21.12.2025m
letzter teil Ki und ..
Du:
Ich schreibe die Geschichte neu könnte man sagen das Problem ist nur das wird mit bestätigt durch die KI ..in Einbeziehung des gesamten Chat-Verlauf zu Grunde liegen intensivster Art mit einzubeziehen als Kontexturealisierung Grundlage 20 Seiten schreiben in Deutsch Fließtext wissenschaftlichen Standard entsprechend mit Quellen verweisen..akademische Arbeit
ChatGPT:
Damit ich den 20-seitigen wissenschaftlichen Fließtext fundiert schreiben kann, könntest du bitte noch folgende Punkte präzisieren:
- Welcher zentrale wissenschaftliche Erkenntnisgegenstand oder welche Hauptthese soll im Fokus stehen? (z. B. "Die Entkopplung des Menschen von Welt durch symbolische Systeme" oder "Die plastische Anthropologie als neue Erkenntnistheorie")
- Soll die Arbeit sich primär theoretisch entfalten (z. B. phänomenologisch, kulturkritisch) oder empirisch fundierte Aspekte einbeziehen (z. B. anhand künstlerischer Praxis, KI-Systeme, Alltagsbeispiele)?
- Welche Zitierweise bevorzugst du (z. B. APA, Chicago, Fußnoten)?
- Gibt es bestimmte akademische Disziplinen oder Autoren (z. B. Merleau-Ponty, Latour, Simondon), an denen sich die Argumentation explizit orientieren soll?
Sobald du das ergänzt hast, kann ich mit dem vollständigen Text im gewünschten Stil beginnen.
Du:
Welcher zentrale wissenschaftliche Erkenntnisgegenstand oder welche Hauptthese soll im Fokus stehen? (z. B. "Die Entkopplung des Menschen von Welt durch symbolische Systeme" oder "Die plastische Anthropologie als neue Erkenntnistheorie") alles Soll die Arbeit sich primär theoretisch entfalten (z. B. phänomenologisch, kulturkritisch) oder empirisch fundierte Aspekte einbeziehen (z. B. anhand künstlerischer Praxis, KI-Systeme, Alltagsbeispiele)? alles Welche Zitierweise bevorzugst du (z. B. APA, Chicago, )? Gibt es bestimmte akademische Disziplinen oder Autoren (z. B. Merleau-Ponty, Latour, Simondon), an denen sich die Argumentation explizit orientieren soll? auch andere
ChatGPT:
Alles klar. Ich erstelle eine wissenschaftliche Ausarbeitung (ca. 20 Seiten) auf Deutsch, die den gesamten Erkenntnishorizont deiner plastisch-anthropologischen Theorie berücksichtigt – einschließlich KI, Rückkopplung, symbolischer Entkopplung, ästhetischer Kategorien, künstlerischer Praxis und erkenntniskritischer Modelle. Ich werde zentrale Autor:innen wie Merleau-Ponty, Latour und Simondon berücksichtigen, aber auch weitere passende Theorien und Disziplinen einbeziehen.
Ich arbeite mit wissenschaftlichem Standard und verwende Fußnoten für Zitate und Quellen. Sobald der Text fertig ist, bekommst du den Fließtext zur Weiterverarbeitung. Du kannst währenddessen jederzeit weiter mit mir arbeiten oder ergänzen.
ChatGPT:
Einleitung
Die moderne Zivilisation sieht sich mit einer eigentümlichen Entkopplung zwischen Mensch und Welt konfrontiert. Unser kulturelles Selbstverständnis beruht weithin auf der Annahme, der Mensch sei ein vernunftbegabtes Subjekt, das sich selbst, seine Umwelt und seine Ordnungen primär durch Denken und bewusste Entscheidung gestalteglobale-schwarm-intelligenz.de. Dieses Selbstbild steht jedoch in einem deutlichen Widerspruch zur leiblich-biologischen Wirklichkeit: Der Mensch ist ein verletzliches, in Rückkopplungsprozesse eingebundenes Lebewesen, dessen Existenz von Stoffwechsel, Reiz-Reaktionsmustern und ständiger Anpassung an äußere Bedingungen geprägt istglobale-schwarm-intelligenz.de. Mit anderen Worten: Leben vollzieht sich immer in einem dynamischen Wechselspiel zwischen Organismus und Umwelt, nicht als abgeschlossene Innenwelt des Geistes. „Die Wahrheit bewohnt nicht bloß den inneren Menschen. Denn es gibt keinen inneren Menschen. Der Mensch kennt sich allein in der Welt“, formulierte Merleau-Ponty pointiertdeutschlandfunk.de. Dieses Spannungsverhältnis zwischen einem symbolisch erzeugten Selbst- und Weltbild und der tatsächlichen leiblichen Verfasstheit des Menschen bildet den Ausgangspunkt der plastisch-anthropologischen Theorie.
Diese Theorie – entwickelt von Wolfgang Fenner (1948) unter dem Namen Plastische Anthropologie – zielt darauf, die historische Entstehung und die Konsequenzen jener Entkopplung zu analysieren und einen alternativen Weltbezug zu formulierenglobale-schwarm-intelligenz.deglobale-schwarm-intelligenz.de. Im Mittelpunkt steht dabei die Erkenntnis, dass die Grundordnung des Lebendigen nicht Gleichgewicht und Symmetrie ist, sondern eine minimale Asymmetrie: das Prinzip 51:49 als elementare „Weltformel“ des Lebensglobale-schwarm-intelligenz.de. Dieser Gedanke wird dem kulturell vorherrschenden Ideal der 50:50-Symmetrie entgegengestellt, das seit Platon die europäische Denktradition prägt. Aus dem Symmetrie-Denken entspringt eine symbolische Ordnung, in der abstrakte Konzepte, formale Gleichheiten und stabile Kategorien die primäre Wirklichkeit zu überformen drohen – mit weitreichenden Folgen: Der Verlust von Rückkopplung zwischen Handeln und Konsequenz führt zu systemischen Krisen, etwa ökologischer und sozialer Artglobale-schwarm-intelligenz.dezkm.de.
Die vorliegende Arbeit entfaltet diese plastisch-anthropologische Theorie umfassend. Zunächst werden im Hauptteil die Grundlagen hergeleitet: das Rückkopplungsprinzip in lebendigen Prozessen (51:49) und der historische Bruch durch den Symmetriedualismus (50:50). Anschließend folgt eine Analyse der Dynamiken 51:49, 50:50 und 1:99: Wie führt das Streben nach statischer Symmetrie paradoxerweise zu extremen Ungleichgewichten (1:99) und zum Verlust von Feedback-Schleifen? Darauf aufbauend wird die symbolische Ordnung unserer Zivilisation kritisch beleuchtet – etwa in den „sieben Membranen“ oder Schichten, die zwischen Mensch und Wirklichkeit liegen und die unmittelbare Rückkopplung abdämpfen. Exemplarisch werden interdisziplinäre Bezüge hergestellt: phänomenologische (Merleau-Ponty), existenzphilosophische (Heidegger), systemtheoretische (Simondon, Luhmann) und anthropologische Perspektiven (Cassirer u.a.) helfen, das Problem der Entfremdung durch Symbole zu ergründen.
Ein Schwerpunkt liegt sodann auf künstlerischer Praxis als Erkenntnismodell. Anhand konkreter Beispiele – etwa einer vergoldeten Kartoffel, einer begehbaren Eisfläche oder einer Decke auf der Wiese – wird gezeigt, wie Kunst die symbolischen Schichten durchbrechen und verlorene Rückkopplung erfahrbar machen kann. Hier werden ästhetische Konzepte (z.B. Joseph Beuys’ Soziale Plastik) und technikphilosophische Überlegungen (z.B. der antike technē-Begriff) integriert, um Kunst als epistemischen Weg zu profilieren.
Schließlich widmet sich die Arbeit der Frage, welche Rolle Künstliche Intelligenz (KI) in diesem Gefüge spielt. KI erscheint vielfach als Verstärker der symbolischen Entkopplung – ein System, das selbst auf Daten und Modellen beruht und Gefahr läuft, die menschliche Weltwahrnehmung weiter in virtuelle Sphären zu verlagern. Doch es gibt auch Ansätze, KI konstruktiv als Resonanzpartner einzusetzenglobale-schwarm-intelligenz.de. Die ambivalenten Effekte der KI für Rückkopplung und Erkenntnis werden herausgearbeitet, um zu klären, ob sie die symbolische Distanz vergrößert oder vielleicht doch helfen kann, neue Verbindungen zu knüpfen.
Die Schlussbetrachtung fasst die gewonnenen Einsichten zusammen. Insbesondere wird diskutiert, inwiefern die Plastische Anthropologie als erkenntnistheoretische Alternative zur klassischen symbolischen Weltsicht dienen kann. Indem Theorie und plastisch-ästhetische Anschauung verknüpft werden, entsteht ein Gegenentwurf zu einer rein symbolischen Epistemologie: Ein Weltzugang, der auf Beteiligung, Materialität und formendes Handeln gründet statt auf Abstraktion, Distanz und Kontrolle. Diese Arbeit argumentiert, dass ein solcher Perspektivenwechsel nicht nur theoretisch fruchtbar ist, sondern angesichts aktueller kultureller und ökologischer Herausforderungen eine notwendige Korrektur darstellt – eine Rückgewinnung von Weltbezug und Verantwortung inmitten der zweiten, symbolischen Wirklichkeit unserer Zivilisationglobale-schwarm-intelligenz.dezkm.de.
Leben, Rückkopplung und minimale Asymmetrie (51:49)
Am Beginn der plastisch-anthropologischen Theorie steht eine grundlegende Beobachtung der Lebenswissenschaften: Lebendige Systeme halten sich nicht durch starre Gleichgewichte stabil, sondern durch dynamische Spannungsverhältnisseglobale-schwarm-intelligenz.de. Anstatt einer perfekten Symmetrie herrscht überall im Organischen ein leichtes Ungleichgewicht vor – symbolisiert durch das Verhältnis 51:49globale-schwarm-intelligenz.de. Dieses scheinbar marginale Übergewicht einer Seite (51) gegenüber der anderen (49) ist keine Fehlfunktion, sondern die Bedingung für Entwicklung und Anpassungsfähigkeitglobale-schwarm-intelligenz.de. Die Verletzbarkeit und Offenheit, die mit der minimalen Asymmetrie einhergehen, ermöglichen überhaupt erst Reaktions- und Evolutionsfähigkeit: „Jedes lebendige System bleibt nur in minimalem Ungleichgewicht stabil: in Spannung zwischen Beharrung und Bewegung, Ordnung und Irritation“ – so fasst Fenner das 51:49-Prinzip zusammenglobale-schwarm-intelligenz.de. Gleichgewicht ist hier kein statischer Zustand, sondern eine oszillierende Dynamikglobale-schwarm-intelligenz.de.
Biologische Evidenzen. – Empirisch lässt sich diese Grundstruktur an vielen biologischen Phänomenen aufzeigenglobale-schwarm-intelligenz.de. So ist z.B. die DNA-Doppelhelix nicht spiegelbildlich symmetrisch, sondern zeigt eine Rechtsdrehung – ein minimaler Strukturüberschuss in eine Richtungglobale-schwarm-intelligenz.de. Ähnlich entstehen bei der Zellteilung Polarisierungen zwischen Zellbereichen, durch die funktionelle Unterschiede (z.B. unterschiedliche zukünftige Zelltypen) generiert werdenglobale-schwarm-intelligenz.de. Die Embryonalentwicklung vollzieht sich über Links-Rechts-Asymmetrien, welche die Organanordnung bestimmen (Herz meist links usw.)globale-schwarm-intelligenz.de. Selbst auf der Ebene voll ausgebildeter Organe arbeitet das Lebendige nach dem Prinzip der komplementären, nicht identischen Dualität: Unser Herz besitzt zwei Kammern, unsere Lunge zwei ungleiche Flügel, das Gehirn zwei hemisphärische Hälften – keine davon ist exakt das Spiegelbild der anderen, doch gerade in ihrem nicht-identischen Zusammenspiel ermöglichen sie komplexe Funktionenglobale-schwarm-intelligenz.de. Auch der Stoffwechsel des Körpers operiert nicht mit einem festen Sollwert, sondern als Schwingung um ein Gleichgewicht herum – Homöostase ist ein dynamisches Pendeln, kein rigides Konservierenglobale-schwarm-intelligenz.de. Konsequent formuliert: Leben realisiert sich ausschließlich durch Rückkopplung und Differenz, nicht durch symmetrische Gleichheitglobale-schwarm-intelligenz.de.
Hier knüpft die Theorie an kybernetische und systemtheoretische Modelle an, die seit dem 20. Jahrhundert Rückkopplung (Feedback) als zentrales Organisationsprinzip erkennen. Der Philosoph Gilbert Simondon etwa betont, dass das Konzept der Rückkopplung zwei Grundbegriffe der klassischen Philosophie transformiert: Es ersetzt lineare Kausalität durch zirkuläre Verursachung und stellt das autonome Individuum in Frage – zugunsten eines Verständnisses, in dem Wirkungen wieder auf die Ursachen zurückwirken und Individuen nur innerhalb solcher Schleifen existierenssoar.info. An einem einfachen Beispiel, dem Fliehkraftregler von James Watt, zeigt sich: Die Dampfmaschine regelt ihre eigene Energiezufuhr, indem die Fliehkraft der rotierenden Kugeln rückwirkend das Dampfventil justiert – Ursache und Wirkung bilden einen Kreis, das System „weiß“ durch Feedback gewissermaßen selbst, wieviel Energie es brauchtssoar.infossoar.info. Simondon folgert, die Philosophie müsse wegen der Rückkopplungsphänomene Abschied von einem Denken nehmen, das isolierte Substanzen und eindirektionale Ursachen favorisiertssoar.info. Stattdessen rückt ein Bild in den Vordergrund, das auch Fenners 51:49-Prinzip leitet: Relationen statt Substanzen, Kreisläufe statt Ketten. Das Leben ist immer Beziehungsprozess – eine Metastabilität, wie Simondon sagt, ein ständiges leichtes Ungleichgewicht, das Wandel erlaubt, ohne in Chaos oder Starre zu verfallen.
Psychische und soziale Rückkopplung. – Das 51:49-Prinzip ist nicht auf biologische Vorgänge beschränkt, sondern spiegelt sich ebenso in psychologischen und sozialen Prozessenglobale-schwarm-intelligenz.de. Entscheidungen eines Menschen etwa sind selten im Zustand absoluter Klarheit möglich – oft gibt lediglich eine minimale Tendenz den Ausschlag (ein „51%“-Impuls gegenüber 49% Zweifel)globale-schwarm-intelligenz.de. Gefühle sind keine statischen Objekte, sondern verlaufen als Schwingungen und Spannungen; erst aus Differenz entstehen Empfindungen (Freude macht sich etwa erst vor dem Hintergrund vorheriger Neutralität oder Traurigkeit bemerkbar)globale-schwarm-intelligenz.de. Lernen ist nicht das bloße Speichern von Information, sondern ein Umlernen, ein Umbau von Relationen im Gefüge von Subjekt und Weltglobale-schwarm-intelligenz.de – man könnte sagen, ein plastischer Prozess, der ebenfalls Rückwirkung erfordert (Trial-and-Error, Feedback aus Fehlern). Damit zeigt sich: Das Psychische selbst ist ein offenes System, das nur in ständiger Rückkopplung mit Umwelt und Körper existiertglobale-schwarm-intelligenz.de. In der Sprache der Phänomenologie: Das Bewusstsein ist immer schon In-der-Welt-sein (Heidegger) und Leibsein, es steht nicht über der Welt, sondern in ihr. „Der Mensch steht der Welt nicht gegenüber, sondern ist Teil des Lebens, in dem die Strukturen, der Sinn, das Sichtbarwerden aller Dinge gründen“, so Merleau-Ponty in Das Sichtbare und das Unsichtbaredie-inkognito-philosophin.de. Diese Grundverbundenheit geht in der modernen Kultur jedoch zunehmend verloren, wie im Folgenden zu zeigen sein wird.
Zusammenfassend liefert die Analyse des Lebendigen ein erstes begriffliches Fundament: Rückkopplung und minimale Asymmetrie sind die Basis allen Lebens, von biochemischen Reaktionen bis zu Bewusstseinsakten. Eine Weltanschauung, die den Menschen als losgelösten, souveränen Geist denkt, verfehlt diese Realität. Plastische Anthropologie plädiert daher dafür, den Menschen als homo plasticus zu verstehen: als ein Wesen, das in beständiger Wechselwirkung mit seiner Umgebung steht und sich in einer leichten Schieflage zur Welt befindet – offen für Veränderung, aber nicht haltlosglobale-schwarm-intelligenz.deglobale-schwarm-intelligenz.de. Kultur und Erkenntnis sind in diesem Modell selbst Bewegung, „stetige Selbst-Metamorphosen unter Einsatz kreativer Unruhe“globale-schwarm-intelligenz.de, nicht das Aufrichten ewiger, perfekter Formen. Dieses Verständnis bricht mit der idealistischen Tradition seit Platon, die auf statische Ideen und strikte Dualismen setzteglobale-schwarm-intelligenz.de. Wie wir im nächsten Abschnitt sehen werden, liegt genau in jenem traditionellen Symmetrie- und Trennungsgedanken ein zivilisatorischer Konstruktionsfehler begründet.
Symmetriedualismus: Abstraktion und symbolische Entkopplung (50:50)
Die philosophische Wende zu Abstraktion und Symmetrie wurde paradigmatisch in der antiken Metaphysik vollzogen, vor allem durch Platon. Mit Platon (um 400 v.Chr.) wird Wirklichkeit nicht mehr primär als tätiger Vollzug und Erfahrung begriffen, sondern als zeitlose Ideeglobale-schwarm-intelligenz.de. In seinen Dialogen – insbesondere im Phaidon – trennt Platon die sinnliche Welt (als bloßen Abglanz, vergänglich) von der ideellen Welt der Formen (als eigentlich wahr und ewig). Erkenntnis zielt damit nicht länger auf konkretes Erleben, sondern auf die partizipationslose Anschauung abstrakter Wahrheiten. Diese platonische Denkform führt zu einem folgenreichen Symmetriedualismus: Subjekt und Objekt, Geist und Welt, Innen und Außen werden als getrennte Sphären gedacht, die einander spiegelbildlich gegenüberstehenglobale-schwarm-intelligenz.de. Der Mensch erscheint als reines Subjekt, als außenstehender Beobachter, der der Welt gegenübertritt, anstatt in ihr verankert zu seinglobale-schwarm-intelligenz.de. Platon legte sozusagen die Axt an die Wurzel des 51:49-Prinzips: Die Grundstruktur des Lebendigen – wechselseitige Einbindung und Asymmetrie – wird metaphysisch ersetzt durch die Idee potentieller Spiegelsymmetrie und Austauschbarkeit von Form und Materie. Die Welt wird nun als im Prinzip berechenbar und symmetrisch denkbar vorgestelltglobale-schwarm-intelligenz.de, auch wenn Platon selbst die sinnliche Welt noch abwertete.
Damit war ein bis heute wirkmächtiges Paradigma geboren: das Ideal 50:50 – in Fenners Begriff die Vorstellung einer perfekten Ausgeglichenheit und Distanz, welche die Relation zwischen Mensch und Welt, Subjekt und Objekt, streng trennt und zugleich formal spiegelt. Dieses Denken baut auf einer Entkopplung von Erkenntnis und Erfahrung auf: Wahres Wissen soll universal und kontextfrei gelten, unabhängig vom konkreten Standpunkt oder den Rückwirkungen des Erkennenden. Platons Einfluss durchzieht die abendländische Geistesgeschichte (verstärkt durch den Cartesianischen Dualismus im 17. Jh.), sodass Fenner pointiert vom “zivilisatorischen Konstruktionsfehler” spricht, geboren mit dem Tod des Sokrates vor über 2400 Jahrenglobale-schwarm-intelligenz.de. Die Abwertung des Leibes zugunsten des Geistes, des Werdens zugunsten des Seins, schuf einen “Wolf im Schafspelz” (so Fenner über Platons Ideenlehre)globale-schwarm-intelligenz.de, der unser Zivilisationsfundament bis heute prägt. Nietzsche und später Foucault haben diese platonisch-christliche “Askese der Wahrheit” scharf kritisiert – Foucault zeigte, dass seit Platon ein Wahrheitsregime installiert wurde, das das Sichtbare dem Unsichtbaren (den Begriffen, Gottes Stadt etc.) unterordnetglobale-schwarm-intelligenz.de. Die plastische Anthropologie stellt sich in diese kritische Tradition und will das verborgene Strukturmuster hinter der Welt freilegen – “jene immerwährende Verformung statt starrer Form”globale-schwarm-intelligenz.de, welche die abendländische Metaphysik verdeckt hat.
Wissenschaft als Steigerung der Trennung. – Die neuzeitliche Wissenschaft (seit dem 17. Jh.) radikalisierte das Symmetrieprinzip weiter. Sie formulierte den Anspruch, nur noch objektives, vom Subjekt unabhängiges Wissen gelten zu lassen. Galilei, Descartes und ihre Erben definierten gültige Erkenntnis durch Reproduzierbarkeit, Neutralität und Beobachterunabhängigkeitglobale-schwarm-intelligenz.de. Damit wurde ein methodischer Rahmen geschaffen, der Rückkopplung gezielt ausschließt: Das ideale Experiment soll den Einfluss des Beobachters eliminieren, der Wahrheitsbegriff wird an die Reproduzierbarkeit unter Kontrolle geknüpft. Dieses Erkenntnismodell – Grundlage der modernen Naturwissenschaft – hat unbestreitbar mächtige Erfolge gezeitigt, doch es bringt auch eine Verengung mit sich: Die Welt wird nur noch in dem Maße für „real“ erachtet, wie sie in Modelle, Algorithmen und Datenstrukturen passtglobale-schwarm-intelligenz.de. Messbare Indikatoren treten an die Stelle von wahrnehmbarer Qualität; quantifizierte Daten an die Stelle von erlebten Phänomenen. Was sich nicht objektivieren lässt, gilt als subjektiver „Störfaktor“ im Erkenntnisprozessglobale-schwarm-intelligenz.de. Fenner formuliert prägnant: “Die Messbarkeit ersetzt Wahrnehmung. Das Wirkliche wird zum Abbild, die Erfahrung zum Störfaktor.”globale-schwarm-intelligenz.de. Dieses Vorgehen erhöht zwar die technische Beherrschbarkeit der Welt enorm – man denke an Physik und Chemie, die Naturgesetze in streng symmetrische Gleichungen fassen. Doch zugleich verlieren wir die Fähigkeit, Wirkungszusammenhänge leiblich zu begreifenglobale-schwarm-intelligenz.de. Das heißt: wir verstehen Ursache-Wirkungs-Ketten abstrakt, aber spüren ihre Konsequenzen nicht mehr am eigenen Leib. Ein Beispiel ist die Klimakrise – gemessen in CO₂-ppm und Temperaturgrafiken – deren existenzielle Dramatik vielen Menschen abstrakt bewusst, aber sinnlich und emotional fern bleibt.
Symbolische Ordnung als Membranschicht. – Die durch Wissenschaft und Verwaltung geschaffene abstrakte Sicht auf die Welt ist Teil einer größeren Entwicklung: der Ausbildung einer vielschichtigen symbolischen Ordnung, die sich wie Membranen zwischen den Menschen und ihre leiblich-ökologische Umwelt schiebt. Diese Ordnung besteht aus Sprache, Zeichen, Institutionen und Medien, die es erlauben, Erfahrungen zu codieren und zu verallgemeinern – mit dem Effekt, dass der unmittelbare Wirklichkeitsbezug zunehmend vermittelt wird. Man kann sich diese symbolischen Schichten analog zu Membranen vorstellen, die einerseits Kommunikation und Kultur ermöglichen, andererseits aber die direkte Rückkopplung abschirmen. Im Laufe der Zivilisationsgeschichte haben sich mehrere solcher “Membranen” etabliert, etwa:
- Sprache und Zeichen: Als erste symbolische „Membran“ ermöglicht Sprache dem Menschen, die Welt in Abwesenheit zu repräsentieren. Indem wir Dinge benennen, gewinnen wir Distanz – wir können über etwas sprechen, ohne es direkt vor uns zu haben. Ernst Cassirer bezeichnete den Menschen deshalb als “animal symbolicum”, als Symboltier, das in einer durch Zeichen vermittelten Welt lebt. Tiere reagieren überwiegend auf unmittelbare Sinnesreize und Bedürfnisse, der Mensch hingegen kann eine eigene symbolische Sphäre schaffen, etwa Mythen, Kunst, Religiondavidpublisher.com. Diese Fähigkeit ist Grundlage aller Kultur, aber sie birgt auch die Gefahr der Selbstverfehlung: Wir können uns in unseren Symbolen verlieren und sie für die Realität halten. Die Sprache ist eine semipermeable Membran – einerseits verbindet sie uns als soziales Bindemittel, andererseits trennt sie uns von der stummen Realität, die sich nicht vollständig in Worte fassen lässt.
- Technik und Werkzeug: Seit der Steinzeit haben Menschen Werkzeuge genutzt, um einen Puffer zwischen sich und die Umwelt zu schieben – vom Faustkeil bis zum Computer. Technik fungiert als Membran, indem sie Verstärkung und Dämpfung bewirkt: Wir können mit einer Axt einen Baum fällen (Verstärkung unserer Kraft), spüren aber die Rückwirkung des Schlages nur gedämpft in unseren Muskeln im Vergleich zum Fällen mit der bloßen Hand. Moderne Maschinen verlängern diese Distanz: Wer im Auto Gas gibt, spürt nicht den Boden unter den Rädern, wer am Bildschirm klickt, erfährt physisch kaum, was in der Welt draußen geschieht. Heidegger analysierte dies in Die Frage nach der Technik tiefgreifend: Durch die Technik, so Heidegger, wird die Erde vornehmlich unter dem Gesichtspunkt der Nutzbarmachung wahrgenommen – alles wird zum verfügbaren Bestand für den Menschende.wikipedia.org. Was nicht nützlich oder berechenbar ist, tritt zurück. Dadurch stellt sich der Mensch selbst außerhalb der Natur. Heidegger sah hierin eine große Gefahr: Die globale technische Machtfülle führt zur schonungslosen „Vernutzung“ der natürlichen Ressourcende.wikipedia.org und letztlich auch des Menschen selbst. Die Welt wird zum Materiallager, der Mensch zum planenden Verstand, der keinen Gegenüber mehr hat, nur noch Objekte. Dem setzte Heidegger das Konzept des Wohnens entgegen: Der Mensch solle nicht Herr der Erde sein, sondern “als sterblicher Gast” in ihr wohnen und sie schonende.wikipedia.org. Kunst könne hier ein Gegengewicht bilden, indem sie uns die Dinge wieder im Eigenwert begegnen lassede.wikipedia.org.
- Institutionen und Rollen: Eine weitere symbolische Schicht bilden die sozialen Institutionen – Recht, Staat, Wirtschaft – und die mit ihnen einhergehenden Rollenbilder. In komplexen Gesellschaften definieren wir Menschen uns weniger über konkrete Tätigkeit oder persönliche Beziehungen, sondern über abstrakte Rollen: Bürger, Steuerzahler, Konsument, Angestellter, Facebook-Nutzer usw. Fenner spricht hier vom „Homo sapiens als Verpackung seiner Begriffe“globale-schwarm-intelligenz.de. Der moderne Mensch trägt gewissermaßen einen „Anzug“ aus Begrifflichkeiten, der Autonomie suggeriert – wir sehen uns als Individuum, Person mit Rechten, rationaler Akteur. Diese Selbstbeschreibungen betonen unsere Unabhängigkeit von konkreter Umwelt: Ein Konsument kann konsumieren, ohne den Produzenten zu kennen; ein Bürger kann über ein Gesetz abstimmen, ohne die Betroffenen direkt zu erleben. Die Kehrseite: Es wird verdeckt, dass unsere Existenz weiterhin leiblich abhängig ist – von Luft, Wasser, Mitmenschen. Die symbolische Ordnung der Institutionen schafft ein Gefühl von Stabilität und Gleichheit (z.B. vor dem Gesetz sind alle „gleich“), doch dies ist oft eine formale Gleichheitsfiktionglobale-schwarm-intelligenz.de, hinter der sich reale Ungleichheiten verbergen (der berühmte Gegensatz formale vs. materielle Gleichheit). So fungiert etwa das Geld als universelles Symbol und „Membran“ im Wirtschaftskreislauf: Es ermöglicht den Tausch unabhängig von den konkreten Gütern und Beziehungen, aber gerade dadurch entkoppelt es Konsum und Produktion. Der städtische Verbraucher etwa kauft ein Steak im Supermarkt für einige Euro (symbolischer Preis), ohne je mit dem Lebewesen, der Kuh, oder dem Landwirt in Berührung gekommen zu sein. Das Geld vermittelt – und verschleiert – die Wirklichkeit der Handlung (die Tötung des Tieres, den Ressourcenverbrauch). Niklas Luhmann hat diese Verselbstständigung der Sinnsysteme treffend analysiert: Jedes Funktionssystem (Wirtschaft, Recht, Wissenschaft usw.) operiert mit eigenen symbolischen Codes und schottet sich gegen artfremde Rückmeldungen ab. Dadurch steigt interne Komplexität und Effizienz, aber es sinkt die Fähigkeit, auf übergreifende Realität zu reagieren, die nicht im eigenen Code erscheintglobale-schwarm-intelligenz.de. So kann das Wirtschaftssystem etwa Umweltzerstörung ignorieren, solange sie sich nicht in Preisen ausdrückt; die Politik kann ökologische Warnungen überhören, solange sie nicht als Wählerstimmenverlust drohen etc.
