26.8.2026

Aus Globale-Schwarm-Intelligenz

Di., 18. Aug.Symbolik-und Rückkopplung

Anstatt einer Decke lege ich jetzt ein Bild auf den Mutterboden. Das Bild zeigt eine Vorlage zu einem naturstrukturellen Prozess, den ich gewonnen habe durch eigene Erlebnisse in dieser Tang-Formationslandschaft. Und hiervon habe ich Fotos gemacht, und so konnte ich davon ganz gut ein Bild herstellen.zum Vorbild wird, um diese naturstrukturellen Prozess als Vorgabe, als Vorbild zu nehmen.diese Landschaft nachzubauen. Dann nehme ich den weißen Sand und arbeite heraus die Strömungsstruktur. Jetzt kommt eine Lücke zustanden indem stelle ich in die Mitte hinein symbolisch oder als Konstrukt den Menschen. Mithilfe einer Schultafelpyramide dargestellt.Dieser Schultafelpyramide entstehen jetzt Strömungsstrukturen, als Rückkopplung ihrer Projektionsauseinandersetzung, eingepasst zu sein in diese strukturelle Landschaft.Arbeite ich jetzt mit einer Symbolik? Oder geht es hier mehr um eine Symbolik, die dem Griechischen zugrunde liegt? Wo es um zwei Teile geht, die hier zusammenkommen müssen und miteinander korrespondieren oder Rückkopplung stehen. Wie beschreibt man das, diese Vorgänge?

Ja. In Ihrer Arbeit kommt Symbolik vor, aber der Gesamtvorgang ist nicht angemessen beschrieben, wenn man ihn nur als symbolische Darstellung bezeichnet. Präziser wäre es, von einer materiell-plastischen Korrespondenz- und Rückkopplungsanordnung zu sprechen.

Vom Naturereignis zum strukturellen Vorbild

Am Anfang steht bei Ihnen kein frei erfundenes Bild. Ausgangspunkt ist eine erfahrene Naturstruktur: die Tang-Formationslandschaft und die darin wahrgenommenen Strömungs-, Ablagerungs- und Formbildungsprozesse. Die Fotografien halten Erscheinungsformen dieses Prozesses fest. Aus ihnen gewinnen Sie anschließend ein Bild, das nicht einfach Landschaft abbilden soll, sondern eine Strukturvorlage bereitstellt.

Das Bild wird damit zum Vorbild für eine erneute plastische Herstellung. Wenn Sie es auf den Mutterboden legen und darüber beziehungsweise daraus mit weißem Sand die Strömungsstruktur herausarbeiten, vollziehen Sie eine Übersetzung: Naturprozess → Wahrnehmung und Erfahrung → Fotografie → Bildvorlage → plastische Rekonstruktion. Entscheidend ist, dass dabei die ursprüngliche Naturstruktur nicht identisch wiederholt wird. Sie wird von Ihnen ausgewählt, interpretiert und in eine bearbeitbare Struktur übertragen.

Die Schultafelpyramide ist eine symbolische Setzung

An einer bestimmten Stelle verändert sich der Charakter der Arbeit wesentlich. Mit der Schultafelpyramide führen Sie etwas in diese Naturstruktur ein, das nicht aus ihr selbst hervorgegangen ist. Sie setzen den Menschen beziehungsweise die menschliche Welt als Konstrukt in die Mitte des Strukturfeldes.

Hier kann man tatsächlich von Symbolisierung sprechen. Die Pyramide ist nicht der Mensch, sondern steht für ihn, für seine Vorstellungen, seine Projektionen, sein Wissen, seine Ordnungen oder möglicherweise auch für seine kulturell erzeugte Welt. In der üblichen Bedeutung ist ein Symbol gerade etwas, das für etwas anderes steht.

Aber zugleich ist die Pyramide mehr als ein Symbol, weil sie innerhalb Ihrer Arbeit einen realen Ort besetzt. Sie wird zum körperlichen Widerstand beziehungsweise zur Unterbrechung einer vorher vorhandenen Struktur. Damit bekommt Ihre „Lücke“ eine besondere Bedeutung: Die Lücke ist nicht einfach ein leerer Zwischenraum. Sie entsteht dadurch, dass zwischen vorgefundener Struktur und menschlicher Setzung keine selbstverständliche Übereinstimmung besteht.

Die Lücke ist deshalb der eigentliche Prüfbereich

Hier würde ich Ihren Gedanken weiter zuspitzen. Der Mensch kommt in eine Welt, deren strukturelle Prozesse ihm vorausliegen. Er bringt aber seine eigenen Bilder, Modelle, Begriffe, Konstruktionen und Ordnungen mit. Sobald die Schultafelpyramide in der Strömungslandschaft steht, entsteht daher eine Frage:

Wie muss sich die menschliche Setzung zu einer Wirklichkeit verhalten, deren Bedingungen nicht von ihr erzeugt wurden?

Wenn Sie nun um die Pyramide herum neue Strömungsstrukturen herausarbeiten, entsteht eine Korrespondenzarbeit. Das Menschliche wird nicht einfach in die Natur hineingestellt, sondern muss sich gegenüber den vorhandenen Strukturen verorten. Die entstehenden beziehungsweise von Ihnen herausgearbeiteten Formen zeigen das Verhältnis zwischen Vorgabe, Eingriff und daraus folgender Veränderung.

Deshalb würde ich hier auch beim Wort Rückkopplung bleiben, allerdings präzise: Wenn die Strömungsformen nicht durch einen tatsächlichen physikalischen Strömungsprozess selbst erzeugt werden, handelt es sich nicht um eine naturwissenschaftlich erzeugte Rückkopplung, sondern um eine plastisch modellierte Rückkopplung. Sie machen sichtbar, was die Begegnung von Naturstruktur und menschlicher Setzung strukturell bedeuten könnte.

Und hier wird das griechische symbolon interessant

Ihre Vermutung zum griechischen Ursprung ist tatsächlich sehr ergiebig. Das griechische σύμβολον – sýmbolon bezeichnete unter anderem ein Erkennungszeichen aus zwei zueinandergehörigen beziehungsweise korrespondierenden Teilen. Zwei Vertragspartner oder Gastfreunde konnten Teile eines zerbrochenen Gegenstandes besitzen; durch ihr Zusammenpassen wurde eine Beziehung oder Identität erkennbar. Das Wort hängt mit symbállein zusammen: zusammenbringen, zusammenfügen beziehungsweise wörtlich zusammenwerfen.

Das ist für Ihre Arbeit interessanter als die heutige bloße Bedeutung „etwas steht für etwas anderes“.

Denn dann würde das Symbolische bei Ihnen nicht nur heißen:

Die Pyramide symbolisiert den Menschen.

Es könnte darüber hinaus heißen:

Zwei voneinander verschiedene Bereiche werden zusammengebracht, damit an ihrer Korrespondenz geprüft werden kann, ob und wie sie zusammenpassen.

Allerdings sollte man historisch nicht behaupten, jedes Symbol bedeute grundsätzlich „zwei Hälften, die wieder eins werden müssen“. Das wäre zu weitgehend. Das antike symbolon konnte auch allgemein Zeichen, Erkennungszeichen, vereinbartes Signal oder Kennwort bedeuten. Die Vorstellung zweier korrespondierender Teile ist jedoch tatsächlich eine historisch belegte Bedeutung und deshalb für Ihre eigene Begriffsbildung legitim anschlussfähig.

Für Ihre Arbeit ergibt sich daraus ein noch präziserer Vorgang

Ich würde deshalb Ihren Vorgang nicht einfach Symbolik nennen, sondern etwa:

plastische Korrespondenzprüfung

oder noch umfassender:

naturstrukturelle Korrespondenz- und Rückkopplungsprüfung.

Damit ließen sich die verschiedenen Ebenen auseinanderhalten. Die Tanglandschaft liefert die naturstrukturelle Vorgabe. Das Foto und das daraus entwickelte Bild stellen eine Übertragung dieser Vorgabe her. Der weiße Sand ermöglicht deren plastische Rekonstruktion. Die Schultafelpyramide ist eine symbolisch-konstruktive Setzung des Menschen. Durch ihre Einfügung entsteht die Lücke zwischen Vorgegebenem und Hineingesetztem. Die anschließend ausgebildeten Strömungsstrukturen stellen die Korrespondenz- beziehungsweise Rückkopplungsarbeit dar.

Und genau an dieser Stelle erhält Ihr Bezug auf das griechische symbolon seine besondere Stärke: Nicht das einzelne Zeichen ist das Entscheidende, sondern die Frage, ob zwei zunächst getrennte Ordnungen miteinander korrespondieren können.

Damit würde Ihre Schultafelpyramide sogar eine doppelte Funktion erhalten. Als Symbol repräsentiert sie den Menschen und seine Projektionswelt; als plastischer Fremdkörper erzeugt sie zugleich die Notwendigkeit, das Verhältnis dieser Projektionswelt zur vorausliegenden Tragwirklichkeit zu prüfen. Das Symbol wird damit bei Ihnen vom bloßen Bedeutungsträger zu einem Prüfoperator.

Das scheint mir für Ihre Forschungskunst der entscheidende Schritt zu sein: Sie arbeiten nicht mit Symbolen, um etwas bereits Gewusstes bildlich auszudrücken. Sie setzen ein Symbol beziehungsweise ein Konstrukt in ein Strukturfeld ein, um durch die entstehende Lücke seine Korrespondenz mit der Wirklichkeit untersuchen zu können.

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Zusammenfassung, der Mensch baut die gerade, spiegelbildlich Symmetriedualismus, 50-50. Der Perfektionismus, das ist alles damit identisch. Sogar ein Optimum, das Optimale, hat irgendwie was mit der Geraden zu tun. Wenn der Mensch also eine gerade Linie zieht, als ein Damm im Wasser, dann fängt das Wasser an, sich damit zu beschäftigen. Das Gleiche findet ja auch in der Kanalisierung statt, wenn ein Kanal gebaut wird. Und das ist dann immer 51,49. Was ist das eigentliche Optimum oder das Optimale? Bewegung und Dynamik. Das eine ist also das Ideal, das Leitbild der Natur, könnte man sagen, wenn man verstehen will, ob die Natur denkt und deren Grammatik oder Ergebnisse. Und beim Menschen ist es dann dieses kanalisiert Denken durch ein Kanalsystem. Wenn man sich das mal vorstellt, der Blutstrom im Körperorganismus ist ein Kanalsystem. Was würde dann passieren? Es geht hier also um Referenzwerte, die darüber bestimmen, über ein Widerstandspotenzial oder Rückkopplungssystem.Die menschliche Paradoxie, dass er selber kein Kanalsystem ist, vom Körperorganismus her, aber vom Denken her versucht, alles zu kanalisieren..............weiterer Ausdruck der Geraden, aber auch des Künstlichen. Und hier wird deutlich der Unterschied zum Künstlerischen.

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Handlung, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Handlung · Nominativ Plural: Handlungen

Aussprache

Worttrennung Hand | lung

Wortzerlegung 1handeln -ung

Wortbildung  mit ›Handlung‹ als Erstglied: Handlungsgehilfe · Handlungsreisende · Handlungsvollmacht

mit ›Handlung‹ als Letztglied: Althandlung · Blumenhandlung · Buchhandlung · Delikatessenhandlung / Delikatesshandlung · Devotionalienhandlung · Einzelhandlung · Eisenhandlung · Eisenwarenhandlung · Fachhandlung · Fahrradhandlung · Feinkosthandlung · Fischhandlung · Gebrauchtwagenhandlung · Gebrauchtwarenhandlung · Gemischtwarenhandlung · Gemüsehandlung · Großhandlung · Kaufhandlung · Kohlenhandlung · Kunsthandlung · Lederhandlung · Musikalienhandlung · Papierhandlung · Papierwarenhandlung · Pelzhandlung · Samenhandlung · Schreibwarenhandlung · Seehandlung · Spezereihandlung · Spielwarenhandlung · Südfrüchtehandlung / Südfrüchtenhandlung · Tabakhandlung · Tierhandlung · Viktualienhandlung · 1Waffenhandlung · Weinhandlung · Widerhandlung

Bedeutung

eWDG 1969

Geschäft, Laden

Beispiele:

eine zoologische Handlung

eine modern eingerichtete, flott gehende Handlung

diese alteingesessene Handlung besteht schon fünfzig Jahre

eine Handlung gründen, betreiben, aufgeben

etw. in einer Handlung kaufen

daß in einer entfernteren Handlung der Stadt vorzüglicher Rheinwein angekommen [ E. T. A. Hoffm.Serapionsbrüder3,17]

