Entwürfe 27.7

Aus Globale-Schwarm-Intelligenz


-------- Original-Nachricht --------

Betreff: Das So-Heits-Atelier des globalen Dorfes auf der documenta 16,

Datum: Mon, 27 Jul 2026 12:04:43 +0000

Von: "Wolfgang Fenner" <wolfgangfenner@o2mail.de>

An: wolfgangfenner@o2mail.de


Das So-Heits-Atelier des globalen Dorfes

Forschungskunst als öffentliche Spielerrische Überzeugungsprüfung


Sehr geehrte Frau Beckwith,

sehr geehrte Mitglieder des künstlerischen Teams der documenta 16,

ich möchte Ihnen mit diesem Schreiben mein künstlerisches Lebenswerk vorstellen, das sich seit mehr als fünfzig Jahren außerhalb der üblichen Einteilungen des Kunstbetriebs entwickelt hat. Durch die Arbeit mit der KI sind meine Anliegen nun zu einem gut verstehbaren neuen ganzheitlichen Projekt geworden.


Als Hommage an Joseph Beuys:

Ich schickte Joseph Beuys 1976 eine Blumenwiese. Er streute sie auf seinem Balkon aus. Auf dieser Blumenwiese lief dann sein Hase. Das erzählte er mir 1980, als ich gemeinsam mit Johannes Stüttgen versuchte, Joseph Beuys im Wahlkampf zu unterstützen und die Soziale Plastik zu erklären. Ich nähme die Soziale Plastik zu ernst, berührte J. Beuys damit den Kern meiner weiteren Arbeit. Wenn jeder Mensch Künstler und an der Formung gesellschaftlicher Wirklichkeit beteiligt ist, müssen auch die tatsächlichen Tätigkeiten und Abhängigkeitskonsequenzen dieser Sozialen Plastik geprüft werden. Vierzig Jahre später bildet seine damalige Bemerkung einen Ausgangspunkt meiner Bewerbung für die documenta 16.


Ich wende mich an Sie, weil meine Arbeit trotz ihrer jahrzehntelangen Kontinuität bislang kaum in den institutionellen und kunsthistorischen Zusammenhängen sichtbar geworden ist, in denen sie hätte wahrgenommen und eingeordnet werden können.


Für die documenta 16 schlage ich das „So-Heits-Atelier des globalen Dorfes“ vor, verbunden mit der von mir entwickelten digitalen Plattform „Globale Schwarm-Intelligenz“.

Meine Arbeit verbindet bildnerische und darstellerische Kunst, handwerkliche Erfahrung, Naturbeobachtung, gesellschaftliche Forschung, Pädagogik und praktische Gestaltung. Seit 1975 liegt ihr die Frage zugrunde, warum der Mensch trotz seines Wissens, seiner Gestaltungskraft und seiner Fähigkeit zur Korrektur seine eigenen Existenzbedingungen zerstört. Daraus ergibt sich für mich die Forderung, dass der Mensch dringend alle künstlerischen Disziplinen, ob bildnerisch oder darstellerisch, erlernen und ihrem künstlerischen Handwerkszeuge spielerisch trainieren muss. Sonst gibt es keine Überlebenschance für die Menschheit. Diese Überzeugung ist aus meiner 77-jährigen Lebenserfahrung und den daraus gewonnenen Erkenntnissen entstanden.


Das So-Heits-Atelier ist als öffentliches künstlerisches Forschungslabor angelegt hierzu. Ausgewählte Werke, Bilder, Modelle, Texte und Versuchsanordnungen meines Lebenswerkes sollen darin nicht nur ausgestellt, sondern als Arbeits- und Prüfmittel aktiviert werden. Das Werk wird zum Prüfapparat, das Material zum antwortenden Gegenüber und der Besucher zum Forschungskünstler: zum Mitprüfenden seiner eigenen Wahrnehmungen, Überzeugungen und Tätigkeiten.


Die besondere Grundlage meiner Forschungskunst ist ein handwerklicher Prüfmaßstab, den ich aus meiner Ausbildung zum Maschinenschlosser und aus meiner bildhauerischen Praxis entwickelt habe: Funktioniert etwas oder funktioniert es nicht? Eine Form oder Konstruktion bewährt sich nicht allein durch eine überzeugende Erklärung. Sie muss sich am Material, am Widerstand, an ihren Wirkungen und Abhängigkeiten erweisen. Sie muss tragen, Rückmeldungen aufnehmen und Korrekturen zulassen können.

