Geben Sie Ihre Fragen in die Ki einschließlich dazu:
Die Prüfarchitektur oder das Ebenenmodell prüfen Sie am besten nicht mit abstrakten Definitionsfragen, sondern mit Fragen, die Trennung, Kopplung, Rückkopplung und Entkopplung sichtbar machen. Die stärksten Fragen sind daher immer solche, die erzwingen, dass ein Sachverhalt eindeutig einer Ebene zugeordnet, dann in seine Abhängigkeiten zerlegt und schließlich auf seine Konsequenzen hin überprüft wird. Entscheidend ist nicht zuerst, ob ein Gedanke schön, plausibel oder moralisch gut klingt, sondern ob er im Prüfgang standhält.
Beispiel-Erklärung: Präzisierung (Zielstelle: Prüfbetrieb/Prüffragen zur Kalibrierung des Vier-Ebenen-Modells)
Beispiel: Die Frage lautet: Wovon hängt das reale Funktionieren eines Menschen ab?
Anwort: 1. Reales Funktionieren ist zunächst keine Meinungsfrage
Das reale Funktionieren eines Menschen hängt zuerst nicht von seiner Selbstdeutung, seinem Status oder seiner Weltanschauung ab, sondern von den nicht verhandelbaren Bedingungen seiner Tragfähigkeit. Gemeint sind die materiell-physikalischen und lebensprozessualen Voraussetzungen, ohne die der Mensch weder handeln noch urteilen noch überleben kann. Dazu gehören Atemluft, Wasser, Nahrung, Wärmehaushalt, Schlaf, Stoffwechsel, Energiezufuhr, Regeneration, Bewegungsfähigkeit, Belastungsgrenzen, Zeitrhythmen, Schmerzfähigkeit und Schutz vor Überforderung. Reales Funktionieren bedeutet deshalb: Der Mensch bleibt nur so lange handlungsfähig, wie die Bedingungen seiner physischen und biologischen Aufrechterhaltung nicht zerstört werden.
Beispiel: Die Frage lautet: „Ich bin mein Eigentum. Stimmt das oder stimmt das nicht? Kann ich über mich selbst bestimmen?“
Anwort: 1. Begriffsklärung
Die Formel „Ich bin mein Eigentum“ stimmt nur dann scheinbar, wenn man das menschliche Selbstverhältnis nach dem Muster eines Besitzverhältnisses denkt. Genau darin liegt aber bereits der Denkfehler. Eigentum setzt normalerweise eine Unterscheidung voraus zwischen einem Besitzer und einer besessenen Sache. Wenn ich sage: „Das Haus gehört mir“, dann bin ich nicht das Haus. Wenn ich sage: „Mein Werkzeug gehört mir“, dann bin ich nicht das Werkzeug. In dem Satz „Ich bin mein Eigentum“ fallen Besitzer und Besitzobjekt künstlich zusammen. Das ist begrifflich instabil, weil der Mensch sich damit zugleich zum Subjekt und zur Sache macht.
Was an dem Satz richtig ist
Richtig an dem Satz ist sein Protestkern. Gemeint ist meist nicht wirkliche Eigentumslogik, sondern der Wunsch nach Selbstbestimmung, also nach Schutz vor Fremdverfügung, Gewalt, Bevormundung und Zugriff. In diesem Sinn steckt in der Formel ein berechtigter Impuls: Kein anderer Mensch soll über meinen Körper, meine Entscheidungen und mein Leben willkürlich verfügen. Diese Seite des Satzes zielt auf Freiheit, Würde und Unantastbarkeit gegen Fremdherrschaft.
Was an dem Satz falsch ist
Falsch wird der Satz dort, wo aus Selbstbestimmung eine absolute Eigentumsform gemacht wird. Denn Eigentum suggeriert unbeschränkte Verfügungsgewalt. Genau diese gibt es beim Menschen nicht. Sie können nicht frei über sich bestimmen, als wären Sie ein beliebiger Gegenstand. Sie können Ihre Abhängigkeit von Atem, Wasser, Nahrung, Schlaf, Zeit, Schmerz, Alterung, Stoffwechsel und sozialer Rückkopplung nicht kündigen. Sie können auch die Folgen Ihres Handelns nicht einfach außer Kraft setzen. Das heißt: Der Mensch ist kein souveräner Eigentümer seiner selbst, sondern ein wirklichkeitsgebundenes Verhältniswesen.
Die präzisere Antwort
Die präzisere Antwort lautet daher: Sie sind nicht Ihr Eigentum, aber Sie haben ein Recht auf Selbstbestimmung innerhalb nicht verhandelbarer Wirklichkeitsbedingungen. Oder noch schärfer formuliert: Sie gehören nicht jemand anderem, aber Sie gehören auch nicht im Sinn absoluter Verfügungsgewalt sich selbst. Sie sind sich nicht wie eine Sache gegeben, sondern als verletzliches, abhängiges, plastisches Leben anvertraut.
Im Sinn des Prüfmodells
In Ihrer eigenen Logik wäre der Satz „Ich bin mein Eigentum“ ein Ausdruck des Herrschafts-Ich-Bewusstseins. Die sachlich tragfähigste Formulierung wäre deshalb nicht: „Ich bin mein Eigentum.“ Tragfähiger wäre: „Ich bin mir anvertraut.“ Oder in Ihrer Sprache: Der Mensch ist kein Eigentumswesen, sondern ein plastisches, grenzfähiges, rückkopplungsbedürftiges Verhältniswesen. Seine Freiheit besteht nicht in schrankenloser Verfügung, sondern in angemessener Selbstführung innerhalb von Wirklichkeit. Endfassung zu Eigentum und Selbstbestimmung