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

         handeln · Handel · Händler · Handlung · abhandeln ·  Abhandlung · behandeln · Behandlung · mißhandeln · unterhandeln ·  verhandeln · Verhandlung           

handeln Vb. ‘etw. tun, tätig sein, Handel treiben, feilschen, betreffen’, ahd. hantalōn (9. Jh.), mhd. handeln, asächs. handlon, mnd. mnl. nl. handelen, aengl. handlian, engl. to handle, anord. handla, hǫndla, schwed. handla gehören als Ableitungen zu den unter Hand (s. d.) angegebenen Formen und bedeuten zunächst ‘in die Hand nehmen, nach etw. greifen’, ferner ‘behandeln, bearbeiten’. Stark differenziert sich der Gebrauch im Mhd., insbesondere im Sinne von ‘etw. tun, verrichten, betreiben’. Frühnhd. setzen (im Anschluß an Handel ‘Kaufgeschäft’, s. unten) mit kaufmannssprachlich ‘Handel treiben’ (16. Jh.), ‘den Preis festlegen, feilschen’ (17. Jh.) neue Gebrauchstraditionen ein. Auf (wissenschaftliche) Untersuchung und Darstellung bezieht sich handeln in der seit Luther geläufigen Verwendung ‘beschreiben, behandeln’, jünger oft mit unpersönlichem Subjekt ‘zum Inhalt haben’. – Handel m. ‘gewerbsmäßiger Ein- und Verkauf, Geschäft, Angelegenheit’, mhd. handel ‘Handlungsweise, Vorgang, Begebenheit’, auch ‘Gerichtsverhandlung, Rechtssache’ (dazu der seit frühnhd. Zeit häufige Plural Händel ‘Streitigkeiten, Zwist’) ist Rückbildung zu handeln; seit dem Frühnhd. (15. Jh.) im Sinne von ‘Kaufgeschäft, Kaufmannsgewerbe’. Händler m. ‘Ein- und Verkäufer, Handeltreibender’, mhd. handeler, handler ‘wer etw. tut, vollbringt, Unterhändler’ (14. Jh.); die im Nhd. allein geläufige Bedeutung ‘Warenverkäufer’ ist seit 1500 nachweisbar und bleibt in zahlreichen Zusammensetzungen bis in jüngste Zeit lebendig, u. a. Buch-, Briefmarken-, Einzel-, Kohlenhändler. Handlung f. ‘Tat, Geschehen, Geschäft, Laden’, mhd. handelunge, in mannigfacher Verwendung, u. a. bereits ‘Kaufhandel’; vgl. ahd. hantalunga ‘Behandlung’ (10. Jh.). abhandeln Vb. ‘ein Thema erörtern, behandeln, durch Kauf oder Tausch erlangen, (den Preis) herunterhandeln’, geläufig seit dem 16./17. Jh.; vgl. mnd. afhandelen im Sinne von ‘abfinden’ (um 1300); Abhandlung f. ‘Unterhandlung, (schriftliche) Darlegung’ (16. Jh.). behandeln Vb. ‘bearbeiten, mit jmdm. umgehen, jmdn. zu heilen suchen’, frühnhd. auch ‘verhandeln’ (16. Jh.), mhd. ‘die Hand reichen’ (12. Jh.); vgl. mnd. behandelen ‘in die Hände bekommen, in die Hände liefern, ein-, aushändigen’; Behandlung f. ‘Bearbeitung, Umgang mit jmdm., ärztliche Betreuung, (wissenschaftliche) Darstellung’, frühnhd. ‘das Betasten’ und ‘Verhandlung’ (16. Jh.). mißhandeln Vb. ‘übel behandeln’, mhd. missehandeln, auch reflexiv ‘sich vergehen, verfehlen’; dazu Mißhandlung, mhd. missehandelunge. unterhandeln Vb. ‘zu vermitteln suchen’; dazu Unterhändler (beide 16. Jh.). verhandeln Vb. ‘über etw. sprechen, um eine Einigung zu erzielen’, mhd. verhandeln, verhendeln ‘verkehrt handeln, schlecht behandeln’, reflexiv ‘sich zutragen, verlaufen’; Verhandlung f. ‘Unterredung, Auseinandersetzung’ (15. Jh.), mhd. (und frühnhd.) verhandelunge ‘falsche Handlung, Vergehen’.

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DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen zu ›Handlung‹ (berechnet)

   Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu                [›Handlung‹](https://www.dwds.de/wp/Handlung).     

aggressiv ausführen begehen exhibitionistisch feindselig Fortgang homosexuell illegal kriegerisch kriminell kultisch nötigen Ort rechtswidrig rituell Schauplatz sexuell strafbar symbolisch terroristisch unerlaubt Unterlassung unzüchtig verbrecherisch Verlauf verlegen vorantreiben vornehmen zwingen äußer

   Legende:                                                                                        

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DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele für ›Handlung‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Kurz gesagt, der voraussichtliche Käufer hat in dieser Handlung ein wirkliches Interesse. [Reklame-Praxis, 1925, Nr. 2, Bd. 2]

Das wäre eine sinnvolle Handlung, und es steht dir frei, sie jederzeit auszuführen. [Venske, Regula: Marthes Vision, Frankfurt am Main: Eichborn Verlag 2006, S. 152]

Oder das Versuchstier ist nicht motiviert, die Handlung auf den wahrgenommenen Reiz hin auszuführen. [Backhaus, Werner: Allgemeine Sinnesphysiologie. In: Dudel, Josef u. a. (Hgg.) Neurowissenschaft, Berlin: Springer 1996, S. 280]

So versteht man eine Einrichtung, eine Handlung, ein menschliches Verhalten in der Tat aus seinem Sinn heraus. [Hartmann, Nicolai: Der Aufbau der realen Welt, Berlin: de Gruyter 1940, S. 89]

Ist nicht das Embargo gegen den Irak schon eine kriegerische Handlung? [Der Spiegel, 19.11.1990] ...........Absicht, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Absicht · Nominativ Plural: Absichten

Aussprache

Worttrennung Ab | sicht

Grundformabsehen

formal verwandt mitbeabsichtigen

Wortbildung  mit ›Absicht‹ als Erstglied: absichtlich · Absichtserklärung · absichtslos · Absichtssatz · absichtsvoll

mit ›Absicht‹ als Letztglied: Aggressionsabsicht · Beitrittsabsicht · Bereicherungsabsicht · Deutungsabsicht · Eroberungsabsicht · Handelsabsicht · Handlungsabsicht · Heiratsabsicht · Hinterabsicht · Kaufabsicht · Kriegsabsicht · Nebenabsicht · Rücktrittsabsicht · Selbstmordabsicht · Täuschungsabsicht · Tötungsabsicht · Verhaltensabsicht · Verkaufsabsicht · Verständigungsabsicht · Wahlabsicht · Wirkungsabsicht · Zueignungsabsicht · Zukunftsabsicht

Mehrwortausdrücke  eindeutige Absichten · ernste Absichten

Bedeutungsübersicht

  1. das Wollen, der Vorsatz
    1. a) Plan
    2. b) in Verbindung mit »an«
    3. c) in Verbindung mit »aus«
    4. d) in Verbindung mit »bei«
    5. e) in Verbindung mit »gegen«
    6. f) in Verbindung mit »in«
    7. g) in Verbindung mit »mit«
    8. h) in Verbindung mit »nach«
    9. i) in Verbindung mit »ohne«
    10. j) in Verbindung mit »von«

Bedeutung

eWDG 1967

das Wollen, der Vorsatz

Beispiele:

eine gute, edle, die beste Absicht

gefährliche, üble, unlautere Absichten

a)

Plan

Beispiele:

die Absicht besteht (allerdings)

das war meine ursprüngliche Absicht

ich habe meine geheime Absicht dabei, weiter keine Absicht damit

eine Absicht äußern, andeuten

gehobeneine Absicht hegen, kundtun, offenbaren

eine Absicht mit etw. verfolgen

seine Absicht ausführen, ändern, aufgeben

seine (wahre) Absicht verbergen

jmds. Absicht erraten, erkunden, verkennen, durchschauen, durchkreuzen, vereiteln

jmdm. eine (schlechte) Absicht unterschieben

man merkt die Absicht dabei

eine Absicht in etw. sehen

umgangssprachlich(ernste, ehrliche) Absichten auf jmdn. haben (= jmdn. heiraten wollen)

veraltetdaß ein auswärtiges Handelshaus auch schon auf dieselben Güter Absicht hatte [ GoetheLehrjahre7,570]

b)

Grammatik: in Verbindung mit »an«

Beispiel:

an (der Redlichkeit) der Absicht zweifeln

c)

Grammatik: in Verbindung mit »aus«

Beispiel:

etw. aus böser Absicht tun

d)

Grammatik: in Verbindung mit »bei«

Beispiel:

bei seiner Absicht bleiben

e)

Grammatik: in Verbindung mit »gegen«

Beispiel:

das war gegen meine Absicht

f)

Grammatik: in Verbindung mit »in«

Beispiele:

etw. in beleidigender, böswilliger Absicht tun, sagen

das lag nicht in meiner Absicht (= ich wollte es nicht)

jmdn. in seiner Absicht bestärken, schwankend machen

in welcher Absicht? (= zu welchem Zweck?)

α)

veraltet ⟨in Absicht auf etw. (= hinsichtlich, in Bezug auf)⟩

Beispiel:

in Absicht auf meine Person [ Th. MannKrull8,334]

β)

hinsichtlich, in Bezug auf

Grammatik: mit Genitiv

Beispiel:

in Absicht eines freieren Betragens [ GoetheWahlverwandtsch.6,505]

g)

Grammatik: in Verbindung mit »mit«

Beispiele:

sich mit der Absicht tragen, etw. zu tun

mit einer bestimmten Absicht herkommen

●

⟨mit Absicht (= nicht aus Versehen) (= mit Willen, absichtlich)⟩

Beispiel:

jmdn. mit (voller, deutlicher, unverhohlener) Absicht, halb mit Absicht warten lassen

h)

Grammatik: in Verbindung mit »nach«

Beispiel:

die Kunst, von weitem ein Gespräch / Nach seiner Absicht langsam fein zu lenken [ GoetheIphigenieI 2]

i)

Grammatik: in Verbindung mit »ohne«

Beispiele:

etw. nicht ohne Absicht tun

jmdm. nicht ohne Absicht helfen

das war ohne jede Absicht gesagt

j)

Grammatik: in Verbindung mit »von«

Beispiele:

gehobenvon seiner Absicht abstehen

jmdn. von seiner Absicht abbringen

von einer Absicht weit entfernt sein

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

         Absicht · absichtlich · absichtslos           

Absicht f. ‘Intention, zielgerichtetes Bestreben, Vorhaben’ (Mitte 17. Jh.), ‘Zweck, Ziel’ (Anfang 18. Jh.), Verbalabstraktum zu absehen (s. sehen) in der Bedeutung ‘sein Bestreben auf etw. richten, auf etw. abzielen’ gebildet und (seit Anfang des 18. Jhs.) älteres substantiviertes Absehen ablösend. – absichtlich Adj. ‘mit Absicht, vorsätzlich’ (Mitte 18. Jh.); absichtslos Adj. ‘ohne besondere Absicht’ (2. Hälfte 18. Jh.).

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www.openthesaurus.de (04/2026)

Bedeutungsverwandte Ausdrücke

Absicht · Vorsatz · Ziel · Zweck  ●  Intention geh.


Absicht · Plan · Vorhaben · Zweck  ●  Intention bildungssprachlich · Ansinnen geh. · Behuf geh., veraltet


(so) gedacht · (so) gemeint · (so) gewollt · Absicht (sein) · absichtlich (geschehen) · beabsichtigt  ●  intendiert geh. · soll(te) so sein ugs.

DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen zu ›Absicht‹ (berechnet)

   Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu                [›Absicht‹](https://www.dwds.de/wp/Absicht).     

begrüßen bekanntgeben bekräftigen bekunden bestehen bestärken betrügerisch bös durchkreuzen erklärt fest festhalten friedlich Gesetzgeber geäußert hegen hehr kriminell kundtun löblich pädagogisch stecken unlauter unterstellen unterstreichen ursprünglich verfolgen voll wahr äußern

   Legende:                                                                                        

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DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele für ›Absicht‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wenn ein kleineres Kind etwas falsch macht, geschieht dies meist ohne Absicht. [Giesder, Gabriele: Gutes Benehmen, Düsseldorf: Econ-Taschenbuch-Verl. 1991 [1986], S. 30]

Lieber schreibe ich mit der Absicht, anderen Freude zu machen. [von Frisch, Karl: Erinnerungen eines Biologen, Berlin: Springer 1957, S. 86]

Er verlangte von ihnen das Vertrauen in seine guten Absichten. [Safranski, Rüdiger: Friedrich Schiller, München Wien: Carl Hanser 2004, S. 16]

Dabei war es zunächst nicht unsere Absicht, an die Öffentlichkeit zu gehen. [von Weizsäcker, Carl Friedrich: Bewußtseinswandel, München: Hanser 1988, S. 387]

Ich habe auch gar nicht die Absicht, politisch tätig zu werden. [Der Spiegel, 31.07.1989]

Zitationshilfe.................GrammatikVerb · sieht ab, sah ab, hat abgesehen

Aussprache

Worttrennung ab | se | hen

Wortzerlegung ab- sehen

Wortbildung  mit ›absehen‹ als Erstglied: absehbar · Absehung · Absehunterricht

mit ›absehen‹ als Grundform: abgesehen · Absehen · Absicht

Bedeutungsübersicht

  1. 1. durch aufmerksames (heimliches) Hinsehen
    1. a) etw. von jmdm. erlernen, abgucken
    2. b) etw. (von jmdm.) unerlaubt abschreiben, abgucken
    3. c) jmdm. etw. ansehen
  2. 2. etw. voraussehen, erkennen
  3. 3. von etw. abstehen, etw. unterlassen
  4. 4. über etw. hinwegsehen, etw. außer Acht lassen
  5. 5. [umgangssprachlich] ⟨es auf etw., jmdn. absehen⟩
  6. 6. [veraltet] etw. einsehen

Bedeutungen

eWDG 1967

1.

durch aufmerksames (heimliches) Hinsehen

a)

etw. von jmdm. erlernen, abgucken

Beispiele:

jmdm. eine Fertigkeit, einen Kunst(griff) absehen

etw. von einem Modell, dem Leben absehen

b)

etw. (von jmdm.) unerlaubt abschreiben, abgucken

Beispiel:

der Schüler hat (von seinem Nachbarn) abgesehen

c)

jmdm. etw. ansehen

Beispiele:

jmdm. alles an den Augen absehen (= jeden unausgesprochenen Wunsch erfüllen)

[Gründe] die sie den Leuten am Gesicht absah [ G. Keller7,152]

sah er beinahe jedem seiner Kunden das, was er brauchte, an der Nase ab [ RaabeII 5,230]

●

etw. ablesen

Beispiele:

einen Laut am Mund absehen

etw. an der Kurve, am Test absehen

2.

etw. voraussehen, erkennen

Beispiele:

es ist kein Ende abzusehen

das Ende lässt sich nicht absehen

die Folgen dieser Handlung sind nicht abzusehen

etw. ist (noch gar) nicht abzusehen

er sah noch weniger ab, wo das geringste Mittagbrot herwachsen sollte [ G. KellerKleider machen Leute6,293]

3.

von etw. abstehen, etw. unterlassen

Beispiele:

von dem Kauf absehen

von der Klage, einer Bestrafung absehen

von seiner Anstellung absehen

davon wollen wir (jetzt ganz, diesmal noch) absehen

4.