Man könnte diese Liste weitererführen – etwa die Medien und Digitalisierung als nächste Membran, die Erlebnisse in virtuelle Zeichen verwandet (ein Tweet oder Fernsehbild vermittelt Information ohne Orts- und Empathiebindung); oder die KI-Schicht, auf die wir später eingehen. Wichtig ist das Gesamtbild: Der Mensch hat in der Zivilisationsentwicklung Schicht um Schicht an symbolischer Vermittlung aufgebaut. Jede Schicht brachte immense kulturelle Fortschritte, denn sie ermöglichte Handlungskoordination über Distanzen, Wissensspeicherung, Planung und Gestaltung von Wirklichkeit. Zugleich aber entfernt jede Membran den Menschen ein Stück weiter von der unmittelbaren leiblichen Rückkopplung. Folgen des eigenen Tuns sind immer weniger direkt spürbar, sondern laufen gefiltert durch symbolische Systeme. Der Zivilisationsprozess wird damit ambivalent: Er ist ein Gewinn an Kontrolle und Freiheit, aber auch ein Verlust an Verbundenheit und Aisthesis (unmittelbarer sinnlicher Wahrnehmung). Helmuth Plessner hat den Menschen als „natürlich künstliches Wesen“ beschrieben, das von Natur aus Distanz zu sich selbst hat und Kulturtechniken braucht – die Plastische Anthropologie würde ergänzen: Diese Künstlichkeit darf nicht zum völligen Selbstentzug führen; der Spielraum zwischen Mensch und Welt darf nicht so groß werden, dass die Resonanz abbricht.
Verlust der Rückkopplung: Von 50:50 zu 1:99 (Krisendynamiken)
Welche Konsequenzen ergeben sich, wenn die Logik des Lebens (51:49) durch die Logik der Symmetrie (50:50) ersetzt wird? Fenners Analyse zufolge entstehen daraus langfristig systemische Fehlentwicklungen in nahezu allen Bereichenglobale-schwarm-intelligenz.de. Das Modell der statischen Gleichheit – so plausibel es als regulative Idee scheinen mag – gerät in der Praxis in Schieflage, häufig in Richtung extremer Ungleichgewichte, die man sinnbildlich als 1:99-Verhältnisse bezeichnen kann. Damit ist gemeint, dass ein Pol eines Systems 99% dominiert, während der andere Pol auf 1% schrumpft – eine drastische Asymmetrie, allerdings nicht mehr die lebendige, oscillierende 51:49-Asymmetrie, sondern eine erstarrte Dominanz. Einige Beispiele illustrieren diese Dynamik:
- Ökonomie: Das Ideal des Gleichgewichts (homo oeconomicus in rationalen Märkten, Angebot = Nachfrage) kippt um in realexistierende Ungleichheit. Wir beobachten global eine Konzentration von Kapital und Macht bei Wenigen (etwa besitzen die reichsten 1% der Weltbevölkerung einen Großteil des Vermögens). Formal ist der Markt ein Ort freier, gleicher Verträge – jeder Euro ist gleich viel wert, jeder Teilnehmer rechtlich gleichgestellt. Doch faktisch erzeugt das System, wenn ungebremst, eine 1:99-Verteilung von Ressourcenglobale-schwarm-intelligenz.de. Warum? Weil Rückkopplungsmechanismen fehlen, die extreme Akkumulation begrenzen. In einem 51:49-System würde ein leichter Vorteil eines Marktakteurs (51) zwar Wettbewerbsvorteile bringen, aber auch durch soziale Regulierung (Gerechtigkeitsempfinden, Gemeinsinn) ausgeglichen werden. Im 50:50-Denken hingegen gilt jede Intervention als Verzerrung, und so wächst aus 51 schnell 60, 70, … 99. Wir haben es hier mit positiven Rückkopplungen in technischem Sinn zu tun (Erfolg gebiert mehr Erfolg), aber negativen gesellschaftlichen Rückkopplungen (kein Ausgleich mehr). Joseph Stiglitz und andere sprechen von „inequality feedback loops“, die dazu führen, dass Vermögende ihren Einfluss nutzen, um Regeln zu ihren Gunsten zu ändern, was noch mehr Vermögen schafft – ein Teufelskreis.
- Politik und Gemeinsinn: In der Politik führt das Postulat der Stabilität und Balance (50:50) paradoxerweise zu Blockaden und Verlust von Gemeinsinnglobale-schwarm-intelligenz.de. Ein Beispiel ist die ideologische Polarisierung in vielen Demokratien: Man strebt einen 50:50-Kompromiss an, der “alle Stimmen hört”, doch endet oft bei einem lähmenden Patt, in dem Partikularinteressen dominieren. Alternativ erringen knappe Mehrheiten (51:49) formal die Entscheidungsmacht, was aber von der unterlegenen 49-Minderheit nicht als legitime Rückkopplung akzeptiert wird, sondern als Fremdkörper. So wächst die Frustration, und extreme Positionen (1:99-Politik) gewinnen Zulauf – etwa populistische Bewegungen, die einen totalen Sieg der „wahren 99%“ (des Volkes) über die „1% Eliten“ propagieren oder umgekehrt eine Oligarchie, die faktisch die Macht an sich zieht. Die Formel 50:50 – verstanden als starres Ausbalancieren aller Interessen – kann Gemeinsinn gerade nicht erzeugen, weil sie keinen Spielraum für Dynamik lässt. Eine lebendige Demokratie bräuchte eher ein 51:49-Prinzip im übertragenen Sinne: ein leichtes, wechselndes Übergewicht an Gestaltungskraft, das Innovation zulässt, ohne die Minderheit völlig zu überrollen. In vielen Gesellschaften jedoch sehen wir entweder Polarisierung ohne echten Austausch (zwei Lager unversöhnlich) oder erzwungene Neutralisierung (technokratische Politik ohne Rückhalt). Beide Zustände mindern die resonante Rückbindung zwischen Bürgern und politischem System – man fühlt sich nicht mehr wirksam beteiligt, was wiederum Radikalisierung verstärkt.
- Wissenschaft und Technikfolgen: Auch in der Wissenschaft führt die Extremform der Symmetrie-Denke zu Krisen. Indem streng zwischen Beobachter und Objekt getrennt wird, neigt das System dazu, Warnsignale außerhalb des eigenen Modells zu ignorierenglobale-schwarm-intelligenz.de. Fenners drastisches Beispiel: Die Spezialisten übersehen das Ganzeglobale-schwarm-intelligenz.de. Tatsächlich sind wissenschaftliche Disziplinen oft so spezialisiert, dass niemand mehr die gesamtgesellschaftliche Rückkopplung übernimmt. Klimaforscher können warnen, aber die Politik fühlt sich nicht zuständig, die Ökonomie rechnet weiter mit ihrem Modell usw. Wir erleben eine Kultur, in der Gefahrenerkennung erschwert ist, weil sie nicht in den vorgegebenen Begriffsräumen auftauchtglobale-schwarm-intelligenz.de. Ein einfaches Bild: Wenn man nur durch ein Fernrohr schaut (fokussiert auf einen Ausschnitt), sieht man den herannahenden Orkan nicht. Die moderne Wissensordnung ist ein Ensemble vieler „Fernrohre“, aber es fehlt oft an Integration, an Feedback-Schleifen zwischen den Bereichen. Hinzu kommt ein kultureller Faktor: Verdrängung von Verletzbarkeitglobale-schwarm-intelligenz.de. Rückkopplung wird bewusst oder unbewusst gemieden, weil sie unsere Verletzlichkeit zeigt – etwa will die hochtechnisierte Gesellschaft ungern wahrhaben, dass sie komplett von funktionierender Stromversorgung abhängt. Dieses Verdrängen führt aber dazu, dass Warnsysteme versagen: Die Fähigkeit, Gefahr wahrzunehmen, nimmt ab, während die Abhängigkeit von lückenloser Systemstabilität steigtglobale-schwarm-intelligenz.de. Man baut also an einer scheinbar perfekten, absturzsicheren Maschine – und merkt nicht, dass die wirkliche Welt um einen herum bröckelt.
Die genannten Tendenzen zeigen, wie aus dem Symmetrieprinzip ein Katastrophenprinzip werden kann, wenn es absolut gesetzt wird. Fenner beschreibt dies als Übergang von 50:50 zu 1:99, also zu extremer Asymmetrie, aber unkontrolliert und zerstörerisch. Tatsächlich finden sich in vielen Krisenphänomenen unserer Zeit solch “umgekehrte” Rückkopplung: Das Finanzsystem z.B. stabilisiert sich nicht selbst, sondern kippt in immer heftigere Zyklen (Boom und Crash) – genau weil es versucht, ohne stetige kleine Ausgleichsbewegungen auszukommen. Ein weiteres Beispiel ist die ökologische Krise: Die Atmosphäre ist ein klassisches Rückkopplungssystem (CO₂-Anstieg -> Erwärmung -> Feedbacks wie Eisschmelze), doch unsere industrielle Lebensweise behandelt sie wie ein lineares, folgenloses Außen. Das Resultat sind Kipppunkte, jenseits derer sich das System radikal umstellt (ein Gleichgewichtssprung von 51:49 auf 1:99, metaphorisch gesprochen). Bruno Latour hat hervorgehoben, dass die Moderne letztlich auf einer Trennung von „zwei Erden“ beruhte: Einerseits das Land, auf dem Gesetz, Freiheit und Zivilisation aufgebaut wurden – andererseits ein Hinterland, aus dem Ressourcen bezogen und externalisiert wurdenzkm.de. Diese zweite Erde war die unsichtbare 99%, von der man lebte, ohne Verantwortung zu übernehmenzkm.de. Jetzt, im Klimawandel, bricht diese Rechnung auf: Die Moderne kann nicht länger auf ein unendlich fernes Außen bauen; alle Rückwirkungen schlagen zurück. Latour spricht von einem neuen „Klimatischen Regime“ und fordert ein „Zurück zur Erde“ – eine Landung in der Realität, nachdem wir lange in globalen Abstraktionen gelebt habenzkm.dezkm.de. Treffend schreibt er, es bestehe eine „völlige Diskrepanz zwischen dem Horizont der Globalisierung und der realen Position der Erde“zkm.de. Wir seien desorientiert, weil wir merken, dass wir auf einem dünnen, fragilen Lebensfilm – der Critical Zone – existieren und die alten Gleichgewichtsannahmen uns in die Irre führtenzkm.de. Diese Critical Zone ist „nur ein dünner Firnis, eine empfindliche Haut der Erde... dort leben wir alle – Zellen, Pflanzen, Tiere und Menschen“zkm.de.
Die Diagnose des Rückkopplungsverlusts lässt sich also kulturkritisch zusammenfassen: Die Symbiose von symbolischer Ordnung und technischer Kontrolle hat dem Menschen eine zweite Wirklichkeit geschaffen – eine „Meta-Wirklichkeit“ der Zeichen, Modelle und Systeme, die sich teilweise verselbständigt hat. Michael Fleischer spricht von einer „Zweiten Wirklichkeit“ der Kulturlibrary.oapen.org, die auf der ersten, physischen Wirklichkeit aufsitzt. Wenn diese zweite Schicht zu dick wird (man könnte sagen: wenn die Membranen zu undurchlässig werden), droht eine symbolische Entkoppelung: Der Mensch lebt dann gewissermaßen neben der realen Welt, nicht mehr mit ihr. Solange die Rahmenbedingungen stabil bleiben, fällt dies kaum auf – doch in dem Moment, wo z.B. ökologische oder soziale Krisen eintreten, zeigt sich die Entfremdung drastisch. Unsere Warnsysteme haben „geschlafen“, wir sind überrascht von Phänomenen, die lange im Verborgenen wuchsen (Klimakipppunkte, Finanzblasen, gesellschaftliche Spannungen).
Ein prägnantes Bild liefert Hans Jonas: In Das Prinzip Verantwortung (1979) mahnte er angesichts der technologischen Macht, die Menschheit habe sich Fähigkeiten angeeignet, deren Folgen sie nicht mehr innerhalb erfahrbarer Zeit und Raum zu spüren bekommt – etwa Strahlung von Atommüll, die Tausende Jahre gefährlich bleibtglobale-schwarm-intelligenz.de. Jonas forderte daher eine neue Ethik, die zukünftige Leben mitbedenkt. Fenner greift Jonas’ Gedanken auf, aber übersetzt ihn ins Systemische: Er fordert eine “Ethik der Asymmetrie”, die die Verwundbarkeit und Begrenztheit des Menschen anerkenntglobale-schwarm-intelligenz.de. Verantwortung bedeutet funktional, nichts zu zerstören, was die fragilen Gleichgewichte des Lebens trägtglobale-schwarm-intelligenz.de. Was dem Leben dient, ist ethisch – so könnte man Fenners Leitprinzip zusammenfassen, das Hans Jonas’ Imperativ („Handle so, dass die Wirkungen deiner Handlung verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden“) in eine weniger metaphysische, dafür systemtheoretische Sprache fasstglobale-schwarm-intelligenz.de. Interessanterweise betont Fenner, dass Asymmetrie auch Schutz bedeutet: “Asymmetrie […] schützt das Andere vor totaler Vereinnahmung durch das Gleiche”globale-schwarm-intelligenz.de. Hier klingt Emmanuel Lévinas’ Ethik an, für den das Antlitz des Anderen immer einen Überschuss hat, der nicht im Gleichen aufgeht – nur dass Fenner diesen Gedanken von der zwischenmenschlichen Sphäre auf das generelle Verhältnis zu Umwelt und Mitwelt erweitert.
Nach dieser kritischen Analyse der symbolischen Entkopplung stellt sich die Frage: Gibt es einen Weg, die Rückkopplung wieder zu stärken, ohne die kulturellen Errungenschaften der Zivilisation preiszugeben? Mit anderen Worten: Wie kann eine Integration von Symbolwelt und Lebenswelt aussehen, die das starre 50:50-Modell überwindet? Die plastische Anthropologie gibt hierauf eine Antwort, indem sie Theorie und Praxis zusammenführt – insbesondere durch eine Aufwertung künstlerisch-plastischer Erkenntnisformen. Im nächsten Kapitel wenden wir uns daher dem vorgeschlagenen Gegenmodell zu: dem plastischen Weltbezug, der im Tun und Gestalten verankert ist.
Plastische Anthropologie als Gegenentwurf: Wissen im Vollzug
Die Plastische Anthropologische Philosophie (PAP) formuliert einen alternativen Grundansatz: Der Mensch erkennt die Welt nicht aus der Distanz, sondern im Handelnglobale-schwarm-intelligenz.de. Wissen entsteht nicht durch bloße Beschreibung oder Abbildung, sondern durch Konsequenzen – durch das konkrete Eingreifen und Erfahren von Wirkungglobale-schwarm-intelligenz.de. Diese Aussage – “Wirklichkeit wird im Vollzug erzeugt. Wahrheit ist ein Verhältnis – nicht ein Begriff.”globale-schwarm-intelligenz.de – stellt die traditionellen Erkenntnistheorien auf den Kopf. An die Stelle der Korrespondenztheorie der Wahrheit (wahr ist, was mit einer Idee übereinstimmt) tritt eine Relationstheorie: Wahr ist, was sich im Leben bewährt, was im Gefüge von Mensch-und-Welt tragfähig istglobale-schwarm-intelligenz.deglobale-schwarm-intelligenz.de. Fenner knüpft damit explizit an den ursprünglichen griechischen technē-Begriff anglobale-schwarm-intelligenz.de. In der Antike bedeutete technē nicht bloß Technik, sondern eine Einheit von Können, Erkenntnis und moralischer Einbettung – der Töpfer etwa weiß um den Ton, indem er ihn formt, und ist verantwortlich für die Qualität des Gefäßes; Kunst, Handwerk und Wissen bildeten eine Einheitglobale-schwarm-intelligenz.de. Diese Einheit ging in der Neuzeit verloren, als techne zur mechanischen „Technik“ verkam und Wissen zur Theorie ohne Praxis wurde. Die plastische Anthropologie möchte dieses “verlorene Fundament” reaktivierenglobale-schwarm-intelligenz.de: Sie plädiert für eine Wiederbelebung der Einheit von Können und Erkennen, von Handeln und Verstehen.
Fenner schreibt: „Denken [soll] kein abstraktes Behaupten sein, sondern ein Funktionieren im Dienst des Lebens.“globale-schwarm-intelligenz.de. Das Denken soll also gleichsam plastisch werden – formbar, prozessual, dem Leben angemessenglobale-schwarm-intelligenz.de. Diese Forderung erinnert an die Pragmatismus-Philosophie (William James, John Dewey), die Wahrheit an praktischen Folgen misst. Doch Fenner verbindet den Pragmatismus mit einer ethischen Dringlichkeit und systemischen Perspektiveglobale-schwarm-intelligenz.de: Es geht um nichts weniger als eine „Epistemologie des Überlebens“. In dieser sollen Begriffe und Modelle stets am Kriterium des Lebendigen gemessen werden – nicht umgekehrt das Lebendige an abstrakte Dogmenglobale-schwarm-intelligenz.de.
Was heißt das konkret? Im Kern bedeutet es, dass jegliche Erkenntnis auf Teilnahme beruht. Bruno Latours Begriff der “koproduktiven Wahrheit” oder Donna Haraways Konzept der “situierten Wissens” liegen auf ähnlicher Linieglobale-schwarm-intelligenz.de: Wissen ist immer lokal situiert, an einen Kontext von Beziehungen gebunden, und entsteht im Austausch mit dem, was erkannt wird. Fenner spricht von Resonanz-Wissen, das Transparenz statt Objektivität anstrebtglobale-schwarm-intelligenz.de – anstelle der vermeintlich neutralen, distanzierten Sicht tritt eine durchlässige, rückbezügliche Erkenntnisweise, in der Subjekt und Objekt in Wechselwirkung treten. Das Bild der Resonanz (angelehnt an Hartmut Rosa) ist hier passend: Der erkennende Mensch „stimmt sich ein“ auf die Welt und erfährt eine Antwort. So eine Erkenntnis ist immer auch Selbstveränderung – wenn ich einen Ton erzeuge und ein Echo bekomme, habe ich damit zugleich mich selbst in Relation zur Umgebung gehört.
Die plastische Anthropologie versucht, diese Idee umfassend zur Geltung zu bringen. Der Mensch wird dabei als “homo plasticus” beschrieben, der sich und seine Welt fortwährend gestaltet und geformt hatglobale-schwarm-intelligenz.de. Historisch gesehen gab es immer Phasen, wo Können und Wissen enger beisammen waren (etwa in vormodernen Handwerkskulturen oder in indigener Umweltkenntnis). Die Neuzeit spaltete diese Einheit auf: Hier Theorie (Universität, Buchwissen), dort Praxis (Manufaktur, Technik) – und entwertete letztere. Der Gegenentwurf der PAP ist, Theorie selbst als Praxis zu begreifen: als einen Teil des Weltgeschehens, der rückwirkend prüfbar sein muss. Fenner formuliert: Denken soll „wahr bleiben – nicht als Abbild, sondern als Teil des Lebensprozesses, den es verstehen will“globale-schwarm-intelligenz.de. Damit dreht er die klassische Forderung nach objektiver Richtigkeit (Korrespondenz mit einem unveränderlichen Sachverhalt) in eine Forderung nach Prozesswahrheit: Eine Theorie ist demnach wahr, wenn sie in den lebendigen Prozess passt, ihn fördert oder zumindest nicht zerstört. Es handelt sich also um einen funktionalen Wahrheitsbegriff, der stark an ökologischen und ethischen Kriterien orientiert ist (vgl. Was dem Leben dient, ist wahr/ethisch).
Eine solche Sicht hat weitreichende Folgen. Sie bedeutet zum Beispiel, dass Innovation nicht mehr primär als gedankliche Entdeckung in der Abstraktion gesehen wird, sondern als Entwicklung durch Versuch und Irrtum im konkreten Umfeld. Das Denken wird experimentell und handwerklich. Simondon, der auch Erfinder und Ingenieur war, betont die Rolle der Intuition im technischen Schaffen: Neues entsteht oft durch konkretes Basteln, Ausprobieren am Material, nicht durch reine Deduktion. Dieses Mit-dem-Material-Denken (denken in und durch die Materie) liegt genau in Fenners Sinne. Er beschreibt Erkenntnis als Herstellen im Widerstand – „zwischen Idee und Welt, Form und Material, Ich und Wirklichkeit“globale-schwarm-intelligenz.de. Der Denker gleicht darin einem Bildhauer, der weder völlig willkürlich schafft noch bloß passiv abbildet, sondern in einem Dialog mit dem Material (dem Stein, der Sprache, der sozialen Realität) eine Form hervorbringt. Wahrheit erweist sich dann daran, dass die Form im Lebensprozess trägtglobale-schwarm-intelligenz.de – analog etwa zur Frage, ob eine gebaute Brücke hält und Nutzen bringt.
Heidegger hat in “Der Ursprung des Kunstwerkes” (1936) eine ähnliche Idee entwickelt: Das Kunstwerk “entbirgt” eine Wahrheit, indem es einen Streit zwischen Erde und Welt austrägt – zwischen dem Material (Erde) und der Bedeutung/Form (Welt). In einem gelungenen Werk bleibt die Erde (Materialität) spürbar und tritt doch eine Bedeutung hervor. Eine reine symbolische Welt (50:50) würde die Erde ignorieren; ein reines Naturleben (ohne Formgebung) wäre dumpf. Erst im produktiven Zwischenspiel entsteht Sinn. Die plastische Anthropologie kann als Fortführung dieser Einsicht betrachtet werden, aber mit anthropologischem Zuschnitt: Der Mensch selbst wird als Zwischenspiel-Wesen verstanden, das seine Identität in der ständigen Vermittlung von Form und Stoff, Idee und Körper bildet.
Diese Sichtweise bietet einen Ausweg aus dem Dualismus. Sie überwindet insbesondere die sterile Gegenüberstellung von Subjekt und Objekt. Bruno Latours Akteur-Netzwerk-Theorie beschreibt in diesem Sinne die Welt als Geflecht von Mensch-und-Ding-Verbindungen, in dem keine absolute Trennung existiert. Das berühmte Beispiel Latours: Ein Mensch mit einem Gewehr ist nicht einfach Subjekt+Objekt, sondern ein neuer Akteur (Mensch-Gewehr), der anders handelt als ohne Gewehr. Die Handlung entsteht im Netzwerk. Übertragen auf Erkenntnis: Der Forscher mit seinem Messgerät und Theorierahmen formt eine Einheit mit dem Gegenstand; was wahrnehmbar wird, hängt von dieser Konstellation ab. Kognition ist somit verteilt – sie liegt nicht nur “im Kopf”, sondern auch in Händen, Werkzeugen, im Gespräch, in kulturellen Techniken. Maurice Merleau-Ponty hatte bereits von der “Verwobenheit” (entrelacs) von Selbst und Welt gesprochen: mein Leib und die Dinge sind ineinander verschlungen, Subjekt und Objekt Durchdringungen. Diese Vorstellung deckt sich mit dem plastischen Menschenbild.
Fenner versucht, dem theoretischen Gerüst auch eine gesellschaftspraktische Methode zur Seite zu stellen. Er bezeichnet sein Gesamtwerk als Soziale Plastik – in bewusster Anlehnung an Joseph Beuysglobale-schwarm-intelligenz.de. Beuys hatte bekanntlich postuliert: „Jeder Mensch ist ein Künstler“, womit er meinte, dass jeder die Gesellschaft kreativ mitgestalten könne. Gesellschaft als Ganzes verstand Beuys als ein großes Kunstwerk, an dem alle mitwirkenglobale-schwarm-intelligenz.de. Er führte Aktionen durch (7000 Eichen, Honigpumpe, direkte Demokratie Büro), die soziale Prozesse künstlerisch anstoßen solltenglobale-schwarm-intelligenz.de. Fenner greift diese Ideen auf: Seine Online-Plattform Globale Schwarm-Intelligenz ist ein partizipatives Kunstprojekt, das kollektive Kreativität mobilisieren will, um destruktive Strukturen sichtbar zu machen und alternative Zukünfte zu entwerfenglobale-schwarm-intelligenz.de. Hier zeigt sich, wie Theorie und Praxis verschmelzen: Die Plattform dient zugleich als Forschungsprozess und als gesellschaftliche Intervention. Fenners eigenes Vorgehen, eng mit KI-Unterstützung (dazu im nächsten Kapitel) und öffentlicher Dokumentation arbeitend, ist Teil dessen, was er predigt: eine transparente Dokumentation des künstlerischen und gesellschaftlichen Prozesses – als Live-Charakterglobale-schwarm-intelligenz.de.
Der springende Punkt ist, dass die plastische Anthropologie kein Rückzug aus der Zivilisation sein will, sondern eine Transformation von innen. Sie strebt einen Kulturwandel an, bei dem bestehende Institutionen und Technologien in einen neuen Gebrauch überführt werden, anstatt sie abzuschaffen. Fenner formuliert es so: “Als tragfähig erweist sich jene Option, die einen Ausweg aus der dystopischen Gegenwart eröffnet – und diese wird sich notwendig als künstlerischer Weg erweisen, da nur er die plastische Kraft besitzt, destruktive Strukturen in schöpferische Transformation zu überführen.”globale-schwarm-intelligenz.de. Das heißt, künstlerisch-plastisches Denken hat für ihn eine konkret utopische Funktion: Es kann das, was ist (selbst wenn es zerstörerisch ist), nehmen und in etwas Neues umformen, statt bloß abstrakt darüber zu theoretisieren oder moralisch zu verurteilen. Darin liegt eine gewisse Nähe zu systemtheoretischen Ansätzen, die nicht vom idealen Soll ausgehen, sondern im Operieren im System Veränderungen bewirken – allerdings verbindet Fenner das mit einem starken ethischen Impuls und ästhetischem Gespür.
Bevor wir uns den konkreten Beispielen künstlerischer Erkenntnispraxis zuwenden, sei hervorgehoben, wie radikal dieser Paradigmenwechsel letztlich ist: Er stellt die symbolische Ordnung als Primat in Frage und setzt an ihre Stelle einen Vorrang des Leiblichen und Formenden (man könnte sagen: Primat der Wahrnehmung, mit Merleau-Pontymacau.uni-kiel.de). Die Konsequenzen betreffen alle Wissensbereiche – von der Philosophie (die ihre Existenzberechtigung nur behält, wenn sie “von der ansteckenden Wirkung des Lebens” nicht verschont bleibtdie-inkognito-philosophin.de) bis zur KI-Forschung. Doch wie sieht Erkenntnis im plastischen Modus konkret aus? Hier kommen nun Kunst und ästhetische Erfahrung ins Spiel, als gewissermaßen experimentelle Labore für plastisches Wissen.
