Werkmodule der Alltäglichkeit: Küchen-, Boden- und Körperproben als Minimalprüfstände
Die Alltagsmodule sind methodisch zentral, weil sie ohne theoretische Vorleistung zeigen, wie Rückkopplung funktioniert und wo Verdrehungen entstehen.
Die Kartoffelprobe unterscheidet warme und kalte Ästhetik als Prozess- versus Objektästhetik. In der Erde steht die Kartoffel für plastische Identität, also Fortsetzungsfähigkeit in Zeit, Boden, Stoffwechsel und Vermehrung. In der dekorativen Schale steht sie für skulpturale Identität, also Setzung, Rahmung und Objektform, während der Fäulnisprozess weiterläuft. Die Probe zeigt, dass E3 die Trägerseite nicht aufheben kann, sondern höchstens überdecken.
Die Spatenprobe und Vergoldungsprobe fokussieren die Berührungsstelle als Ort der Besitznahme. Wird Griff und Schneide vergoldet, werden symbolische Eigenschaften wie Reinheit, Ewigkeit oder Wert auf den Kontakt mit dem Mutterboden projiziert. Die entscheidende Wirkung ist nicht materiell, sondern zuständigkeitsbezogen: Berührung kann semantisch als Adlung, Privileg oder Unantastbarkeit erscheinen, wodurch Tätigkeit und Konsequenz als Eigentumstitel gedeutet werden. Die Eisflächenprobe zeigt dasselbe als Verhaltensverschiebung: Tragfähigkeit und Glätte bleiben E1, doch die Symbolübertragung kann Tanzbarkeit suggerieren, also eine Enthemmung gegenüber Trägerbedingungen. Die Wiese-Decke-Probe erzeugt Innen und Außen durch Setzung. Kultur findet „oben“ statt, während „unten“ Prozesse weiterlaufen, die verdrängt werden können. Das Quadrat von 1 m² im nassen Sand ist schließlich der Minimalfall des Konflikts zwischen Spur und Geltung: Die Linie ist real als Spur, aber löschbar durch Medium und Zeit; Eigentum ist eine E3-Setzung, die E4-Architekturen braucht, um gegen E1/E2 zu bestehen.
Werkmodule der Naturdynamik: Form als Spur von Bewegung und Analogiegenerator
Die Naturdynamikmodule verschieben den Blick von Dingen auf Prozesse, indem sie Form als Spur von Bewegung lesbar machen.
Wasser am Hang erzeugt Flussstruktur als Zeitform: Widerstand, Transport, Ablagerung und Wiederholung schreiben sich in den Boden ein. Der Gipsabdruck konserviert eine Spurform und überführt sie in eine Werkform, etwa als gebogener Tisch, der als Nahrungsszene gerahmt werden kann, ohne den Spurcharakter zu leugnen. Die Wiederkehr ähnlicher Strukturen in Wüste, Schnee, Tanglandschaft und Strömung um Steine herum fungiert als Analogiegenerator, allerdings nur unter der Prüfbedingung, dass Analogien aus Prozessverwandtschaft entstehen und nicht als beliebige Deutungserlaubnis missbraucht werden. Das Spinnennetz markiert eine natürliche E4-Fangarchitektur, in der fast unsichtbare Wirksamkeit als Designleistung sichtbar wird. Es dient als Modell dafür, wie Kopplungsdesign funktionieren kann, ohne seine Fangfunktion zu verschleiern.
Medienmodule: Fotografie, Objektivierung, Subjektwirkung und camera obscura als Filtermetapher
Medien werden als Kopplungsmaschinen behandelt, die E1/E4-Prozesse real ausführen, aber im Ergebnis oft als E3-Objekte gelesen werden, die „Objektivität“ behaupten.
Fotografie ist technische Spurverdichtung mit Zeitversatz: Ein Ereignis wird als Bildobjekt konserviert, etwa über Negativ- und Positivprozesse, sodass „dort und damals“ in „hier und jetzt“ als Objektform präsent wird. In der Intersubjektivität des Fotografierens können Subjekte hinter dem Produkt verschwinden: Das Motiv wird zum Objekt, der Fotograf verschwindet hinter Gerät und Ergebnis, und die technische Spur wirkt autoritativ, obwohl sie Ausschnitt, Perspektive und Setzung ist. Die Subjektwirkung beim Betrachter ist die Möbius-Kippstelle: Das Bildobjekt erzeugt Ereignisqualität und kann als Präsenz erlebt werden, insbesondere bei Menschenbildern, wodurch Darstellung Trägerfunktion vortäuschen kann. Die camera obscura dient als Filtermetapher für begrenztes Blickfeld und Umkehrung. Sie zeigt, dass Anschauung durch Gehäuse, Öffnung, Projektion und Korrekturhoheit organisiert ist. Als gesellschaftliches Modell markiert sie die Möglichkeit, partielle Sicht als Ganze zu verkaufen und Umkehrung als „beste Realität“ zu legitimieren, wenn die Filterarchitektur unsichtbar bleibt.
Inszenierung und darstellende Kunst: Bühne, Requisite, Identifikation und Unverletzlichkeitskonvention
Inszenierung wird als E4-Kopplungsdesign verstanden, das Aufmerksamkeit, Affekt und Urteil baut. Handwerkszeug, einschließlich Proportions- und Blickführungskompetenzen, dient dabei nicht der Täuschung als Zweck, sondern der kontrollierten Herstellung von Wirkungen, die entweder prüfend oder immunisierend geführt werden können.
Die Unterscheidung zwischen Rollenfigur und Darsteller markiert eine Zuständigkeitslinie zwischen Darstellung und Trägerkörper. Die Bühne ist eine Unverletzlichkeitswelt als Konvention, in der Sterben oder Schuld dargestellt werden können, ohne dass der Trägerkörper im gleichen Sinn zerstört wird, während kontrollierte Verletzbarkeit als reale Bedingung bleibt. Film verstärkt Projektion und Identifikation als Subjektwirkung, weil Schnitt, Kadrierung und Ton Wahrnehmung in eine Ereignislogik führen. Ein Grenzfall der Kante zwischen Leinwand- und Zuschauerwelt wird exemplarisch an The Purple Rose of Cairo von Woody Allen sichtbar, weil dort die Verdrehung zwischen Darstellung und Welt übersteigert und dadurch als Mechanik erkennbar wird.
Mythos-, Religions- und Philosophiemodule als Prüfobjekte der Ebenenverdrehung
Mythos, Religion und Philosophie werden als Hochleistungsformen von Ebenenverschaltung behandelt, nicht als bloße Inhalte.
Der Begriff „Gott“ fungiert als Totalbegriff und Grenztest: Er kann als Rückkopplungsbegriff wirken, wenn er Unausweichlichkeiten von Widerstand, Abhängigkeit, Endlichkeit und Reparaturpflicht markiert und E3/E4 daran bindet, oder als Immunisierungsbegriff, wenn er Tragfähigkeit und Stoffwechsel ersetzt und Besitznahme legitimiert. Genesis-Motive aus Genesis innerhalb der Bibel können als Kopplungsfiguren gelesen werden, etwa Atem und Staub als Lebensbindung und Trägerhaftigkeit sowie die „verbotene Weisheit“ als Maßstabsanmaßung, bei der Urteil privatisiert wird. Trinitäts-, Opfer- und Auferstehungslogiken werden als E4-Frage behandelt: Entlasten sie von Konsequenzen oder strukturieren sie Reparatur und Rekopplung.
Philosophie wird als driftige oder rückbindende Zuständigkeitsarchitektur gelesen, je nachdem, ob sie E3 als primäre Wirklichkeit setzt oder Urteil an Rückkopplung bindet. Diese Driftfrage wird exemplarisch an Platon, René Descartes und Immanuel Kant geführt. Repräsentationskritik erscheint als Werkoperator bei René Magritte, weil „Das ist keine Pfeife“ als Ebenentrennung wirkt und die Stopp-Regel formuliert, dass Zeichen die Sache nicht ersetzen dürfen.
Mythologische Modellträger wie Metis, Pandora und Athene werden als Geburts- und Wissenscode gelesen, nicht als Autoritätsmythos: Sie zeigen, wie Symbolsysteme Ursprung, Weisheit und Gefahr als Kunstgeburt konstruieren können.
Der Astronautenanzug fungiert als Abhängigkeitsmodell und Isolationsfigur, in der die Versorgungsschnur als Kopplungsbeweis jede Entkopplungsfantasie an E2-Bedingungen zurückbindet.
Gesellschafts- und Wissenschaftskritik als Prüfpfad der Selbstlegitimation
Gesellschafts- und Wissenschaftskritik ist im Projekt ein Prüfpfad, weil hier die Mechanik der Selbstlegitimation sichtbar wird.
Reduktionismus und Holismus können als Tarnformen von Entkopplung wirken, wenn sie Ebenentrennung verhindern, indem sie entweder Sinn und Verantwortung als bloße Nebenprodukte neutralisieren oder Trägerbedingungen in eine allumfassende Sinnverschmelzung auflösen. Wissenschaftliche Prüfsysteme werden von Pseudo-Prüfsystemen durch die Fähigkeit unterschieden, Fehler als Information zu behandeln und Korrektur zu erzwingen. Technische Fehlerkultur und Katastrophenlernen dienen als Maßstab: Nach Versagen werden Ursachenpfade rekonstruiert, Designs revidiert und Regeln angepasst, um Wiederholung zu verhindern. Drift entsteht dort, wo Systeme die Form der Prüfung imitieren, aber Rückkopplung semantisch neutralisieren.
Eigentums- und Marktlogiken werden als Driftverstärker verstanden, weil sie E3-Titel mit E4-Durchsetzung koppeln und dadurch Umverteilung als verdeckte Kopplungsarchitektur stabilisieren können, während Kosten externalisiert werden. Symbolische Perfektionssysteme erscheinen als Unverletzlichkeitsangebote und politische Legitimationstechniken, die Reinheit, Ewigkeit oder perfekte Ordnung versprechen und damit Rückkopplung als Störung behandeln. Der Kernmaßstab bleibt die Frage, ob ein System Haftung erzeugt oder Haftung umgeht.
