Wissenschaftliche und erkenntnistheoretische Begriffsfelder meiner Forschungskunst.

Aus Globale-Schwarm-Intelligenz

Die folgende Zusammenstellung bündelt den Begriffsbestand der bisher zusammengetragenen Texte und Werkzusammenhänge.

Meine Forschungskunst verbindet Wahrnehmung, Hervorbringen, Darstellung, Untersuchung und Veränderung. Ihre begriffliche Grundlage ist meine plastische Anthropologie als Referenzwissenschaft. Sie untersucht, wie menschliche Vorstellungen und Tätigkeiten mit den Bedingungen zusammenhängen, die Leben ermöglichen, und welche Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen daraus entstehen. Wissenschaftliche und philosophische Begriffe erschließen unterschiedliche Aspekte dieser Untersuchung.

Ihren Zusammenhang erhalten sie durch die konkrete Werkpraxis.

Technē, Poiesis und Praxis: Können, Hervorbringen und Handeln

Meine frühe Beschäftigung mit Technē verbindet handwerkliches Können und Erkenntnis. Materialbearbeitung verlangt Aufmerksamkeit für Eigenschaften, Widerstände, Passung und Toleranz. Erkenntnis entsteht dabei auch durch die Ausführung einer Tätigkeit und die Erfahrung ihrer Folgen.

Poiesis bezeichnet das Hervorbringen und die Entstehung einer Gestalt. Praxis richtet den Blick auf das Handeln und seine Zusammenhänge. In meiner Arbeit kommen beide Gesichtspunkte zusammen: Ein Werk wird hervorgebracht, verändert eine Situation und wird seinerseits zum Ausgangspunkt weiterer Tätigkeiten. Die Experimentelle Umweltgestaltung verbindet diese Untersuchung mit einem generalistischen Ausbildungsansatz.

Aisthesis, Sensorik und leibliche Erfahrung

Aisthesis bezeichnet sinnliche Wahrnehmung. Die rezeptorische Seite betrifft die Aufnahme von Reizen; Sensorik erschließt die beteiligten Wahrnehmungsprozesse. Die Untersuchung reicht von Sehen und Hören bis zu Berührung, Gleichgewicht und Bewegung.

Am begehbaren Bodenrelief wird dieser Zusammenhang praktisch erfahrbar. Eine visuell wahrgenommene Form verlangt beim Betreten eine körperliche Anpassung. Begriffe wie Leiblichkeit und Embodiment bieten Anschlüsse für die Untersuchung, wie körperliche Verfassung, Wahrnehmung und Handeln zusammenwirken. Der Enaktivismus eröffnet einen weiteren Bezug zur Entstehung von Erkenntnis im tätigen Verhältnis zwischen Lebewesen und Umwelt.

Mein Sensorenanker verfolgt dabei, wie aus einer Wirkung eine Wahrnehmung, Aufzeichnung und Darstellung wird. Jeder dieser Schritte kann etwas erschließen, auswählen oder ausblenden.

Rezeptionsästhetik und Wirkungsästhetik

Rezeptionsästhetik richtet die Aufmerksamkeit darauf, wie ein Werk aufgenommen und gedeutet wird. Der Besucher bringt Erfahrungen, Erwartungen und gesellschaftliche Prägungen mit. Unterschiedliche Bearbeitungen desselben Vorgabebildes machen diese Unterschiede sichtbar.

Wirkungsästhetik fragt nach den Wirkungen einer Gestaltung. In meiner Forschungskunst reicht die Untersuchung von Wahrnehmung und Empfindung bis zu den Handlungen, die daraus hervorgehen. Das Werk kann irritieren, eine Gewissheit unterbrechen oder eine veränderte Tätigkeit ermöglichen.

Meine Begriffe warme und kalte Ästhetik gehören in diesen Zusammenhang. In der „Schöpfungsgeschichte“ eröffnen sie die Frage, wie eine ästhetische Gestaltung zu den lebendigen Beziehungen steht, aus denen sie hervorgeht und auf die sie zurückwirkt. Ihre genaue Bedeutung ist aus den jeweiligen Werkfolgen zu erläutern; sie darf nicht auf einen bloßen Eindruck von Wärme oder Kälte reduziert werden.

Performativität und Prozessästhetik

Performativität erschließt, wie durch Handlungen eine Situation hervorgebracht oder verändert wird. Im So-Heits-Atelier wirken Besucherhandlungen am Kunstwerk mit. Eine Rolle wird gespielt, eine Grenze markiert, eine Regel verändert oder eine Materialanordnung umgebaut. Dadurch entsteht ein untersuchbares Geschehen.

Prozessästhetik richtet den Blick auf Entstehung, zeitliche Veränderung und Verlauf. Die fotografischen Folgen der „Schöpfungsgeschichte“, die Veränderungen einer Schultafel und der hunderttägige Atelierbetrieb erschließen solche Prozesse. Die Raum-Zeit-Körper-Plastik erhält ihre Gestalt durch das Zusammenwirken von Körpern, Materialien, Tätigkeiten und Zeit.