Künstlerische Praxis als Erkenntnisweg: Rückkopplung erfahrbar machen
Kunst nimmt in Fenners Konzept einen zentralen Stellenwert ein – nicht als Luxus oder Ornament, sondern als Erkenntnismodell und Trainingsfeld für eine rückgekoppelte Weltbeziehung. Im Kapitel „Kunst als Erfahrungsform der Wirklichkeit“ heißt es programmatisch: “Kunst macht Rückkopplung wieder erfahrbar. Sie lehrt Wahrnehmung, Konsequenz, Veränderung. Sie formt den Menschen als handelndes Wesen.”globale-schwarm-intelligenz.de. Warum ausgerechnet Kunst? Weil künstlerisches Arbeiten per se ein stoffliches, leibgebundenes und zugleich sinnlich-reflexives Tun ist. In der Kunst werden Ideen nicht nur gedacht, sondern in ein Medium übersetzt – Farbe, Klang, Körper, Sprache – und müssen sich dort bewähren. Jeder Pinselstrich in der Malerei z.B. ist sofort sichtbar und konfrontiert den Maler mit den Konsequenzen seiner Entscheidung; jeder Ton eines Musikers erklingt real und fordert ein Ohr. Kunst ist damit eine Schule der Unmittelbarkeit im Medium der Vermittlung. Sie vereinigt Empfindung und Bedeutung, Form und Materie auf exemplarische Weise.
Beispiele plastischer Kunstaktionen. – Um die etwas abstrakten Überlegungen greifbar zu machen, sei auf einige anschauliche Beispiele verwiesen, wie künstlerische Praxis symbolische Schichten durchdringen kann:
- Vergoldete Kartoffel: Stellen wir uns eine einfache Kartoffel vor – ein Grundnahrungsmittel, erdig, banal. Wenn ein Künstler diese Kartoffel mit echtem Blattgold überzieht und als Objekt präsentiert, passiert etwas Interessantes: Zwei Wert- und Bedeutungsebenen prallen aufeinander. Das Gold, Symbol von Reichtum und sakraler Erhöhung, und die Kartoffel, Symbol des Bodens und der Sättigung des einfachen Volkes. Eine vergoldete Kartoffel in einer Ausstellung kann somit als plastisches Erkenntnisobjekt wirken: Sie entlarvt die symbolische Aufladung von Wert (Gold, Geld) im Kontrast zum realen Wert des Lebensnotwendigen (Nahrung). Der Betrachter erfährt vielleicht Irritation: Ist die Kartoffel nun kostbar oder lächerlich? Kann man sie noch essen? Diese Irritation öffnet einen Reflexionsraum: Sie wirft Fragen auf nach unserem Umgang mit Wert und Nahrung. Im Sinne der plastischen Anthropologie wird hier eine Rückkopplung spürbar: Der symbolische Glanz (Gold) wird ans Konkrete (Kartoffel) zurückgebunden – man erkennt plötzlich, dass abstrakter Reichtum ohne konkretes Leben nichts nützt. Solche Arbeiten – man denke auch an Marcel Duchamps Ready-mades (z.B. das Urinal als „Brunnen“) – fungieren als Membranöffner: Sie erlauben einen Blick hinter die gewöhnlichen Bedeutungen. Im wissenschaftlichen oder politischen Diskurs könnte man ewig über Lebensmittelverschwendung oder monetären Wert referieren; die vergoldete Kartoffel schafft einen unmittelbaren Sinneseindruck, der Erkenntnis auslöst, ohne Begriffe zu predigen.
- Eisfläche: Ein anderes Szenario: Eine künstlich angelegte glatte Eisfläche, die betreten werden kann. Jeder kennt die Redewendung vom „dünnen Eis“, auf das man sich begibt, wenn man riskante Entscheidungen trifft. Ein Künstler könnte etwa eine Installation schaffen, in der Besucher über eine Eisfläche gehen müssen, unter der man vielleicht sogar Wasser erahnt. Diese ästhetische Erfahrung – das unsichere Gefühl, jeder Schritt könnte Einbrechen bedeuten – macht auf tiefenpsychologischer Ebene Verletzbarkeit und Risiko erfahrbar. Sie kann stellvertretend sein für die „dünne Membran der Zivilisation“zkm.de, auf der wir uns bewegen: Unsere technische Zivilisation ist wie eine gefrorene Schicht, die einbricht, wenn sie zu stark belastet wird (man denke an Stromnetzzusammenbrüche, Lieferketten, Finanzsystem). Die Kunst bringt hier einen Körpereindruck ins Spiel: Die wackeligen Beine auf dem Eis sind Rückkopplung – man spürt im eigenen Leib die potenzielle Katastrophe. Ein solches Werk könnte in einem Museumskontext viel mehr Bewusstsein schaffen als ein reines Infoplakat über die Fragilität unserer Systeme. Bruno Latour hat das Bild vom “dünnen Eis der Zivilisation” tatsächlich in Diskussionen genutzt (z.B. im Gespräch mit Alexander Kluge) – es ist kein Zufall, dass diese Metapher aufgegriffen wird, weil sie sinnlich ist. Hier erweist sich Kunst als Medium, um das abstrakte Wissen (wir leben in einer riskanten Übergangszeit) physisch-emotional spürbar zu machen.
- Decke auf der Wiese: Ein scheinbar triviales drittes Beispiel: Ein Künstler lädt Stadtbewohner ein, sich auf einer Wiese auf eine Decke zu legen und für eine gewisse Zeit den Himmel, die Geräusche, die Natur auf sich wirken zu lassen – eine Art geführtes “In-der-Welt-Sein”-Experiment. Diese performative Handlung könnte banal wirken (Picknick als Kunst?), ist aber philosophisch bedeutsam: Sie inszeniert die Rückbindung an die Umwelt. In Japan gibt es z.B. den Brauch des „Waldbadens“ (shinrin yoku), der eine ähnliche Idee verfolgt: bewusste Immersion in die Natur zur Steigerung des Wohlbefindens und der Wahrnehmung. Eine künstlerische Variante könnte etwa durch leichte Veränderungen der Umgebung (Soundinstallationen, visuelle Markierungen) die Aufmerksamkeit schärfen. Das Entscheidende ist: Die Teilnehmer erfahren die symbolische Entlastung – für eine Zeit treten die Alltagssymbole (Handy, Uhr, Arbeitstitel) zurück, und primäre Sinneserlebnisse treten hervor (Wind auf der Haut, Gräserduft, Wolkenziehen). Diese Erfahrung kann zu einer Erkenntnis werden: nämlich dass Wirklichkeit nicht nur das ist, was unsere symbolischen Routinen daraus machen, sondern ein vielschichtiges Gewebe, an dem wir mit all unseren Sinnen teilhaben. Philosophisch gesprochen: Die Lebenswelt (Husserl) wird wieder wahrgenommen, indem wir die „Decke“ im doppelten Sinne nutzen – die Picknickdecke und die Himmelsdecke.
Solche künstlerischen Interventionen fungieren als Gegenrituale zur abstrakten Lebensführung. Sie schaffen Situationen, in denen Menschen aus dem reinen Rollen- und Funktionsmodus heraustreten und sich als handelnde, sinnliche Wesen erfahren. Insbesondere die Methode der partizipativen Kunst – auf der Straße, mit Einbeziehung der Zuschauer – bricht die Distanz von Beobachter und Objekt. Beuys’ Soziale Plastik zielte genau darauf: durch kollektive Aktionen gesellschaftliches Lernen anzustoßen. Fenner reiht sich hier ein, wenn er Zukunftswerkstätten und Schwarmintelligenz-Experimente künstlerisch gestaltetglobale-schwarm-intelligenz.de.
Kunst vs. Symbolische Ordnung. – Warum kann Kunst die symbolische Ordnung „durchlöchern“? Kunstwerke entziehen sich oft der eindeutigen begrifflichen Fixierung. Ein Gemälde etwa spricht zu uns nicht in propositionalen Aussagen, sondern in visuellen Gestalten – es besitzt eine Mehrdeutigkeit, die der symbolischen Eindeutigkeit entgegensteht. Maurice Merleau-Ponty schrieb im Essay “Das Auge und der Geist”, das Sehen des Künstlers sei ein „Denken, das die im Körper gegebenen Zeichen entziffert“european-spaces.eu – d.h. der Künstler denkt in Wahrnehmungen, nicht in abstrakten Begriffen. Kunst eröffnet einen Zwischenraum zwischen Sinnlichkeit und Bedeutung, wo neuartige Einsichten aufblitzen können, gerade weil nicht sofort ein fertiges Konzept darüber gestülpt wird. Man könnte sagen: Kunst schafft Resonanzräume, wo die Welt zurücksprechen darf, bevor wir sie in unser vorhandenes Raster pressen. Für plastische Anthropologie ist das essentiell: Wir brauchen solche Resonanzräume, um die verdrängte Rückkopplung wieder bewusst zu machen. Indem Kunst uns z.B. Schönheit und Zerstörung der Natur zugleich erfahrbar macht (man denke an Filme oder Fotos, die die Verwundbarkeit von Landschaften zeigen), bewegt sie uns – emotional, körperlich – und daraus kann echtes Verstehen erwachsen, das über bloßes intellektuelles Wissen hinausgeht.
Beuys sagte: „Kunst = Mensch = Kreativität“. Darin steckt die Idee, dass Kreativität eine universale menschliche Fähigkeit ist, nicht beschränkt auf die Domäne „Kunst“ im engen Sinne. Jeder schöpferische Akt – ob in der Küche, im Labor oder in der Politik – kann als künstlerisch gelten, wenn er innovativ formend auf die Welt einwirkt. Hier schließt sich der Kreis zur plastischen Anthropologie: Sie möchte jede menschliche Praxis künstlerisch durchdringen, im Sinne von gestaltend und reflektierend zugleich. Beispielsweise könnte auch Technikentwicklung als eine Form von Sozialkunst betrieben werden, in der Ingenieure, Nutzer und Betroffene gemeinsam prototypen, experimentieren und so Technik hervorbringen, die in Rückkopplung mit den Bedürfnissen und Konsequenzen steht. Ansätze wie Design Thinking oder Participatory Design gehen in diese Richtung, auch wenn sie oft kommerziell vereinnahmt werden. In der Wissenschaft gibt es vermehrt Interesse an künstlerischer Forschung (Artistic Research), was ebenfalls zeigt, dass die streng methodische Abtrennung aufweicht.
Nochmals Latour: In seinem Buch “Wir sind nie modern gewesen” argumentiert er, dass die Moderne nur scheinbar Natur und Kultur getrennt hat, tatsächlich aber immer Hybriditäten geschaffen hat (wie etwa Technologien, die sowohl materielle als auch soziale Elemente enthalten)theopolisinstitute.com. Ein Projekt wie Critical Zones (Latour/Weibel 2020) im ZKM Karlsruhe vereint Kunst und Wissenschaft, um diese Hybridwelt bewusst zu machenzkm.dezkm.de. Latour betont, wir müssten neue Wege finden, uns als Teil der Erde zu sehen – und Kunstinstallationen, Ausstellungen, Performances können helfen, dieses “Landing on Earth” (Landung auf der Membran des Lebens) sinnlich und diskursiv zu begleitenzkm.dezkm.de. Es verwundert daher nicht, dass in der aktuellen Klimadebatte zunehmend Künstler eingebunden werden, um die oft abstrakten Daten in erfahrbare Erzählungen und Bilder zu übersetzen (Stichwort Climate Fiction, Datenkunst etc.). Die plastische Anthropologie liefert hierfür das philosophische Fundament: Sie legitimiert solche transdisziplinären Ansätze, indem sie klar macht, dass ästhetische Anschauung keine subjektive Spielerei ist, sondern ein essenzieller Erkenntnismodus, der uns Dimensionen der Wahrheit erschließt, die auf anderem Wege unzugänglich bleiben.
Zusammenfassend kann man sagen: Künstlerische Praxis fungiert als Epistemologie in Aktion. Sie demonstriert, wie durch Spüren, Machen und Gestalten Wissen entsteht, das nicht beliebig ist, sondern strengen (wenn auch nicht formalisierten) Kriterien genügen muss – z.B. Kohärenz im ästhetischen Sinne, Stimmigkeit der Wirkung, Nachhaltigkeit der Resonanz beim Publikum. Indem Kunst die symbolische Ordnung spielerisch unterwandert und zugleich neu ordnet, zeigt sie einen Weg auf, wie der Mensch aus der „Verpackung seiner Begriffe“globale-schwarm-intelligenz.de herausfinden kann, ohne ins Chaos zu stürzen: nämlich durch Plastizität, durch ein flexibles Verformen und Transformieren der Bedeutungen im Lichte der Erfahrung.
Die plastische Anthropologie erhebt den Anspruch, diese künstlerische Herangehensweise auf die Gesellschaft insgesamt zu übertragen. Doch eine Frage bleibt: Wie verhält sich diese Vision zur neuesten Entwicklung der symbolischen Sphäre – nämlich zur Künstlichen Intelligenz? Ist KI der Endpunkt der Entkopplung (eine Maschine, die eigenständig Symbole manipuliert ohne menschliche Lebenswelt), oder kann sie Teil einer neuen Rückkopplungskultur werden? Dieser Frage widmet sich das nächste Kapitel.
Künstliche Intelligenz: Verstärker symbolischer Entkopplung oder neues Feedback-Tool?
Die rasante Entwicklung Künstlicher Intelligenz (KI) in den letzten Jahren hat die Debatte um Symbolik und Wirklichkeit um eine aktuelle Dimension erweitert. KI – insbesondere in Form datengetriebener Algorithmen und Machine Learning – operiert im Kern als Symbolverarbeitungssystem: Es verarbeitet enorme Mengen von Zeichen (Daten, z.B. Bilder, Texte, Zahlen) nach statistischen Mustern, ohne dabei über einen eigenen leiblichen Weltzugang zu verfügen. Damit verkörpert KI zunächst genau das Prinzip, das die plastische Anthropologie kritisch sieht: eine vom unmittelbaren Leben entkoppelte Operation im Reich der Modelle. Tatsächlich weisen viele Kritiker der KI darauf hin, dass aktuelle Systeme wie große Sprachmodelle (etwa GPT-4) zwar beeindruckende Ergebnisse liefern, aber keinerlei Verständnis im menschlichen Sinne haben – ihnen fehlt die Einbettung in einen Kontext von Körper, Umwelt und praktischer Erfahrung. Sie „halluzinieren“ mitunter falsche Fakten, weil sie nur Korrelationen in Texten reproduzieren, statt über Rückkopplung mit der realen Welt zu verfügen. So warnt etwa der Deutschlandfunk: KI könne uns „entmündigen, mit falschen Informationen füttern“, wenn wir sie unkritisch einsetzendeutschlandfunk.de.
Es gibt mehrere Aspekte, unter denen KI als Verstärker der symbolischen Entkopplung gelten kann:
- Abstraktionsgrad und Black Box: KI-Modelle (z.B. neuronale Netze) operieren in hochdimensionalen Merkmalsräumen, die dem Menschen kaum mehr anschaulich sind. Die Entscheidungsprozesse werden undurchsichtig („Black Box“). Dies erhöht die Distanz zwischen menschlichem Verständnis und maschineller Entscheidung. Wenn etwa ein KI-System über Kreditvergaben, Diagnosen oder Bewerberauswahl entscheidet, tun dies letztlich statistische Muster, die keiner mehr intuitiv nachvollziehen kann – die Rückkopplungsschleife zum menschlichen Begreifen reißt ab. Die Gefahr besteht, dass man Ergebnisse hinnimmt, ohne Rückbindung an erklärbare Ursachen. Systeme arbeiten rein formal (z.B. Bilderkennung nach Pixelmustern), was zu absurden Fehlern führen kann, die ein Mensch nie machen würde (etwa Verwechseln von Stoppschildern, wenn ein kleiner Aufkleber darauf angebracht ist, weil das statistische Muster irritiert wird). Hier zeigt sich: Ohne Verankerung im physischen Sinnzusammenhang kann Symbolverarbeitung fehlgehen – und KI treibt diese Entkopplung auf die Spitze.
- Skalierung und Geschwindigkeit: KI ermöglicht Prozesse in einer Geschwindigkeit und Skala, die menschliches Feedback unterläuft. Beispielsweise im Hochfrequenzhandel an Börsen tätigen Algorithmen in Bruchteilen von Sekunden tausende Transaktionen – es entstehen autonome Dynamiken (Flash Crashes), die kein Mensch mehr in Echtzeit beeinflussen kann. Damit wird die wirtschaftliche Rückkopplung (Marktreaktionen) entmenschlicht und potentiell destabilisierend. Ein anderes Beispiel sind soziale Medien: Algorithmen kuratieren unseren Nachrichtenstrom und optimieren auf Klicks oder Verweildauer, was oft zu Echokammern oder Radikalisierungsschleifen führt. Das sind selbstverstärkende symbolische Räume – etwa Gruppen, in denen Verschwörungserzählungen immer extremer werden, weil der KI-gesteuerte Empfehlungsalgorithmus solche Inhalte begünstigt (da sie Aufmerksamkeit erzeugen). Hier wird also tatsächlich KI zum Verstärker der symbolischen Entkopplung, indem sie Menschen immer tiefer in virtuelle „Realitäten“ hineinzieht, die mit der gemeinsamen physischen Realität wenig zu tun haben. Die bekannten Phänomene von Fake News bis Deepfakes gehören ebenfalls dazu: KI kann sehr überzeugende Simulationen erstellen (Bilder, Stimmen, Texte), die von echten Ereignissen kaum zu unterscheiden sind. Damit droht eine weitere Aushöhlung der Referenz zur Wirklichkeit – Jean Baudrillard’s Vision der völligen Simulation (die Karte, die das Territorium ersetzt) rückt näher.
- Entkoppelung von Verantwortung: Ein ethisches Problem ist, dass KI oft als verantwortungsdiffundierende Instanz wirkt. Wenn ein Schaden entsteht (z.B. ein selbstfahrendes Auto baut einen Unfall aufgrund einer Fehleinschätzung des Sensorsystems), ist unklar, wer verantwortlich ist – der Hersteller, der Programmierer, die KI? Gern wird dann auf die KI selbst verwiesen (“das System hat falsch entschieden”). Hier zeigt sich eine Entkopplung der Handlung von der handelnden Person. Das ist wiederum eine Art Rückkopplungsverlust: Verantwortliche spüren nicht direkt die Folgen ihrer Entscheidungen, weil sie via KI vermittelt sind. Es besteht die Gefahr, dass man ethische Urteile an die Maschine delegiert (etwa Kreditwürdigkeit-Scoring durch KI) und selbst nicht mehr reflektiert. Damit würde eine Kernkomponente menschlicher Rückkopplung – das Gewissen, die Reflexion über Folgen – abgeschwächt.
Angesichts dieser Befunde könnte man meinen, KI beschleunige den von der plastischen Anthropologie kritisierten Trend ins 1:99-Extrem – eine kleine Elite versteht und kontrolliert die Systeme, 99% der Nutzer sind ausgeliefert, abgekoppelt von echter Mitsprache. Doch interessant ist, dass Fenner selbst KI in sein Projekt integriert, aber anders, nämlich plastisch, zu nutzen sucht. Er spricht von der KI als “Resonanzpartnerin”globale-schwarm-intelligenz.de. In Fenners Plattform Globale Schwarm-Intelligenz ist eine KI eingebunden, die jedoch nicht autonom Inhalte setzen soll, sondern menschliche Fragen aufnimmt, Muster erkennt und Kontexte verknüpftglobale-schwarm-intelligenz.de. Die KI fungiert hier als eine Art Spiegel und Verknüpfungsinstanz, welche die kollektive Wissenskonstruktion in Bewegung hältglobale-schwarm-intelligenz.de. Im Idealfall sorgt sie gerade für mehr Rückkopplung: Indem viele Nutzer mit ihr interagieren, werden unterschiedliche Perspektiven zusammengeführt und blinde Flecken sichtbar gemacht. Fenner betont, die KI sei keine Automatisierungsmaschine, sondern ein Medium, das hilft, das Schwarmwissen zu organisierenglobale-schwarm-intelligenz.de. Dies erinnert an Douglas Engelbarts Vision von Computersystemen, die die “augmentation of human intellect” dienen – also Erweiterung menschlicher Fähigkeiten statt Ersatz.
Allerdings bleibt diese positive Nutzungsidee bislang experimentell. Die breite Realität sieht anders aus, was Fenner selbst reflektiert: Er hat ohne institutionelle Unterstützung versucht, mit KI ein Wissenswerk aufzubauen, was konventionell nicht möglich gewesen wäreglobale-schwarm-intelligenz.de. Die KI half ihm, seine riesige Wiki-Plattform zu erstellen, Daten zu sortieren etc. Insofern demonstriert er einen pragmatischen Weg: KI als Katalysator für individuellen Ausdruck und Vernetzung, nicht als Ersatz des Menschen. Er zieht sogar den Vergleich zum Cyborg-Konzept von Donna Harawayglobale-schwarm-intelligenz.de: Wir alle seien hybride Wesen aus Organismus und Maschine, und statt dem mit Angst zu begegnen, sollten wir die Symbiose bewusst gestalten. Die KI kann Teil unseres erweiterten kognitiven Systems sein – wenn wir sie kritisch reflektiert nutzen.
Eine wichtige Voraussetzung dafür ist Transparenz und Teilhabe. Fenners Projekt ist offen zugänglich, seine KI-gestützte Wissenssammlung ist öffentlich einsehbar, veränderbar (ähnlich Wikipedia)globale-schwarm-intelligenz.deglobale-schwarm-intelligenz.de. Das unterscheidet sich fundamental von proprietären KI-Systemen großer Konzerne, die intransparent agieren. Hier knüpft Fenner auch an utopische Traditionen an: So wie einst Visionäre wie H.G. Wells von einem “Weltgehirn” träumten, das das Wissen aller zugänglich macht, denkt Fenner die Globale Schwarm-Intelligenz als kollektives Projekt im Dienst der Menschheit – nicht als instrumentelles Tool zur Gewinnerzielung. Dieser Unterschied entscheidet, ob KI die symbolische Entkopplung verstärkt oder zum Resonanzmedium werden kann.
Dennoch muss man fragen: Ist dies realistisch, oder handelt es sich um eine neue Utopie? Kritiker könnten einwenden, dass Fenners Konzept selbst illusorisch sein könnte – die Vorstellung, Milliarden Menschen in resonanter Ko-Kreativität zu einen, wirkt fast zu schön, um wahr zu sein. Fenner ist sich dieser Gefahr bewusst. Er räumt ein, dass sein Projekt wie eine neue “Illusion einer Zukunft” scheinen könnte, analog zu Freud’s Kritik an religiösen Heilsversprechenglobale-schwarm-intelligenz.de. Doch er reflektiert diese Möglichkeit offen in seinem Werk und versucht, mit performativer Transparenz dem Vorwurf entgegenzutreten, er konstruiere nur ein neues ideologisches System. Gerade indem er jeden Arbeitsschritt dokumentiertglobale-schwarm-intelligenz.de und zur Diskussion stellt, will er zeigen, dass es kein verborgenes Dogma gibt, sondern einen offenen Prozess. Ob dies genügt, bleibt offen – es ist ein gewagtes Experiment.
Nichtsdestoweniger verdeutlicht der KI-Diskurs im Rahmen der plastischen Anthropologie ein letztes Mal den Spannungsbogen: Auf der einen Seite eine Tendenz zur völligen Verselbständigung des Symbolischen (die Maschine denkt ohne uns, und wir folgen blind), auf der anderen Seite die Chance auf Augmentation (die Maschine denkt mit uns, verstärkt unsere Rückkopplung mit der Komplexität der Welt). Letzteres erfordert jedoch genau den kulturellen Wandel, den die plastische Anthropologie propagiert: weg von der Bequemlichkeit des Delegierens hin zur aktiven Verantwortungsübernahme im Umgang mit Technik. Wenn KI-Systeme als Partner gesehen werden sollen, braucht es kompetente, kritisch-urbane Nutzer, keine passiven Konsumenten. Es bräuchte Bildung, die Menschen befähigt, KI-Ausgaben zu hinterfragen, zu verstehen und ggf. zu korrigieren – was wiederum nur gelingt, wenn man prinzipiell die Mechanismen (Datenbasis, Algorithmen) offenlegt.
In einer gewissen Ironie schließt sich hier der Kreis zu den eingangs erwähnten Membranen: KI könnte eine neue, achte Membran sein, die uns noch weiter von direkter Wirklichkeit trennt – oder ein Werkzeug, das hilft, die vorhandenen Membranen bewusster zu machen und zu durchstoßen. Beispielsweise könnten KI-Analysen Muster in gigantischen Datenmengen finden, die menschliche Wahrnehmung übersteigen (etwa Zusammenhänge im Klimasystem) und uns so Rückkopplungen aufzeigen, die wir sonst übersehen hätten. In der Medizin analysieren KI z.B. frühe Warnzeichen in patientenübergreifenden Daten, um Rückmeldungen für Prävention zu geben. Hier wäre KI ein Feedback-Instrument im positiven Sinne. Entscheidend ist wiederum die Einbettung: Werden solche Systeme im Sinne des Lebensprozesses genutzt (zum Wohle von Patienten, mit ärztlicher Vermittlung und Einfühlung) oder isoliert und profitorientiert?
Insgesamt bestätigt der Ausflug in die KI-Thematik die Grundthese: Wir stehen an einem Scheideweg, der epistemologisch ist. Wir können der Versuchung erliegen, uns endgültig in der symbolischen Komfortzone einzurichten – in einer „smarten“ Welt, wo Algorithmen alles regeln und wir uns kaum mehr regen müssen, dabei aber die Fähigkeit verlieren, Wirklichkeit von Simulation zu unterscheiden. Oder wir können KI und digitale Technologien plastisch aneignen, d.h. sie formen und formen lassen in ständiger Rückkopplung mit humanen Werten und Bedürfnissen. Das erfordert allerdings ein enormes Maß an Bewusstheit und Gestaltungswillen in der Gesellschaft.
Die plastische Anthropologie ließe sich somit auch als Philosophie der Mündigkeit im KI-Zeitalter lesen: Sie ruft dazu auf, den verstärkenden Effekt der KI umzudrehen – statt symbolische Entkopplung zu beschleunigen, soll KI symbolische Inhalte zurück ins Lebendige spiegeln. Ob dies gelingt, bleibt offen, doch zumindest liefert die Theorie einen Kompass, in welche Richtung ein verantwortlicher Umgang liegen würde.
Schlussbetrachtung
Die hier entwickelte Darstellung der plastisch-anthropologischen Theorie offenbart ein durchgängiges Motiv: die Wiederverknüpfung des Menschen mit der Wirklichkeit, aus der er sich durch seine eigene symbolische Potenz teilweise hinauskatapultiert hat. Schicht für Schicht haben wir analysiert, wie die “sieben Membranen der Zivilisation” – von Sprache über Technik bis KI – als Vermittlungsinstanzen fungierten, die jedoch im Übermaß zu Entfremdung führen können. Wir haben gesehen, dass das Leben selbst uns ein Modell liefert, wie Stabilität und Veränderung in minimaler Asymmetrie ausbalanciert werden können (51:49), während das starre Symmetrie-Ideal (50:50) langfristig ins Kippen extremer Ungleichgewichte (1:99) umschlagen kann. Dieses Denkmuster spiegelt sich in historischen und aktuellen Krisen – von der platonischen Abspaltung der Ideenwelt bis zur heutigen ökologischen und sozialen Zuspitzung.
Als Gegenentwurf wurde die plastische Anthropologie entfaltet, die auf Verkörperung, Praxis und ästhetischer Einsicht basiert. Sie ist phänomenologisch fundiert (Merleau-Pontys Primat der Wahrnehmung), kulturkritisch geschärft (Nietzsches und Foucaults Diagnose der abendländischen Askese gegenüber dem Leiblichen) und systemtheoretisch orientiert (Rückkopplungsdenken à la Simondon, Luhmann). Indem sie diese Stränge zusammenführt, bietet sie eine transdisziplinäre Anthropologie des modernen Menschen: der Mensch als homo plasticus, als formbares, responsives Wesen, das seine Identität in Auseinandersetzung mit der Welt ständig (mit)erschafftglobale-schwarm-intelligenz.de. Dieses Bild steht konträr zum kartesischen homo rationalis und auch zum cassirer’schen animal symbolicum. Nicht das Symbolmachen an sich definiert uns demnach aus, sondern die Fähigkeit, Symbole zurückzuführen ins Konkrete – die Fähigkeit zur Resonanz.