Diesen Maßstab übertrage ich auf die Kunst und auf die vom Menschen geschaffene gesellschaftliche Wirklichkeit. Der Mensch ist Künstler / Erzeuger seiner Begriffe, Bilder, Institutionen, Technologien und gesellschaftlichen Ordnungen. Zugleich ist er selbst ein lebendiges, verletzliches und fortwährend plastisch werdendes Kunstwerk. Die Menschenwelt der 8 Millarden muss deshalb daran geprüft werden, ob ihre Formen Leben ermöglichen oder ihre eigenen körperlichen und planetarischen Voraussetzungen zerstören.

Ein zentraler Prüfmaßstab des Ateliers ist die „24-Stunden-Uhr des Planeten Erde“. Werden die rund 4,54 Milliarden Jahre der Erdgeschichte auf einen Tag übertragen, erscheint Homo sapiens erst ungefähr 5,7 Sekunden vor Mitternacht. Ein achtzigjähriges Menschenleben entspricht etwa 1,5 Millisekunden.


Dennoch verhält sich dieser Millisekunden-Mensch häufig so, als könne er die ihm vorausliegenden Existenzbedingungen durch seine selbst geschaffenen Systeme ersetzen. Atmosphäre, Gewässer, Stoffkreisläufe, Gravitation und kosmische Bedingungen sind jedoch keine menschlichen Kunstwerke. Sie bilden die Tragwirklichkeit, innerhalb derer der Mensch überhaupt leben, handeln und Kunst hervorbringen kann.


Im So-Heits-Atelier soll dieser Zusammenhang gemeinsam mit den Besucherinnen und Besuchern praktisch untersucht werden (z.B.: ein Abendmahltisch / Abbild einer Wasserlandschaft/ Asymmetrisches Automodell / Gordischer Knoten zum Anfassen) Das Atelier verbindet somit Ausstellung, Werkstatt, Archiv und Gesprächsraum. Zudem ist das besondere das es mit der informativen digitalen Plattform experimentell verbunden werden soll, so auch die Links- hier.


Es geht aus meiner seit 1975 entwickelten „Experimentellen Umweltgestaltung“ als Wegbereiter von Forschungskunst hervor und führt unterschiedliche Werkbereiche zu einer gemeinsamen Untersuchung darüber zusammen, wie der Mensch wahrnimmt, gestaltet, sich täuscht, lernt und Verantwortung für die Folgen seiner Tätigkeiten übernehmen kann.


Für die documenta 16 soll ein reales und digitales Mitmachbuch entstehen, das von den Besucherinnen und Besuchern fortlaufend gestaltet wird.

Sie können Collagen, anfertigen: Aus meinen Vorgabebildern, Zeichnungen, Fotografien, Folien, Texten, Objekten und Modellen können die Besucher vor Ort eigene Mitmachbücher entwickeln. Sie wählen Materialien aus, verbinden und deuten sie neu und ergänzen sie durch eigene Fragen, Erfahrungen und Erkenntnisse. fotografieren sowie Texte und Modelle von der Plattform „Globale Schwarmintelligenz“ herunterladen, kopieren und in Ihr Buch einfügen.


Die Plattform „Globale Schwarm-Intelligenz“ erweitert diese Arbeit in den digitalen Raum. Dort können die im Atelier begonnenen Untersuchungen als interaktive Bücher fortgeführt, dokumentiert und mit den Erkenntniswegen anderer Teilnehmer verbunden werden unter anderen mit dem 4- Ebenen-Modell E1–E4: Das Vier-Ebenen-Modell dient dabei als methodische Orientierung, um Wahrnehmungen, Gedanken und Rückkopplungen sichtbar zu machen. Unterstützt wird dieser Prozess durch KI sowie durch meinen Kontext- und Werkanker. Das Mitmachbuch als tragbares So-Heits-Atelier oder Das Mitmachbuch als tragbares So-Heits-Atelier Memento mori – Das unbetretbare Atelier und die Fortsetzung der Verantwortung.

Ich bitte die Besucher nicht darum, meine Ausgangsthesen ungeprüft zu übernehmen. Das So-Heits-Atelier ist vielmehr eine Einladung, ihre künstlerische Grundlage, ihre Widersprüche und ihre praktische Anwendbarkeit anhand der Werke und Versuchsanordnungen öffentlich zu untersuchen.


Das notwendige künstlerische und dokumentarische Material ist vorhanden. Die beigefügten Anlagen erläutern die Werkgenese, die Methodik, die Schlüsselwerke, die Besucherdramaturgie, die digitale Plattform und die Möglichkeiten der Realisierung.


Ich bitte Sie als Organisatoren der Documenta, dass „So-Heits-Atelier des globalen Dorfes“ als Beitrag zur documenta 16 zu prüfen.

Über die Möglichkeit, Ihnen den Werk- und Realisierungszusammenhang persönlich vorzustellen, würde ich mich freuen.

Zur Klärung von weiteren Fragen stehe ich gerne jederzeit bereit. Bitte geben sie mir hierzu in den nächsten vier Wochen eine kurze Rückmeldung.