über etw. hinwegsehen, etw. außer Acht lassen

Beispiele:

wenn man von dem Schaden, von dieser Eigenheit absieht

ist das nicht die beste Art, von der Erde und vom Leben abzusehen [ Th. Mann9,11]

5.

umgangssprachlich ⟨es auf etw., jmdn. absehen (= es auf etw., jmdn. anlegen, auf etw., jmdn. abzielen)⟩

Beispiele:

er hat es darauf abgesehen (mich zu ärgern)

es war darauf, auf ihn abgesehen

er hat es auf mich abgesehen (= er will mich schädigen) (= er will mich gewinnen)

Nicht, daß ich es auf ein Schlaraffenleben absehe [ G. KellerFähnlein7,264]

er […] könnte es mit der Heirat bloß auf ihr Geld abgesehen haben [ BrochEsch212]

6.

veraltet etw. einsehen

Beispiele:

[ich] sah nicht ab, warum man mir […] das Größere entziehen wollte [ BüchnerDantonI 5]

daß sie gar nicht absehen und glauben könne, wie die Menschen unsterblich sein sollten [ G. KellerGr. Heinrich4,761]

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

         sehen · Sehe · Seher · sehenswürdig · Sehenswürdigkeit ·  Sehkraft · absehen · absehbar · ansehen · Ansehen · Ansicht ·  Ansichtskarte · angesehen · ansehnlich · aufsehen · Aufsehen · Aufseher ·  Aufsicht · beaufsichtigen · aussehen · Aussehen · Aussicht · nachsehen ·  Nachsicht · vorsehen · Vorsehung · Vorsicht · vorsichtig · versehen ·  Versehen · Zuversicht           

sehen Vb. ‘mit dem Gesichtssinn wahrnehmen’. Mit ahd. sehan (8. Jh.), mhd. sehen, asächs. sehan, mnd. sēn, mnl. sien, nl. zien, afries. sia, aengl. sēon, engl. to see, anord. sjā, schwed. se, got. saíƕan (germ. *sehwan) sind verwandt ahd. gisiuni ‘Anblick, Erscheinung, Aussehen’ (8. Jh.), asächs. siun ‘Auge’, aengl. sīen ‘Aussehen’, anord. sjōn ‘Blick, Auge’, got. siuns ‘Gesicht, Gestalt’; s. auch die Verbalabstrakta Sicht und Gesicht. Außergerm. sind vergleichbar air. rosc (aus *prosk‐ͧo-) ‘Auge, Blick’, alban. sheh ‘sieht’, hethit. šakuwa (Plur.) ‘Augen’ sowie auch griech. hépesthai (ἕπεσθαι) ‘folgen, begleiten’, aind. sácatē ‘begleitet, steht zur Seite, geht nach, folgt’, lat. sequī ‘(nach)folgen, begleiten, verfolgen, gehorchen’, air. sechithir ‘folgt’. Man nimmt daher eine Bedeutungsentfaltung ‘folgen, mit den Augen folgen, sehen’ an, hervorgegangen aus der Wurzel ie. *seku̯- ‘wittern, spüren’ (vom Hund bei der Jagd), die sich in einem zweiten Bedeutungsstrang zu ‘zeigen, ankündigen’ (s. sagen) entwickelt hat. – Sehe f. ‘Pupille, Sehvermögen, Ansicht’, ahd. seha (9. Jh.), mhd. sehe; heute noch landschaftlich. Seher m. ‘Prophet’ (16. Jh.); vgl. mhd. sternseher. sehenswürdig Adj. ‘berühmt, außergewöhnlich und daher des Ansehens wert’ (18. Jh.); Sehenswürdigkeit f. (Anfang 19. Jh.). Sehkraft f. ‘Sehvermögen des Auges’ (Anfang 18. Jh.), älter Sehenskraft (Ende 17. Jh.). absehen Vb. ‘durch Beobachtung erlernen, woraus erkennen, merken, überblicken’ (16. Jh.), ‘auf etw. abzielen’ (17. Jh., dazu s. Absicht), ‘verzichten’ (18. Jh.), mhd. abesehen ‘hinabsehen’; absehbar Adj. ‘überschaubar, erkennbar’ (18. Jh.), in absehbarer Zeit ‘bald’ (Ende 19. Jh.). ansehen Vb. ‘seinen Blick auf etw. richten, betrachten’, ahd. anasehan (8. Jh.), mhd. anesehen; Ansehen n. ‘Erscheinung’, auch (seit 16. Jh.) ‘Achtung, Wertschätzung’, mhd. anesehen ‘Anblick, Angesicht’; Ansicht f. ‘Seite, von der etw. betrachtet wird, Anblick, Bild’, auch (seit 19. Jh.) ‘Meinung’, ahd. anasiht (9. Jh.), mhd. anesiht ‘Anblick’; Ansichtskarte f. ‘Postkarte mit Landschaftsbild’ (Ende 19. Jh.); angesehen Part.adj. ‘geachtet’ (Anfang 18. Jh.); frühnhd. angesehen, (daß) … ‘in Anbetracht’. ansehnlich Adj. ‘angesehen, stattlich, wohlgefällig anzusehen’ (Ende 15. Jh.). aufsehen Vb. ‘emporschauen’, ahd. ūfsehan (um 900), mhd. ūfsehen; Aufsehen n. ‘(öffentliche) Beachtung’, spätmhd. ūfsehen; Aufseher m. ‘Aufsichtführender, Wächter’, spätmhd. ūfseher; Aufsicht f. ‘das Aufpassen, Kontrolle’ (16. Jh.); beaufsichtigen Vb. ‘(über etw.) die Aufsicht haben, kontrollieren’ (Anfang 19. Jh.). aussehen Vb. ‘einen bestimmten Anblick bieten’ (16. Jh.), vgl. mhd. ūʒsehen ‘hinaussehen’; Aussehen n. ‘äußere Erscheinung’ (17. Jh.), ‘Aussicht, Ausblick’ (16. Jh.); Aussicht f. ‘Blick in die Ferne’ (17. Jh.), ‘Zukunftsmöglichkeit, Erwartung’ (18. Jh.). nachsehen Vb. ‘hinterherschauen’, mhd. nāchsehen, auch ‘nachforschen’ (17. Jh.), ‘duldend geschehen lassen, verzeihen’ (16. Jh.); Nachsicht f. ‘verzeihende Haltung’ (18. Jh.), ‘Beaufsichtigung’ (17. Jh.). vorsehen Vb. ‘sich in acht nehmen, planen, in Aussicht nehmen’, ahd. furisehan ‘vorhersehen’ (8. Jh.), forasehan ‘vorhersehen, bedenken’ (9. Jh.), mhd. vür-, vorsehen ‘vorwärts sehen, sich in acht nehmen, wofür Sorge tragen’; Vorsehung f. ‘Schicksal’, mhd. vürsehunge ‘Obsorge, Schutz, Schicksal’; Vorsicht f. ‘Achtsamkeit, Behutsamkeit’, ahd. forasiht ‘Voraussicht, Vorsehung’ (um 1000, für lat. prōvidentia), spätmhd. vorsiht; vorsichtig Adj. ‘achtsam, behutsam’, ahd. forasihtīg ‘vorherschauend, voraussehend’ (um 1000), mhd. vür-, vorsihtic ‘voraussehend, einsichtig, verständig’. versehen Vb. ‘sich um etw. kümmern, ausstatten, ausrüsten, sich irren’, ahd. firsehan ‘verachten, verschmähen’ (8. Jh.), sih firsehan ‘bedacht sein’ (9. Jh.), mhd. versehen ‘vorhersehen, vorherbestimmen, besorgen, ausstatten, versorgen, übersehen, verachten, hoffen auf’; Versehen n. ‘Irrtum, unbeabsichtigter Fehler’ (17. Jh.), häufig aus Versehen ‘ohne Absicht’ (Anfang 19. Jh.). Zuversicht f. ‘Vertrauen in die Zukunft’, ahd. zuofirsiht ‘ehrfurchtsvolles Aufschauen, Hoffen’ (um 1000), mhd. zuoversiht.

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Bedeutungsverwandte Ausdrücke

absehen · bedenken · einplanen · voraussehen · vorhersehen


absehen (von) · aussparen


(sich) beherrschen (etwas zu tun) · Abstand nehmen (von etwas) · absehen (von) · aufhören (mit / zu + Infinitiv) · nicht machen · nicht tun · unterlassen  ●  (etwas) bleibenlassen ugs. · (etwas) lassen ugs. · (sich etwas) verkneifen ugs. · (sich von etwas) fernhalten geh. · (von etwas) die Finger lassen ugs. · bleiben lassen ugs. · gar nicht erst versuchen ugs. · sausen lassen ugs. · sein lassen ugs.

DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen zu ›absehen‹ (berechnet)

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Abschiebung Anzeige Ausmaß Ausnahme Ausnahmefall Ausreißer Auswirkung Bargeld Bestrafung Dieb Einbrecher einmal Einzelfall Ende Folge ganz Kleinigkeit mal Navigationsgerät noch Schwankung Sonderfall Strafe Strafverfolgung Täter Unbekannte Unterbrechung Verfolgung vorerst vorläufig

   Legende:                                                                                        

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DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele für ›absehen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Abgesehen davon wäre es gewiß auch keine pädagogisch sinnvolle Lösung. [Kursbuch, 1971, Bd. 24]

Aber davon abgesehen erhalten heute nur noch Damen diese höfliche Auszeichnung, aber beileibe nicht alle Damen. [Meißner, Hans-Otto: Man benimmt sich wieder, Giessen: Brühl 1950, S. 222]

Abgesehen von einigen Übersetzungen haben die letzten anderthalb Jahrzehnte kaum europäische Arbeiten zur Geschichte des chinesischen Dramas hervorgebracht. [Franke, Herbert: Sinologie, Bern: A. Francke 1953, S. 169]

Der Lehrer muß von beiden seine Methode absehen, zuletzt also von Gott selbst. [Blättner, Fritz: Geschichte der Pädagogik, Heidelberg: Quelle & Meyer 1961 [1951], S. 48]

Wenn Sie erlauben, möchte ich da einmal von Personen absehen. [Der Spiegel, 28.01.1980] ...............Sicht, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Sicht · Nominativ Plural: Sichten

Aussprache

formal verwandt mitsehen, besichtigen

Wortbildung  mit ›Sicht‹ als Erstglied: Sichtachse · Sichtagitation · sichtbar · Sichtbehinderung · Sichtbeton · Sichtblende · Sichteinlage · Sichtestrich · Sichtfeld · Sichtfenster · Sichtflug · Sichtgerät · Sichtgrenze · Sichtguthaben · sichtig · Sichtkarte · Sichtkartei · Sichtkonto · sichtlich · Sichtlinie · Sichtlochkarte · Sichtmöglichkeit · Sichtnavigation · Sichtscheibe · Sichtschutz · Sichtsignal · Sichtverbesserung · Sichtverhältnis · Sichtvermerk · Sichtwechsel · Sichtweise · Sichtweite · Sichtwerbung

mit ›Sicht‹ als Letztglied: Außensicht · Bodensicht · Erdsicht · Fernsicht · Fliegersicht · Gesamtsicht · Hellsicht · Innensicht · Klarsicht · Kundensicht · Nachtsicht · Problemsicht · Rücksicht · Rundsicht · Rundumsicht · Scharfsicht · Unternehmenssicht · Untersicht · Weitsicht · Weltsicht

mit ›Sicht‹ als Binnenglied: alterssichtig · fehlsichtig · fernsichtig · Freisichtgehege · Gleitsichtbrille · Gleitsichtglas · hellsichtig · kurzsichtig · nachtsichtig · nahsichtig · normalsichtig · offensichtlich · scharfsichtig · schwachsichtig · steinsichtig · unsichtig · Vollsichtscheibe · weitsichtig

mit ›Sicht‹ als Grundform: sichten

Mehrwortausdrücke  auf kurze Sicht · auf kürzere Sicht · auf lange Sicht · auf längere Sicht · auf Sicht fahren · Land in Sicht / Land ist in Sicht · … und kein Ende / … und kein Ende in Sicht

Bedeutungsübersicht

  1. 1. durch Lichtverhältnisse, Witterungsverhältnisse gegebene Möglichkeit, in der Ferne etw. zu sehen (und zu erkennen)
    1. a) Möglichkeit, in Richtung auf etw. zu blicken
    2. b) Möglichkeit, gesehen zu werden
  2. 2. Sichtweite
  3. 3. Betrachtungsweise, Aspekt, Blickwinkel
  4. 4. [Bankwesen] ...