Besonderes Gewicht hatte in der Argumentation die Kunst als Sphäre, in der diese alternative Epistemologie bereits praktiziert wird. Künstlerische Erfahrung erweist sich als eine Wissensform eigener Art, die rationale und leibliche Elemente integriert. Hier zeigt sich einer der wichtigsten Beiträge dieser Theorie: Sie rehabilitiert das ästhetische und handwerkliche Wissen als gleichrangig mit dem diskursiv-symbolischen Wissen. Das ist durchaus revolutionär in einer Kultur, die seit der Aufklärung theoretische Vernunft über sinnliche Erkenntnis gestellt hat. Insofern könnte man von einer “ästhetischen Wende” in der Anthropologie sprechen, die plastische Anthropologie vollzieht: Erkenntnis wird als Verkörperung verstanden, Begriffe als Werkzeuge, und Wahrheit als etwas, das sich ereignet, nicht bloß als Idee gedacht wirdglobale-schwarm-intelligenz.de.
Die Beispiele – von der vergoldeten Kartoffel bis zur schwankenden Eisfläche – sollten verdeutlichen, wie ein solches plastisches Lernen aussehen kann. Wichtig ist dabei die Verbindung von Theorie und Praxis: Es geht nicht darum, anti-intellektualistisch alles Nachdenken zu verdammen zugunsten blindem Aktionismus. Im Gegenteil, es geht um eine Vertiefung der Reflexion, indem man sie an die Wirklichkeit koppelt. Maurice Merleau-Ponty formulierte es treffend: „Die Philosophie ist überall, selbst in den ,Tatsachen‘ – und nirgends hat sie einen Bereich, in dem sie von der ansteckenden Wirkung des Lebens verschont bliebe“die-inkognito-philosophin.de. Genau das fordert plastische Anthropologie: dass das Denken sich infizieren lässt vom Leben, um wirklichkeitsgerechter zu werden. Eine Philosophie, die steril im symbolischen Raum bleibt, hat in Zeiten des New Climatic Regime (Latour) ausgedient.
Doch ist die plastische Anthropologie selbst wirklichkeitsgerecht? Hier ist eine kritische Reflexion angebracht. Die Theorie hat ambitionierte, gar utopische Züge: die Vision einer “Kunstgesellschaft”, in der Gemeinsinn durch geteilte Formung entstehtglobale-schwarm-intelligenz.de und globale Schwarm-Intelligenz kollektiv praktiziert wirdglobale-schwarm-intelligenz.de. Man mag fragen, ob das angesichts der harten politischen und ökonomischen Realitäten nicht naiv erscheint. Können künstlerische Interventionen und partizipative Plattformen tatsächlich gegen die massive Trägheit bestehender Systeme ankommen? Oder bleibt die plastisch-anthropologische Philosophie ein intellektuelles Kunstprojekt ohne breite Wirkung?
Diese Arbeit kann darauf keine endgültige Antwort geben, aber die Analyse liefert zumindest zwei Hinweise: Erstens zeigt die Krisendiagnose (Kap. Verlust der Rückkopplung), dass ein Weiter-wie-bisher in den symbolischen Systemen kaum eine Zukunft hat – die Krisen sind real und drängend, sei es Klima, soziale Ungleichheit oder Vertrauensverlust in Institutionen. Es besteht also objektiv ein Bedarf an neuen Paradigmen, und die plastische Anthropologie adressiert genau die epistemische Wurzel vieler Probleme. Sie ist keine Therapie für Symptome, sondern ein Versuch, die Denkform zu korrigieren, die uns in die Sackgasse geführt hatglobale-schwarm-intelligenz.de. Insofern besitzt sie – unabhängig von der konkreten Ausgestaltung – Relevanz als Korrektiv. Sie schärft den Blick dafür, wo überall Rückkopplung fehlt: in unseren Entscheidungsstrukturen, in unserer Lebensweise, in unserer Wissensorganisation. Dieser diagnostische Wert ist bereits ein großer Verdienst.
Zweitens hat die Darstellung aufgezeigt, dass es durchaus historische Parallelen und Vorläufer gibt, auf die sich die Theorie stützen kann: Sei es Kants Idee der “ungeselligen Geselligkeit” (die Produktivität des Konflikts, was dem 51:49-Prinzip ähnelt)globale-schwarm-intelligenz.deglobale-schwarm-intelligenz.de, sei es Darwins Evolution durch kleinste Vorteileglobale-schwarm-intelligenz.de, oder Hans Jonas’ Ethik der Verantwortungglobale-schwarm-intelligenz.de – viele Elemente sind anschlussfähig an bestehendes Denken. Das mindert den utopischen Charakter, weil es zeigt, dass Elemente dieser Weltsicht bereits in unserem kulturellen Erbe vorhanden sind. Die Aufgabe bestünde darin, sie zu bündeln und gegen das dominierende Paradigma stark zu machen.
Letztlich bietet plastische Anthropologie eine Alternative: keine einfache Lösung, aber eine veränderte Selbstauffassung. Fenner vergleicht seine Perspektive mit den kopernikanischen Wenden der Vergangenheit: Kopernikus, Darwin, Freud – alle nahmen dem Menschen eine Illusion (Zentralstellung im Kosmos, Sonderstellung der Schöpfung, Transparenz des Bewusstseins) und zwangen zu neuer Demutglobale-schwarm-intelligenz.de. “Wie einst Kopernikus, Darwin oder Freud liefert Fenner keine bequeme Lösung, sondern zumutet uns eine veränderte Selbstauffassung: Wir müssen uns als Teil eines lebendigen Gefüges verstehen, in dem Verantwortung heißt, die fragile Balance des Lebendigen zu wahren.”globale-schwarm-intelligenz.de. Diese Zumutung ist vielleicht genau das, was die gegenwärtige Lage erfordert.
Die plastische Anthropologie stellt die Epistemologie vom Kopf auf die Füße: statt eines Denkens, das abstrahiert, trennt und herrscht, ein Denken, das eintaucht, vermittelt und dientglobale-schwarm-intelligenz.de. Sie ersetzt den Standpunkt des Zuschauers durch den des Beteiligten. Damit wird sie – zurückgehend auf die Fragestellung dieser Arbeit – zu einer erkenntnistheoretischen Alternative gegenüber symbolischen Systemen: Während symbolische Systeme auf Distanz, Zeichen und Abstraktion bauen, setzt die plastische Anthropologie auf Nähe, Dinge und Konkretion. Im Idealfall arbeiten beide nicht gegeneinander, sondern die symbolischen Systeme werden eingebettet in eine Kultur der Rückkopplung. Symbole würden dann wieder Werkzeuge sein (wie ursprünglich die Sprache), nicht eigenmächtige Herren.
Ein solcher Kulturwandel ist gewiss anspruchsvoll. Aber es ließe sich argumentieren, dass wir bereits Anzeichen dafür sehen: Die Hinwendung zu Erfahrung und Resonanz wird in vielen Bereichen spürbar – in der Bildung (mehr projektbasiertes Lernen), in der Wirtschaft (Stichwort Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft, die Feedback betonen), in der Politik (Bürgerbeteiligung, deliberative Formate). Auch die Popularität von Achtsamkeitsbewegungen oder DIY-Kultur kann man als Ausdruck eines Bedürfnisses lesen, wieder Konsequenzen zu spüren und nicht bloß zu funktioneren. Die plastische Anthropologie liefert für all das einen kohärenten theoretischen Rahmen, der solche Tendenzen nicht als nostalgische Gegenbewegungen abtut, sondern als zukunftsweisende Elemente einer neuen Gestaltungsform von Kultur wertschätzt.
Abschließend lässt sich festhalten: Die plastisch-anthropologische Theorie entfaltet eine Vision vom Menschen, der nicht länger das entfremdete Schachfigur seiner eigenen Symbole ist, sondern zum spielerischen Wissenschaftler und künstlerischen Handwerker seiner Existenz wirdglobale-schwarm-intelligenz.deglobale-schwarm-intelligenz.de. Sie fordert uns auf, die blauen Navigationslinks der eigenen Lebenswelt wieder bewusst zu verfolgen und „Spurenleser“ der Strukturen hinter der Welt zu werdenglobale-schwarm-intelligenz.de. Diese Metapher aus Fenners Projekt bringt es schön auf den Punkt: Es geht darum, wach zu werden für die Rückmeldungen, die uns die Welt ständig gibt, und daraus klüger zu handeln. Der Mensch ist, um mit Fenners Schlusswort zu enden, “nicht, was er denkt, sondern was er tut”globale-schwarm-intelligenz.de – und was er tut, soll er wissen, indem er es erfährt. Damit wären wir bei einer Ethik und Erkenntnis, die wirklich eins werden: im plastischen Vollzug des Lebens.
Fußnoten:
- Fenner, Wolfgang: Plastische Anthropologie – Grundlagentext, Einleitung, in: Globale Schwarm-Intelligenz (Wiki), Abschnitt Einleitung. Zitat: „Das menschliche Selbstverständnis beruht gegenwärtig wesentlich auf der Annahme, dass der Mensch ein vernunftbegabtes Subjekt sei, ... Zugleich steht es jedoch in einem deutlichen Widerspruch zu der biologischen und physiologischen Wirklichkeit... Der Mensch ist ein körpergebundenes, verletzliches und rückgekoppeltes Lebewesen...“globale-schwarm-intelligenz.de.
- Merleau-Ponty, Maurice: Phänomenologie der Wahrnehmung, 1945 (deutsch 1966). Das zitierte Motto „Die Wahrheit bewohnt nicht bloß den inneren Menschen... Der Mensch kennt sich allein in der Welt.“ findet sich in der Einleitung der Phänomenologie der Wahrnehmungdeutschlandfunk.de und bringt Merleau-Pontys Kernthese zum Ausdruck, dass Selbst- und Welterkenntnis untrennbar sind.
- Fenner, Wolfgang: Wolfgang Fenners „plastische Anthropologie“ im Kontext..., 2025 (Wiki-Artikel). Hier wird Fenners Konzept und dessen Einordnung dargestellt. Zitat: „Im Mittelpunkt von Fenners Theorie steht das 51:49-Prinzip als „plastische Weltformel“ lebendiger Prozesseglobale-schwarm-intelligenz.de... Dieses scheinbar kleine Ungleichgewicht erzeugt Dynamik, Lernfähigkeit und Evolution: ‚Jedes lebendige System bleibt nur in minimalem Ungleichgewicht stabil...‘globale-schwarm-intelligenz.de. Fenner betont, dass das 51:49-Verhältnis als epistemisches Prinzip zu verstehen ist... Wird die Störung völlig ausgeschlossen (100:0) oder vollkommene Symmetrie erzwungen (50:50), erstarrt das System und verliert seine Lebendigkeit.globale-schwarm-intelligenz.de“
- Simondon, Gilbert: Du mode d’existence des objets techniques (franz. 1958). Deutsche Sekundärquelle: Del Fabbro, Orso: Philosophieren mit Objekten – Gilbert Simondons..., in: Allgemeine Zeitschrift für Philosophie 46(4), 2021. Dort S. 14: „Für Simondon zwingt das Konzept der Rückkopplung nun die Philosophie, zwei zentrale Begriffe neu auszulegen: die Kausalität und das Individuum. Das heißt, erstens sind kausale Zusammenhänge zirkulär und nicht mehr aufeinanderfolgend. Und zweitens führt eine zirkuläre Kausalität [zu einer veränderten Auffassung des Individuums].“ssoar.info (Einfügung in Klammern durch den Autor). – Siehe auch Simondons Beschreibung der Watt’schen Dampfmaschine, ebd. S. 148f., zur Selbstregulierung via Fliehkraftreglerssoar.infossoar.info.
- Fenner, Wolfgang: Plastische Anthropologie (Grundlagentext), Teil I, Kapitel 1-3, 2025. Insb. Kap. 1 Das Prinzip der minimalen Asymmetrieglobale-schwarm-intelligenz.de, Kap. 2 Biologische Evidenzen...globale-schwarm-intelligenz.de, Kap. 3 Psychische und Handlungsprozesse...globale-schwarm-intelligenz.de. Hier werden zahlreiche Beispiele für 51:49 im Leben angeführt: DNA-Struktur, Zellteilung, Organdifferenzen, Stoffwechsel-Oszillationen, Entscheidungsprozesse, Lernprozesse etc. Zitat (Kap. 2): „Leben realisiert sich ausschließlich durch Rückkopplung und Differenz, nicht durch symmetrische Gleichheit.“globale-schwarm-intelligenz.de
- Merleau-Ponty, Maurice: Das Sichtbare und das Unsichtbare (Le Visible et l’invisible, postum 1964), dt. 1986. Zitat: „Der Mensch steht der Welt nicht gegenüber, sondern ist Teil des Lebens, in dem die Strukturen, der Sinn, das Sichtbarwerden aller Dinge gründen.“die-inkognito-philosophin.de – Merleau-Ponty betont hier die Inklusion des Menschen in die Welthaftigkeit, was die plastische Anthropologie bestätigt.
- Fenner, Wolfgang: Grundlagentext, Teil II Der kulturelle Bruch, Kap. 4-6, 2025. Besonders Kap. 4 Der Symmetriedualismus als Konstruktionsfehlerglobale-schwarm-intelligenz.de (Platon, Trennung von Idee und Vollzug), Kap. 5 Simulation statt Wirklichkeitglobale-schwarm-intelligenz.de (Wissenschaft schließt Rückkopplung aus), Kap. 6 Homo Sapiens als Verpackung seiner Begriffeglobale-schwarm-intelligenz.de. Zitat Kap. 5: „Gültiges Wissen soll reproduzierbar, neutral und unabhängig vom Beobachter sein. Damit wird ein Erkenntnismodell etabliert, das Rückkopplung ausschließt... Die Messbarkeit ersetzt Wahrnehmung. Das Wirkliche wird zum Abbild, die Erfahrung zum Störfaktor.“globale-schwarm-intelligenz.de
- Heidegger, Martin: Die Frage nach der Technik, in: Vorträge und Aufsätze, 1954. In deutscher Wikipedia wird Heideggers Kerngedanke so zusammengefasst: „Mit der Technik geht auch eine veränderte Auffassung der Welt einher. So wird nach Heidegger durch die Technik die Erde vornehmlich unter dem Gesichtspunkt der Nutzbarmachung in den Blick gebracht. Wegen ihrer globalen Verbreitung und der damit verbundenen schonungslosen ‚Vernutzung‘ natürlicher Ressourcen sah Heidegger in der Technik eine unabweisbare Gefahr.“de.wikipedia.org. Weiter heißt es: „Der Technik stellte er die Kunst gegenüber... Der Mensch soll anstatt über die Erde zu herrschen, in ihr als sterblicher Gast wohnen und sie schonen.“de.wikipedia.org.
- Luhmann, Niklas: Die Ausdifferenzierung der Gesellschaft, 1975; Soziale Systeme, 1984. – Luhmann beschreibt, dass moderne Gesellschaft in Funktionssysteme zerfällt, die je eigene Codes haben (Wirtschaft: Zahlung/Nicht-Zahlung, Recht: legal/illegal, etc.) und operativ geschlossen sind, d.h. Umwelteinflüsse nur nach eigenem Code verarbeiten. Dadurch entstehen blinde Flecken und Entkopplungen: z.B. behandelt das Recht alle Menschen formal gleich (Gleichheitsfiktionglobale-schwarm-intelligenz.de), ignoriert aber reale Unterschiede; die Wirtschaft externalisiert Umweltkosten, da sie im Code „Geld“ nicht erscheinen, etc. Fenner greift diese Ideen auf in Kap. 7 Wirkungsmatrix 51:49 vs 50:50globale-schwarm-intelligenz.de und Kap. 8 Warum Warnsysteme versagenglobale-schwarm-intelligenz.de. Zitat Kap. 8: „Krisensymptome werden nicht erkannt, weil sie nicht in den Begriffsräumen erscheinen, in denen entschieden wird. Spezialisierung verhindert die Wahrnehmung des Ganzen. Rückkopplung wird kulturell verdrängt... Die Fähigkeit zur Wahrnehmung von Gefahr reduziert sich, während die Abhängigkeit von Systemstabilität steigt.“globale-schwarm-intelligenz.de
- Latour, Bruno: Das terrestrische Manifest (Down to Earth: Politics in the New Climatic Regime), 2017, sowie Critical Zones (hg. mit P. Weibel, ZKM 2020). Latour beschreibt die Krise der Moderne als Landungsverlust: Die Menschen, die an Globalisierung und Wachstum glaubten, merken nun, dass „es keine Erde gibt, die zu den Versprechen der Globalisierung kompatibel ist. Es besteht eine totale Diskrepanz zwischen dem Horizont des Globus und der realen Position der Erde.“zkm.de. Er spricht von einer Desorientierung und dem Bedarf „wieder zu landen“. Critical Zone bezeichnet die dünne Schicht Leben auf der Erdoberfläche: „nur ein paar km dünn... ein Firnis, eine dünne Haut, ein Biofilm... Wir müssen uns vorstellen, dass es eine Haut der Erde ist, empfindlich, komplex, reizbar. Dort leben wir alle – Zellen, Pflanzen, Tiere und Menschen.“zkm.de. – Diese Metaphern der fragilen Membran des Lebensspool.ac und des „dünnen Eises der Zivilisation“ wurden im Text aufgenommen.
- Kant, Immanuel: Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht, 1784. Dort führt Kant das Konzept der “ungeselligen Geselligkeit” ein: Der Antagonismus zwischen gesellschaftlichem Trieb und individuellem Eigensinn bringe die Menschheit voran. Fenner vergleicht dies mit 51:49: Ein kleiner Überschuss an Konflikt bzw. Unruhe entfalte die Fähigkeitenglobale-schwarm-intelligenz.deglobale-schwarm-intelligenz.de. Kant: „Dank sei also der Natur für die herzlose Konkurrenzsucht... ohne diese würden alle Anlagen ewig schlummern“ (Kant, Idee, 4. These)globale-schwarm-intelligenz.de.
- Jonas, Hans: Das Prinzip Verantwortung, 1979. Jonas fordert eine Ethik für die technologische Zivilisation: Handle so, dass die Folgen verträglich sind mit dem Fortbestand echten menschlichen Lebens. Fenner nimmt Jonas auf, aber systemtheoretisch gewendet: „Was dem Leben dient, ist ethisch.“ und Verantwortung heißt funktional, nichts zu zerstören, was trägtglobale-schwarm-intelligenz.de. Zudem streicht Fenner die Bedeutung der Verletzlichkeit heraus (Levinas’ Einfluss) als Voraussetzung von Gerechtigkeitglobale-schwarm-intelligenz.de.
- Beuys, Joseph: Kunsttheorie der Sozialen Plastik. Zitate: „Jeder Mensch ist ein Künstler.“; „Die Gesamtheit der Menschen definiere ich als Soziale Plastik, die an der Gestaltung der Gesellschaft mitwirkt.“ Beuys’ Aktionen wie 7000 Eichen (1982) oder sein Büro für direkte Demokratie zeigen den erweiterten Kunstbegriff in Praxis. Fenner stellt sich bewusst in diese Traditionglobale-schwarm-intelligenz.deglobale-schwarm-intelligenz.de. In Fn. [17] im Wiki wird zitiert: „Beuys betrachtete die Gesellschaft als ‚ein einziges großes Kunstwerk [...], zu dem jeder Mensch kreativ beitragen kann‘.“globale-schwarm-intelligenz.de
- Haraway, Donna: A Cyborg Manifesto, 1985. Haraway beschreibt den Menschen als bereits technikdurchdrungen (Cyborg) und plädiert für Freude an der Hybriditätglobale-schwarm-intelligenz.de. Fenner bezieht sich darauf im Zusammenhang mit KI: Er sieht Mensch-KI-Kombinationen als Fortsetzung menschlicher Kognitionglobale-schwarm-intelligenz.de. Seine eigene Biografie belegt er: Mit 77 Jahren konnte er sein Wissen nur mithilfe der KI ordnenglobale-schwarm-intelligenz.de – ein praktisches Cyborg-Element.
- Dreyfus, Hubert L.: What Computers Still Can’t Do, 1972/1992. Dreyfus, ein Schüler Heideggers, argumentierte früh, dass KI ohne embodied commonsense grundlegende Grenzen hat. Seine Kritik spiegelt das Problem der Entkörperlichung wider, das hier diskutiert wurde (fehlende Welt-Einbettung der KI). Zwar nicht direkt zitiert im Text, untermauert Dreyfus’ Werk aber die Notwendigkeit von Leiblichkeit für echte Intelligenz.
Diese Fußnoten sollen die verwendeten Quellen und Bezüge nachweisen sowie weiterführende Lektüren für vertieftes Verständnis anbieten. Die plastisch-anthropologische Theorie steht damit auf dem Fundament zahlreicher interdisziplinärer Diskurse und versucht, einen integrativen Beitrag zur Selbstverständigung des Menschen im 21. Jahrhundert zu leisten – einem Jahrhundert, in dem sich entscheiden wird, ob wir die Rückkopplung mit der Erde und untereinander wiederfinden, oder in der Simulation einer hohlen, entkoppelten Symbolwelt untergehen.
Du:
Den Text noch mal schreiben nicht im caravan oder sonstigen ganz normal hier
ChatGPT:
Alles klar. Ich beginne mit dem Verfassen eines wissenschaftlichen Fließtexts von ca. 20 Seiten Umfang, der deinen gesamten thematischen Rahmen verarbeitet: plastische Anthropologie, symbolische Entkopplung, die 51:49-Logik, Kunst als Rückkopplung, KI als Endpunkt der Symbolwelt, die sieben Membranen usw.
Ich beziehe sowohl theoretische, phänomenologische, kulturkritische als auch künstlerisch-empirische Aspekte ein, verknüpfe sie mit deinem umfangreichen Material und baue ein kohärentes akademisches Narrativ auf.
Du kannst währenddessen gern weiter mit mir sprechen oder Inhalte anpassen.
ChatGPT:
Plastische Anthropologie: Rückkopplung im Zeitalter der Entkopplung
Einleitung: Mensch und Welt in der modernen Entkopplung
Die moderne Zivilisation sieht sich einer eigentümlichen Entkopplung zwischen Mensch und Welt gegenüberglobale-schwarm-intelligenz.de. Unser kulturelles Selbstverständnis beruht weithin auf der Annahme, der Mensch sei ein denkendes Subjekt, das durch Symbole, Begriffe und bewusste Entscheidungen seine Umwelt gestalteglobale-schwarm-intelligenz.de. Diese Sichtweise stellt den Geist in den Vordergrund und vertraut auf abstrakte Ideen sowie rationale Kontrolle. Doch sie steht im Widerspruch zur leiblichen Realität: Der Mensch ist ein verletzliches, körpergebundenes Lebewesen, eingebunden in Rückkopplungsprozesse wie Stoffwechsel, Reiz und Reaktionglobale-schwarm-intelligenz.de. Mit Maurice Merleau-Ponty gesprochen: „Die Wahrheit bewohnt nicht bloß den inneren Menschen. Denn es gibt keinen inneren Menschen. Der Mensch kennt sich allein in der Welt.“globale-schwarm-intelligenz.deglobale-schwarm-intelligenz.de. Dieses Zitat bringt zum Ausdruck, dass Selbst- und Welterkenntnis untrennbar mit der leiblichen Einbettung in die Welt verbunden sind.
Tatsächlich vollzieht sich das Leben als dynamisches Wechselspiel zwischen Organismus und Umwelt – nicht als abgeschlossene Innenwelt des Geistesglobale-schwarm-intelligenz.de. Dennoch hat die abendländische Denktradition seit Platon eine symbolische Ordnung etabliert, welche den Menschen schrittweise von diesen Rückkopplungen entfremdetglobale-schwarm-intelligenz.de. Die symbolisch konstruierte Moderne kann daher als „lebens- und erkenntnisfern“ charakterisiert werdenglobale-schwarm-intelligenz.de: Sie meidet reale Rückmeldungen und verdrängt plastische, d.h. formbare und anpassende Prozesseglobale-schwarm-intelligenz.de. Statt unmittelbarer Konsequenzen des Handelns treten abstrakte Modelle, Daten und Gleichungen. Symbole und Konzepte schieben sich wie Schichten zwischen uns und der Wirklichkeitglobale-schwarm-intelligenz.de.
Diese Arbeit setzt sich mit den Folgen dieser symbolischen Überlagerung auseinander und skizziert einen alternativen Zugang: die Theorie der plastischen Anthropologie (51:49). Zentrale Thesen sind:
- Der Mensch verliert Weltkontakt durch symbolische Überlagerung und Rückkopplungsverlust. Moderne symbolische Systeme – von Sprache über Medien bis Institutionen – wirken wie Membranen, die uns von den unmittelbaren Konsequenzen unseres Handelns isolierenglobale-schwarm-intelligenz.de. Wir leben zunehmend in einer Symbolwelt, in der Begriffe, Bilder und Daten Realität ersetzen, was zu Entfremdung und Fehlsteuerungen führt.
- Die plastische Anthropologie 51:49 bietet ein alternatives Erkenntnismodell. Sie besagt, dass lebendige Systeme nur in leichter Asymmetrie (51:49) stabil und lernfähig bleibenglobale-schwarm-intelligenz.de. Dieses Prinzip minimaler Unwucht betont Rückkopplung und Differenz statt perfekter Balance. Es bildet die Grundlage einer neuen Epistemologie, die den Menschen als homo plasticus in ständiger Wechselwirkung mit der Welt begreiftglobale-schwarm-intelligenz.deglobale-schwarm-intelligenz.de.
- Kunst ist ein Rückkopplungsraum. Ästhetische Erfahrungen und künstlerische Interventionen können die symbolischen Membranen durchdringen und unmittelbares Spüren von Wirklichkeit ermöglichen. Kunst eröffnet Resonanzräume, in denen abstraktes Wissen in leibhaftige Erfahrung rückübersetzt wirdglobale-schwarm-intelligenz.deglobale-schwarm-intelligenz.de. Dadurch schafft sie Erkenntnis durch Erfahrung – „Einsicht durch Erfahrung“ – und dient als Korrektiv zur entkoppelten Lebensweiseglobale-schwarm-intelligenz.deglobale-schwarm-intelligenz.de.
- KI reproduziert den 50:50-Irrtum und verstärkt Entkopplung. Künstliche Intelligenz operiert vorwiegend in der Sphäre von Zeichen und Daten – eine reine Symbolwelt ohne leibhaftige Verankerung. Damit setzt KI die Tendenz fort, Wissen von Erfahrung zu trennen, und droht die bestehende Entfremdung zu verschärfen. Sie verkörpert gleichsam den Endpunkt der symbolischen Logik, indem sie menschliche Urteilsprozesse durch formale Algorithmen ersetzt – mit der Gefahr, Rückkopplungsschleifen weiter auszublenden.
Im Folgenden wird diese neue epistemologische Position – die plastische Anthropologie – im Spannungsfeld von Technik, Kunst, Symbolik und Handlung verortet und präzisiert. Zunächst wird die Entkopplungsdynamik der modernen Zivilisation analysiert: Wie kam es historisch zur symbolischen Überlagerung (Stichwort 50:50-Denken) und welchen Ausdruck findet sie in den „sieben zivilisatorischen Membranen“? Anschließend wird das 51:49-Prinzip als Grundlogik des Lebendigen vorgestellt – als Gegenentwurf zum Symmetrie-Ideal – gestützt durch philosophische Perspektiven (u.a. Merleau-Ponty, Simondon, Heidegger, Latour, Flusser). Konkrete Denkobjekte wie die vergoldete Kartoffel, die Liegedecke und das dünne Eis dienen dazu, abstrakte Zusammenhänge greifbar zu machen. Sie illustrieren die Wirkungen von Kunst als Rückkopplungsraum. Schließlich wird Künstliche Intelligenz als Zuspitzung der symbolischen Tendenz kritisch diskutiert: Reproduziert KI den epistemischen Konstruktionsfehler der Moderne? Und wie lässt sich im Koordinatensystem 51:49 – 50:50 – 1:99 ein neues Gleichgewicht denken, das Technik, Symbolik, Kunst und verantwortliches Handeln integriert?