Mit freundlichen Grüßen


Wolfgang Fenner


Ergänzende Angaben zur Werkentwicklung, Realisierung und persönlichen Arbeitssituation


Meine persönliche Situation enthält dabei eine besondere Paradoxie: Mit 77 Jahren entwickle ich eine Plattform mit dem Namen „Globale Schwarm-Intelligenz“ alleine.


Die unterschiedlichen künstlerischen Disziplinen eröffnen bei mir -jeweils eigene Möglichkeiten des Wahrnehmens, Darstellens, Erprobens, Prüfen und Korrigierens.

Dies soll gemeinsam mit den Besucherinnen und Besuchern der documenta 16 geschehen. Hierfür stehen mein künstlerisches Programm und meine über Jahrzehnte entwickelte Methodik zur Verfügung, die sich aus der „Experimentellen Umweltgestaltung“ herausgebildet haben. Dem Begriff „Umwelt“ lag vor gut fünfzig Jahren noch ein anderes Verständnis zugrunde: Umwelt wurde als Mitwelt verstanden, in die der Mensch eingebunden ist und deren Teil er selbst ist.


Zu dieser Werkentwicklung gehören unter anderem die Erwachsenen-Malbücher, die „Krickel-Krakel-Philosophie“, Wasser- und Strömungsversuche, Passungs- und Toleranzmodelle, bildhauerische und fotografische Arbeiten, die „Schöpfungsgeschichte“, Performances, Demokratiewerkstätten, zwei temporäre Kunsthallen in Ratzeburg und Berlin, die Künstlergruppe „Kollektive Kreativität“, das „Globale Dorffest“ als partizipatorisches Welttheater, die dazugehörigen Arbeitsmaterialien sowie 8 Auseinandersetzungen mit der documenta.

Ich kann Ihnen zum gegenwärtigen Zeitpunkt keinen fertigen Ausstellungsentwurf vorlegen, sondern zunächst eine konzeptionelle und räumliche Skizze dessen, was aus meinem künstlerischen Lebenswerk für die documenta 16 entwickelt werden könnte. Die Themen, Objekte, Methoden und Arbeitsformen sind vorhanden und über Jahrzehnte entstanden. Ihre konkrete Auswahl, Anordnung und Umsetzung können jedoch erst in Auseinandersetzung mit den räumlichen, technischen und kuratorischen Voraussetzungen der documenta 16 entwickelt werden. Da ich bislang nicht weiß, welcher Raum infrage kommt und welche Formen künstlerischer, partizipativer und prozessbezogener Arbeit vorgesehen oder möglich sind, kann ich die einzelnen Bereiche zunächst nur anreißen und in ihrer möglichen Verbindung vorstellbar machen.


Meine Vorstellung wäre: ich werde gerne bereit damit dieses Projekt realisiert werden kann, unterstützende Menschen, sowie andere interessierte Menschen, aus Kassel und der Umgebung anlernen, damit sie mich bei der Durchführung des So-Heits-Ateliers unterstützen können.


Bei der sprachlichen Ausarbeitung meiner Texte habe ich künstliche Intelligenz als Schreib-, Korrektur- und Strukturhilfe genutzt und nutze sie weiterhin – einschließlich ihres Fehlerpotenzials. Aufgrund meines ADHS, meiner Legasthenie, meiner früheren Erfahrungen mit dem Stottern sowie weiterer Beeinträchtigungen hilft sie mir dabei, komplexe gedankliche Zusammenhänge zu ordnen und die umfangreichen schriftlichen Anforderungen meines Lebenswerkes zu bewältigen.

Für die technische Entwicklung der interaktiven Buchstruktur auf der Plattform „Globale Schwarm-Intelligenz“ suche ich gegenwärtig Universitäten, Fachbereiche und geeignete Kooperationspartner, die meine programmatische, strukturelle und technische Umsetzung unterstützen.


Als Hommage an Joseph Beuys gedacht


Sein Tod liegt heute, am 27. Juli 2026, 40 Jahre, sechs Monate und vier Tage zurück. Er war bei seinem Tod 64 Jahre alt; in diesem Jahr wäre er 105 Jahre alt geworden.

Als ich von Joseph Beuys’ Tod erfuhr, schuf ich meine größte Collage, die bis heute erhalten ist und zwei mal zwei Meter misst. Ihr Thema war, wogegen und wofür Beuys gekämpft hatte.


-1-Der Abendmahltisch aus der Schöpfungsgeschichte siehe Foto aus der Schöpfungs-Geschichte und Presse Bericht

-2-Ergänzende Angaben zur Werkentwicklung, Realisierung und persönlichen Arbeitssituation 2-Teil auf der Plattform „Globale Schwarm-Intelligenz“

-3-Biografie