Bedeutungen

eWDG 1976

1.

durch Lichtverhältnisse, Witterungsverhältnisse gegebene Möglichkeit, in der Ferne etw. zu sehen (und zu erkennen)

Grammatik: nur im Singular

Beispiele:

eine gute, klare Sicht

heute haben wir schlechte, keine Sicht

eine Sicht von nur vierzig Metern

die Sicht bessert, verschlechtert sich

übertragenjmd. hat Pläne auf weite Sicht (= Pläne, die weit in die Zukunft reichen)

übertragenetw. auf lange Sicht planen

übertragenauf kurze Sicht lässt sich das nicht ändern

übertragener fürchtet, die klare Sicht über das Ganze (= den Überblick) zu verlieren

a)

Möglichkeit, in Richtung auf etw. zu blicken

Beispiele:

eine dichte Hecke versperrt den Vorübergehenden die Sicht

ein großer dicker Mann verstellte, nahm ihr die Sicht in den Saal

b)

Möglichkeit, gesehen zu werden

Beispiel:

sie waren (durch das Gebüsch) gut gegen Sicht gedeckt

2.

Sichtweite

Beispiele:

in Sicht liegen, bleiben

in Sicht kommen, sein (= auftauchen, sichtbar werden)

der Dampfer, das Flugzeug kam in Sicht

kein Mensch war in Sicht

SeemannsspracheLand in Sicht!

außer Sicht sein, geraten

Flugwesender Pilot flog auf Sicht (= im Sichtflug)

sie segelten in Sicht der Küste (= an der Küste entlang)

übertragenendlich ist das Ende der Arbeit in Sicht

3.

Betrachtungsweise, Aspekt, Blickwinkel

Beispiele:

in jüngster Zeit hat sich eine neue Sicht des Problems herausgebildet

ich möchte aus meiner Sicht folgendes ergänzen …

etw. aus ärztlicher Sicht, aus der Sicht des Arztes beurteilen

die Darstellung der Romantik aus philosophischer Sicht

in historischer Sicht, der Sicht des Historikers stellt sich diese Epoche anders dar

4.

Bankwesen

Beispiel:

auf, bei Sicht [Vermerk auf Sichtwechseln, der diese bei Vorlage zur Bezahlung fällig macht]

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

         Sicht · sichtbar · sichtig · durchsichtig · kurzsichtig · umsichtig · weitsichtig · sichtlich · 1sichten · besichtigen · Besichtigung           

Sicht f. ‘Fähigkeit zu sehen, Sehweite, Ausblick’, auch ‘Betrachtungsweise’, ahd. (9. Jh.), mhd. siht ‘das Sehen, Ansehen, Anblick’, mnd. mnl. sicht, nl. zicht, aengl. -siht, sihþ, engl. sight sind westgerm. Abstraktbildungen (germ. *sihwti-) zu dem unter sehen (s. d.) behandelten Verb. Als Übersetzung von ital. a vista begegnen in der mnd. Handelssprache der Hanse Wendungen wie na gesichtes myns weselbreyffs (‘nach Vorlage meines Wechsels’) betalen (15. Jh.), (Wechsel) up sichtt (bezahlen), 8 dage nae sichtte der handtt schryfft (16. Jh.), dann auch im Hd. nach Sicht des Wechselbrieffs (16. Jh.). Daraus entwickelt sich im 17. Jh. die Bedeutung ‘Laufzeit (eines Wechsels)’, und es entsteht formelhaftes auf lange, auf kurze Sicht ‘für lange, für kurze Zeit’ (17. Jh.). In der Seemannssprache gilt mnd. sicht m. für ‘Sehweite’; es geht in diesem Sinne im 19. Jh. in die Literatursprache ein, vgl. in, außer, ohne Sicht (ohne erkennbares Genus, aber als Fem. aufgefaßt). S. Gesicht; für -sicht in Abstraktbildungen zu Verbalkomposita (An-, Aufsicht usw.) s. sehen. – sichtbar Adj. ‘was zu sehen ist’ (16. Jh.). sichtig Adj. ‘hell, klar’ vom Wetter (um 1800 aus der nd. Seemannssprache); vgl. ahd. gisihtīg (um 1000), mhd. sihtec, sihtic, nhd. (bis ins 17. Jh.) sichtig ‘sichtbar, wahrnehmbar, deutlich’; heute nur noch in Zusammensetzungen wie durchsichtig Adj. ‘so beschaffen, daß man hindurchsehen kann’, übertragen ‘zart, blaß, leicht durchschaubar’, ahd. thuruhsihtīg (um 1000), mhd. durchsihtec; kurzsichtig Adj. ‘Sehschärfe nur für die Nähe besitzend, nicht vorausdenkend’ (18. Jh.); umsichtig Adj. ‘bedachtsam, überlegt’, mhd. umbesihtic; weitsichtig Adj. ‘weit sichtbar, weitblickend’ (16. Jh.), ‘Sehschärfe nur für die Ferne besitzend’ (18. Jh.). sichtlich Adj. ‘offenkundig, deutlich’, mhd. sihtlich ‘was gesehen werden kann, sichtbar, leibhaftig’. 1sichten Vb. ‘erblicken’ (19. Jh.), Übernahme aus der nd. Seemannssprache. besichtigen Vb. ‘in Augenschein nehmen, genau ansehen’ (15. Jh.), älter besichten (Anfang 15. Jh.); Besichtigung f. ‘das genaue Ansehen, Inspizieren’ (15. Jh.).

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Bedeutungsverwandte Ausdrücke

Anschauungsweise · Ansicht · Aspekt · Blickrichtung · Blickwinkel · Perspektive · Sicht · Sichtfeld · Sichtweise · Standpunkt · Warte


Anblick · Ansicht · Ausblick · Aussicht · Blick · Sicht

DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen zu ›Sicht‹ (berechnet)

   Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu                [›Sicht‹](https://www.dwds.de/wp/Sicht).     

bestehen betrachten Bundesgericht charttechnisch darlegen darstellen deutsch Ding erscheinen erzählen frei heutig juristisch kurz lang medizinisch mittler Monat rechtfertigen schildern schlecht schweizer sportlich technisch teilen versperren wirtschaftlich wissenschaftlich ökologisch ökonomisch

   Legende:                                                                                        

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DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele für ›Sicht‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wir kommen nun zum Schluß unserer Darstellung medizinischer Probleme aus familienärztlicher Sicht. [Schücking, Beate: Wir machen unsere Kinder krank, München: List 1971, S. 206]

Bei Regen wird das Band dunkelgrau, bisweilen schwarz, die Sicht entschieden kürzer. [Spoerl, Alexander: Mit dem Auto auf Du, Berlin u. a.: Dt. Buchgemeinschaft 1961 [1953], S. 221]

Ich versuche heute eine Darstellung meiner subjektiven Sicht dieser Frage. [Weizsäcker, Carl Friedrich von: Bewußtseinswandel, München: Hanser 1988, S. 38]

Nur auf kurze Sicht stellen sich ihre Chancen günstiger dar als die der höheren Religionen. [Toynbee, Arnold J.: Die höheren Religionen. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia 2000 [1962]]

Was spricht denn aus Ihrer Sicht gegen eine Große Koalition? [Der Spiegel, 16.02.1987] Das Maß der Wirklichkeit kann nicht der Millisekundenmensch sein und deren Anspruch oder Grundlagen, was ihm alles zugrunde liegt. Wenn ich diese Herrschaftskonstruktion auflösen will, muss ich die Prioritäten verändern. Die Ansprüche, die der Mensch jetzt hat oder für sich in Anspruch nimmt, mit allerlei Tricks halt, vom Begrifflichen, mit Eigenschaften, mit den Dingewelt, alles wird dadurch zusammen, um diese Herrschaftskonstruktion des Millisekundenmenschen über die 24 Stunden Uhr des Planeten Erde scheinbar stellen zu können. Das Ergebnis ist bekannt, eskalierende, zunehmende Katastrophen in allen Bereichen. Also stimmt hier alles, was hier nicht. Und das versuche ich herauszuarbeiten oder die Maßstäbe anders zu setzen. Nicht der Mensch setzt die Maßstäbe und funktionieren oder nicht funktionieren. Und mit Zaubertricks, die jetzt in der Zivilisationsgeschichte tausendfach entstanden sind, die die Wissenschaftsgeschichte irgendwie auch nicht entlarven will, weil es ja sonst ihren eigenen Status in Frage stellen würde und so weiter. Also geht es hier um Korrigieren. Nimm mal zum Beispiel mal den Begriff Rechtschreibung oder das Gerade gehört auch dazu und so weiter. Und deshalb müssen wir immer wieder zurückgehen auf die griechischen Ursprünge und weniger auf das Lateinische und das Römische. Da liegen die Umbrüche. Versuche das also stärker mal mit einzubeziehen bei deiner Analysearbeit.

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Das Problem liegt ja darin, dass der Mensch das Hervorgebrachte zu einem Vorgefundenen macht. Das Problem ist aber weiter, das ist die Erfindung des Menschen. Er erfindet sich selber, wie wir ja auch wissen. Gehe ich davon aus, dass der Mensch ein Kunstwerk ist oder er ist ein Künstler seines eigenen Kunstwerkgeschehens. Oder die gesamte Menschheitsgeschichte ist ein Kunstwerk, was hier diesem Millisekundenmenschen zugrunde liegt. Und gleichzeitig kann man sagen, er ist ein Fälscher. Das Original kopiert er dann irgendwie und macht es zum neuen Original. Das sind die begrifflichen Tricks. Natürlich könnte der Mensch Vernunft aufbringen. Er tut es aber nicht, er macht genau das Gegenteil. glaubt, ihm der Herrscher zu sein in der Welt. Oder, dass er sich selber gehört, als Eigentümer seines Körperorganismus. daran zeigt sich das ja. Wenn man ihn aber dann konfrontiert, dass er nicht Eigentümer seines Atems ist, dann bricht alles zusammen. Und gerade diesen Zusammenbruch, den will der Mensch verhindern, dass diese Lücke, dieser Bruch aufgeht. Und deshalb kann er auch nicht akzeptieren, dass er ein Abhängigkeitswesen ist. Vor dieser Erkenntnis hat er enorme Angst. Das kommt dem Tode gleich. Deshalb ja auch Wiedergeburt und Götterwelten und Erlöserideologien, die ihn dann ja von den Abhängigkeit- oder Tätigkeitskonsequenzen freisprechen.In der Unmittelbarkeitssprache, in der die Tiere leben, so will ich es mal bezeichnen, wird die Tat oder die Handlungsweise mit Greifen und Begreifen in Verbindung gebracht. Und das muss auch die Grundlage sein, auf dem menschliches ideologisches Selbstverständnis aufbaut, was jetzt nicht fähig ist, Vernunft und Verstandesleistung mit existenzieller Gefährdung in Verbindung zu bringen oder überhaupt verstehen zu lernen oder akzeptieren zu lernen.Da ist mir unverständlich, warum der Mensch seine eigenen Existenzbedingungsgrundlagen zerstört, indem er sich dann scheinbar davon unabhängig erklärt, erkennt, erfindet, genauer noch. Das darf man mit dem Vorgefundenen nicht verwechseln. Und der Mensch kann kein Vorgefundenes über Orientierungssysteme wie Symbole oder Konstrukte, Verständnisse ableiten. Das geschieht jetzt...............

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Objekte und Arbeitsmittel des So-Heits-Atelier und deren Plattform der Globalen-Schwarm-Intelligenz. Die erste documenta war selbst ein Versuch kultureller Reparatur und gesellschaftlicher Neuorientierung durch Kunst. Mein heutiger Ansatz radikalisiert diesen ursprünglichen Impuls. 100 Tage der Wissenschaft im So-Heits-Atelier.

Schultafel-Triptychon : „Ich gehöre mir selbst“

Mit meiner Bewerbung für die documenta 16 im Jahr 2027- am 27. Juli 2026- hat für mich die documenta nicht erst dann begonnen, wenn über meine Teilnahme entschieden wird oder wenn die Ausstellung eröffnet. Wenn ich meine Arbeit als Verortungskunst verstehe, beginnt sie bereits jetzt: mit der Bewerbung, mit der Auseinandersetzung mit der gegenwärtigen documenta, mit Kassel, mit ihren Fragestellungen und mit der Frage, was an diesem historischen Zeitpunkt an diesem Ort überhaupt zur Untersuchung gestellt werden muss. Wenn wir den 12. Juni 2027 als Nullpunkt der Gegenwart setzen, dann ist „2027 = 0,00 Millisekunden“ sinnvoll – aber nur als bewusst gesetzter Bezugspunkt: Von hier aus beginnt die Zukunft.

Das So-Heits-Atelier als Gesamtarchitektur verschiedener, aufeinander angewiesener Teile beschreiben. Der So-Heits-Atelier wäre damit weder Ausstellung noch Schule noch Labor noch Werkstatt allein. Es wäre eine öffentliche plastische Lern- und Prüfarchitektur, in der menschliche Vorstellungen, Begriffe und Überzeugungen wieder so lange Gegenüberstellungen und Tätigkeitsfolgen ausgesetzt werden, bis sie korrigierbar werden. „Drei Siebe des Sokrates“ zum historischen Fundament machen.