Semiotik, Symbolisierung und gesellschaftliche Zuschreibung

Semiotik untersucht Zeichen und Bedeutungsbeziehungen. Symbolisierung und gesellschaftliche Konstruktion betreffen die Entstehung und Wirksamkeit von Bedeutungen, Rollen und Ordnungen.

Ein Spaten kann Werkzeug, vergoldetes Kunstwerk, Eigentum und Wertgegenstand sein. Diese Zuschreibungen verändern seinen gesellschaftlichen Gebrauch und möglicherweise auch seine materielle Behandlung. Am Eigentumsquadrat lässt sich untersuchen, wie eine Markierung mit Verfügungsmacht verbunden wird.

Das Vier-Ebenen-Modell macht diese Beziehungen unterscheidbar: Materialbeschaffenheit, lebendige Abhängigkeit, gesellschaftliche Geltung und deren Prüfung gehören zu verschiedenen, miteinander verbundenen Untersuchungsaspekten.

Organismus–Umwelt-Beziehung, Regulation und Rückkopplung

Stoffwechsel, Regulation, Regeneration und Organismus–Umwelt-Beziehung erschließen die lebendigen Voraussetzungen menschlichen Handelns. Die Untersuchung fragt, welche Bedingungen erhalten werden müssen und wie eine Tätigkeit diese verändert.

Rückkopplung bezeichnet für meine Arbeit den Zusammenhang, in dem Folgen auf weitere Tätigkeiten zurückwirken. Die Kybernetik zweiter Ordnung bietet einen Anschluss für die Einbeziehung des Beobachtenden: Wer untersucht und eingreift, bleibt selbst Bestandteil des Zusammenhangs.

Das dreifache Optimum verbindet die Bedingungen des Mediums, des Organismus und der Steuerung. Dadurch wird untersuchbar, ob ein begrenzter Erfolg die Voraussetzungen seines weiteren Bestehens beschädigt.

Reflexivität, Operationalisierung und Bewährung

Reflexivität bedeutet, auch die eigenen Voraussetzungen, Maßstäbe und Eingriffe zum Gegenstand der Untersuchung zu machen. Das gilt für den Besucher, für meine künstlerischen Modelle und für die eingesetzte KI.

Operationalisierung bezeichnet die Übersetzung einer Frage in nachvollziehbare Untersuchungsschritte. Ein allgemeiner Begriff wie „Belastbarkeit“ wird dafür auf einen bestimmten Gegenstand, eine Einwirkung, einen Zeitraum und erkennbare Veränderungen bezogen.

Bewährung betrifft die Frage, ob ein Verfahren unter den angegebenen Bedingungen trägt und wie es auf veränderte Bedingungen oder Gegenbefunde reagiert. Dazu gehören dokumentierte Beobachtungen, Vergleiche, Korrekturen und erneute Prüfungen. Meine Referenzwissenschaft verbindet diese Anforderungen mit den aus der Werkpraxis entwickelten Untersuchungsformen.

Partizipation, Ko-Kreation und Aktionsforschung

Partizipation bezeichnet die Beteiligung anderer Menschen. Ko-Kreation richtet den Blick auf gemeinsames Hervorbringen. Die Aktionsforschung bietet einen methodischen Anschluss für Untersuchungen, in denen Beteiligte eine Situation handelnd verändern und die Folgen gemeinsam auswerten.

Diese Zusammenhänge besitzen in meinen Mitmachbüchern, Werkstätten, öffentlichen Aktionen und der „Kollektiven Kreativität“ eine praktische Vorgeschichte. Die Globale Schwarm-Intelligenz führt sie weiter. Unterschiedliche Erfahrungen werden miteinander in Beziehung gesetzt; Widerspruch und Korrektur müssen wirksam bleiben.

Verantwortung und gesellschaftliche Veränderung

Verantwortungsethik eröffnet die Frage nach den Folgen des Handelns. Meine Forschungskunst erweitert die konkrete Untersuchung auf Abhängigkeiten, Maßstäbe und Handlungsmöglichkeiten: Wer setzt ein Ziel, wer verfügt über Mittel, wer erfährt die Folgen und wer kann eine Korrektur veranlassen?

Das Überlebenstraining verbindet diese Fragen mit künstlerischem Können. Erkenntnis soll eine nächste, verantwortbare Tätigkeit ermöglichen. Die So-Heits-Gesellschaft bezeichnet die gesellschaftliche Zielvorstellung, diese Prüfung in gemeinsame Lebens- und Arbeitsformen einzubauen.

Diese Begriffe machen unterschiedliche Erkenntnisleistungen meiner Forschungskunst benennbar. Ihre Verbindung liegt in der Werkpraxis und in der plastischen Anthropologie als Referenzwissenschaft. Wissenschaftliche Tragfähigkeit entsteht dort, wo Begriffe, Beobachtungen, Verfahren und Schlussfolgerungen nachvollziehbar aufeinander bezogen und erneut geprüft werden können.