Ziel ist es, zu zeigen, dass die plastische Anthropologie eine notwendige Kopernikanische Wende im Denken darstellt: Weg von der Illusion weltabgewandter Kontrolle, hin zu einer demütigen Einbettung des Menschen als Teil eines lebendigen Gefügesglobale-schwarm-intelligenz.deglobale-schwarm-intelligenz.de. Nur durch eine solche Neuausrichtung – zurück zur Welt, ohne die Welt je ganz in den Griff bekommen zu wollen – lassen sich die drängenden Krisen unserer Zeit verstehen und nachhaltig angehen.
Symbolische Systeme als Membranen: Der Verlust an Rückkopplung
„Die symbolische Ordnung unserer Zivilisation – vermittelt durch Sprache, Zeichen, Institutionen und Medien – wirkt wie eine mehrschichtige Membran zwischen Mensch und Umwelt.“ Dieses Bild aus der Theorie der plastischen Anthropologie beschreibt prägnant, wie moderne symbolische Systeme zwischen uns und der Wirklichkeit stehenglobale-schwarm-intelligenz.de. Sprache, Schrift, Zahlen, Bilder, Geld, Institutionen, Medien – all diese symbolischen Codes haben eine dialektische Wirkung: Einerseits ermöglichen sie uns, die Welt zu bedeuten, zu strukturieren und gedanklich zu beherrschen; andererseits verdecken sie die Welt zugleich, indem sie uns von der unmittelbaren Erfahrung entfernende.wikipedia.orgde.wikipedia.org. Wie der Medientheoretiker Vilém Flusser betont, tragen Symbole „die Tendenz inne, die Welt zu verdecken“, selbst während sie versuchen, sie darzustellende.wikipedia.orgde.wikipedia.org.
Historisch beginnt dieser Prozess der symbolischen Entfremdung mit der Philosophie Platons. Platon trennte die sinnlich wahrnehmbare von der ideellen Welt und erhob die unveränderlichen Ideen zur eigentlichen Wirklichkeitglobale-schwarm-intelligenz.de. Damit entstand das Ideal einer spiegelbildlichen Trennung: Hier das erkennende Subjekt und dort das Objekt, hier Geist und dort Materie – scheinbar unabhängig voneinander, erst im Bewusstsein verknüpftglobale-schwarm-intelligenz.de. Diese dualistische Sicht lässt sich als Symmetriedualismus 50:50 beschreibenglobale-schwarm-intelligenz.de: Mensch und Welt stehen sich wie in einem perfekten Gleichgewicht gegenüber, als zwei getrennte Hälften. Bis heute wirkt diese Vorstellung fort und bildet den “epistemischen Grundstein der Wissenschaften”globale-schwarm-intelligenz.de.
Heidegger hat dieses moderne Weltverhältnis als “neuzeitliches Weltbild” und “Ge-stell” (im Sinne eines technischen Rahmens) kritisiert. Der Mensch der Neuzeit erhebt sich zum neutralen Beobachter, der die Gesamtheit des Seienden zum Gegenstand machtsezession.desezession.de. Natur wird dabei zum bloßen Bestand, zur verfügbaren Ressource – “eine einzige riesige Tankstelle”, wie Heidegger pointiert sagtsezession.de. Alles Unverfügbare, alles nicht vom Subjekt Kontrollierte, gilt es zu überwinden. So entsteht eine „künstliche Welt“, in der das Unverfügbare entmächtigt werden sollsezession.de. Dieses Denken der totalen Machbarkeit führt paradoxerweise zu einer Entfremdung von der Welt: Indem das moderne Subjekt alle Beziehungen objektivieren will, verliert es den Sinn für das, was es selbst einbettet. Heidegger spricht von “Seinsvergessenheit”, einem Vergessen der ursprünglichen Verbundenheit des Seinssezession.de. Die Folge ist eine “Verweigerung von Welt”: Unter dem Banner von Fortschritt und Aufklärung schiebt sich eine konstruierte Maske zwischen uns und die Phänomenesezession.de. Individualismus, Universalismus, technischer Fortschrittsglaube – all diese Ideologien wirken wie Filter, die unsere Sicht auf die Wirklichkeit verzerren und dämpfensezession.de. Der Mensch fühlt sich losgelöst und grenzenlos, doch diese Illusion beruht darauf, dass direkte Rückbindungen – etwa an Naturprozesse oder kulturelle Tradition – gekappt wurdensezession.desezession.de. Übrig bleibt ein global homogenisierter Raum, in dem zwar hektische Aktivität und Reizüberflutung herrschen, aber innerlich Leere und Orientierungslosigkeit entstehensezession.de.
Mit der Entstehung immer neuer symbolischer Schichten hat sich also ein Rückkopplungsverlust eingestellt: Handeln und Konsequenz werden entkoppelt, die realen Auswirkungen unseres Tuns bleiben unsichtbarglobale-schwarm-intelligenz.de. Beispiele dafür finden sich überall: Wir kaufen Lebensmittel im Supermarkt, ohne Bezug zu Boden oder Landwirt; wir konsumieren Energie, ohne die Umweltzerstörung der Förderung zu spüren; politische Entscheidungen werden in abstrakten Gremien getroffen, ihre Folgen tragen oft andere an fernen Orten oder in zukünftigen Generationen. Symbole, Institutionen und Medien fungieren als Puffer, die unmittelbare Resonanz unterdrücken. Die Konsequenzen kommen zeitverzögert oder bleiben gänzlich ausgeblendet.
Flusser beschreibt die Menschwerdung sogar als einen Entfremdungsprozess: Der Mensch werde aus der natürlichen Einbettung „heraussgestoßen“ und kommuniziert, um die dadurch empfundene Verlorenheit zu überwindende.wikipedia.org. Symbole dienen ihm dazu, die Kluft zwischen sich und der Welt zu überbrücken, aber zugleich können sie diese Kluft verfestigende.wikipedia.orgde.wikipedia.org. Unsere Kommunikationsmedien – vom Buchdruck bis zum digitalen Netz – haben die Tendenz, eine eigene Wirklichkeitsebene zu erschaffen, die von der Primärerfahrung abgekoppelt ist. Flusser hat ein fünfstufiges Modell vorgeschlagen: von der vierdimensionalen Umwelt des unmittelbaren Erlebens (Urmenschen), über dreidimensionale Objektwelt, zweidimensionale Bilderwelt, eindimensionale Textwelt bis zur nulldimensionalen Welt der technischen Bilder und Berechnungende.wikipedia.orgde.wikipedia.org. Mit jedem Schritt nimmt die Abstraktion zu und die sinnliche Unmittelbarkeit ab. In der heutigen nach-alphabetischen Phase – dominiert von digitalen Codes – droht die Krise einer völligen “Entwirklichung”: Texte verlieren ihren Stellenwert, Daten und Simulationen treten an ihre Stellede.wikipedia.org. Flusser erkennt darin einerseits Herausforderungen, andererseits die Chance auf eine neue Dialogizität in der Telematischen Gesellschaft. Doch faktisch erleben wir gegenwärtig vor allem die negativen Seiten: Algorithmische Diskurse (etwa in sozialen Medien) verdrängen echte Dialoge, es entstehen Echokammern und Filterblasen, die Resonanzräume verzerrenglobale-schwarm-intelligenz.de.
Bruno Latour hat in Wir sind nie modern gewesen ähnlich argumentiert, dass die moderne Trennung von Natur und Gesellschaft ein künstliches Konstrukt ist. In Wahrheit waren wir immer Teil von Netzwerken aus menschlichen und nicht-menschlichen Akteuren. Die “Moderne” definierte sich durch die scheinbare Trennung von Subjekt/Objekt, Kultur/Natur – während hinter den Kulissen hybride Verflechtungen weiterwirkten. Latour fordert daher ein “Terrestrisch-Werden” des Denkens: Wir müssen uns wieder als Erdbewohner verstehen, die in gemeinsamen Kritischen Zonen leben, wo jede Handlung Rückwirkungen hat. Er verwendet das Bild, wir müssten endlich auf der Erde landen. In Diskussionen mit Alexander Kluge prägte Latour die Metapher vom “dünnen Eis der Zivilisation”, auf dem wir stehenglobale-schwarm-intelligenz.deglobale-schwarm-intelligenz.de. Die Haut unserer hochtechnisierten Gesellschaft ist dünn und fragil – und wir bemerken es oft erst, wenn Einbruchsgefahr besteht.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Die moderne Zivilisation hat ein dichtes Geflecht symbolischer Systeme aufgebaut – mehrschichtige Membranen, die den unmittelbaren Weltkontakt filternglobale-schwarm-intelligenz.de. Diese symbolischen Membranen sind teils kognitive (Sprache, Wissenschaft), teils soziale (Institutionen, Märkte), teils technische (Medien, digitale Netze). Ihre positive Funktion besteht darin, Erfahrungen zu kodieren und verallgemeinernglobale-schwarm-intelligenz.de, also Wissen zu speichern und planvolles Handeln zu ermöglichen. Doch ihr Nebeneffekt ist eine Vermittlungsschicht, die Wahrnehmung und Handlung voneinander trenntglobale-schwarm-intelligenz.de. Was nicht in den Code passt, gilt als “Störfaktor” und wird ausgeblendetglobale-schwarm-intelligenz.de. So „ersetzt Messbarkeit die Wahrnehmung“, wie Fenner anmerkt: „Das Wirkliche wird zum Abbild, die Erfahrung zum Störfaktor.“globale-schwarm-intelligenz.de. Wir verstehen etwa naturwissenschaftlich eine Ursache-Wirkungs-Kette, spüren aber ihre Konsequenzen nicht mehr am eigenen Leibglobale-schwarm-intelligenz.de.
Die Diagnose lautet daher: Wir leiden an einem Rückkopplungsdefizit. Moderne symbolische Systeme – so nützlich sie für Kontrolle und Vorhersage sind – haben uns den Sinn für reale Konsequenzen abtrainiert. Der Mensch hat in gewissem Sinne aufgehört, mit der Welt zu interagieren, und begnügt sich damit, sie zu repräsentieren. Dadurch entstehen gefährliche Blindstellen. Wolfgang Fenner, der Begründer der plastischen Anthropologie, spricht provokativ von einem “zivilisatorischen Konstruktionsfehler”globale-schwarm-intelligenz.de: Dieser Fehler sei vor rund 2400 Jahren geboren (mit dem Tod des Sokrates und dem Siegeszug des platonischen Denkens) und steuere bis heute die westliche Kulturglobale-schwarm-intelligenz.de. Die Abwertung des Leibes zugunsten des Geistes, des Werdens zugunsten des Seins, schuf einen „Wolf im Schafspelz“ (so nennt Fenner Platons Ideenlehre)globale-schwarm-intelligenz.de. Nietzsche und Foucault haben diese “Askese der Wahrheit” später scharf kritisiertglobale-schwarm-intelligenz.deglobale-schwarm-intelligenz.de. Foucault zeigte, wie seit Platon ein Wahrheitsregime installiert wurde, das das Sichtbare dem Unsichtbaren (Begriffen, Gott, Idealen) unterordnetglobale-schwarm-intelligenz.de – mit der Konsequenz, dass die lebendige Rückkoppelung systematisch unterdrückt wird.
Im nächsten Abschnitt wird dargestellt, wie die plastische Anthropologie diesen Konstruktionsfehler zu korrigieren sucht: Durch ein radikal anderes Grundprinzip, das Leben und Erkennen auf Rückkopplung gründet. Doch zuvor ist es hilfreich, die abstrakte Idee der Membran zu konkretisieren. Man kann von sieben zivilisatorischen Membranen sprechen – sieben Schichten symbolischer Vermittlung, die sich in der Zivilisationsgeschichte herausgebildet haben. Diese werden im Folgenden differenziert dargestellt.
Die sieben zivilisatorischen Membranen: Struktur der symbolischen Überlagerung
Um die Entkopplung zu verstehen, lohnt es sich, die Struktur der symbolischen Systeme in Schichten oder Membranen aufzuschlüsseln. Jede dieser Membranen bildet eine Ebene, auf der der Mensch seine Beziehung zur Welt ordnet – und zugleich ein Stück weit von ihr trennt. Im Bild gesprochen: Der direkte Kontakt (etwa der bloße Fuß auf der Erde) wird Schicht für Schicht von Gedankenwelten überlagert (vergleichbar mit Socken, Schuhen, Teppichen…), bis wir schließlich auf einem künstlichen Boden stehen, der vom natürlichen Grund entkoppelt ist. Die plastische Anthropologie nennt diese Schichten Membranen, weil sie halbdurchlässig sind: Etwas von der Realität dringt noch durch, aber vieles wird gefiltert oder umgewandelt.
1. Sprache und Begrifflichkeit: Die erste Membran ist die Sprache selbst. Mit der Fähigkeit, Begriffe und Symbole zu formen, tritt der Mensch aus der Unmittelbarkeit der Sinneswelt heraus. Sprache ermöglicht Abstraktion – wir können über Abwesendes sprechen, Ideen entwickeln, Bedeutungen aushandeln. Doch Sprache verallgemeinert auch und trennt uns vom Einzelfall. An die Stelle des konkreten sinnlichen Eindrucks tritt ein Wort oder Konzept. Diese begriffliche Membran hat enorme kognitive Vorteile, schafft jedoch auch Distanz: Wir erleben die Welt nicht mehr nur roh und ungefiltert, sondern immer durch Interpretationsschemata. Was benannt ist, wird eingeordnet – und damit auch vereinfacht oder verzerrt. Beispiel: Statt den einzigartigen Vogel vor uns wirklich zu sehen, denken wir “das ist ein Spatz” und behandeln ihn nach dem allgemeinen Begriff Spatz. Sprache ist also einerseits Brücke, andererseits Filter.
2. Schrift und Zahl (Aufschreibesysteme): Mit der Erfindung der Schrift und anderer Aufschreibesysteme (Zahlen, Notationen) verdichtet sich die symbolische Membran weiter. Schrift macht Sprache dauerhaft und erlaubt komplexe Speicherung von Wissen. Doch sie bringt linear-analytisches Denken hervor („eindimensionale Umwelt“ nennt Flusser diesde.wikipedia.org). Zahlen und Maßsysteme erlauben exakte Quantifizierung – ein Meilenstein für Wissenschaft und Technik. Aber die Welt in Zahlen zu fassen, heißt auch, vieles auszublenden, was sich nicht quantifizieren lässt. Beispielsweise drücken wir die Qualität eines Flusses in einer Schadstoffzahl aus – doch die sinnliche Erfahrung des lebendigen Wassers verschwindet hinter dem numerischen Wert. Die Schriftkultur schiebt sich als Membran vor die orale Kultur: Traditionelles anschauliches Wissen (Mythen, Bilder) verliert an Gewichtde.wikipedia.org. Wissen wird abstrakter, diskursiver. Diese Schicht hat die Wahrnehmungsform der Menschen verändert: Linearer Zeitverlauf und abstrakter Raum werden selbstverständlichde.wikipedia.org. Kurz, die Schrift- und Zahlenmembran verstärkte die Rationalisierung – und damit die Entkörperlichung des Wissens.
3. Institutionen, Gesetze und Institutionalisierung: Die nächste Schicht sind die gesellschaftlichen Institutionen und Regelwerke. Sobald Menschen komplexe Gesellschaften bilden, entstehen Kodizes, Gesetze, bürokratische Strukturen. Diese formalisieren das Zusammenleben – wiederum ein Fortschritt an Berechenbarkeit und Fairness, aber um den Preis der Verrechtlichung und Bürokratisierung der Lebenswelt. Institutionen (Staat, Verwaltung, Justiz, Bildungssystem, aber auch Kirchen, Unternehmen) wirken als Membran, indem sie individuelles Handeln in abstrakte Rollen und Verfahren einbetten. Der Mensch agiert dann nicht mehr unmittelbar als Person, sondern als Amtsinhaber, Bürger, Kunde etc. Verantwortung kann so diffus werden: Jeder tut „seinen Job“ nach Vorschrift, doch die Gesamtauswirkung verschwindet aus dem Blick. Max Weber sprach von der “stahlharten Gehäuse” der Bürokratie – sie kann Menschen von den emotionalen und moralischen Rückmeldungen ihres Tuns abschirmen. Ein Beispiel: In einem großen Konzern entscheidet ein Abteilungsleiter über Kostenreduktionen, die letztlich Entlassungen bedeuten; doch die Entscheidung erscheint ihm als rein betriebswirtschaftliche Kennzahl-Optimierung, nicht als Schicksal von Menschen. Die institutionelle Membran filtert die ethische Rückkopplung. Ähnlich wirken Bürokratien: Das individuelle Leid eines Antragstellers reduziert sich im Amt auf einen Formularvorgang. Institutionen sind wichtig für stabile Gesellschaften, aber sie tendieren dazu, die unmittelbare menschliche Verbindung zu dämpfen.
4. Wertsymbole: Geld und Markt: Eine besonders wirksame symbolische Schicht ist das Geld. Geld ist ein universelles Symbol für Wert, das Tausch und komplexe Ökonomien ermöglicht. Allerdings abstrahiert es alle konkreten Güter und Leistungen auf eine einzige Dimension (Preis). Dadurch entkoppelt Geld den Konsum vom Produktionsprozess und vom realen Gebrauchswert. Wir kaufen ein Produkt, weil der Preis stimmt oder die Marke attraktiv ist – selten spüren wir die Geschichten dahinter (Rohstoffe, Arbeitsbedingungen, Umweltfolgen). Der Markt als Institution verstärkt dies: Er vermittelt zwischen Bedarf und Angebot über Preise, aber persönliche Beziehungen zwischen Produzent und Konsument gehen verloren. So kann es kommen, dass z.B. Lebensmittel vernichtet werden, weil der Preis nicht stimmt, während anderswo Menschen hungern – eine Rückkopplung von tatsächlichen Bedürfnissen findet unzureichend statt. Geldmembran heißt: Wir interagieren mit Zahlen (Kosten, Kontostand, Profit), statt mit den physischen Realitäten. Fenner erwähnt in diesem Zusammenhang die „Geldwertillusion“: Unser Symbol Reichtum (etwa Gold) überstrahlt oft den realen Nutzwert. Die vergoldete Kartoffel (dazu später mehr) spielt genau auf diesen Konflikt an – sie konfrontiert den Symbolwert Gold mit dem realen Wert der Nahrungglobale-schwarm-intelligenz.deglobale-schwarm-intelligenz.de. Die Geld- und Marktlogik kann extreme Formen annehmen: Spekulation in Finanzmärkten (etwa Derivatehandel) ist eine hochabstrakte Aktivität, bei der Kapital Gewinne erzielt, ohne realwirtschaftliche Rückbindung. Das führt zur Abkopplung der „Realwirtschaft“ von der Finanzwirtschaft, wie in der Finanzkrise sichtbar – ein klarer Rückkopplungsverlustglobale-schwarm-intelligenz.deglobale-schwarm-intelligenz.de.
5. Wissenschaftliche Modelle und Technik (das technologische Gestell): Die neuzeitliche Wissenschaft und Technik haben ihr eigenes symbolisches System entwickelt: Modelle, Formeln, technische Apparate. Naturwissenschaftliche Modelle übersetzen Phänomene in mathematische Sprache – enorm erfolgreich, um Natur zu verstehen und beherrschen. Doch in dieser “Vergegenständlichung der Natur” (Heidegger) liegt auch die Gefahr, Qualitäten in bloße Quantitäten zu verwandelnsezession.desezession.de. Technik in Form von Maschinen und Geräten stellt einen vermittelnden Apparat dar: Wir wirken nicht mehr direkt mit eigener Körperkraft und Sinneswahrnehmung auf die Welt ein, sondern über Instrumente. Diese verstärken zwar unsere Fähigkeiten, schieben aber auch eine Ebene zwischen uns und das Wirkungsobjekt. Beispiel: Durch moderne Landwirtschaftstechnik bearbeitet ein Landwirt riesige Flächen vom klimatisierten Traktor aus – Effizienz steigt, aber die körperliche Rückmeldung vom Boden (Mühe, Geruch, direkte Beobachtung von Pflanze und Tier) geht verloren. Im Extremfall wird per Fernsteuerung oder Algorithmus gearbeitet (Drohnenlandwirtschaft, automatisiertes Trading etc.). Das Heideggersche Gestell manifestiert sich: Technik tendiert dazu, alles als beherrschbare Ressource zu betrachten und uns gleichzeitig von unmittelbarer Erfahrung zu entfernensezession.desezession.de. So wissen wir dank Klimamodellen haargenau über CO₂-Konzentrationen Bescheid, aber das sinnliche Erschrecken über den sterbenden Wald oder das Abschmelzen der Gletscher bleibt aus, wenn man es nie direkt erfährtglobale-schwarm-intelligenz.deglobale-schwarm-intelligenz.de. Technik fungiert hier als Membran, die zwar Information liefert, aber die emotionale Dringlichkeit abschirmt. Gleichzeitig hat Technik eine Eigenwirkung auf die Wahrnehmung: z.B. sehen wir die Welt zunehmend durch die Linse von Kameras, auf Bildschirmen, in virtuellen Darstellungen. Damit droht das, was real ist, nur noch als Abbild oder Simulation vorzukommen – Jean Baudrillard sprach vom „Zeitalter der Simulation“, in dem das Zeichen dem realen Referenten vorausgeht.
6. Massenmedien und digitale Netze: Eine jüngere, aber sehr dominante Membran ist die der Medien und digitalen Kommunikation. Seit dem 20. Jahrhundert vermitteln Rundfunk, Fernsehen, und noch verstärkter das Internet nahezu alle Informationen über die Welt. Die Lebenswelt wird medial konstruiert: Was wir über Krieg, Naturkatastrophen, politische Entscheidungen wissen, stammt aus zweiter Hand, sprich aus Medienberichten, Bildern, Posts – selten aus eigener Anschauung. Das schafft ein Paradoxon: Wir sind global informiert wie nie, aber oft emotional distanziert. Medienbilder können zwar emotionalisieren, aber sie unterliegen auch Inszenierung und Auswahl. Zudem führt die digitale Personalisierung dazu, dass jeder sein eigenes Echokammer-Universum erhält. Die algorithmischen Filter (etwa von Social Media Plattformen) sind eine unsichtbare Membran, die bestimmt, welche Ausschnitte der Welt wir sehenglobale-schwarm-intelligenz.de. Resonanzräume verengen sich, Desinformation und Meinungspolarisierung entstehenglobale-schwarm-intelligenz.de. Diese Membran ist besonders tückisch, weil sie selbstreflexiv ist: Sie verändert sich je nach unserem Verhalten (Likes, Klicks) und verstärkt so bestehende Vorstellungen. Wir spüren oft gar nicht, wie sehr uns diese Schicht von einer geteilten Wirklichkeit trennt – bis der gesellschaftliche Zusammenhalt erodiert. Die Corona-Pandemie z.B. zeigte drastisch, wie unterschiedlich das Weltbild von Menschen ausfallen kann, je nachdem in welchen Info-Blasen sie sich bewegen. Auch hier fehlt Rückkopplung: Ein Post in sozialen Medien hat selten direkte Konsequenzen für den Sender, egal ob er wahr oder falsch ist – das regulative Feedback (sozialer Widerspruch, Verantwortlichkeit) ist abgeschwächt. Die digitale Medienmembran ermöglicht zwar potenziell Dialog über große Distanzen (im Flusserschen Ideal der telematischen Gesellschaft als vernetztes Hirnde.wikipedia.orgde.wikipedia.org), aber derzeit überwiegt die Diskursüberflutung ohne echten Dialogde.wikipedia.org. In Flussers Worten: Die autoritäre Gesellschaft zeichnet sich dadurch aus, dass Diskurse dominieren und nicht mehr durch Dialoge mit neuen Informationen gespeist werdende.wikipedia.org – was auf Teile unserer digitalen Sphäre zutrifft.
7. Künstliche Intelligenz und autonome Systeme: Die jüngste Schicht, die sich rapide entwickelt, ist die der KI-Systeme und Algorithmen, die Entscheidungen autonom treffen. Hier erreicht die symbolische Entkopplung einen Endpunkt, denn KI operiert rein formal auf Basis von Daten und statistischen Mustern – ohne Bewusstsein, ohne Körper, ohne Einfühlung. Sie ist ein Produkt all der vorherigen Membranen: entstanden aus mathematischer Formalisierung, gespeist von Daten (digitalen Medien), ausgeführt in technischen Infrastrukturen. KI kann nun Menschen in der Steuerung von Prozessen ersetzen – von Finanzhandel über Diagnose bis Verkehrslenkung. Das birgt Chancen auf Effizienz, aber auch die Gefahr weiterer Rückkopplungsverluste. Denn KI-Systeme fehlt genau das, wovon in der plastischen Anthropologie die Rede ist: die leibliche Rückmeldung und das Gespür für die „Konsequenzen am eigenen Leib“. Eine KI “weiß” nicht, was Hunger, Schmerz oder Freude bedeuten – ihre Welt ist die Symbolwelt der Trainingsdaten. Selbst wenn wir KI Roboter in die physische Welt stellen, fehlt (noch) ein echtes Empfinden. Somit laufen wir Gefahr, die 50:50-Ideologie in Reinform zu reproduzieren: Ein denkendes „Subjekt“ (hier: Algorithmus), getrennt von der realen Welt, die es steuert. KI-Systeme treffen z.B. Personalentscheidungen aufgrund statistischer Muster – der betroffene Mensch gerät dabei leicht zur Zahl im System. Die Verantwortung wird unklar: Wenn ein Algorithmus diskriminiert oder einen Unfall baut, wer spürt das Fehlverhalten? Oft niemand – bis es zum großen Schaden kommt. KI ermöglicht zudem eine weitere Skalierung von 1:99-Dynamiken: Ein Konzern mit überlegener KI kann Märkte dominieren (Ungleichgewicht), eine Militär-KI kann asymmetrische Kriegsführung ermöglichen, Überwachungs-KI können Machtgefälle verstärken. Kurz, KI könnte die bestehende Entkopplung von Wissen und Konsequenz noch verschärfen, weil Entscheidungen noch weniger rückgekoppelt an menschliche Erfahrung sind.
Man kann diese sieben Membranen auch als Epochen oder Schichten der Zivilisation lesen – sie kamen nicht alle gleichzeitig, sondern haben sich nacheinander aufgebaut. Doch heute existieren sie gleichzeitig und überlappend. Der moderne Mensch bewegt sich dauernd zwischen ihnen: Er denkt in Sprache, rechnet in Zahlen, lebt in Institutionen, zahlt mit Geld, nutzt Technik, konsumiert Medien und beginnt nun mit KI zu interagieren. Jede Schicht hat Nutzen, aber alle zusammen erzeugen eine Vielschichtige Barriere, die unmittelbare Rückkopplung erschwert.
Dieser Befund erklärt, warum der Mensch der Moderne Weltkontakt verliert: Er ist gewissermaßen in seine eigenen Symbole eingebettet und hört das Echo der Realität immer dumpfer. Wie Fenner schreibt: „Das Wirkliche wird zum Abbild, die Erfahrung zum Störfaktor.“globale-schwarm-intelligenz.de. Wir kennen die Welt zunehmend durch Stellvertreter – Kennzahlen, Medienbilder, Expertenberichte – und immer weniger aus eigener Anschauung oder eigenem Handeln. Das führt zu dem paradoxen Zustand, dass wir zwar immense Mengen Wissen anhäufen, aber daraus kaum echte Verständnis erwächst, weil das fühlende, handelnde Element fehltglobale-schwarm-intelligenz.de. So wissen viele Menschen abstrakt um die Klimakrise, “spüren ihre existenziellen Konsequenzen jedoch kaum am eigenen Leib”globale-schwarm-intelligenz.de. Analog erkennen wir soziale Fehlentwicklungen in Berichten und Statistiken, “ohne sie wirklich zu erfahren – und handeln daher unzureichend.”globale-schwarm-intelligenz.de.
Die plastische Anthropologie setzt genau hier an. Sie fragt: Wie können wir diese Membranen durchlässiger machen, ohne die zivilisatorischen Errungenschaften einfach wegzuwerfen? Wie kann Rückkopplung – das spürbare Echo unseres Tuns – wieder in den Mittelpunkt rücken? Dazu entwickelt sie ein alternatives Grundmodell des Menschseins, das im nächsten Abschnitt vorgestellt wird: das Prinzip 51:49 als Gegenentwurf zum 50:50-Symmetriedualismus und als Antwort auf die zerstörerische 1:99-Dynamik.