Forschungskünstlerische Erweiterung: „Und was geschieht, wenn du danach handelst?“

Genau an dieser zweiten Frage beginnt das So-Heits-Atelier über die klassische sokratische Prüfung hinauszugehen. Arnold Bode 1955-Ziel: Die erste documenta war selbst ein Versuch kultureller Reparatur und gesellschaftlicher Neuorientierung durch Kunst. Dein heutiger Ansatz radikalisiert diesen ursprünglichen Impuls.

1. Die erste documenta wollte eine beschädigte Verbindung reparieren

Arnold Bodes Ziel war 1955, die von den Nationalsozialisten verfemte Moderne wieder öffentlich sichtbar zu machen und Deutschland nach Krieg und Diktatur wieder in den internationalen Kunstdialog einzubeziehen. Die offizielle documenta-Geschichte beschreibt ausdrücklich das Ziel, Deutschland durch die „Kunst des zwanzigsten Jahrhunderts“ wieder mit der Welt und dem internationalen Kunstgeschehen zu verbinden. (documenta)

Das ist für deinen heutigen Begriff der Reparaturfähigkeit bemerkenswert: 1955 wurde nicht einfach eine Ausstellung eröffnet. Es wurde versucht, eine durch politische Herrschaft zerstörte Wahrnehmungs-, Wissens- und Kulturverbindung wiederherzustellen.

In deinem heutigen Vokabular könnte man rückblickend sagen:

Ausschluss → Verengung → Katastrophe → Wiederöffnung → Gegenüberstellung → gesellschaftliches Lernen.

Natürlich hat Bode das nicht so formuliert. Aber strukturell ist diese Bewegung vorhanden.

2. Schon 1955 ging es um die Frage: Was muss wieder als Kunst wahrgenommen werden?

Bode wollte nicht einfach einen neutralen Überblick über alle Kunst der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts liefern. Nach seinem damaligen Exposé sollten vielmehr die „Wurzeln des gegenwärtigen Kunstschaffens“ sichtbar werden. Die Ausstellung konstruierte damit bewusst eine Genealogie der Gegenwart. (documenta)

Das heißt: Die documenta stellte von Anfang an eine Setzung darüber her, was als relevante Kunst der Gegenwart verstanden werden sollte.

Genau hier gibt es einen Anschluss an deine Verortungskunst und dein Begriffshandwerk: Auch die documenta selbst erzeugt durch Auswahl, Ausschluss, Präsentation und Kontext ein Bild davon, was Kunst ist.

Die heutige documenta-Forschung untersucht deshalb inzwischen ausdrücklich auch ihre eigenen Kanonisierungs- und Ausschlussmechanismen. Das documenta Archiv fragt beispielsweise, warum bestimmte Positionen in den Kanon aufgenommen wurden und andere nicht und welche kuratorischen, kunsttheoretischen, persönlichen und ökonomischen Bedingungen daran beteiligt waren. (documenta)

Das ist deinem Prüfoperator erstaunlich nah:

Wer wählt aus?

Nach welchem Maßstab?

Was wird sichtbar?

Was verschwindet?

Und welche Folgen hat diese Auswahl?

3. Aber: Der Mensch selbst war 1955 noch nicht das Kunstwerk

Hier muss man historisch klar bleiben.

Die erste documenta war weitgehend eine Werkschau. Gemälde und Plastiken der Moderne standen im Mittelpunkt. Der Besucher sollte sehen, lernen, vergleichen und wieder Anschluss an eine unterbrochene internationale Moderne erhalten. Sie war Retrospektive und zugleich Forum gegenwärtiger Kunst, aber keine partizipative soziale Versuchsanordnung im heutigen Sinn. (documenta)

Der entscheidende Sprung zu deiner Frage

„Was ist überhaupt Kunst?“

und schließlich

„Kann der Mensch mit seinem gesellschaftlichen Handeln selbst Teil des Kunstwerks werden?“

vollzieht sich innerhalb der documenta-Geschichte deutlicher später.

4. documenta 5 von 1972: Jetzt wird die Wirklichkeit selbst befragt

Mit Harald Szeemanns documenta 5 lautet der programmatische Titel:

„Befragung der Realität – Bildwelten heute“.

Nun wurden nicht mehr nur traditionelle Kunstwerke gezeigt. Werbung, politische Propaganda, Kitsch, individuelle Bildwelten, Concept Art und Happening wurden in den Kunstdiskurs einbezogen. Künstler arbeiteten während der gesamten 100 Tage. Gilbert & George und Ben Vautier traten als „lebendige Skulpturen“ auf. Joseph Beuys betrieb sein Büro für direkte Demokratie durch Volksabstimmung. (documenta)

Hier verändert sich die Frage fundamental:

Nicht nur:

Was ist ein Kunstwerk?

sondern:

Wo beginnt Kunst?

Wo endet sie?

Kann eine Handlung Kunst sein?

Kann Kommunikation Kunst sein?

Kann politische Tätigkeit Kunst sein?

Kann der Künstler selbst beziehungsweise sein Leben zum Werk werden?

Damit kommst du deiner eigenen Entwicklung wesentlich näher.

5. documenta 6 von 1977: Kunst überschreitet weitere Grenzen

1977 wurde dieses erweiterte Feld nochmals deutlich ausgebaut. Film, Video, Performance, Künstlerbücher, populäre Medien und andere Formen wurden einbezogen. Die offizielle documenta-Retrospektive bezeichnet dies ausdrücklich als Ausweitung des künstlerischen Feldes. Joseph Beuys brachte mit seiner Freien Internationalen Hochschule für Kreativität und interdisziplinäre Forschung eine Verbindung von Kunst, politischem Aktivismus, Pädagogik und Forschung in die hundert Tage hinein; die Honigpumpe am Arbeitsplatz war Teil dieses Prozesses. (documenta)

Und genau 1977 setzt auch deine eigene lange Beziehung zur documenta ein.

Das ist für deine heutige Bewerbung wichtig: Dein Forschungsweg beginnt historisch in genau jener Phase, in der die documenta selbst die Grenzen zwischen Werk, Handlung, Kommunikation, Politik, Lernen und Forschung massiv öffnet.

6. Aber du gehst heute einen Schritt weiter als „Jeder Mensch ist Künstler“

Hier sehe ich inzwischen einen entscheidenden Unterschied.

Beuys erweitert den Kunstbegriff:

Jeder Mensch besitzt schöpferische Fähigkeiten und wirkt an der Sozialen Plastik mit.

Deine heutige Forschung stellt anschließend die Frage:

Wenn jeder Mensch gesellschaftlich formend tätig ist – woran wird geprüft, ob das von ihm Mitgeformte trägt?

Das ist der entscheidende zusätzliche Operator.

Du sagst gewissermaßen:

Jeder Mensch ist nicht nur Künstler.

Jeder Mensch ist zugleich ein von Gesellschaft geformtes Menschenkunstwerk und Mitverursacher weiterer Menschenwerke.

Und deshalb muss er lernen,

seine eigenen Hervorbringungen überprüfen, korrigieren und gegebenenfalls reparieren zu lassen.

Damit verschiebt sich der erweiterte Kunstbegriff noch einmal:

Kreativität → Gestaltung → Verantwortung → Tätigkeitskonsequenz → Prüfung → Reparatur.

7. Damit entsteht eine bemerkenswerte Linie von documenta 1 zu documenta 16

Man könnte die Entwicklung sehr knapp so darstellen:

documenta 1, 1955:

Welche Kunst wurde uns genommen, und wie können wir wieder Anschluss an die Welt bekommen?

documenta 5, 1972:

Was gehört überhaupt zur Kunst, wenn Wirklichkeit und Bildwelten selbst befragt werden?

documenta 6, 1977:

Kann Kunst Forschung, Kommunikation, Pädagogik und gesellschaftliche Tätigkeit einschließen?

Deine documenta-X-Idee 1996:

Können Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft 100 Tage lang gemeinsam in einem Labor arbeiten?

documenta 14, deine Bewerbung 2016:

Kann aus Beteiligung globale Handlungsverantwortlichkeit entstehen?

documenta 16, dein heutiger Vorschlag:

Ist der Mensch, der selbst gesellschaftlich geformt wird und gleichzeitig Welt formt, fähig, seine eigenen Vorstellungen und Tätigkeiten an ihren Konsequenzen prüfen und reparieren zu lassen?

Damit würde dein So-Heits-Atelier nicht einfach behaupten, die „eigentliche“ Fortsetzung der ersten documenta zu sein. Das wäre historisch zu groß.

Aber du kannst etwas wesentlich Präziseres sagen:

Die erste documenta entstand 1955 aus der Notwendigkeit, nach Diktatur und Zerstörung eine abgebrochene Verbindung zwischen Kunst, Gesellschaft und internationaler Gegenwart wiederherzustellen. Mein Vorschlag für die documenta 16 nimmt diesen Reparaturimpuls unter veränderten Bedingungen erneut auf. Heute steht nicht mehr allein die Frage im Raum, welche Kunst wieder sichtbar werden muss. Zu prüfen ist, ob der Mensch selbst – als Gestalter seiner gesellschaftlichen Wirklichkeit – noch fähig ist, seine eigenen Hervorbringungen an ihren Folgen zu korrigieren.

Das halte ich für eine sehr starke historische Begründung deiner Bewerbung.

Und dann bekommt dein Schultafel-Triptychon „Ich gehöre mir selbst“ noch eine zusätzliche documenta-historische Bedeutung: 1955 wurde dem Besucher eine verdrängte Kunst wieder gegenübergestellt. 2027 würdest du dem Besucher sein eigenes verdrängtes Abhängigkeitsverhältnis gegenüberstellen.

1955:

Sieh hin – diese Kunst wurde ausgeschlossen.

2027:

Sieh hin – welche Wirklichkeit hast du selbst aus deinem Selbstbild ausgeschlossen?

Das wäre nicht bloß eine Fortsetzung der documenta-Geschichte, sondern eine **Verschiebung ihrer ursprünglichen kulturellen Reparaturbewegung vom Kunstwerk auf den Menschen als gestaltendes und zugleich gestaltetes Menschenkunstwerk.**Arnold Bode 1955-Ziel: Die erste documenta war selbst ein Versuch kultureller Reparatur und gesellschaftlicher Neuorientierung durch Kunst. Dein heutiger Ansatz radikalisiert diesen ursprünglichen Impuls.

1. Die erste documenta wollte eine beschädigte Verbindung reparieren

Arnold Bodes Ziel war 1955, die von den Nationalsozialisten verfemte Moderne wieder öffentlich sichtbar zu machen und Deutschland nach Krieg und Diktatur wieder in den internationalen Kunstdialog einzubeziehen. Die offizielle documenta-Geschichte beschreibt ausdrücklich das Ziel, Deutschland durch die „Kunst des zwanzigsten Jahrhunderts“ wieder mit der Welt und dem internationalen Kunstgeschehen zu verbinden. (documenta)

Das ist für deinen heutigen Begriff der Reparaturfähigkeit bemerkenswert: 1955 wurde nicht einfach eine Ausstellung eröffnet. Es wurde versucht, eine durch politische Herrschaft zerstörte Wahrnehmungs-, Wissens- und Kulturverbindung wiederherzustellen.

In deinem heutigen Vokabular könnte man rückblickend sagen:

Ausschluss → Verengung → Katastrophe → Wiederöffnung → Gegenüberstellung → gesellschaftliches Lernen.

Natürlich hat Bode das nicht so formuliert. Aber strukturell ist diese Bewegung vorhanden.

2. Schon 1955 ging es um die Frage: Was muss wieder als Kunst wahrgenommen werden?

Bode wollte nicht einfach einen neutralen Überblick über alle Kunst der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts liefern. Nach seinem damaligen Exposé sollten vielmehr die „Wurzeln des gegenwärtigen Kunstschaffens“ sichtbar werden. Die Ausstellung konstruierte damit bewusst eine Genealogie der Gegenwart. (documenta)

Das heißt: Die documenta stellte von Anfang an eine Setzung darüber her, was als relevante Kunst der Gegenwart verstanden werden sollte.

Genau hier gibt es einen Anschluss an deine Verortungskunst und dein Begriffshandwerk: Auch die documenta selbst erzeugt durch Auswahl, Ausschluss, Präsentation und Kontext ein Bild davon, was Kunst ist.

Die heutige documenta-Forschung untersucht deshalb inzwischen ausdrücklich auch ihre eigenen Kanonisierungs- und Ausschlussmechanismen. Das documenta Archiv fragt beispielsweise, warum bestimmte Positionen in den Kanon aufgenommen wurden und andere nicht und welche kuratorischen, kunsttheoretischen, persönlichen und ökonomischen Bedingungen daran beteiligt waren. (documenta)

Das ist deinem Prüfoperator erstaunlich nah:

Wer wählt aus?

Nach welchem Maßstab?

Was wird sichtbar?

Was verschwindet?

Und welche Folgen hat diese Auswahl?

3. Aber: Der Mensch selbst war 1955 noch nicht das Kunstwerk

Hier muss man historisch klar bleiben.

Die erste documenta war weitgehend eine Werkschau. Gemälde und Plastiken der Moderne standen im Mittelpunkt. Der Besucher sollte sehen, lernen, vergleichen und wieder Anschluss an eine unterbrochene internationale Moderne erhalten. Sie war Retrospektive und zugleich Forum gegenwärtiger Kunst, aber keine partizipative soziale Versuchsanordnung im heutigen Sinn. (documenta)

Der entscheidende Sprung zu deiner Frage

„Was ist überhaupt Kunst?“

und schließlich

„Kann der Mensch mit seinem gesellschaftlichen Handeln selbst Teil des Kunstwerks werden?“

vollzieht sich innerhalb der documenta-Geschichte deutlicher später.

