezugspunkte für das heutige So-Heits-Atelier.
Verortung und öffentliche Briefspur
Briefe, Bewerbungen, Anträge und institutionelle Antworten gehören zur öffentlichen Werkspur. Sie zeigen, wie Wolfgang Fenner eine Fragestellung an einen bestimmten gesellschaftlichen Ort heranträgt.
Zur Erschließung gehören Anlass, Adressat, Zeitpunkt, vorgeschlagenes Vorhaben und dokumentierter Verlauf. Eine Nichtantwort, Ablehnung oder Unterbrechung bleibt als solche erhalten.
Ihre Bedeutung wird aus dem konkreten Zusammenhang entwickelt. Die Briefspur kann Grenzen institutioneller Aufnahmefähigkeit ebenso sichtbar machen wie Fragen der Vermittlung und der verfügbaren Mittel.
Verortungskunst umfasst damit auch die Geschichte dessen, was vorgeschlagen wurde, was zustande kam und welche Möglichkeiten offenblieben.
Werkbiografie und gegenwärtige Rekonstruktion
Die entstehende analoge Werkbiografie führt die verschiedenen Werkbereiche erneut zusammen. Fotografien, Plastiken und ihre Entstehung, Filme, Videos, gemalte Bilder, große Collagen, Bücher, Tagebücher und Aktionen werden in ihren Beziehungen erschlossen.
Herstellungsunterlagen, Korrespondenzen, Presseberichte und weitere Belege helfen, materielle und gesellschaftliche Bedingungen zu rekonstruieren. Eigene Erinnerungen ergänzen diesen Zusammenhang und bleiben als Erinnerungen erkennbar.
Die geplante digitale Weiterführung muss Bildfolgen, unterschiedliche Werkzustände und Querverbindungen aufnehmen können. Ein Werk kann mehreren Zusammenhängen angehören, ohne seine ursprüngliche Ordnung zu verlieren.
Das biografische Werkverzeichnis ist zugleich künstlerische Arbeit, historische Erschließung und gegenwärtige Forschung. Die erneute Betrachtung kann frühere Fragen präzisieren und neue Zusammenhänge hervorbringen.
Heutige Aktivierung im So-Heits-Atelier
Das So-Heits-Atelier führt ausgewählte Verfahren des Lebenswerks in neue öffentliche Arbeitsgänge über.
Am Wellenbecken kann eine Erwartung einer tatsächlichen Strömung gegenübergestellt werden. Am Vorgabebild entstehen unterschiedliche Bearbeitungen. Schultafeln machen Aussagen und Korrekturen sichtbar. Fotografische Folgen erschließen Tätigkeitsverläufe. Rollenversuche eröffnen eine Untersuchung gesellschaftlicher Selbstbilder.
Historisches Original, verändertes Original, Rekonstruktion, Dokumentation und benutzbares Arbeitsmodell erhalten jeweils eine erkennbare Zuordnung. Die heutige Aktivierung wird als neuer Werkzustand dokumentiert.
Das physische Mitmachbuch verbindet Materialien der Werkbiografie mit Besucherbeiträgen. Das digitale interaktive Buch und die Plattform Globale Schwarm-Intelligenz sollen diese Bearbeitungen weiterführbar machen.
Werkgeschichtliche Genauigkeit und Weiterführung
Jede Werkbearbeitung muss nachvollziehbar machen, was vorhanden ist, wie es entstand und worauf eine heutige Aussage beruht. Dazu gehören Titel, Datierung, Material, Umfang, Ort, Beteiligte, Bildfolge, Veränderungen und dokumentierte Rezeption, soweit diese Angaben erschlossen sind.
Die Identität eines wiederverwendeten Objekts wird von der Wiederaufnahme eines Motivs oder Verfahrens unterschieden. Heutige Begriffe wie Transkription, Fuge oder plastische Identität dienen der Untersuchung früherer Arbeiten; sie werden nicht ohne Beleg als damalige Selbstbezeichnungen geführt.
Korrekturen Wolfgang Fenners müssen in nachfolgenden Fassungen wirksam bleiben. Wiederholte KI-Formulierungen ersetzen weder einen Werkbeleg noch eine eigene Aussage des Künstlers.
Die weitere Arbeit erschließt, wie aus Naturbeobachtung, Handwerk und Fotografie über Experimentelle Umweltgestaltung und gemeinschaftliche Werkformen die heutige Forschungskunst hervorgegangen ist. Das So-Heits-Atelier eröffnet die Möglichkeit, diese gewachsenen Verfahren erneut anzuwenden und durch andere Menschen weiterentwickeln zu lassen.
Der Sensorenanker untersucht, wie Wirkungen wahrgenommen, aufgezeichnet, ausgewählt, transkribiert und weitergegeben werden. Er macht Grenzen und Verluste dieser Zugänge kenntlich.....vorstellen