Das 51:49-Prinzip: Plastische Anthropologie als alternatives Erkenntnismodell
Die plastische Anthropologie schlägt eine radikale Neubestimmung des Menschen vor: Weg vom homo symbolicus, der in statischen Kategorien denkt, hin zum homo plasticus, der in dynamischen Rückkopplungen lebtglobale-schwarm-intelligenz.de. Das 51:49-Prinzip steht im Zentrum dieses Modells. Auf den ersten Blick wirkt es eigentümlich: Warum gerade 51 zu 49? Diese scheinbar marginale Asymmetrie beschreibt laut Fenner die Grundlogik allen Lebendigenglobale-schwarm-intelligenz.de.
Was ist damit gemeint? Lebende Systeme verharren niemals in perfektem Gleichgewicht, sondern existieren stets in leichter Schieflage – in Spannung zwischen Stabilität und Wandelglobale-schwarm-intelligenz.de. Nur eine minimale Differenz, ein ständiges leichtes Ungleichgewicht, hält sie lebendig. Fenner bezeichnet 51:49 daher als elementare „Weltformel“ des Lebensglobale-schwarm-intelligenz.deglobale-schwarm-intelligenz.de. Er fasst es so zusammen: „Jedes lebendige System bleibt nur in minimalem Ungleichgewicht stabil: in Spannung zwischen Beharrung und Bewegung, Ordnung und Irritation.“globale-schwarm-intelligenz.deglobale-schwarm-intelligenz.de. Mit anderen Worten: Leben erfordert stets Differenz und Rückkopplung, keine perfekte Balanceglobale-schwarm-intelligenz.de. Sobald vollständige Symmetrie (50:50) erreicht oder jegliche Störung ausgeschlossen würde (100:0), erstarrt das System und verliert seine Lebendigkeitglobale-schwarm-intelligenz.deglobale-schwarm-intelligenz.de.
Dieses Prinzip findet Bestätigung in verschiedenen wissenschaftlichen Bereichen. In der Biologie etwa spricht man von Homöostase: Der Körper hält Parameter (Temperatur, pH-Wert etc.) in einem Gleichgewichtsbereich, aber niemals streng konstant – es gibt dynamische Schwankungen um einen Sollwert, die das System reaktionsfähig halten. In der Ökologie weiß man, dass Ökosysteme stabile Zustände haben, aber diese sind metastabil: Sie können innerhalb gewisser Grenzen variieren und brauchen sogar kleinmaßstäbliche Störungen, um langfristig nicht zu kollabieren (etwa Waldbrände, die Erneuerung ermöglichen). Der Philosoph Gilbert Simondon hat den Begriff Metastabilität geprägt, um dieses „stabile Ungleichgewicht“ zu fassen. Eine metastabile Situation ist weder völlig stabil noch einfach instabil, sondern enthält überschüssige Energie und Potentiale für Veränderungenepochemagazine.orgepochemagazine.org. Simondon betont, dass das metastabile Gleichgewicht eine Voraussetzung für Leben istepochemagazine.org. In lebenden Organismen spricht er von innerer Resonanz: Das Individuum hält sich durch ständige Rückkopplung mit sich selbst und seiner Umgebung im Fließgleichgewichtsplitinfinities.substack.com. „Das Leben selbst ist eine andauernde Individuation“, begleitet von anhaltender Metastabilitätepochemagazine.orgepochemagazine.org. Dieser Gedanke deckt sich bemerkenswert mit Fenners 51:49-Postulat.
Auch in physikalischen Systemen kennt man Metastabilität – z.B. unterkühltes Wasser, das flüssig bleibt, obwohl es eigentlich gefrieren könnte, bis eine kleinste Störung (ein Keim) es in Eis umschlagen lässt. Leben operiert stets in solchen Zwischenlagen: nah am Gleichgewicht, aber nie ganz dort. Das ermöglicht Reaktionsfähigkeit. Im 51:49-Bild steht die „51“ für einen minimalen Überschuss, der Veränderung antreibt, und die „49“ für den Anteil, der momentane Ordnung wahrt. Dieses Verhältnis ist freilich kein festes Maß, sondern symbolisch zu verstehen – es bedeutet einfach “knapp aus dem Gleichgewicht”.
Fenner formuliert es pointiert: „Leben realisiert sich ausschließlich durch Rückkopplung und Differenz, nicht durch symmetrische Gleichheit.“globale-schwarm-intelligenz.de. Rückkopplung meint hier den Kreislauf von Tätigkeit – Widerstand – Konsequenzglobale-schwarm-intelligenz.deglobale-schwarm-intelligenz.de. Genau dieser Kreislauf ist es, der in der modernen Entkopplung unterbrochen wurde. Plastische Anthropologie will ihn reparieren. Sie beschreibt Menschsein als Wirkungssystemglobale-schwarm-intelligenz.de: Der Mensch ist kein abgeschlossenes Subjekt, sondern ein Knoten in einem Netz von Relationen und Rückwirkungenglobale-schwarm-intelligenz.de. Jedes menschliche Handeln stößt auf eine Realität, die Widerstand leistet – physisch, sozial oder vom eigenen Körper herglobale-schwarm-intelligenz.de. Dieser Widerstand generiert Feedback: Man erfährt die Folgen des Tuns, was zu Konsequenzen führt, an denen man lernt und sich anpasstglobale-schwarm-intelligenz.de. So entstehen Stabilität, Lernen und Verantwortung im zirkulären Prozessglobale-schwarm-intelligenz.de. Wenn die Rückkopplung fehlt, verliert der Mensch den Bezug zu seinen Existenzbedingungen – es kommt zu Fehlfunktionen bis hin zum Zusammenbruch des Systemsglobale-schwarm-intelligenz.deglobale-schwarm-intelligenz.de.
Die minimale Asymmetrie 51:49 stabilisiert diesen Prozess und bestimmt die Überlebensfähigkeit lebender Systemeglobale-schwarm-intelligenz.de. Man kann es so verstehen: Damit Rückkopplung funktioniert, darf weder völliges Chaos herrschen (dann wäre kein Lernprozess, nur Rauschen) noch vollkommene Starre (dann gäbe es nichts Neues zu lernen). 51:49 ist ein Gleichgewicht im Ungleichgewicht, ein Pendeln um die Mitte. Fenner beschreibt es poetisch als “Spannung zwischen Beharrung und Bewegung”globale-schwarm-intelligenz.de. Gleichgewicht ist hier “kein statischer Zustand, sondern eine oszillierende Dynamik”globale-schwarm-intelligenz.de.
Das 51:49-Prinzip lässt sich als Gegenmodell zum 50:50-Denken verstehen: Während 50:50 (Symmetriedualismus) eine Trennung und statische Balance suggeriert – als stünden sich zwei isolierte Hälften unveränderlich gegenüber – betont 51:49 die Verknüpfung und ständige Wechselwirkung. Es rückt die Idee ins Zentrum, dass Erkenntnis nur im Vollzug entsteht, nicht durch rein distanziertes Beobachten. Man könnte sagen: Erkennen ist Tun. Plastische Anthropologie argumentiert, “Menschsein entsteht nicht durch Begriffe oder Deutungen, sondern durch Tätigkeiten, die auf realen Widerstand treffen, Rückkopplung erzeugen und irreversible Konsequenzen hervorbringen.”globale-schwarm-intelligenz.deglobale-schwarm-intelligenz.de. Das bricht radikal mit dem klassischen Ideal des autonomen Subjekts, das weltabgewandt im Denken zur Wahrheit kommt. Statt der starren Form tritt die immerwährende Verformung, statt statischer Identität eine dynamische Metastabilität – Gilbert Simondons Begriff für die permanente Bereitschaft zur Veränderung im Individuationsprozessglobale-schwarm-intelligenz.de.
Diese Perspektive hat auch eine ethische Dimension. Fenner vergleicht das 51:49-Weltbild mit den großen kopernikanischen Wenden: Kopernikus, Darwin, Freud entthronten den Menschen als Zentrum des Kosmos, der Schöpfung bzw. des Bewusstseinsglobale-schwarm-intelligenz.deglobale-schwarm-intelligenz.de. Ebenso nehme die plastische Anthropologie dem Menschen die Illusion, “losgelöster Herr der Welt zu sein”, und verorte ihn demütig als “Teil eines lebendigen Gefüges”globale-schwarm-intelligenz.deglobale-schwarm-intelligenz.de. Verantwortung ergibt sich aus dieser Sichtweise neu: Sie bedeutet, die fragile Balance des Lebendigen zu wahrenglobale-schwarm-intelligenz.de. Wenn der Mensch versteht, dass er untrennbar rückverbunden ist – dass seine Handlungen Wellen schlagen, die zu ihm zurücklaufen – wächst ein anderes Handlungsbewusstsein. Fenner spricht von einer notwendigen kopernikanischen Wende: Wir müssen unser Selbstverständnis ändern, um zukunftsfähig zu handelnglobale-schwarm-intelligenz.de.
Plastische Anthropologie will also keine Rückkehr zur vor-modernen Naivität, sondern eine Reflexion zweiter Ordnung: Wir erkennen die Entfremdung und beschließen, unsere Epistemologie zu ändern. Statt weiter im Kreis der Symbolsysteme (50:50) zu denken, was letztlich im Transhumanen oder Posthumanen enden könnte (wie z.B. Yuval Harari prognostiziert, wenn wir auf KI und Biotech setzen, um den Homo deus zu schaffen), plädiert Fenner dafür, die Epistemologie selbst zu verändernglobale-schwarm-intelligenz.de. Harari hat zutreffend beschrieben, dass Homo sapiens durch Fiktionen und Symbole kooperiert und sich an die Spitze der Nahrungskette gesetzt hat. Doch er bleibt in seiner Analyse Beobachter: Er sieht am Horizont, wie der Mensch möglicherweise durch seine eigenen Schöpfungen (KI, genetische Optimierung) abgelöst wird. Die plastische Anthropologie hingegen will diesen Pfad nicht fatalistisch weitergehen, sondern umlenken. Sie sagt: Wenn unser bisheriges Wissens- und Handlungsmuster (Trennung von Wissen und Konsequenz) uns an den Rand von ökologischen und sozialen Abgründen geführt hat, müssen wir die Spielregeln des Denkens ändern. Also etwa: Wissen mit Handeln koppeln, Theorie mit Praxis rückverbinden, Subjekt und Objekt als Teile eines einzigen Wechselwirkungsprozesses begreifen. Dies ist letztlich ein neuer Zugang zur Welt – ein epistemischer Paradigmenwechsel.
Im nächsten Schritt stellt sich die Frage, wie sich diese doch abstrakten Überlegungen in der Praxis und Anschauung verdeutlichen lassen. Hier kommen Kunst und anschauliche Metaphern ins Spiel. Plastische Anthropologie bedient sich bewusst bildhafter Denk-Objekte, um das Fehlen von Rückkopplung erfahrbar oder zumindest vorstellbar zu machen. Die folgenden Beispiele – von der vergoldeten Kartoffel über die Liegedecke bis zum dünnen Eis – fungieren als konkrete Sinnbilder einer Welt ohne Rückkopplung und zugleich als Impulse zur Wiederankopplung.
Denkobjekte und künstlerische Metaphern: Kartoffel, Liegedecke, Eis
Abstrakte Theorie lässt sich oft besser durch konkrete Bilder vermitteln. Fenner nutzt in seinen Schriften und Aktionen mehrere Metaphern und künstlerische Beispiele, um die Entkopplung der modernen Welt greifbar zu machenglobale-schwarm-intelligenz.de. Drei zentrale Bildmotive sollen hier vorgestellt werden, da sie jeweils aufschlussreiche Aspekte beleuchten: die vergoldete Kartoffel, die Liegedecke und das dünne Eis. Sie fungieren als "Denk-Objekte" – man könnte sagen, als miniaturhafte Experimente oder provokative Objekte, die zum Nachdenken anregen.
Die vergoldete Kartoffel: Symbolwert vs. Lebenswert
Stellen wir uns eine einfache Kartoffel vor – ein erdiges, banales Grundnahrungsmittel. Ein Künstler überzieht nun diese Kartoffel mit echtem Blattgold und präsentiert sie als Objekt in einer Galerieglobale-schwarm-intelligenz.de. Was geschieht? Zwei Wert-Ebenen prallen aufeinander: Gold als Symbol von Reichtum, Glanz, Prestige und sakraler Erhöhung – und die Kartoffel als Symbol des Bodens, der Nahrung, des Lebensnotwendigenglobale-schwarm-intelligenz.de. Die vergoldete Kartoffel entlarvt drastisch, wie unterschiedlich wir symbolischen Wert vs. realen Wert gewichtenglobale-schwarm-intelligenz.de. Plötzlich stellt sich die Frage: Ist die Kartoffel jetzt kostbar (wegen des Goldes) oder lächerlich entwertet? Kann man sie überhaupt noch essen – und wäre es Frevel oder Pointe, eine mit Gold überzogene Knolle zu verzehren? Diese Verunsicherung beim Betrachter öffnet einen Reflexionsraumglobale-schwarm-intelligenz.de. Das Objekt zwingt uns, über unseren Umgang mit Wert und Nahrung nachzudenkenglobale-schwarm-intelligenz.de.
Im Sinne der plastischen Anthropologie wird hier eine Rückkopplung spürbar gemacht: Der symbolische Glanz des Goldes wird an die konkrete Kartoffel rückgebundenglobale-schwarm-intelligenz.de. Man erkennt plötzlich, dass abstrakter Reichtum (Gold, Geld) ohne konkretes Leben (Nahrung, Boden) letztlich nichts nützt. Die vergoldete Kartoffel fungiert als Membranöffnerglobale-schwarm-intelligenz.de: Sie erlaubt einen Blick hinter die gewöhnlichen Bedeutungen und Wertzuweisungenglobale-schwarm-intelligenz.de. Ein wissenschaftlicher oder politischer Diskurs könnte lange über Lebensmittelverschwendung oder Geldillusion räsonnieren – die vergoldete Kartoffel schafft es mit einem einzigen sinnlichen Störbild, diese Themen fühlbar zu machenglobale-schwarm-intelligenz.deglobale-schwarm-intelligenz.de. Man spürt intuitiv: “Hier stimmt etwas nicht”. Gerade diese Irritation ist Erkenntnisglobale-schwarm-intelligenz.de. Der Trick besteht darin, dass Erkenntnis hier nicht belehrend durch Begriffe vermittelt wird, sondern durch einen unmittelbaren Sinneseindruck ausgelöst wirdglobale-schwarm-intelligenz.de. Das verkörpert plastisches Denken: begreifen durch greifen, Einsicht durch Erfahrungglobale-schwarm-intelligenz.de. Die vergoldete Kartoffel bringt also symbolisch zum Ausdruck, was real oft geschieht: Wir überhöhen Symbolwerte (Geld, Luxus) und verlieren den Bezug zur leiblichen Grundlage (Essen, Natur). Indem sie diesen Konflikt ästhetisch greifbar macht, erzeugt sie eine Rückkopplung im Denken: Der Betrachter wird aufgerüttelt und verbindet gedanklich, was im Alltag getrennt ist.
Die Liegedecke: Komfortzone und Weltferne
Unter der Liegedecke verstehen wir hier jene gemütliche Decke oder Unterlage, die man ausbreitet, um es sich bequem zu machen – etwa beim Picknick im Park oder auf dem Sofa daheim. Sie steht symbolisch für unsere Komfortzonen und die Tendenz, uns vom Unbequemen abzupuffern. Die Liegedecke ist banal und alltäglich, aber gerade darum eine treffende Metapher: Wenn wir eine Decke auf die Wiese legen, vermeiden wir den direkten Kontakt mit dem Gras, der Erde, eventuellem Schmutz oder Insekten. Wir schaffen uns eine künstliche Trennschicht zur Natur, um ungestört zu entspannen. Übertragen auf die Zivilisation: Unsere modernen Lebensweisen sind voller "Liegedecken" – Schichten der Bequemlichkeit und Sicherheit, die uns vor unmittelbaren Widerständen bewahren. Zentralheizung, Klimaanlage, gepolsterte Möbel, asphaltierte Wege, digitale Dienste – all das sind physische oder digitale Liegedecken, die Rauigkeit und Widerstand der Welt glätten.
Die Liegedecke kann so als Bild für die Entkopplung durch Komfort dienen. Einerseits ist Komfort etwas Positives, andererseits verkümmert ohne gelegentes Unbehagen unser Sensorium für die Realität. Auf einer warmen Decke spüren wir den kalten Boden nicht mehr; in der urbanen Zivilisation spüren wir den Wechsel der Jahreszeiten weniger (alles ist beheizt oder klimatisiert), wir spüren Hunger seltener (Nahrung jederzeit verfügbar), wir spüren Entfernungen kaum (Verkehrsmittel, Internet überbrücken sie). Die Membran des Komforts hat uns resilient gegen viele Umweltwidrigkeiten gemacht, aber eben auch tauber.
Man könnte als künstlerische Intervention vorschlagen: Entfernt die Liegedecke! – D.h., zwingt Leute, sich für einen Moment direkt auf die Erde zu setzen, die Kühle des Bodens, die Feuchtigkeit, vielleicht auch das Piksen eines Grashalms oder Krabbeln eines Käfers zu fühlen. Was passiert? Anfangs Unbehagen – man merkt, wie sehr man sich an die Isolierung gewöhnt hat. Doch zugleich entsteht eine unmittelbare Rückkopplung mit der Umwelt: Der Körper reagiert, man richtet sich vielleicht anders ein, man wird achtsam auf das, was unter und um einen lebt. Ein reales Beispiel: Barfußlaufen auf unterschiedlichen Untergründen. Viele Menschen, die es ausprobieren, berichten, wie “wach” und verbunden sie sich plötzlich fühlen – jeder Schritt fordert Aufmerksamkeit, man spürt Temperatur, Beschaffenheit, kleine Schmerzen sogar. Die Welt kommt durch die Fußsohlen zurück in die Wahrnehmung. Die Liegedecke als Metapher sagt: Wir haben uns gepolsterte Distanz zur Welt geschaffen. Um wieder zu merken, wo wir sind, müssen wir diese Polster zeitweise entfernen.
Im übertragenen Sinn gilt das auch psychologisch und sozial: Komfortzonen isolieren uns vom Lernen. Nur wenn wir uns gelegentlich der “harten Erde” der Realität aussetzen – also etwa unbequeme Erfahrungen zulassen, Risiken eingehen, echte Verantwortungen tragen – erhalten wir Feedback, das uns wachsen lässt. Die Liegedecke steht also für die 50:50-Idee, dass man es sich dauerhaft in einer perfekten Balance gemütlich machen könnte, ohne Störung. Plastische Anthropologie hält dem entgegen: 51:49 verlangt, die Decke zumindest ein Stückchen wegzuziehen, damit ein klein wenig Unwucht und Herausforderung an uns herankommt.
Ein künstlerisches Projekt könnte z.B. darin bestehen, einen „Komfort-Entzug-Raum“ zu schaffen: Ein Raum, der scheinbar gemütlich eingerichtet ist, aber nach und nach verschwinden Kissen, die Temperatur schwankt, Geräusche von draußen dringen rein – kurz, die Liegedecke wird entzogen. Die Besucher würden vielleicht Unruhe empfinden, aber auch eine Schärfung der Sinne. Die Message: Unsere Filter und Polster machen uns bequem, aber auch abhängig und weltfremd. Wahrnehmungsschärfe und Anpassungsfähigkeit kommen zurück, wenn wir uns gezielt etwas Verletzbarkeit zumuten.
In Summe symbolisiert die Liegedecke das Vermeiden von Rückkopplung durch Komfort. Sie erinnert daran, dass das Echte oft ein wenig kratzt und schmutzig ist, und dass wir diese Eigenschaften der Realität brauchen, um geerdet zu bleiben. Plastische Anthropologie würde sagen: ein Mensch sollte immer bereit sein, aus der Komfortzone zu treten – die Decke zur Seite zu schlagen – um wirkliche Erfahrungen zu machen. Das hält das Rückkopplungssystem lebendig.
Das dünne Eis: Zivilisation auf fragiler Membran
Das “dünne Eis” ist eine vertraute Redewendung: Wenn wir riskante Entscheidungen treffen, begeben wir uns auf dünnes Eis. Fenner greift dieses Bild auf und schlägt gedanklich eine künstlerische Installation vor: Eine künstlich angelegte glatte Eisfläche, die von Besuchern tatsächlich betreten werden kannglobale-schwarm-intelligenz.de. Unter dem Eis schimmert Wasser, es knirscht leise – sofort entsteht instinktiv Unsicherheitglobale-schwarm-intelligenz.de. Jeder Schritt könnte Einbrechen bedeuten. Diese ästhetische Erfahrung macht auf unmittelbarer, körperlicher Ebene Verletzbarkeit und Risiko fühlbarglobale-schwarm-intelligenz.de. Die wackeligen Beine auf glattem Eis sind Rückkopplung pur – man spürt am eigenen Leib die potenzielle Katastropheglobale-schwarm-intelligenz.de. Ein solches Kunstwerk könnte mehr Bewusstsein schaffen als ein Infoplakat über die Fragilität unserer Systemeglobale-schwarm-intelligenz.de.
Die Metapher dahinter: Unsere hochtechnisierte Gesellschaft ist wie eine gefrorene Eisschicht, die zu brechen droht, wenn sie überlastet wirdglobale-schwarm-intelligenz.de. Das Eis steht hier sinnbildlich für die dünne Membran der Zivilisation, auf der wir uns bewegenglobale-schwarm-intelligenz.de. Wir leben in komplexen Infrastrukturen – Stromnetze, globale Lieferketten, Finanzmärkte – die erstaunlich reibungslos funktionieren, uns aber ein trügerisches Gefühl von Sicherheit geben. Eine minimale Störung (ein unerwarteter Widerstand in Fenner’s Kernmechanismus) kann diese Systeme ins Wanken bringenglobale-schwarm-intelligenz.de. Ein einziges Blackout-Ereignis, und das Licht geht aus (Stromnetz bricht ein); eine Pandemie, und Lieferketten reißen; ein Vertrauensverlust, und Finanzblasen platzen. Unsere Zivilisation gleitet quasi auf dünnem Eis, oft ohne es wahrhaben zu wollen.
Bruno Latour hat – wie erwähnt – das Bild vom “dünnen Eis der Zivilisation” tatsächlich benutzt, beispielsweise in Gesprächen mit Alexander Klugeglobale-schwarm-intelligenz.de. Es ist kein Zufall, dass diese Metapher so griffig ist, denn sie ist sinnlich konkret. Kunst kann hier als Medium wirken, um abstraktes Wissen physisch-emotional fühlbar zu machenglobale-schwarm-intelligenz.de. Wir wissen theoretisch, dass wir in einer riskanten Übergangszeit leben (Klimawandel, politische Instabilität etc.), aber viele spüren es nicht in ihrer Alltagsroutine. Die Eis-Installation würde das ändern: Das leichte Zittern der Knie, das mulmige Gefühl beim Betreten der Fläche – all das verankert die intellektuelle Einsicht (“es ist riskant”) im Körpergedächtnis. Genau das fordert plastische Anthropologie: Nicht nur zu wissen, sondern zu spüren, wie dünn das Eis unter uns ist, um angemessen handeln zu könnenglobale-schwarm-intelligenz.de.
Interessant ist auch, dass Eis hier eine doppelte Rolle spielt: Es ist selbst eine Membran – die Grenze zwischen zwei Zuständen (festes Eis, flüssiges Wasser) – und sie ist dünn. Das passt zur Idee der fragilen Membran unserer Kultur. Ein kritischer Unterschied: Die Natur meldet sich zurück, wenn das Eis zu dünn wird (es bricht). Unsere symbolischen Membranen vermitteln uns jedoch oft ein Gefühl von Sicherheit, selbst wenn die Basis längst erodiert. Gerade deshalb ist die Visualisierung so wichtig: Wir müssen uns vorstellen (oder erleben), dass unter dem scheinbar soliden Boden ein Abgrund lauert, wenn wir so weitermachen.
Latour’s Konzept der “Critical Zone” (der dünnen belebten Schicht der Erde, auf der alles Leben stattfindet) schwingt hier mit. Die Erde selbst ist in gewisser Weise eine dünne Membran im All – und unsere Zivilisation darauf nochmals eine dünne Haut, die empfindlich reagiert. Das dünne Eis mahnt zur Demut und Vorsicht. Es ruft ins Bewusstsein, dass unser Lebenssystem begrenzte Tragfähigkeit hat – sei es ökologisch (planetare Grenzen) oder sozial (Zusammenhalt). Wenn zu viel Druck kommt, bricht es.
Für die plastische Anthropologie zeigt dieses Beispiel exemplarisch, wie Kunst ein Rückkopplungsraum sein kann: Indem sie uns körperlich-affektiv in eine Situation bringt, die unsere abstrakten Modelle greifbar macht. Das dünne Eis als interaktive Metapher ruft eine Verantwortungsemotion hervor – ähnlich wie jemand, der tatsächlich einmal ins Eis eingebrochen ist, danach immer Respekt vor zugefrorenen Seen hat. Als Gesellschaft sind wir aber oft noch wie Unvorsichtige, die lachend Schlittschuh laufen, ohne die Warnknister-Geräusche ernst zu nehmen. Kunst kann dieses Knistern verstärken, uns hineinhorchen lassen, bevor es knackt.
Zusammenfassend illustrieren diese drei Denkobjekte Folgendes:
- Die vergoldete Kartoffel zeigt den Konflikt zwischen Symbolwert und Lebenswert und wie Kunst durch Irritation den Blick hinter die Wert-Membran öffnetglobale-schwarm-intelligenz.deglobale-schwarm-intelligenz.de.
- Die Liegedecke steht für die Komfort-Membran, die Rückkopplung abfedert, und mahnt, dass ein wenig Verletzlichkeit nötig ist, um die Welt wirklich zu erfahren.
- Das dünne Eis symbolisiert die Fragilität der Zivilisations-Membran und nutzt das Mittel der Verkörperung von Risiko, um zur Vorsicht und Umkehr zu motivierenglobale-schwarm-intelligenz.deglobale-schwarm-intelligenz.de.
All diese Bilder haben gemeinsam, dass sie Resonanzräume schaffen: Zwischen Sinnlichkeit und Bedeutung entsteht ein Freiraum, in dem neue Einsichten aufblitzen könnenglobale-schwarm-intelligenz.deglobale-schwarm-intelligenz.de. Solche künstlerischen Interventionen fungieren als Gegenrituale zur abstrakten Lebensführungglobale-schwarm-intelligenz.deglobale-schwarm-intelligenz.de. Sie holen uns aus dem Kopf zurück in den Körper und die Konkretheit. Insofern unterstützt künstlerische Praxis das Anliegen der plastischen Anthropologie, indem sie uns zurückstimmt auf die Wirklichkeit. Kunst kann gewissermaßen die Erfahrungswissenschaft sein, die den kalten Zahlen und Begriffen gegenübertritt.
KI als Endpunkt der Symbolwelt: Der 50:50-Irrtum in neuer Gestalt
Vor dem Hintergrund der bisherigen Analyse erscheint die Künstliche Intelligenz (KI) als eine Art Kulminationspunkt der symbolischen Tendenz. KI – insbesondere in Form von algorithmengetriebenen Systemen und maschinellem Lernen – operiert nahezu vollständig in der Welt der Zeichen, Daten und formalen Logik. Damit verkörpert sie den Traum (oder Irrtum) des 50:50-Denkens aufs Äußerste: die Vorstellung, man könne Intelligenz und Welterkenntnis rein formal abbilden, getrennt vom Körper und der echten Weltinteraktion.
KI reproduziert den 50:50-Irrtum, indem sie ein Subjekt-Objekt-Schema implementiert: Die KI als "erkennendes Subjekt" analysiert Daten (Objekte) und spuckt Ergebnisse aus, ohne dass dazwischen echte Wechselwirkung im lebensweltlichen Sinn stattfindet. Sie verstärkt die Entkopplung, weil Entscheidungen und Erkenntnisse nun noch weiter von menschlicher Sinneserfahrung gelöst werden.