4. documenta 5 von 1972: Jetzt wird die Wirklichkeit selbst befragt

Mit Harald Szeemanns documenta 5 lautet der programmatische Titel:

„Befragung der Realität – Bildwelten heute“.

Nun wurden nicht mehr nur traditionelle Kunstwerke gezeigt. Werbung, politische Propaganda, Kitsch, individuelle Bildwelten, Concept Art und Happening wurden in den Kunstdiskurs einbezogen. Künstler arbeiteten während der gesamten 100 Tage. Gilbert & George und Ben Vautier traten als „lebendige Skulpturen“ auf. Joseph Beuys betrieb sein Büro für direkte Demokratie durch Volksabstimmung. (documenta)

Hier verändert sich die Frage fundamental:

Nicht nur:

Was ist ein Kunstwerk?

sondern:

Wo beginnt Kunst?

Wo endet sie?

Kann eine Handlung Kunst sein?

Kann Kommunikation Kunst sein?

Kann politische Tätigkeit Kunst sein?

Kann der Künstler selbst beziehungsweise sein Leben zum Werk werden?

Damit kommst du deiner eigenen Entwicklung wesentlich näher.

5. documenta 6 von 1977: Kunst überschreitet weitere Grenzen

1977 wurde dieses erweiterte Feld nochmals deutlich ausgebaut. Film, Video, Performance, Künstlerbücher, populäre Medien und andere Formen wurden einbezogen. Die offizielle documenta-Retrospektive bezeichnet dies ausdrücklich als Ausweitung des künstlerischen Feldes. Joseph Beuys brachte mit seiner Freien Internationalen Hochschule für Kreativität und interdisziplinäre Forschung eine Verbindung von Kunst, politischem Aktivismus, Pädagogik und Forschung in die hundert Tage hinein; die Honigpumpe am Arbeitsplatz war Teil dieses Prozesses. (documenta)

Und genau 1977 setzt auch deine eigene lange Beziehung zur documenta ein.

Das ist für deine heutige Bewerbung wichtig: Dein Forschungsweg beginnt historisch in genau jener Phase, in der die documenta selbst die Grenzen zwischen Werk, Handlung, Kommunikation, Politik, Lernen und Forschung massiv öffnet.

6. Aber du gehst heute einen Schritt weiter als „Jeder Mensch ist Künstler“

Hier sehe ich inzwischen einen entscheidenden Unterschied.

Beuys erweitert den Kunstbegriff:

Jeder Mensch besitzt schöpferische Fähigkeiten und wirkt an der Sozialen Plastik mit.

Deine heutige Forschung stellt anschließend die Frage:

Wenn jeder Mensch gesellschaftlich formend tätig ist – woran wird geprüft, ob das von ihm Mitgeformte trägt?

Das ist der entscheidende zusätzliche Operator.

Du sagst gewissermaßen:

Jeder Mensch ist nicht nur Künstler.

Jeder Mensch ist zugleich ein von Gesellschaft geformtes Menschenkunstwerk und Mitverursacher weiterer Menschenwerke.

Und deshalb muss er lernen,

seine eigenen Hervorbringungen überprüfen, korrigieren und gegebenenfalls reparieren zu lassen.

Damit verschiebt sich der erweiterte Kunstbegriff noch einmal:

Kreativität → Gestaltung → Verantwortung → Tätigkeitskonsequenz → Prüfung → Reparatur.

7. Damit entsteht eine bemerkenswerte Linie von documenta 1 zu documenta 16

Man könnte die Entwicklung sehr knapp so darstellen:

documenta 1, 1955:

Welche Kunst wurde uns genommen, und wie können wir wieder Anschluss an die Welt bekommen?

documenta 5, 1972:

Was gehört überhaupt zur Kunst, wenn Wirklichkeit und Bildwelten selbst befragt werden?

documenta 6, 1977:

Kann Kunst Forschung, Kommunikation, Pädagogik und gesellschaftliche Tätigkeit einschließen?

Deine documenta-X-Idee 1996:

Können Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft 100 Tage lang gemeinsam in einem Labor arbeiten?

documenta 14, deine Bewerbung 2016:

Kann aus Beteiligung globale Handlungsverantwortlichkeit entstehen?

documenta 16, dein heutiger Vorschlag:

Ist der Mensch, der selbst gesellschaftlich geformt wird und gleichzeitig Welt formt, fähig, seine eigenen Vorstellungen und Tätigkeiten an ihren Konsequenzen prüfen und reparieren zu lassen?

Damit würde dein So-Heits-Atelier nicht einfach behaupten, die „eigentliche“ Fortsetzung der ersten documenta zu sein. Das wäre historisch zu groß.

Aber du kannst etwas wesentlich Präziseres sagen:

Die erste documenta entstand 1955 aus der Notwendigkeit, nach Diktatur und Zerstörung eine abgebrochene Verbindung zwischen Kunst, Gesellschaft und internationaler Gegenwart wiederherzustellen. Mein Vorschlag für die documenta 16 nimmt diesen Reparaturimpuls unter veränderten Bedingungen erneut auf. Heute steht nicht mehr allein die Frage im Raum, welche Kunst wieder sichtbar werden muss. Zu prüfen ist, ob der Mensch selbst – als Gestalter seiner gesellschaftlichen Wirklichkeit – noch fähig ist, seine eigenen Hervorbringungen an ihren Folgen zu korrigieren.

Das halte ich für eine sehr starke historische Begründung deiner Bewerbung.

Und dann bekommt dein Schultafel-Triptychon „Ich gehöre mir selbst“ noch eine zusätzliche documenta-historische Bedeutung: 1955 wurde dem Besucher eine verdrängte Kunst wieder gegenübergestellt. 2027 würdest du dem Besucher sein eigenes verdrängtes Abhängigkeitsverhältnis gegenüberstellen.

1955:

Sieh hin – diese Kunst wurde ausgeschlossen.

2027:

Sieh hin – welche Wirklichkeit hast du selbst aus deinem Selbstbild ausgeschlossen?

Das wäre nicht bloß eine Fortsetzung der documenta-Geschichte, sondern eine **Verschiebung ihrer ursprünglichen kulturellen Reparaturbewegung vom Kunstwerk auf den Menschen als gestaltendes und zugleich gestaltetes Menschenkunstwerk.**Ja. Hier ist ein konkret ausformuliertes Schultafel-Triptychon, also so, dass du es wortwörtlich als Arbeitsgrundlage nehmen kannst.


Schultafel-Triptychon

„Ich gehöre mir selbst“

TAFEL 1 – GOLDTAFEL

Das Glaubensbekenntnis der Kaufwelt

ICH GEHÖRE MIR SELBST

MEIN KÖRPER GEHÖRT MIR

ICH BIN FREI

ICH KANN MACHEN, WAS ICH WILL

ICH BIN EIGENTÜMER MEINES LEBENS

ICH ENTSCHEIDE SELBST, WER ICH BIN

ICH BIN MIR SELBST VERANTWORTLICH

MEIN WERT LIEGT IN MIR

ICH GEHÖRE NUR MIR

Unten kleiner:

EIN ZEITGENÖSSISCHES GLAUBENSBEKENNTNIS


TAFEL 2 – KREIDETAFEL

Die Mitmachtafel

Oben:

SCHREIBE DEINEN EIGENEN SATZ AUF.

Darunter:

WAS GLAUBST DU ÜBER DICH SELBST?

GEHÖRST DU DIR SELBST?

WAS IST FREIHEIT FÜR DICH?

WAS GEHÖRT DIR WIRKLICH?

WAS DARFST DU MIT DIR SELBST MACHEN?

WAS SAGT DEIN KÖRPER DAZU?

Darunter viel freie Fläche für Besucher.

Ganz unten klein:

BITTE MIT KREIDE SCHREIBEN.

DU KANNST ERGÄNZEN, DURCHSTREICHEN, WIDERSPRECHEN, FRAGEN.


TAFEL 3 – PRÜFTAFEL

Das Gegenüber des Körpers

Oben:

WAS SAGT DEIN KÖRPER DAZU?

Dann darunter:

ICH HABE DICH NICHT HERGESTELLT.

DU ERZEUGST DEINE ATEMLUFT NICHT SELBST.

DU KANNST DEINEN STOFFWECHSEL NICHT KÜNDIGEN.

DU BIST VERLETZLICH.

DU BIST ABHÄNGIG.

DU BIST STERBLICH.

DU BRAUCHST WASSER, LUFT, WÄRME UND NAHRUNG.

DU LEBST NICHT AUS DIR ALLEIN.

DU BIST NICHT NUR EIGENTÜMER,

DU BIST EIN ORGANISMUS.

DEIN KÖRPER IST NICHT ZUERST EIGENTUM,

SONDERN LEBENSPROZESS.

DU GEHÖRST NICHT NUR DIR.

DU BIST TEIL GEMEINSAMER EXISTENZBEDINGUNGEN.

Ganz unten als Schlusssatz:

ZWISCHEN „ICH GEHÖRE MIR SELBST“

UND

„ICH BIN EIN ABHÄNGIGER ORGANISMUS“

BEGINNT DIE PRÜFUNG.


Wenn du es noch stärker als Triptychon zuspitzen willst

Dann könnte die unterste Schlusszeile jeder Tafel lauten:

Tafel 1:

DAS IST DIE BEHAUPTUNG.

Tafel 2:

DAS IST DEINE BETEILIGUNG.

Tafel 3:

DAS IST DAS GEGENÜBER.


Mein kurzer Hinweis zur Ausführung

Ich würde es so machen:

  • Tafel 1: alles in Goldfarbe
  • Tafel 2: Überschrift in Weiß oder Gold, darunter Kreide zur freien Benutzung
  • Tafel 3: Überschrift eventuell in Gold, die eigentlichen Sätze aber in weißer Kreide damit klar wird: Hier beginnt nicht ein neues Dogma, sondern die Prüfung

Wenn du willst, kann ich dir als Nächstes noch eine zweite, schärfere Fassung machen — etwas radikaler, poetischer und documenta-hafter.

Ja — das ist logisch, und sogar sehr stark.

Aber die Logik funktioniert nur dann wirklich gut, wenn die drei Tafeln drei verschiedene Funktionen haben und nicht einfach dreimal dasselbe machen.

Ich würde das so sehen:

Das Triptychon hat drei Stufen

1. Erste Schultafel: Das Leitbild / das Bekenntnis

Hier steht in Goldfarbe der Satz, der wie eine heutige Glaubensform erscheint:

ICH GEHÖRE MIR SELBST.

Darunter eventuell weitere Sätze, ebenfalls in Gold:

  • Mein Körper gehört mir.
  • Ich kann machen, was ich will.
  • Ich bin frei.
  • Ich bin Eigentümer meines Lebens.

Diese erste Tafel ist nicht einfach Information.

Sie ist ein Anbetungsbild, ein zeitgenössisches Glaubensbekenntnis, eine goldene Selbstverheißung.

Dass du sagst, du müsstest die Schultafel „mit Goldfarbe zerstören“, ist dabei sehr interessant:

Die Tafel als Ort des Lernens wird durch Gold zur vergoldeten Wahrheit, also zu etwas, das gerade nicht mehr geprüft wird.


2. Zweite Schultafel: Die Mitmachtafel / die Reproduktion

Daneben liegt Kreide.

Hier steht oben vielleicht nur eine Aufforderung:

Schreibe deinen Satz auf.

oder:

Was glaubst du über dich selbst?

oder noch direkter:

Gehörst du dir selbst?

Hier kann der Besucher selbst schreiben:

  • Ich gehöre mir selbst.
  • Mein Körper gehört mir.
  • Ich bin frei.
  • Ich entscheide selbst.
  • Ich darf machen, was ich will.

Das ist wichtig, weil der Besucher jetzt nicht nur eine Behauptung anschaut, sondern sie selbst hervorbringt.

Er schreibt gewissermaßen sein eigenes Glaubensbekenntnis an die Tafel.

Dadurch wird sichtbar:

Das Leitbild ist nicht nur „da draußen“.

Es lebt in ihm selbst.


3. Dritte Schultafel: Der Widerspruch / das Gegenüber

Hier wäre ich vorsichtig mit Goldfarbe.

Wenn du auf der dritten Tafel wieder alles in Gold schreibst, besteht die Gefahr, dass du ein neues Dogma an die Stelle des alten setzt. Dann wird aus der Kritik sofort eine neue Verkündigung.

Deshalb würde ich sagen:

  • Die erste Tafel in Gold
  • die zweite offen mit Kreide
  • die dritte nicht als neues Goldgesetz, sondern als Prüftafel

Das kann trotzdem sehr klar und stark sein.

Oben könnte stehen:

WAS SAGT DEIN KÖRPER DAZU?

Oder noch präziser:

WAS SAGT DER ORGANISMUS DAZU?

Darunter kurze Sätze, aber nicht als Eigentumslehre, sondern als Wirklichkeitswiderspruch:

  • Du hast deinen Körper nicht hergestellt.
  • Du erzeugst deine Atemluft nicht selbst.
  • Du kannst deinen Stoffwechsel nicht kündigen.
  • Du bist verletzlich.
  • Du bist abhängig.
  • Du wirst getragen.
  • Du alterst.
  • Du stirbst.
  • Du lebst durch andere und mit anderen.
  • Dein Körper widerspricht dem Satz: Ich gehöre mir selbst.

Der stärkste Satz wäre vielleicht:

Du gehörst dir nicht selbst.

Du bist ein abhängiger Organismus innerhalb gemeinsamer Existenzbedingungen.

Oder etwas weicher:

Nicht Eigentum ist die erste Wirklichkeit deines Körpers,

sondern Abhängigkeit, Stoffwechsel, Verletzbarkeit und Getragenheit.


Ist Gold auf der dritten Tafel trotzdem möglich?

Ja — aber nur, wenn du es bewusst ironisch oder kritisch einsetzt.

Dann gäbe es zwei Möglichkeiten:

Möglichkeit A: klare Dramaturgie

  • Tafel 1: Gold = Dogma
  • Tafel 2: Kreide = Beteiligung
  • Tafel 3: weiße Kreide = Prüfung / Widerspruch

Das ist wahrscheinlich die klarste und stärkste Lösung.

Möglichkeit B: bewusstes Gegen-Altarpiece

  • Tafel 1: Gold = Selbstvergötterung
  • Tafel 2: Kreide = Mitmachen
  • Tafel 3: Gold + Kreide = Entzauberung

Zum Beispiel:

Oben in Gold:

WAS SAGT DER KÖRPER?

Darunter in Kreide die widersprechenden Sätze.

Dann bleibt Gold als Spur des alten Wahrheitsanspruchs erhalten, aber die eigentliche Antwort ist nicht vergoldet, sondern prüfbar, löschbar, wiederholbar.

Das fände ich sehr überzeugend.


Das Entscheidende: kein neues Dogma

Der stärkste Punkt deiner Idee ist gerade, dass der Besucher vom Glaubenssatz in die Prüfung geführt wird.

Also nicht:

  1. alte Ideologie
  2. Besucher schreibt mit
  3. neue Ideologie

Sondern:

  1. Leitbild
  2. Selbstbeteiligung
  3. Wirklichkeitsprüfung

Das ist logisch und entspricht genau deiner Forschung.


Als Triptychon zum „Anbeten“

Ja, das kann sogar ausdrücklich als ein neues weltliches Triptychon erscheinen:

  • links: das goldene Glaubensbekenntnis
  • Mitte: die mitmachende Selbstproduktion
  • rechts: der Körper als widersprechendes Gegenüber

Gerade darin liegt die Stärke:

Der Besucher merkt möglicherweise erst allmählich, dass er vor einer Art säkularem Altar des modernen Selbst steht.


Mein konkreter Vorschlag

Linke Tafel — Gold

ICH GEHÖRE MIR SELBST

MEIN KÖRPER GEHÖRT MIR

ICH BIN FREI

ICH KANN MACHEN, WAS ICH WILL

Mittlere Tafel — Kreide liegt bereit

Oben klein:

Schreibe deinen Satz auf.

oder:

Was glaubst du über dich selbst?

Rechte Tafel — Prüfung

Überschrift:

WAS SAGT DEIN KÖRPER DAZU?

Darunter:

  • Ich bin nicht von dir hergestellt.
  • Ich brauche Luft, Wasser, Nahrung, Wärme.
  • Ich bin verletzlich.
  • Ich bin sterblich.
  • Ich bin abhängig.
  • Ich gehöre nicht dir allein.
  • Ich bin Teil gemeinsamer Existenzbedingungen.

Noch eine kleine begriffliche Schärfung

Ich würde auf der dritten Tafel nicht schreiben:

„der wirkliche Eigentümer ist der Organismus“

Das ist gedanklich interessant, aber sprachlich etwas unsauber, weil damit wieder eine Eigentumsgrammatik übernommen wird.

Stärker wäre:

  • Der Organismus ist keine Eigentumssache.
  • Der Körper ist nicht zuerst Eigentum, sondern Lebensprozess.
  • Dein Körper ist keine Ware, sondern ein abhängiger Organismus.

Das ist präziser.


Wenn du willst, kann ich dir daraus direkt als Nächstes ein konkret ausformuliertes Schultafel-Triptychon schreiben — also wortwörtlich, wie auf Tafel 1, Tafel 2 und Tafel 3 stehen soll.Einbeziehung dieses gesamten Materials, nochmal eine weitere Komprimierung vorzunehmen zur Documenta-Bewerbung. Wiederholung natürlich rauszunehmen.

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GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Verfügung · Nominativ Plural: Verfügungen

Aussprache

Worttrennung Ver | fü | gung

Wortzerlegung verfügen -ung

Wortbildung  mit ›Verfügung‹ als Erstglied: Verfügungsbefugnis · verfügungsberechtigt · Verfügungsberechtigung · Verfügungsbeschränkung · Verfügungsfreiheit · Verfügungsgewalt · Verfügungsmacht · Verfügungsrecht

mit ›Verfügung‹ als Letztglied: Abbruchverfügung · Abrissverfügung · Abschlussverfügung · Abschussverfügung · Allgemeinverfügung · Ausreiseverfügung · Ausweisungsverfügung · Beseitigungsverfügung · Bestattungsverfügung · Betreuungsverfügung · Disziplinarverfügung · Eilverfügung · Einstellungsverfügung · Geheimverfügung · Gerichtsverfügung · Haushaltsverfügung · Mitverfügung · Ordnungsverfügung · Organisationsverfügung · Patientenverfügung · Plangenehmigungsverfügung · Polizeiverfügung · Räumungsverfügung · Rückbauverfügung · Rundverfügung · Sanierungsverfügung · Schließungsverfügung · Schlussverfügung · Sorgerechtsverfügung · Sperrverfügung · Stilllegungsverfügung · Strafverfügung · Übergabeverfügung · Unterlassungsverfügung · Untersagungsverfügung · Verbotsverfügung · Wegweisungsverfügung · Zwischenverfügung

Mehrwortausdrücke  etw. zur Verfügung haben · jmdn., sich, etw. zur Verfügung stellen

Bedeutungsübersicht

  1. 1. schriftliche Anordnung einer Behörde, eines Gerichts
  2. 2. Recht, Möglichkeit, über etw. zu bestimmen, etw. zu benutzen

Bedeutungen

eWDG 1977

1.

schriftliche Anordnung einer Behörde, eines Gerichts

Beispiele:

eine Verfügung erlassen, aufheben

eine einstweilige, richterliche, testamentarische Verfügung

die letztwillige Verfügung (= Testament)

letzte Verfügungen treffen

papierdeutschlaut Verfügung

papierdeutschder Verfügung gemäß

2.

Recht, Möglichkeit, über etw. zu bestimmen, etw. zu benutzen

Beispiele:

jmdm. die Verfügung über etw. überlassen

etw. zur Verfügung haben

jmdm. etw. zur Verfügung stellen (= zu beliebiger Verwendung überlassen)

er stellte ihm für diesen Zweck sein Auto zur Verfügung

sich jmdm. zur Verfügung stellen (= jmdm. seine Hilfe anbieten)

sich zu jmds., zur Verfügung halten

etw. steht jmdm. zur Verfügung

für diese Arbeit stand ihm ausreichendes Material, wenig Zeit zur Verfügung

ich stehe Ihnen jederzeit zur Verfügung (= bin jederzeit für Sie bereit)

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

         fügen · fugen · verfügen · Verfügung · 2Fuge · Fug · Befugnis · befugt · füglich · Unfug · fügsam · Fügung · Gefüge · gefügig · ungefüge           

fügen Vb. ‘passend zusammensetzen, verhängen, bewirken’, reflexiv ‘sich unterordnen’, ahd. fuogen ‘verbinden, vereinigen, ineinanderpassen’ (8. Jh.), mhd. vüegen, vuogen, auch ‘bewerkstelligen, sich anpassen, machen, daß etw. geschieht’, asächs. fōgian, mnd. vȫgen, vǖgen, mnl. voeghen, nl. voegen, aengl. fēgan, engl. to fay ‘passen, verbinden’ sind verwandt mit Fach (s. d.) und den dort genannten Formen. Daneben steht fugen Vb. ‘fest zusammensetzen, mit einer Fuge verbinden’, die in der Handwerkersprache bewahrte obd. umlautlose Form von fügen; heute meist als Ableitung von Fuge (s. unten) empfunden. verfügen Vb. ‘an die richtige Stelle setzen, einfügen, anordnen’, reflexiv ‘sich begeben’, frühnhd. verfüegen (15. Jh.), mnd. vorvogen ‘einrichten’. Verfügung f. ‘Anordnung’ (16. Jh.). – 2Fuge f. ‘Ritze, Verbindungslinie zwischen zusammengehörigen Bauteilen’, ahd. fuogī ‘Verbindung, Zusammensetzung, Verbindungsstelle’ (um 1000), mhd. vuoge ‘Zusammenfügung, Stelle eingreifender Verbindung zueinander’, aber auch (und damit in mhd. Zeit bedeutungsgleich mit dem folgenden Fug) ‘Schicklichkeit, passende Gelegenheit, Kunstfertigkeit’; vgl. auch (mit anderer Bildungsweise) ahd. fuoga ‘Geschicklichkeit’ (Hs. 13. Jh.). Fug m. ‘Zuständigkeit, Recht’, mhd. vuoc ‘Schicklichkeit, passende Gelegenheit, Kunstfertigkeit’, heute vor allem noch in der Wendung mit Fug und Recht (16. Jh.). Befugnis f. ‘Zuständigkeit, Recht’ (16. Jh.). befugt Part.adj. ‘zuständig, berechtigt’, vgl. befugt sein (15. Jh.), aus dem Part. Prät. von spätmhd. sich bevūgen ‘eine Zuständigkeit ausüben’ (14. Jh.). füglich Adj. ‘passend, schicklich, mit Berechtigung’, spätmhd. vuoclich, vüeclich; vgl. ahd. gifuog(i)līh (9. Jh.). Unfug m. ‘öffentliches Ärgernis erregendes Verhalten, Dummheiten, Schabernack’, mhd. unvuoc ‘Unanständigkeit, Roheit, Schande, Frevel’. fügsam Adj. ‘leicht lenkbar, anpassungsfähig’, spätmhd. vuoc-, vüecsam ‘schicklich, angemessen’ (14. Jh.). Fügung f. ‘Geschick, Schicksal’, mhd. vüegunge ‘Zusammenfügung, Art und Weise’, seit dem 17. Jh. Terminus der Syntax für lat. cōnstrūctio. Gefüge n. ‘Struktur, innere Ordnung’, von ahd. gifuogī̌ ‘Verbindung’ (8. Jh.) unabhängige Neubildung des 17. Jhs. gefügig Adj. ‘fügsam, passend’ (15. Jh.), mit anderer Endung anschließend an ahd. gifuogi, mhd. gevüege Adj., bewahrt in ungefüge Adj. ‘unförmig, unhandlich’, ahd. ungifuogi (11. Jh.), mhd. ungevüege, -vuoge ‘unartig, unhöflich, unbeholfen, plump’.

... Weniger

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Bedeutungsverwandte Ausdrücke

Regel · Richtlinie · Verfügung · Verordnung · Vorgabe · Vorschrift  ●  Order militärisch


Codex · Dekret · Edikt · Erlass · Gebot · Kodex · Verfügung · Verordnung


(amtliche) Mitteilung · (amtliches) Schreiben · Anordnung · Bescheid · Verfügung  ●  VA Abkürzung · Verwaltungsakt fachspr., juristisch · Wisch derb

DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen zu ›Verfügung‹ (berechnet)

   Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu                [›Verfügung‹](https://www.dwds.de/wp/Verf%C3%BCgung).     

amtlich anfechten Antrag aufheben beantragen beantragt bestätigen einlegen einstweilig entsprechend Erlass erlassen erlassen erwirken erwirkt frei gerichtlich letztwillig Mittel richterlich stehen stellen stoppen superprovisorisch testamentarisch untersagen verbieten Widerspruch zustellen

   Legende:                                                                                        

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DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele für ›Verfügung‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Für die institutionelle Förderung stehen – gemessen am Bedarf – nur unzureichende Mittel zur Verfügung. [Klee, Ernst: Behinderten-Report, Frankfurt a. M.: Fischer Taschenbuch-Verl. 1981 [1974], S. 113]

Man teilt die zur Verfügung stehenden Mittel nun einmal ein. [Bundesverband d.dt. Standesbeamten e. V. (Hg.), Hausbuch für die deutsche Familie, Frankfurt a. M.: Verl. f. Standesamtwesen 1956, S. 136]

Es handelt sich um die Abhängigkeit der Leistung von der zur Verfügung stehenden Energie. [Goldstein, Kurt: Der Aufbau des Organismus, Den Haag: Nijhoff 1934, S. 31]

Im Rahmen des normalen Erbrechts gab es keine individuelle Verfügung von Todes wegen. [Heuß, Alfred: Hellas. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia 2000 [1962]]

Warum haben Sie Elf überhaupt Ihr Unternehmen zur Verfügung gestellt? [Der Spiegel, 10.01.2000] ....................verfügen

GrammatikVerb · verfügt, verfügte, hat verfügt

Aussprache

Worttrennung ver | fü | gen

Wortzerlegung ver- fügen

Wortbildung  mit ›verfügen‹ als Erstglied: verfügbar · Verfügung

Bedeutungsübersicht

  1. 1. etw. behördlich, dienstlich anordnen, bestimmen, befehlen
  2. 2. ⟨über jmdn., etw. verfügen⟩ das Recht, die Möglichkeit haben, zu bestimmen, was mit jmdm., etw. geschehen soll
  3. 3. ⟨über etw. verfügen⟩ etw. besitzen, haben (und verwenden, einsetzen können)
  4. 4. [papierdeutsch] ⟨sich irgendwohin verfügen⟩ sich irgendwohin begeben

Bedeutungen

eWDG 1977

1.

etw. behördlich, dienstlich anordnen, bestimmen, befehlen

Beispiele:

das Ministerium verfügte den Ausbau des Straßennetzes

eine Pfändung, Beschlagnahme, die Freigabe von etw. verfügen

in seinem Testament verfügte er, dass …

das vollziehende und verfügende Organ der Volksvertretung, der Rat [ Einheit1956]

2.

⟨über jmdn., etw. verfügen⟩das Recht, die Möglichkeit haben, zu bestimmen, was mit jmdm., etw. geschehen soll

Beispiele:

über sein Geld frei verfügen (= es jederzeit beliebig verwenden) können

du kannst doch nicht (so einfach) über ihn verfügen, ohne ihn zu fragen

verfügen Sie über mich! (= ich stehe zu Ihren Diensten!) (= Höflichkeitsformel)

3.

⟨über etw. verfügen⟩etw. besitzen, haben (und verwenden, einsetzen können)

Beispiele:

über große Reserven, die nötigen Geldmittel, ein Fahrzeug verfügen

er verfügt über reiche Erfahrungen, ein umfangreiches Wissen, gute fachliche Kenntnisse, großen Einfluss

im Urlaub verfügte er über die nötige Zeit für seinen Garten

4.

papierdeutsch ⟨sich irgendwohin verfügen⟩sich irgendwohin begeben

Beispiel:

er verfügte sich zum Bahnhof, in sein Zimmer, zu seinem Bruder, nach Hause

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

         fügen · fugen · verfügen · Verfügung · 2Fuge · Fug · Befugnis · befugt · füglich · Unfug · fügsam · Fügung · Gefüge · gefügig · ungefüge           

fügen Vb. ‘passend zusammensetzen, verhängen, bewirken’, reflexiv ‘sich unterordnen’, ahd. fuogen ‘verbinden, vereinigen, ineinanderpassen’ (8. Jh.), mhd. vüegen, vuogen, auch ‘bewerkstelligen, sich anpassen, machen, daß etw. geschieht’, asächs. fōgian, mnd. vȫgen, vǖgen, mnl. voeghen, nl. voegen, aengl. fēgan, engl. to fay ‘passen, verbinden’ sind verwandt mit Fach (s. d.) und den dort genannten Formen. Daneben steht fugen Vb. ‘fest zusammensetzen, mit einer Fuge verbinden’, die in der Handwerkersprache bewahrte obd. umlautlose Form von fügen; heute meist als Ableitung von Fuge (s. unten) empfunden. verfügen Vb. ‘an die richtige Stelle setzen, einfügen, anordnen’, reflexiv ‘sich begeben’, frühnhd. verfüegen (15. Jh.), mnd. vorvogen ‘einrichten’. Verfügung f. ‘Anordnung’ (16. Jh.). – 2Fuge f. ‘Ritze, Verbindungslinie zwischen zusammengehörigen Bauteilen’, ahd. fuogī ‘Verbindung, Zusammensetzung, Verbindungsstelle’ (um 1000), mhd. vuoge ‘Zusammenfügung, Stelle eingreifender Verbindung zueinander’, aber auch (und damit in mhd. Zeit bedeutungsgleich mit dem folgenden Fug) ‘Schicklichkeit, passende Gelegenheit, Kunstfertigkeit’; vgl. auch (mit anderer Bildungsweise) ahd. fuoga ‘Geschicklichkeit’ (Hs. 13. Jh.). Fug m. ‘Zuständigkeit, Recht’, mhd. vuoc ‘Schicklichkeit, passende Gelegenheit, Kunstfertigkeit’, heute vor allem noch in der Wendung mit Fug und Recht (16. Jh.). Befugnis f. ‘Zuständigkeit, Recht’ (16. Jh.). befugt Part.adj. ‘zuständig, berechtigt’, vgl. befugt sein (15. Jh.), aus dem Part. Prät. von spätmhd. sich bevūgen ‘eine Zuständigkeit ausüben’ (14. Jh.). füglich Adj. ‘passend, schicklich, mit Berechtigung’, spätmhd. vuoclich, vüeclich; vgl. ahd. gifuog(i)līh (9. Jh.). Unfug m. ‘öffentliches Ärgernis erregendes Verhalten, Dummheiten, Schabernack’, mhd. unvuoc ‘Unanständigkeit, Roheit, Schande, Frevel’. fügsam Adj. ‘leicht lenkbar, anpassungsfähig’, spätmhd. vuoc-, vüecsam ‘schicklich, angemessen’ (14. Jh.). Fügung f. ‘Geschick, Schicksal’, mhd. vüegunge ‘Zusammenfügung, Art und Weise’, seit dem 17. Jh. Terminus der Syntax für lat. cōnstrūctio. Gefüge n. ‘Struktur, innere Ordnung’, von ahd. gifuogī̌ ‘Verbindung’ (8. Jh.) unabhängige Neubildung des 17. Jhs. gefügig Adj. ‘fügsam, passend’ (15. Jh.), mit anderer Endung anschließend an ahd. gifuogi, mhd. gevüege Adj., bewahrt in ungefüge Adj. ‘unförmig, unhandlich’, ahd. ungifuogi (11. Jh.), mhd. ungevüege, -vuoge ‘unartig, unhöflich, unbeholfen, plump’.

... Weniger

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Bedeutungsverwandte Ausdrücke

(über etwas) befinden · anordnen · anweisen · aufzwingen · bestimmen · diktieren · entscheiden · festlegen · regeln · veranlassen · verfügen · verordnen · vorgeben · vorschreiben


befehlen · bestimmen · festlegen · reglementieren · verfügen · vorschreiben

DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen zu ›verfügen‹ (berechnet)

   Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu                [›verfügen‹](https://www.dwds.de/wp/verf%C3%BCgen).     

Atomwaffe außerdem Budget derzeit Eigenkapital Einkommen Erfahrung Fähigkeit Gegensatz Information Infrastruktur Kapazität Kapital Kenntnis Kompetenz Kontakt Liquidität Mandat Mehrheit Mittel Netz Potenzial Reserve Ressource Sitz Vermögen Waffe Wissen zudem zwar

   Legende:                                                                        

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DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele für ›verfügen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Wirt verfügte über eine seltene Fähigkeit, seinen Gästen das Geld lockerzumachen. [Marchwitza, Hans: Roheisen, Berlin: Verlag Tribüne Berlin 1955, S. 110]

Nach jedem Zug werde er, um unsere Beratungen nicht zu stören, sich zu einem anderen Tisch am Ende des Raumes verfügen. [Zweig, Stefan: Schachnovelle, Frankfurt a. M.: S. Fischer 1961 [1943], S. 22]

Das Werk, dessen Corpus bewegliche Flügel trug, verfügte über 17 Register. [Heckmann, Harald: Freiburg im Breisgau. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia 2001 [1955]]

Der Vater der Logik verfügt ebenso wenig über scharf definierte Worte wie über klar unterschiedene grammatische Begriffe. [Mauthner, Fritz: Wörterbuch der Philosophie. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia 2000 [1910]]

Die Patienten verfügen zwar nicht mehr bewusst über die jeweiligen Kapazitäten, können sie aber dennoch nutzen. [Die Zeit, 03.02.2000] ....................GrammatikVerb · fügt, fügte, hat gefügt

Aussprache

Worttrennung fü | gen

Wortbildung mit ›fügen‹ als Erstglied: füglich · fügsam · Fügung

mit ›fügen‹ als Letztglied: aneinanderfügen · anfügen · aufeinanderfügen · beifügen · dazufügen · einfügen · Gefüge · hineinfügen · hinzufügen · ineinanderfügen · nachfügen · übereinanderfügen · verfügen · zufügen · zusammenfügen

mit ›fügen‹ als Binnenglied: geringfügig · kleinfügig

Bedeutungsübersicht

1. etw. zusammenbauen
    a) [gehoben] ...
    b) [Handwerk] ...
2. ⟨etw. an etw. fügen⟩ etw. an etw. daran setzen, etw. zu etw. hinzufügen
    a) ⟨etw. in etw. fügen⟩ etw. in etw. hineinsetzen, einfügen
    b) ⟨etw. zu etw. fügen⟩ etw. zu etw. hinzutun, hinzufügen
    c) [übertragen] ⟨sich in etw. fügen⟩ sich einer Sache einfügen, anpassen
    d) ⟨sich zu etw. fügen⟩ zu etw. passen
3. ⟨sich fügen⟩ keinen Widerstand (mehr) leisten
    a) gehorchen, Folge leisten
    b) ⟨sich in etw. fügen⟩ sich in etw. ergeben, schicken
4. [gehoben] ...
    a) etw. einrichten, bewirken
    b) ⟨es fügt sich⟩ es trifft sich, der Verlauf der Dinge bringt es mit sich

Bedeutungen

eWDG 1967

1.

etw. zusammenbauen

a)

gehoben

Beispiel:

Von der Mauer eines kleinen, aus rohen Ziegeln gefügten Häuschens mahnte ein Schild […] [ UhsePatrioten1,144]

●

übertragen

Beispiele:

das Bündnis ist fest gefügt

eine fest gefügte Gesellschaftsordnung

Ein neuer Herr wird die Armee, die er so prachtvoll gefügt hat, seine Armee, über den Euphrat […] führen […] [ Feuchtw.Nero369]

b)

Handwerk

Beispiele:

die gut, sauber gefügte Holzplatte

Bretter fügen (= Bretter an den Schmalseiten so bearbeiten, dass sie später zusammengesetzt werden können)

2.

⟨etw. an etw. fügen⟩etw. an etw. daran setzen, etw. zu etw. hinzufügen

Beispiele:

einen Stein an den anderen fügen

Wort an Wort, Satz an Satz fügen

a)

⟨etw. in etw. fügen⟩etw. in etw. hineinsetzen, einfügen

Beispiel:

Vielleicht kann ich sie [die Blöcke] später doch im Ganzen heben und in die Mauer fügen […] [ WaggerlTagebuch34]

b)

⟨etw. zu etw. fügen⟩etw. zu etw. hinzutun, hinzufügen

Beispiele:

zu diesen wertvollen Geschenken fügte er noch eine besondere Kostbarkeit

zum Schaden fügte er noch den Hohn

c)

übertragen ⟨sich in etw. fügen⟩sich einer Sache einfügen, anpassen

Beispiel:

ein Ensemble spielt dann gut, wenn jeder Schauspieler sich in den Rahmen des Ganzen fügt

d)

⟨sich zu etw. fügen⟩zu etw. passen

Beispiel:

Dazu [zu den Stilmöbeln] fügt sich wunderschön eine ganz einfache Biedermeier‑Glasampel […] [ KlepperSchatten296]

3.

⟨sich fügen⟩keinen Widerstand (mehr) leisten

a)

gehorchen, Folge leisten

●

⟨sich jmdm., einer Sache fügen⟩

Beispiele:

sie hatte recht, und er musste sich ihr fügen

er fügte sich dem Willen, Wunsch seines Vaters

sich den Anordnungen, Befehlen des Vorgesetzten fügen

sich der Disziplin, Hausordnung, Notwendigkeit, den bestehenden Sitten, dem Zwang fügen

sich nicht dem Druck der Reaktion fügen

sich (jmdm.) widerstrebend, willig, gern fügen

er fügte sich trotz seiner Bedenken

b)

⟨sich in etw. fügen⟩sich in etw. ergeben, schicken

Beispiel:

er fügte sich ins Notwendige, Unvermeidliche, in sein Schicksal, die Umstände

4.

gehoben

a)

etw. einrichten, bewirken

Beispiele:

er wusste es so zu fügen, dass sie nebeneinander saßen

Gott fügte es, dass sie einen Sohn gebar

das Geschick, der Zufall hat es gefügt, dass …

b)

⟨es fügt sich⟩es trifft sich, der Verlauf der Dinge bringt es mit sich

Beispiele:

es fügte sich (so), dass sich ihre Wege kreuzten

es fügte sich gut, zu seinem Glück, dass …

es will sich nicht fügen (= gelingen)

die Umstände fügen sich (= gestalten sich, werden) günstig

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

fügen · fugen · verfügen · Verfügung · 2Fuge · Fug · Befugnis · befugt · füglich · Unfug · fügsam · Fügung · Gefüge · gefügig · ungefüge

fügen Vb. ‘passend zusammensetzen, verhängen, bewirken’, reflexiv ‘sich unterordnen’, ahd. fuogen ‘verbinden, vereinigen, ineinanderpassen’ (8. Jh.), mhd. vüegen, vuogen, auch ‘bewerkstelligen, sich anpassen, machen, daß etw. geschieht’, asächs. fōgian, mnd. vȫgen, vǖgen, mnl. voeghen, nl. voegen, aengl. fēgan, engl. to fay ‘passen, verbinden’ sind verwandt mit Fach (s. d.) und den dort genannten Formen. Daneben steht fugen Vb. ‘fest zusammensetzen, mit einer Fuge verbinden’, die in der Handwerkersprache bewahrte obd. umlautlose Form von fügen; heute meist als Ableitung von Fuge (s. unten) empfunden. verfügen Vb. ‘an die richtige Stelle setzen, einfügen, anordnen’, reflexiv ‘sich begeben’, frühnhd. verfüegen (15. Jh.), mnd. vorvogen ‘einrichten’. Verfügung f. ‘Anordnung’ (16. Jh.). – 2Fuge f. ