Den Begriff der Techne bringe ich mit R.H. Francé und seinem Konzept des biotechnischen Kontinuums in Verbindung, welches vor 55 Jahren mein Denken stark beeinflusst hat
Zusammenfassung und Übernahme von France' „technischen Formen“ in den Gesamtkontext
Richard H. France’ Buch Die Pflanze als Erfinder von 1920 ist ein einzigartiges Werk, das das Konzept der „technischen Form“ als universelles Prinzip in der Natur und im Menschen beschreibt. France sieht die Biotechnik als ein Bindeglied zwischen den physischen Gesetzen der Natur und der menschlichen Technik. Das Besondere an France’ Ansatz ist die Verwendung von bildhafter Sprache und technischen Metaphern, um zu zeigen, dass die Natur nicht bloß aus „schönen“ Formen besteht, sondern dass diese Formen immer auch einen Zweck und eine Funktion erfüllen, die den Gesetzen der Physik und Biologie entsprechen. Daraus ergibt sich ein umfassendes Verständnis, das die Trennung zwischen Mensch, Natur und Technik aufhebt und sie als Teile eines größeren, ineinander greifenden Systems betrachtet.
Geht es um eine sinnbildliche Sprache, bei Richard H. France’?
Denn ich würde ja gerne die biotechnischen Begriffe beibehalten, weil wir in einer ganzheitlichen Homöostase-Welt leben oder auch in Referenzsystemen, d.h. zwischen Maximum und Minimum wird über funktionierendes oder nicht funktionierendes Leben entschieden.
Auch wenn ich versuche, den Menschen in seiner Ressourcenabhängigkeit zu beschreiben, dann ist er ja nur ein Funktionsteil oder eine Funktionsform der Homöostase. D.h., auch wenn der Mensch/Individuum so tut, als wäre er eine vollständige Wesensform, kann er zum Beispiel den Atem oder die Mineralien, die dieser Organismus benötigt, nicht selbst herstellen. Das wird dann durch ein geistiges Verständnis von Unabhängigkeit, Autonomie oder Willensfreiheit ignoriert.
Das heißt wiederum: Um diese Vorgänge besser im biotechnischen Kontext zu erklären, kann ich den Menschen in seiner Ressourcenabhängigkeit, der ja nicht einmal als Lebensform existiert, am besten über biotechnische Systeme und deren Funktionsform-Grundlagen beschreiben. Ist das richtig?
Gleichzeitig bekommt die Homöostase oder auch die Referenzsysteme etwas „Seelisches“. Der Widerspruch liegt nur im heutigen Technikverständnis. D.h., auch der Mensch will sich nicht als Funktionsform oder als Funktionsteil bezeichnen lassen, andererseits benutzt er gerade die größtenteils funktionierende Technik, um sich selbst eine Legitimation zu verschaffen. Damit zeigt er, dass menschliches Bewusstsein oder das Geistverständnis genauso funktioniert wie die Technik, die er – der Mensch – schöpferisch erfasst, erschaffen und erfunden hat.
Damit diese Betrugsgrundlage nicht deutlich wird, dass die Technik nach Maßstäben, Normen usw. funktioniert, also nach Toleranzbereichen, was hier ja dann für die Homöostase oder für Referenzsysteme steht, wird das ignoriert. Deshalb braucht es die biotechnischen Begrifflichkeiten – so ist mein Eindruck – um diese Vorgänge oder Zustände, d.h. die vielen Funktionsteile, die das Leben ermöglichen, in einen Gesamtzusammenhang bringen zu können.
Es geht immer um „funktionieren“ oder „nicht funktionieren“. Und wie ich das jetzt sehe, funktioniert der Begriff „Mensch“ oder „Individuum“ nicht mehr richtig oder hat es nie getan – mit all seinen „Zaubertricks“ oder Konstrukten wie „Außen“ oder „Innen“ oder dem Begriff „Umwelt“. Noch vor 50 Jahren war man ein Teil der Umwelt.
Die Verwendung biotechnischer Begriffe schafft damit eine neue Möglichkeit, die Welt und den Menschen zu verstehen, ohne auf anthropozentrische Kategorien zurückzugreifen, die das Verständnis von „Wirklichkeit“ auf menschliche Maßstäbe reduzieren.
Gesamtkontext: Der Mensch als biotechnisches System im dynamischen Beziehungsgeflecht
Um die bisherigen Überlegungen, Konzepte und die Verbindung zwischen biotechnischen Prinzipien und moralischen Systemen deutlicher zu veranschaulichen, müssen wir sowohl die Begrifflichkeiten als auch die dargestellten Konzepte in einem kohärenten Gesamtsystem integrieren.