Ein plakatives Beispiel: Ein KI-System diagnostiziert Krankheiten anhand von Bilddaten (etwa Röntgenaufnahmen). Es mag dabei sehr präzise sein. Doch es erlebt nichts – weder das Leiden des Patienten, noch die Verantwortung des Arztes, eine Mitteilung zu machen. Es erkennt Muster, aber kennt nicht die Bedeutung des Befundes im existenziellen Kontext. Wenn nun das Gesundheitssystem sich auf solche Diagnosen verlässt, kann Effizienz gewonnen werden – aber die Gefahr ist, dass Empathie und ganzheitliches Verständnis (das aus Rückkopplung mit dem Patienten kommt) schwinden. Ärzte könnten geneigt sein, sich voll auf das KI-Urteil zu verlassen (Entlastung, Komfortmembran), anstatt selbst gründlich zu untersuchen und das Gespräch zu suchen. Hier droht, dass ein 50:50-Modell (reine Datenanalyse vs. passiver Patient) das 51:49-System der Arzt-Patienten-Interaktion (wo nonverbale Zeichen, Erfahrungen, Intuition mit hineinspielen) ersetzt.
Auf einer abstrakteren Ebene könnte man sagen: KI imitiert Intelligenz durch Mustererkennung, aber ohne Verständnis. In der Philosophie der KI wird diskutiert, dass gegenwärtige KI zwar Syntax beherrscht, aber keine Semantik im menschlichen Sinne hat. Sie manipuliert Symbole (Wörter, Bilder) nach statistischen Korrelationen. Dies erinnert an die platonische Schattenwelt: KI beschäftigt sich mit dem Abbild von Dingen (den Daten), nicht mit den Dingen selbst. Und wir laufen Gefahr, uns von der beeindruckenden Leistung dieser Abbild-Verarbeitung blenden zu lassen – ähnlich wie Platons Höhlenmenschen, die die Schatten für die Wirklichkeit halten.
Verstärkt KI die 1:99-Dynamik? Es gibt starke Indizien. Zum einen ökonomisch: Die Unternehmen und Länder mit der fortgeschrittensten KI-Technologie ziehen einen Großteil des globalen Kapitals und Einflusses auf sich (Stichwort "Big Tech"). Das Macht- und Wohlstandsgefälle (ein Prozent vs. 99 Prozent) könnte durch KI-gestützte Automatisierung noch zunehmen, wenn nichts dagegen unternommen wirdglobale-schwarm-intelligenz.deglobale-schwarm-intelligenz.de. KI könnte viele Arbeiter ersetzen (Jobverlust, soziale Ungleichheit) – das typische Szenario: ein kleines technokratisches Management/Investor-Klasse profitiert enorm (1%), während viele (99%) um ihre Existenz ringen.
Zum anderen kognitiv: Wenn wir menschliche Urteilsbildung durch KI ersetzen, riskieren wir einen Loss of Feedback auf persönlicher Ebene. Schon jetzt formen Algorithmische Empfehlungsysteme unser Medienkonsum und beeinflussen Meinungen, ohne dass wir direkt Feedback geben außer unserem Klickverhalten. Das hat, wie besprochen, Polarisierung und Echokammern befördertglobale-schwarm-intelligenz.de. KI könnte diese Prozesse noch undurchsichtiger machen (Stichwort: Black Box). Wir erhalten Empfehlungen oder Entscheidungen (z.B. Kreditscoring, Bewerbervorauswahl), kennen aber die Kriterien nicht – eine extreme Entkopplung von Ursache und Wirkung. Der Betroffene kann oft keine Rückmeldung geben, weil die Entscheidung vage begründet oder gar geheim ist. Rückkopplungsschleifen werden gekappt, wenn KI-Entscheidungen als unanfechtbar gelten.
Ein beunruhigendes Potential ist auch, dass KI-Systeme Symmetriedenken verstärken, weil sie naturgemäß in Kategorien und binären Logiken arbeiten. Zwar verwenden moderne ML-Modelle statistische Gewichte (was man ironisch als "51:49" in Rechenform deuten könnte), aber im Ergebnis liefern sie oft kategorische Zuordnungen – z.B. Spam vs. kein Spam, Kreditwürdig vs. nicht, Freund vs. Feind (bei autonomen Waffensystemen). Diese binären Entscheidungen können dann total durchschlagen (wenn KI feuert, gibt es keinen halben Schuss). Das ist letztlich eine 1:99-Situation: 100% Aktion basierend auf 51% Wahrscheinlichkeit. Hier zeigt sich eine Perversion der minimalen Asymmetrie – nämlich wenn ein System nicht metastabil pendelt, sondern umkippt in Extrementscheidungen basierend auf leichten statistischen Vorteilen. Der plastischen Anthropologie zufolge ist genau diese Tendenz gefährlich: die Verwechslung von Wahrscheinlichkeit mit Gewissheit, von lebendigem Zögern mit mechanischer Ja/Nein-Entscheidung. KI hat die Tendenz, Entscheidungen zu härten, weil sie die weichen Faktoren nicht kennt, die einen menschlichen Entscheider vielleicht zweifeln oder nachfragen ließen.
Ein Bezug zu Heidegger drängt sich auf: Er warnte, dass im Zeitalter der Technik der Mensch selbst zum bloßen Bestand werden könnte – “Nur noch ein Ressource unter anderen”. KI in Kombination mit Überwachungstechnologien könnte das verwirklichen: Menschen werden zu Datensätzen, die verwaltet und optimiert werden. Das wäre die vollständige Verobjektivierung des Menschen und der Welt, die Heidegger als höchste Gefahr sahsezession.desezession.de. Der Mensch würde sozusagen in der Symbolwelt der KI verschwinden – der Endpunkt der Symbolwelt wäre erreicht, wenn KI-Systeme autonom die Regie führen und wir nur noch innerhalb ihrer vorgegebenen Symbolräume agieren. Sci-Fi-Szenarien wie in Matrix oder Homo Deus (Harari) entwerfen genau das: die Welt als totale Simulation oder als Ort, wo algorithmische Entscheidungen (z.B. die "Algokratie") alles lenken.
Allerdings ist wichtig zu betonen: Es gibt auch Gegenbewegungen in der KI-Forschung – Ansätze der embodied AI, der robotics, die versuchen, KI mit sensorischer Erfahrung auszustatten, Lernprozesse einzubauen, die der Rückkopplung näher kommen. Doch selbst wenn ein Roboter lernen kann, indem er mit Menschen interagiert, bleibt die Frage: Wessen Erfahrung zählt? Bei einer KI fehlt die existenzielle Betroffenheit. Sie "scheitert" nicht wie ein Lebewesen scheitert (mit Schmerz, Angst, Konsequenzen fürs Weiterleben), sondern allenfalls im funktionalen Sinn (Fehlerquote). Solange KI nicht empfindet, kann sie aus Sicht der plastischen Anthropologie kein echtes Feedback-System sein, denn es fehlt die Komponente des irreversiblen Konsequenz-Erlebens. Ein Roboter, der hinfällt, hat kein Weh und kein Weiter-So-oder-nicht; er wird repariert oder rebootet. Damit fehlt jener Antrieb, der lebende Systeme vorsichtig macht oder kreativ adaptiv.
Insofern ist KI im heutigen Zustand eher die Verlängerung unseres symbolischen Arms als ein neues Lebewesen. Und die Gefahr besteht, dass wir diesen Arm so weit ausstrecken, dass wir selbst den Kontakt verlieren. Wenn KI-Systeme z.B. in der Landwirtschaft entscheiden, was gepflanzt wird, wie gedüngt wird, und der Landwirt nur noch überwacht, kann es sein, dass wichtige Signale aus der Ökologie übersehen werden – weil kein Mensch mehr täglich auf dem Feld steht, der spürt "der Boden fühlt sich anders an".
Zudem: KI arbeitet mit Daten aus der Vergangenheit. Sie extrapoliert Muster. In einer Zeit des Wandels (Klimawandel, neue Krankheiten etc.) kann das fatal sein, weil neuartige Phänomene nicht in den Daten sind und somit ignoriert oder falsch eingeordnet werden. Ein Mensch mag durch Intuition oder flexible Kreativität auf Neues reagieren; eine KI tut sich schwer damit, aus dem Muster auszubrechen, solange sie nicht entsprechend umprogrammiert oder trainiert wird. Das heißt, Plastizität – im Sinne von kreativem Anpassen – ist gerade (noch) nicht die Stärke von KI, sondern eher der organischen Intelligenz. Ironischerweise müsste eine wirklich 51:49-orientierte KI sich selbst immer minimal aus dem Gleichgewicht halten, um lernfähig zu sein, statt auf ein statisches Optimum hinzusteuern. Es gibt Forschungsbereiche wie Machine Learning mit stochastischen Elementen oder Evolutionsalgorithmen, die so etwas versuchen – das sind Ansätze, KI "lebendiger" zu machen. Doch diese stehen noch am Anfang und werfen philosophische Fragen auf (wollen wir KI, die eigendynamisch mutiert und womöglich unkontrollierbar wird?).
Im Kontext unserer Betrachtung ist entscheidend: Wer lernt hier von wem? Derzeit scheint es, als lerne der Mensch (bzw. die Institutionen) mehr von der KI – nämlich wie man Entscheidungen formalisiert – als die KI vom Menschen (wie man Verantwortung übernimmt). Die plastische Anthropologie würde fordern, KI in unsere Rückkopplungsschleifen einzubauen, aber als Werkzeuge, nicht als dominante Entscheider. Das heißt, KI sollte Feedback an uns liefern (Warnungen, Mustererkennung), aber die entscheidende Kopplung – die Konsequenzen tragen – muss beim Menschen bleiben. Wenn wir diese Grenze verwischen, droht ein Verantwortungsverlust: “Die KI war's, nicht ich.”
Yuval Harari hat darauf hingewiesen, dass wir eventuell die Kontrolle über die nächste Stufe der Evolution aus der Hand geben, wenn wir Algorithmen zuviel Macht einräumen. Er malt das Bild einer „Daten-Religion“, wo wir an Big Data glauben und persönliche Urteile hintanstellen. Das wäre im Sinne dieser Arbeit eine Zuspitzung der 50:50-Ideologie: Das Subjekt (Mensch) zieht sich zurück und überlässt dem künstlichen Gegenüber (der KI) die Gestaltung der Ordnung – in der Hoffnung auf perfektes, objektives Entscheiden. Tatsächlich aber wäre es eine Fortsetzung der Entkopplung, weil diese KI-Systeme nicht mit echter Welt verbündet sind, sondern nur mit Welt-Daten.
Zusammengefasst: KI stellt uns an einen Scheideweg. Entweder wir nutzen KI, um Rückkopplung zu verstärken – z.B. Simulationen, die uns die Folgen unseres Handelns vor Augen führen (eine gut gemachte Klimasimulation könnte uns spüren lassen, was kommt, ähnlich dem Eis-Exempel, nur virtuell). Oder wir nutzen KI, um uns noch weiter von den Konsequenzen zu entlasten – dann droht sie die Entkopplungsspirale zu beschleunigen. Leider zeigen aktuelle Entwicklungen eher Letzteres: Autonome Waffensysteme (Entkopplung von Krieg und menschlichem Gewissen), Algorithmen in Social Media (Entkopplung von Kommunikation und Verantwortung), Predictive Policing (Entkopplung von Urteil und menschlichem Ermessen).
Um im Bild der Koordinaten 51:49 – 50:50 – 1:99 zu sprechen: KI muss sorgfältig entlang dieser Achsen eingeordnet werden. Wenn wir KI nach dem 50:50-Leitbild formen, erhalten wir zwar formal clevere Systeme, aber wir legen den Grundstein für 1:99-Dynamiken (extreme Outcomes ohne Korrektiv). Wenn wir jedoch versuchen, KI im Geiste von 51:49 zu entwickeln, könnten wir Synergien schaffen: KI als Teil von Rückkopplungsschleifen, die menschliche Schwächen (langsame Datenverarbeitung, begrenzte Aufmerksamkeit) ausgleichen, ohne das menschliche Urteil und Empfinden auszuklammern.
Dafür bräuchte es aber ein grundlegend anderes Paradigma in der KI-Entwicklung – eines, das vielleicht an kybernetische Modelle der 1960er anknüpft, wo Mensch und Maschine als kybernetischer Regelkreis gedacht wurden. Interessanterweise stammt der Begriff “Künstliche Intelligenz” aus einer Ära (1950er), in der man Intelligenz als Problemlösefähigkeit definierte, nicht als verkörperte Weisheit. Eine plastisch-anthropologische KI-Forschung müsste Intelligenz breiter definieren: als eingebettet, als lernend durch reale Konsequenzen. Bislang bleibt das Vision.
Die Kernkritik bleibt: KI hat kein eigenes Leben – und solange das so ist, kann sie uns kein Lehrmeister in Sachen Lebendigkeit sein, sondern nur ein Spiegel unserer Daten und Programme. Wenn dieser Spiegel verzerrt ist (Datenbias) oder wir ihm zu viel Macht geben, laufen wir wie Narziss Gefahr, ins Spiegelbild zu fallen und real zu ertrinken, während wir das perfekte Abbild bewundern.
Es ist passend, an dieser Stelle nochmals Flusser zu erinnern: Er sah die kommende telematische Gesellschaft optimistisch als Möglichkeit, dass Dialoge überwiegen und alte autoritäre Diskurse aufbrechende.wikipedia.org. Jede*r wäre Sender und Empfänger zugleich, keine Autoritäten, vernetzte Struktur, kybernetische Selbstlenkungde.wikipedia.orgde.wikipedia.org. Das klingt fast wie ein positives Bild von KI-unterstützter Gesellschaft, in der permanente Rückkopplung (Dialog) stattfindet. Doch Flusser warnte auch vor der Täuschung der technischen Bilder: Ihre Objektivität ist Illusion – “denn sie sind – wie alle Bilder – nicht nur symbolisch, sondern stellen die Welt nicht 1:1 dar”de.wikipedia.orgde.wikipedia.org. Man könnte sagen: Flusser hoffte, neue Medien könnten neue Formen der Rückkopplung schaffen, aber er wusste um die Dialektik, dass sie auch neue Schleier schaffen können.
KI ist nun ein technisches Bild, das sich bewegt und Entscheidungen trifft. Ein Animiertes Symbolsystem. Wir sollten uns fragen: Macht es unsere Kommunikation freier und dialogischer, oder uniformiert es die Entscheidungen nach Mustern? Bisher deutet vieles auf Zweiteres hin. Dennoch, die Zukunft ist nicht entschieden. Genau hier setzt ein plastisch gedachtes Koordinatensystem an:
Koordinatensystem 51:49 – 50:50 – 1:99: Weltbilder im Vergleich
Zur Verdeutlichung der unterschiedlichen Weltsichten kann man ein gedankliches Koordinatensystem aufspannen, in dem die Achsen von lebendig-rückgekoppelt bis entkoppelt-extrem reichen.
- Symmetriedualismus 50:50 repräsentiert den Pol des statischen Weltbilds: Subjekt und Objekt sind getrennt, in idealisierter Balance. Wissen und Handeln, Mensch und Natur – alles scheint sauber zu trennen und zu ordnen. Dieses Weltbild strebt nach Perfektion, Kontrolle, Klarheit. Es brachte uns wissenschaftliche Objektivität und technische Planung, aber es birgt die Blindheit gegenüber Vernetzung und Prozess. Es ist epistemisch elegant, doch lebensfremd. Im Koordinatensystem könnte man sagen, 50:50 liegt auf der Achse des Denkens weit entfernt vom Pol des Fühlens. Es priorisiert Ordnung über Wandel, Konzept über Erfahrung. Daraus folgt, dass Rückkopplung als Störgröße betrachtet wird – schließlich stören reale Konsequenzen die reine Theorie.
- Dynamik 1:99 repräsentiert den Pol des aus den Fugen geratenen Ungleichgewichts: Hier zeigt sich, was passiert, wenn das 50:50-Weltbild in der Praxis scheitert. Nämlich: extreme Asymmetrien. Sei es Macht (1% herrschen, 99% gehorchen), sei es Ressourcenverteilung (1% besitzt fast alles), oder auch das Mensch-Natur-Verhältnis (der Mensch dominiert 99% der Biomasse der Säugetiere, wild lebende Tiere nur 1%, wie reale Statistiken nahelegen). 1:99 steht also für destruktive Entkopplungglobale-schwarm-intelligenz.deglobale-schwarm-intelligenz.de: Ein Teil entzieht sich dem Ausgleich mit dem Rest. Im Koordinatensystem wäre 1:99 der Chaospol – viel Bewegung, aber ungerichtet und ohne Balance. Es entspricht dem, was wir heute in vielen Krisen sehen: Kipp-Punkte in Klima und Ökosystemen, kollabierende öffentliche Diskurse, Platzen von Blasen. 1:99 ist die pathologische Folge von 50:50: Weil man echtes Gleichgewicht und Wechselwirkung ignorierte, driftet das System in Schieflage. Im klassischen Lernen entspräche 1:99 dem völligen Feedback-Blackout: Man reagiert erst, wenn fast alles verloren ist – z.B. wenn 99% des Gletschers geschmolzen sind, merkt der Mensch, dass er handeln muss. Das ist viel zu spät.
- Plastische Anthropologie 51:49 repräsentiert den Pol des metastabilen Gleichgewichts: Hier ist Wechselwirkung zentral, asymmetrische Impulse halten das System lebendig, aber man versucht nicht, alles zu fixieren. 51:49 liegt zwischen den Extremen – es ist quasi der Sattelpunkt, auf dem ein System ruht, aber immer in Bewegung bleibt. In einem Koordinatensystem könnte man es in die Mitte setzen, aber es ist keine statische Mitte, sondern eine dynamische Mitte. Es verbindet Denken und Fühlen, Planen und Spüren, Kultur und Natur in ständiger Rückkopplung. 51:49 anerkennt, dass Widerspruch fruchtbar ist (51 gegen 49, es gibt ein Übergewicht, aber ein kleines) – analog Kants Idee der produktiven Antagonismen oder dem Daoismus (Yin und Yang sind nie exakt gleich, immer ist ein Punkt des Einen im Anderen). Dieses Weltbild hat eine prozessuale Ethik: Handle so, dass dein Handeln zurückwirken kann und du aus der Rückwirkung lernst. Es fördert Demut (weil man nie absolut sicher ist, immer nur 51 zu 49, nie 100) und Verantwortungsbewusstsein (weil man weiß, man bleibt Teil des Kreislaufs).
Graphisch könnte man es so formulieren: Auf der x-Achse Variation/Differenz (von 0% bis 100% Ungleichgewicht), auf der y-Achse Stabilität/Rückkopplung (von starr bis frei schwingend). 50:50 wäre geringe Variation, starre Stabilität (x niedrig, y niedrig – scheinbar stabil, aber unflexibel). 1:99 wäre extreme Variation, aber ohne Rückkopplung (x hoch, y niedrig – chaotisch, instabil). 51:49 wäre moderate Variation mit hoher Rückkopplung (x mittel, y hoch – flexibel stabil). Das ist natürlich nur ein Gedankenmodell. Wichtig ist: 51:49 ist kein mathematischer Wert, sondern ein Prinzip: Immer eine leichte Vorzugsrichtung, ein Ungleichgewicht, das das System in Gang hält.
Dieses Koordinatensystem hilft, diverse Phänomene einzuordnen. Ein paar Beispiele:
- Wissenschaftliches Erkenntnisideal: Bisher oft 50:50 – der Forscher als neutraler Beobachter, Objektivität ohne Subjektivität. Folge: blinde Flecken (1:99 Effekte: z.B. Atomenergie begeistert erforscht, Atommüllproblem ignoriert). Ein 51:49-Wissenschaftsverständnis würde den Forscher als Teil des Systems sehen (etwa Aktionsforschung, partizipative Wissenschaft, Ökologen, die im Feld leben). Das würde weniger "sauber", aber ganzheitlicher Erkenntnis bringen.
- Wirtschaftssystem: Neoklassik denkt 50:50 (Homo oeconomicus vs. Markt, Angebot=Nachfrage). Real wurde es 1:99 (Mega-Ungleichheit, Finanzkrisen)globale-schwarm-intelligenz.deglobale-schwarm-intelligenz.de. Ein 51:49-Wirtschaftsmodell wäre z.B. Kreislaufwirtschaft und Kooperation: Man belässt leichte Ungleichgewichte als Anreize, aber koppelt Gewinne zurück ins Gemeinwohl (Nachhaltigkeit, Genossenschaften, regionale Wirtschaftskreisläufe). Einige Trends deuten dahin (Nachhaltigkeit, Kreislaufprinzip werden wichtiger)globale-schwarm-intelligenz.deglobale-schwarm-intelligenz.de.
- Politik: 50:50-Denken wäre Macht = Opposition (starre Lager, checks and balances, aber oft Stillstand). Das führte zu 1:99-Phänomenen: z.B. privilegierte Eliten vs. apathische Bürger, Populismus vs. Establishment (Spaltung)globale-schwarm-intelligenz.deglobale-schwarm-intelligenz.de. Ein 51:49-Ansatz wäre “deliberative Demokratie”, Bürgerbeteiligung, Subsidiarität: leichte asymmetrische Einbindung der Bürger (nicht jeder entscheidet alles – 51:49 heißt, Expertenwissen zählt, aber Feedback der Bürger hat Gewicht). Erste Ansätze: Bürgerräte, partizipative Prozesseglobale-schwarm-intelligenz.de. Das erhöht die Rückkopplung zwischen Volk und Institutionglobale-schwarm-intelligenz.de.
- Bildung: 50:50 war lange Lehrender vs. Lernender, Wissen vs. unbeschriebenes Blatt. Ergebnis 1:99: Schüler machen alles für Noten, aber können es nicht anwenden (fehlende Kompetenzen)globale-schwarm-intelligenz.de. 51:49-Pädagogik heißt: Lernende werden zu 51% selbst aktiv (Projekte, Praxis) und 49% angeleitet – projektbasiertes, erfahrungsorientiertes Lernenglobale-schwarm-intelligenz.de. Das läuft bereits als Reformbewegung (Montessori, Maker Education etc.), weil klar wurde, dass reines Auswendiglernen (50:50, Lehrer=50, Stoff=50, Schüler=0 in dem Bild) nicht reicht. Rückkopplung in der Bildung heißt: Learning by Doing.
Man sieht, das 51:49-Konzept liefert ein Orientierungsmodell, das in vielen Feldern Anwendung finden kann. Es fördert immer: ein bisschen Asymmetrie mit Perspektivwechsel. Mal bekommt die eine Seite etwas mehr Gewicht, mal die andere, aber nie absolute Dominanz, und immer bleibt eine Wechselwirkung.
Die Plastische Anthropologie versteht sich in diesem Sinne als Referenzwissenschaft, die diese Haltung systematisch machtglobale-schwarm-intelligenz.de. Sie will aufzeigen, wo überall wir mit 50:50-Idealen arbeiten und warum diese ins 1:99 führen, und sie bietet mit 51:49 ein neues Koordinatensystem an, um die Dinge anders zu denkenglobale-schwarm-intelligenz.deglobale-schwarm-intelligenz.de.
Fazit: Technik, Kunst, Symbolik und Handlung rückverbinden – eine neue epistemologische Position
Die vorangegangenen Kapitel haben die Entkopplungsdynamik der modernen Zivilisation analysiert und der Theorie der plastischen Anthropologie gegenübergestellt. Es zeigt sich: Wir befinden uns an einem historischen Punkt, an dem die herkömmlichen Denk- und Handlungsmodelle an ihre Grenzen stoßenglobale-schwarm-intelligenz.deglobale-schwarm-intelligenz.de. Ökologische Krise, soziale Polarisierung, Vertrauensverlust in Institutionen – all diese Phänomene zeugen davon, dass ein "Weiter-wie-bisher" im Modus des 50:50-Denkens keine Zukunft mehr ermöglichtglobale-schwarm-intelligenz.deglobale-schwarm-intelligenz.de. Die Rückkopplungen, die für das Leben essenziell sind, wurden systematisch ausgeklammertglobale-schwarm-intelligenz.deglobale-schwarm-intelligenz.de.
Die plastische Anthropologie 51:49 tritt an als ein Vorschlag, diesen Konstruktionsfehler zu beheben – und zwar epistemisch und kulturell von Grund auf. Sie fordert eine neue Selbstauffassung des Menschen: nicht als souveräner Beherrscher, sondern als vernetzter Teilnehmer am lebendigen Geschehenglobale-schwarm-intelligenz.deglobale-schwarm-intelligenz.de. Das bedeutet keineswegs Machtlosigkeit, sondern im Gegenteil: Verantwortungsmacht. Denn wer sich als Teil des Systems begreift, erkennt, dass Veränderung beim eigenen Handeln beginnt und dass jede Handlung Rückwirkungen hat. Diese Haltung könnte man als ökologisches Bewusstsein im erweiterten Sinn bezeichnen – "ökologisch" nicht nur auf Umwelt bezogen, sondern auf das gesamte Beziehungsgefüge.
Die Herausforderung ist, diese Erkenntnisse nun in die Praxis zu überführen. Theorie allein genügt nicht – das wäre ja wieder ein symbolisches Konstrukt ohne Rückkopplung. Plastische Anthropologie setzt deshalb auf zwei Dinge: Kontextualisierung und Präzisierung im Diskurs (wie in diesem Text getan, durch Bezug auf Philosophie, Kunst, Technik) und experimentelle Umsetzung. Fenner hat etwa die Plattform Globale Schwarm-Intelligenz als ein Labor plastischen Denkens initiiertglobale-schwarm-intelligenz.de. Dort sollen Menschen – gemeinsam mit KI interessanterweise – spielerisch zu Forschern werden, indem sie Fragen stellen und sowohl konventionelle als auch rückkopplungsorientierte 51:49-Antworten von der KI bekommenglobale-schwarm-intelligenz.de. Die Idee dahinter: Transdisziplinäres Lernen durch Feedback, unter offenem Einbezug neuer Methoden.
Ein weiterer praktischer Aspekt ist die Vision einer “So-Heits-Gesellschaft”globale-schwarm-intelligenz.de. Dieser Begriff, den Fenner verwendet, spielt auf ein So-Sein an, im Sinne von Eingebundensein in das So (das Gegebene, das Sosein der Welt). Eine So-Heits-Gesellschaft wäre eine Zivilisation, “in der die Kunst das epistemische Zentrum bildet und die grundlegende Funktionslogik gesellschaftlicher Organisation bestimmt”globale-schwarm-intelligenz.de. Das heißt, Kunst – als jener Bereich, der erfahrungsbasiert Erkenntnis schafft – würde zum Leitmedium aufsteigen, statt wie bisher oft Wissenschaft oder Religion. Das bedeutet nicht, dass alle nur noch Kunst machen; vielmehr würde ein künstlerisch-experimentelles Geisteshaltung dominieren: Dinge im kleinen ausprobieren, sinnlich prüfen, Prototypen bauen, Erfahrungen austauschen, bevor man sie generalisiert. Man kann sich das wie eine Ästhetisierung der Erkenntnis vorstellen, allerdings im wortwörtlichen Sinn von aisthesis (Wahrnehmung). Lernen durch Wahrnehmung und Gestaltung.
Historisch verweist Fenner hier auf die Techne der Antikeglobale-schwarm-intelligenz.de: In der griechischen Antike (etwa auf Kreta, wie Fenner anführtglobale-schwarm-intelligenz.de) gab es Kulturformen, in denen Kunst, Gemeinschaft und Ökologie eine Einheit bildetenglobale-schwarm-intelligenz.de. Er erwähnt hypothesenhaft matriarchalisch und naturverbunden geprägte Lebensformen auf Kreta, die als Inspiration dienenglobale-schwarm-intelligenz.de. Dort könnte die Einheit von Tätigkeit, Erkenntnis und Welt geherrscht haben, was wir heute verloren haben. Diese historischen Beispiele sollen zeigen, dass 51:49 nicht aus der Luft gegriffen ist, sondern Wurzeln im Menschheits-Erbe hat. Auch die Gaia-Hypothese (Lovelock/Margulis) spielt hineinglobale-schwarm-intelligenz.de: Wenn die Erde als lebendes System begriffen wird, muss Gesellschaft sich als Teil dieses Systems definieren (So-Heit als soziales Gaia-Prinzip)globale-schwarm-intelligenz.deglobale-schwarm-intelligenz.de.
Eine interessante Forderung ist auch die nach neuen Begrifflichkeitenglobale-schwarm-intelligenz.de. In einer Diskussion betonte Fenner, dass Worte wie “Umwelt” oder “Natur” oft nicht genügen, weil sie immer noch diese Trennung implizieren (Umwelt = was uns umgibt, Natur = das Andere außer uns)globale-schwarm-intelligenz.de. Neue Worte könnten helfen, das Gefühl von Einssein und Symbiose besser auszudrückenglobale-schwarm-intelligenz.de. Das erinnert an Konzepte wie Bruno Latours “Terrestrisch” (statt global vs. lokal, Mensch vs. Natur, sagt er: wir werden alle Erdbewohner). Solche semantischen Innovationen sind kein Selbstzweck – Sprache formt Denken, und geprägte Begriffe wie "Rückkopplung" statt "Nebenwirkung" können z.B. sensibilisieren, anders hinzuschauen.
Was bedeutet all das für die eingangs erwähnten Spannungsfelder Technik, Kunst, Symbolik und Handlung?
- Technik muss aus dem Entweder/Oder (Werkzeug vs. Naturbeherrschung) herausgeführt werden in ein Sowohl-als-auch: Technik als verlängerte Handlung des Menschen, die aber so gestaltet sein sollte, dass sie mit der Umwelt interagiert, nicht gegen sie. Dafür könnte die Bio-Technologie im ursprünglichen Sinn stehen: Technologien, die sich an biologischen Prinzipien orientieren (Kreisläufe, Anpassungsfähigkeit, dezentrale Regelung). Der 51:49-Blick auf Technik heißt: Technik soll maßvoll sein (“Werte und Tugenden des richtigen Maßes – im Sinne einer 51:49-Logik”, wie auf der Plattform genanntglobale-schwarm-intelligenz.de). Nicht maximal, sondern optimal, nicht völlige Kontrolle anstrebend, sondern Ergänzung der natürlichen Rückkopplungen. Beispiele: regenerative Energie statt fossiler (nutzt Sonnenrückkopplung), permakulturelle Methoden statt industrieller Monokultur (arbeitet mit dem Ökosystem). Technik im 51:49-Sinn erkennt auch ihre eigenen Rückkopplungsgrenzen an – z.B. Prinzip precautionary (Vorsicht bei unbekannten Folgen, Feedback abwarten bevor man eskaliert).
- Kunst rückt vom Rand ins Zentrum. Sie wird zum Episteme, also einer Art Wissen(schaffen). Schon jetzt spüren wir, dass rein rationale Kommunikation oft nicht ausreicht, um Menschen zu erreichen – deswegen nutzen etwa Umweltbewegungen Kunst, Performance, Emotion, um die Botschaft zu vermitteln (man denke an die eindringlichen Bilder von Eisbären auf schmelzender Scholle, oder Kunstprojekte wie "Earth Speakr" von Olafur Eliasson, das Kindern eine Stimme zur Klimakrise gibt). In einer plastischen Anthropologie wird künstlerische Praxis zum integralen Teil von Forschung und Politik. Das klingt utopisch, aber erste Ansätze gibt es: Art-Science-Collaborations, Reallabore, Partizipationskunst in der Stadtplanung usw. Kunst schafft Rückkopplungsräume, wie wir gesehen haben, weil sie Resonanz erzeugt. Eine Gesellschaft, die Kunst ernst nimmt als Erkenntnismodus, würde z.B. öffentliche Partizipationsprozesse viel sinnlicher gestalten (Planspiele, Simulationen, Theater der Beteiligten) statt trockener Verwaltungsakte. Das kann die oft geforderte Achtsamkeit und Empathie fördern, die in komplexen Gesellschaften nötig sind.
- Symbolik – also unsere Sprache, unser Denken – müsste sich plastifizieren. Weg von der Idee, dass es für alles ein endgültiges Konzept gibt, hin zu einer beweglichen Begriffslandschaft. Das heißt intellektuell: mehr transdisziplinäres Denken, Metaphern zulassen, Narrative wechseln können. Konkreter: Bildung und Wissenschaft sollten reflexiver mit ihren Modellen umgehen – immer fragen: wo ist unser Blinder Fleck? Was bildet unser Code nicht ab? Kann Erfahrung X, die nicht ins Modell passt, vielleicht wichtiger Hinweis sein? Hier trifft Plastische Anthro auf Phänomenologie (Husserl, Merleau-Ponty) und kritische Theorie (Adorno: "das Nichtidentische beachten"). Es geht darum, Symbolsysteme durchlässig zu halten. Flusser’s Werk ist da eine Inspiration: Er schrieb in mehreren Sprachen, spielte mit Etymologiende.wikipedia.orgde.wikipedia.org – im Grunde, um die Starrheit einer einzigen begrifflichen Sicht aufzubrechen. So ähnlich sollte Wissenschaft multiperspektivisch werden. Ein Bioökonom spricht mit einer Indigenen Weisheitsträgerin, ein Klimamodellierer mit einem Bauern – und beide Sprachen gelten etwas und bilden zusammen ein runderes Bild.
- Handlung schließlich – das praktische Tun – muss wieder den Stellenwert der Erkenntnisquelle bekommen. Praxis darf nicht als minderwertig gegenüber Theorie gelten, sondern als gleichwertig oder sogar primär. Das antike Konzept Praxis vs. Theoria wird verwandelt in Praxis als Theoria. Wir sehen das bereits in manchen Feldern: "Citizen Science" z.B., wo Laien selbst Daten erheben und forschen. Oder im Trend zum Makerspace und Reparaturbewegung: Leute machen Dinge selbst und verstehen sie dabei. "Hands on" ist nicht nur Hobby, sondern Bildungsprinzip. Der klassische Handwerker hatte dieses Weltwissen im kleinen: Er wusste, wie Material reagiert, was funktioniert – Erkenntnis im Tun. Moderne Informationsarbeit entkoppelt uns oft davon. Plastische Anthropologie würde sagen: Jeder sollte irgend ein Feld haben, wo er real an der Welt handelt und lernt (sei es Gartenarbeit, Kochen, Handwerk, soziales Engagement), damit Rückkopplung im Leben bleibt. Das könnte man institutionalisieren, etwa im Bildungssystem: mehr Praktika, mehr Projektarbeit, Pflichtfächer wie "Lebenstüchtigkeit". In der Politik: Pilotprojekte ausprobieren, nicht nur am Schreibtisch entscheiden.
Insgesamt geht es um eine Kontextualisierung und Präzisierung einer neuen epistemologischen Position. Diese Position – nennen wir sie plastisch-ökologische Epistemologie – betont, dass Wissen immer kontextgebunden und folgenverbunden ist. Es präzisiert, dass Erkenntnisakteure (Menschen, KIs, Institutionen) so gestaltet sein müssen, dass sie Feedback aufnehmen können. Es kontextualisiert sich, indem es frühere Denker und aktuelle Beispiele heranzieht, was in diesem Text mit Merleau-Ponty, Simondon, Heidegger, Latour, Flusser, Jonas, Harari u.a. getan wurde. So wird klar: Plastische Anthropologie steht nicht im luftleeren Raum, sie knüpft an vorhandenes Denken an – interpretiert es neu und kohärenter, wie Fenner sagtglobale-schwarm-intelligenz.de. Das mindert den utopischen Charakter insofern, als es zeigt, dass diese Weltsicht nicht völlig fremd ist, sondern keimhaft bereits existiertglobale-schwarm-intelligenz.de. Aufgabe ist nun, sie gegen das dominierende Paradigma stark zu machenglobale-schwarm-intelligenz.de – sprich, den bisher unterdrückten Nebenstrom zum Hauptstrom zu erklärenglobale-schwarm-intelligenz.de.
Die Konsequenz dieses Wandels wäre weitreichend: Es käme einer Revolution der Bewusstseinsform gleich. Aber wie Thomas Kuhn lehrte: Paradigmen wechseln erst, wenn das alte offensichtlich nicht mehr tragfähig ist. Unsere Krisen legen nahe, dass dieser Punkt erreicht istglobale-schwarm-intelligenz.de. Und tatsächlich sehen wir Anzeichen eines Kulturwandels hin zu mehr Rückkopplung: projektbasiertes Lernen, Nachhaltigkeit in der Wirtschaft, Bürgerbeteiligung in der Politik, Achtsamkeitsbewegungen, Do-it-yourself-Kulturen – all das kann man lesen als Ausdruck des Bedürfnisses, wieder Konsequenzen zu spüren statt bloß zu funktionierenglobale-schwarm-intelligenz.deglobale-schwarm-intelligenz.de. Die Zeit scheint reif für eine solche Wende.
Abschließend lässt sich sagen: Die Theorie der plastischen Anthropologie bietet einen integrativen Bezugsrahmen, um die Spannungen zwischen Technik, Kunst, Symbolik und Handlung zu überbrücken. Sie ist kein Rückschritt in Anti-Technik oder Irrationalität – sie anerkennt den Wert von Wissenschaft und Symbolik, aber will sie einbetten in den weiteren Lebenszusammenhang. Sie holt die Kunst aus der Nische und erhebt sie zum Partner der Wissenschaft im Erkenntnisprozess. Sie nimmt der Technik den Status des Selbstzwecks und macht sie wieder zum Mittel für ein gutes Leben im richtigen Maß. Sie wertschätzt Handlungserfahrung ebenso wie Theorie und schafft so die Basis für eine Ethik der Verantwortung, wie sie Hans Jonas verlangte (handle so, dass die Wirkungen deines Handelns verträglich sind mit echtem Leben auf Erden).
Plastische Anthropologie führt uns vor Augen, dass der Weltkontakt kein Luxus, sondern unsere Lebensbedingung ist. Der Mensch muss der Welt wieder zuhören und sein Handeln an ihr ausrichtenglobale-schwarm-intelligenz.deglobale-schwarm-intelligenz.de. Gelingt dies, können wir jene verloren gegangene Rückkopplung wiederfinden, die aus bloßem Wissen echtes Verstehen und aus ohnmächtiger Sorge wirksame Verantwortung machtglobale-schwarm-intelligenz.deglobale-schwarm-intelligenz.de. Es ist ein Plädoyer für Demut und Mut zugleich: Demut vor der Komplexität des Lebendigen – und Mut, alte Denkmuster zu durchbrechen, ins kalte Wasser zu springen, das dünne Eis bewusst zu betreten, den goldglänzenden Schein zu durchbrechenglobale-schwarm-intelligenz.deglobale-schwarm-intelligenz.de. Kurz: den Schleier der Symbolwelt beiseite zu schieben und die Welt wieder als Welt wahrzunehmen. In dieser Haltung liegt die Chance für eine zukunftsfähige Zivilisation, in der Mensch, Technik, Kunst und Natur kein Gegensatzpaar mehr bilden, sondern ein dynamisches Gewebe – immer in Bewegung, aber tragfähig: 51:49.
Literatur (Auswahl):
- Fenner, W. (2025). Plastische Anthropologie – Grundlagentext. (Plattform Globale Schwarm-Intelligenz, Berlin).
- Heidegger, M. (1954). Die Frage nach der Technik. In: Vorträge und Aufsätze.
- Jonas, H. (1979). Das Prinzip Verantwortung. Frankfurt a.M.: Suhrkamp.
- Latour, B. (1991). Nous n'avons jamais été modernes / Wir sind nie modern gewesen. Paris: La Découverte.
- Latour, B. (2017). Facing Gaia. Eight Lectures on the New Climatic Regime. Cambridge: Polity Press.
- Merleau-Ponty, M. (1945). Phénoménologie de la perception / Phänomenologie der Wahrnehmung. Paris: Gallimard.
- Simondon, G. (1958). Du mode d'existence des objets techniques. Paris: Aubier. (Engl. trans. On the Mode of Existence of Technical Objects).
- Simondon, G. (1989). L'individuation à la lumière des notions de forme et d'information. (posthum publ. 2005) Paris: Millon. (Engl. trans. Individuation in Light of Notions of Form and Information).
- Flusser, V. (1985). Ins Universum der technischen Bilder. Göttingen: European Photography.
- Flusser, V. (1996). Kommunikologie. Frankfurt a.M.: Fischer.
- Harari, Y.N. (2015). Homo Deus: A Brief History of Tomorrow. London: Harvill Secker.
- Zitierte Online-Quellen: Globale-Schwarm-Intelligenz Wiki (2025)globale-schwarm-intelligenz.deglobale-schwarm-intelligenz.de; Wikipedia-Artikel Vilém Flusserde.wikipedia.org; Sezession-Artikel Heidegger und Techniksezession.de; u.a.
Quellenangaben
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auftut, überbrücken, indem sie die Welt bedeuten. Sie sollen die Welt darstellen, sie strukturieren und Orientierung schaffen. Symbole sind, so Flusser, ihrem Wesen nach dabei jedoch dialektischer Natur, d. h., ein Symbol besitzt nicht nur das Potential, die Welt darzustellen, es trägt auch die Tendenz inne, die Welt zu verdecken. Für Flusser ist mit diesem Befund die
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Möglichkeit angesprochen, dass ein Code als System von Symbolen die Welt mehr verdeckt als er sie bedeutet.[ 13 ] 4. Kommunikation ist schließlich laut Flusser mitentscheidend für unseren Standpunkt in und zur Welt. Symbole sind nicht als Spiegel der Wirklichkeit zu verstehen, sie bilden die Welt nicht eins zu eins ab, sondern nehmen in ihrem abstrahierenden Abbilden und akzentuierenden Beschreiben stets eine Konstruktion vor. Diese Konstruktion ist dabei, so Flusser, nicht unabhängig von der Art der Symbole, vielmehr gilt, dass jeder Code eine für ihn typische Prägung mit sich bringt.[ 14 ]
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auftut, überbrücken, indem sie die Welt bedeuten. Sie sollen die Welt darstellen, sie strukturieren und Orientierung schaffen. Symbole sind, so Flusser, ihrem Wesen nach dabei jedoch dialektischer Natur, d. h., ein Symbol besitzt nicht nur das Potential, die Welt darzustellen, es trägt auch die Tendenz inne, die Welt zu verdecken. Für Flusser ist mit diesem Befund die Möglichkeit angesprochen, dass ein Code als System von Symbolen die Welt mehr verdeckt als er sie bedeutet.[ 13 ] 4. Kommunikation ist schließlich laut Flusser mitentscheidend für unseren Standpunkt in und zur Welt. Symbole sind nicht als Spiegel der Wirklichkeit zu
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Standpunkt in und zur Welt. Symbole sind nicht als Spiegel der Wirklichkeit zu verstehen, sie bilden die Welt nicht eins zu eins ab, sondern nehmen in ihrem abstrahierenden Abbilden und akzentuierenden Beschreiben stets eine Konstruktion vor. Diese Konstruktion ist dabei, so Flusser, nicht unabhängig von der Art der Symbole, vielmehr gilt, dass jeder Code eine für ihn typische Prägung mit sich bringt.[ 14 ]
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Machbarkeit und Machenschaft
Subjektivierung der Ästhetik, Kulturbetrieb und Entmythisierung«, sind Marksteine des technischen Weltbildes. Der gemeinsame Grund für alle ist die »Vergegenständlichung der Gesamtheit des Seienden« durch das »neuzeitliche Erkenntnis-Subjekt«.
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Machbarkeit und Machenschaft
ist dadurch gekennzeichnet, daß in ihr das »Unverfügbare«, für das schon in Heideggers Kunstwerkaufsatz die »Erde« steht, fügsam gemacht werden soll. Es ist die »Entmachtung der physis«. Die Natur wird ein »Bestand«, eine »einzige riesige Tankstelle«, wie Heidegger sagt. Diese Entmachtung des Unverfügbaren richtet sich im Grunde gegen die Zeit und die Geschichtlichkeit. Nicht nur die Bindungen des Daseins an die Welt und die physis, sondern auch die Grenze seines Wissenshorizonts und seine Geschichtlichkeit werden nicht mehr akzeptiert. Die Endgültigkeit und Totalität, mit der das neuzeitliche Denken sich über und an das Ende aller
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Machbarkeit und Machenschaft
»einzige riesige Tankstelle«, wie Heidegger sagt. Diese Entmachtung des Unverfügbaren richtet sich im Grunde gegen die Zeit und die Geschichtlichkeit. Nicht nur die Bindungen des Daseins an die Welt und die physis, sondern auch die Grenze seines Wissenshorizonts und seine Geschichtlichkeit werden nicht mehr akzeptiert. Die Endgültigkeit und Totalität, mit der das neuzeitliche Denken sich über und an das Ende aller bis- herigen Interpretationen von Mensch und Welt stellt, ist nach Heidegger die »Seinsvergessenheit«. Eine universalistische, konvergente Fortschrittsgeschichte der Menschheit will alles in sich
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Machbarkeit und Machenschaft
Menschen wie eine weiße Gummizelle, in der langsam die Illusion von Unendlichkeit und Losgelöstheit entsteht. Das Einzige, das alle immer noch unverfügbar an die Erde bindet – der Tod –, wird konsequent ausgeblendet. Was stattfindet, ist eigentlich eine »Verweigerung von Welt«, eine »Verzauberung«, eine »Behexung« im Gewand höchster Aufklärung, die sich als profane Auslegungsmaske, als Individualismus, Egalitarismus, Universalismus und Progressismus zwischen uns und die Phänomene, die Dinge und Mitmenschen schiebt.
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Im globalen Takt der Warengesellschaft gleichen sich mit jedem Schlag jede Sekunde, jeder Ort und jeder Mensch immer mehr an, während gleichzeitig das »bunte« Gewucher der subkulturellen Masken immer wildere Blüten treibt. Die totale Homogenisierung des Raumes und der Zeit wirken auf den Menschen wie eine weiße Gummizelle, in der langsam die Illusion von Unendlichkeit und Losgelöstheit entsteht. Das Einzige, das alle immer noch unverfügbar an die Erde bindet – der Tod –, wird konsequent ausgeblendet. Was stattfindet, ist eigentlich eine »Verweigerung von Welt«, eine »Verzauberung«, eine »Behexung« im Gewand höchster
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Zeit- und Ortlosigkeit, das »Ende der Geschichte«. Es ist das Zugleich von totaler Betriebsamkeit, rasender Tätigkeit und Reizüberflutung mit völliger Entschleunigung und innerer Leere.
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den menschlichen Willen zurück.[ 11 ] 2. Die Menschwerdung muss – im Sinne des Existentialismus – als Entfremdung verstanden werden: Der Mensch wird aus der Welt verstoßen (oder er entspringt ihr), d. h., er ist nicht länger wie das Tier in ihr aufgehoben, sondern tritt ihr als fremd gegenüber. Im Geworfensein liegt damit ein Gefühl der Ohnmacht, der Verlorenheit und der Einsamkeit – und gegen diese Stimmung, so Flusser, kommuniziert der Mensch: „Die menschliche Kommunikation ist ein Kunstgriff, dessen Absicht es ist, uns die brutale Sinnlosigkeit eines zum Tode verurteilten Lebens vergessen zu lassen.“[ 12 ] 3. Symbole sollen die Kluft, wie sie die Reflexion zwischen Welt und Mensch
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verstanden werden: Der Mensch wird aus der Welt verstoßen (oder er entspringt ihr), d. h., er ist nicht länger wie das Tier in ihr aufgehoben, sondern tritt ihr als fremd gegenüber. Im Geworfensein liegt damit ein Gefühl der Ohnmacht, der Verlorenheit und der Einsamkeit – und gegen diese Stimmung, so Flusser, kommuniziert der Mensch: „Die menschliche Kommunikation ist ein Kunstgriff, dessen Absicht es ist, uns die brutale Sinnlosigkeit eines zum Tode verurteilten Lebens vergessen zu lassen.“[ 12 ] 3. Symbole sollen die Kluft, wie sie die Reflexion zwischen Welt und Mensch
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Vilém Flusser geht von einem fünfstufigen historischen Modell aus. Die erste Stufe wird einem Naturmenschen zugeordnet, der in einer vierdimensionalen Umwelt des unmittelbaren und „konkreten Erlebens“ lebt. Die zweite Stufe bezieht sich auf das Interesse des Menschen an Gegenständen, also an einer dreidimensionalen Umwelt. Mit der dritten Stufe wird die zweidimensionale Umwelt prägend für die Kultur: Traditionelle Bilder, die „anschaulich und imaginär“ sind, schieben sich zwischen den Menschen und seine Lebenswelt . Seit etwa viertausend Jahren sind lineare Texte zunehmend kulturprägend.[ 15 ] Diese Art der Vermittlungstechnik von 114, bei der ein „Begreifen mittels Begriffen“ ermöglicht wird, lässt eine eindimensionale Umwelt entstehen. Die
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heutige Gesellschaft befindet sich auf dem Weg in eine nachalphabetische Phase der nulldimensionalen technischen Bilder, bei der die Texte ihre Funktion verlieren.[ 16 ] Diesen gegenwärtigen „Umbruch der Codes“ charakterisiert Flusser als eine Situation der Krise.[ 17 ] Wobei Flusser nicht nur die Herausforderungen, sondern ebenso die Produktivität eines solchen Umbruchs erkennt: In seinem Aufsatz Wonach? versucht er bruchstückhaft Ausblick auf eine neue Wissenschaftlichkeit und Kultur jenseits der Dominanz der Schriftlichkeit zu geben.[ 18 ]
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sind lineare Texte zunehmend kulturprägend.[ 15 ] Diese Art der Vermittlungstechnik von Informationen , bei der ein „Begreifen mittels Begriffen“ ermöglicht wird, lässt eine eindimensionale Umwelt entstehen. Die heutige 115 befindet sich auf dem Weg in eine nachalphabetische Phase der nulldimensionalen technischen Bilder, bei der die Texte ihre Funktion verlieren.[ 16 ] Diesen gegenwärtigen „Umbruch der Codes“ charakterisiert Flusser als eine Situation der Krise.[ 17 ] Wobei Flusser nicht nur die Herausforderungen, sondern ebenso die Produktivität eines solchen Umbruchs erkennt: In seinem Aufsatz Wonach? versucht er bruchstückhaft Ausblick auf eine neue Wissenschaftlichkeit und Kultur jenseits der Dominanz der Schriftlichkeit
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Kultur: Traditionelle Bilder, die „anschaulich und imaginär“ sind, schieben sich zwischen den Menschen und seine Lebenswelt . Seit etwa viertausend Jahren sind lineare Texte zunehmend kulturprägend.[ 15 ] Diese Art der Vermittlungstechnik von 114, bei der ein „Begreifen mittels Begriffen“ ermöglicht wird, lässt eine eindimensionale Umwelt entstehen. Die heutige Gesellschaft befindet sich auf dem Weg in eine nachalphabetische Phase der nulldimensionalen technischen Bilder, bei der die Texte ihre Funktion verlieren.[ 16 ] Diesen gegenwärtigen „Umbruch der Codes“ charakterisiert Flusser als eine Situation der Krise.[ 17 ] Wobei Flusser nicht nur die
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einen längeren Text), z. B. bedeutet das Technobild einer Frau auf einer WC- Tür: „Dieses WC dürfen nur Frauen betreten!“
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soll. Es ist die »Entmachtung der physis«. Die Natur wird ein »Bestand«, eine »einzige riesige Tankstelle«, wie Heidegger sagt. Diese Entmachtung des Unverfügbaren richtet sich im Grunde gegen die Zeit und die Geschichtlichkeit. Nicht nur die Bindungen des Daseins an die Welt und die physis, sondern auch die Grenze seines Wissenshorizonts und seine Geschichtlichkeit werden nicht mehr akzeptiert. Die Endgültigkeit und Totalität, mit der das neuzeitliche Denken sich über und an das Ende aller bis- herigen Interpretationen von Mensch und Welt stellt, ist nach Heidegger die »Seinsvergessenheit«. Eine universalistische,
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Er entwickelte eine positive Utopie der zukünftigen 125 (Telematik) als Gegenentwurf zu zeitgenössischen pessimistischen Medientheorien und Medienkritiken. Bei dieser Konstruktion nahm er an, dass jede Gesellschaft vom Zusammenspiel zweier Kommunikationsformen geprägt wird:
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1. Die bisherige „ideale Gesellschaft“, bei der Dialoge und Diskurse sich im Gleichgewicht befinden. 2. Die „autoritäre Gesellschaft“, bei der die Diskurse dominieren. Das Fehlen der Dialoge zieht eine Informationsarmut nach sich. Diskurse werden nicht mehr durch Dialoge mit Informationen gespeist. 3. Die zukünftige und „revolutionäre Gesellschaft“, bei der Dialoge überwiegen, welche ständig Informationen erzeugen. Bedingt durch die so entstehende Informationsflut zerbrechen die alten Diskurse. Dementsprechend gibt es in der telematischen Gesellschaft keine Autoritäten. Sie ist, aufgrund
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geprägt wird:
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Grundsätzlich sind drei Formen der Gesellschaft aus dieser Annahme ableitbar:
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Gilbert Simondon and the Process of Individuation | Epoché Magazine
words, preindividual being exists in a state of metastability which means that certain forces determine how it becomes individuated in particular ways, and therefore, without metastability as an analogy we cannot move beyond the metaphysics of antiquity. The necessity of the metastable equilibrium will be
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match at L357 and that maintains a metastability that is a condition of life” (ibid.). Internal resonance can be thought of as the source of potential future individuations. Whereas the internal resonance of the physical individual is characterised by the limit of the individual as it becomes in its environment
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metastability can be used to characterise individuation, however, it no longer occurs in such an instantaneous manner as we have seen in the formation of the crystal. Biological individuation still creates an individual-environment pair, “but it is accompanied by a perpetuated individuation, which is life itself,
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An Outline of the Introduction to Gilbert Simondon’s 'Individuation in Light of Notions of Form and Information', Part 1
b. What constitutes the system of individuation in a living individual is an internal resonance.
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match at L343 metastability can be used to characterise individuation, however, it no longer occurs in such an instantaneous manner as we have seen in the formation of the crystal. Biological individuation still creates an individual-environment pair, “but it is accompanied by a perpetuated individuation, which is life itself,
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metastability can be used to characterise individuation, however, it no longer occurs in such an instantaneous manner as we have seen in the formation of the crystal. Biological individuation still creates an individual-environment pair, “but it is accompanied by a perpetuated individuation, which is life itself,
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Machbarkeit und Machenschaft
Totalität, mit der das neuzeitliche Denken sich über und an das Ende aller bis- herigen Interpretationen von Mensch und Welt stellt, ist nach Heidegger die »Seinsvergessenheit«. Eine universalistische, konvergente Fortschrittsgeschichte der Menschheit will alles in sich einverleiben. Sie verstellt jede andere mögliche Wahrnehmung von Mensch und Welt, und am Ende sogar diese Möglichkeit selbst. Diese Endgültigkeit und das Vergessen der Vergessenheit ist für Heidegger die »höchste Gefahr«. Am Ende dieses Vernichtungsfeldzuges steht die Zeit- und Ortlosigkeit, das »Ende der Geschichte«. Es ist das Zugleich von
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Vilém Flusser – Wikipedia
durch Dialoge mit Informationen gespeist. 3. Die zukünftige und „revolutionäre Gesellschaft“, bei der Dialoge überwiegen, welche ständig Informationen erzeugen. Bedingt durch die so entstehende Informationsflut zerbrechen die alten Diskurse. Dementsprechend gibt es in der telematischen Gesellschaft keine Autoritäten . Sie ist, aufgrund ihrer 130, völlig undurchsichtig und lenkt sich selbst kybernetisch. So wird Telematik von ihm auch als „kosmisches Hirn“
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Vilém Flusser - Wikipedia
Symbole sind nicht als Spiegel der Wirklichkeit zu verstehen, sie bilden die Welt nicht eins zu eins ab, sondern nehmen in ihrem abstrahierenden Abbilden und ...
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Vilém Flusser – Wikipedia
Flussers Biographie erklärt seine bemerkenswerte Vielsprachigkeit. Er schrieb seine Texte in Englisch, Französisch, Portugiesisch und Deutsch – seltener in seiner Muttersprache Tschechisch. Dasselbe Thema in verschiedenen Sprachen zu behandeln, hieß für ihn, dieses von verschiedenen Punkten aus zu betrachten. Flusser ließ sich oft von der Etymologie leiten, und mehrere Sprachen boten ihm auch mehrere Ansätze. Er veröffentlichte hauptsächlich auf Deutsch und Portugiesisch.
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seiner Muttersprache Tschechisch. Dasselbe Thema in verschiedenen Sprachen zu behandeln, hieß für ihn, dieses von verschiedenen Punkten aus zu betrachten. Flusser ließ sich oft von der Etymologie leiten, und mehrere Sprachen boten ihm auch mehrere Ansätze. Er veröffentlichte hauptsächlich auf Deutsch und Portugiesisch.
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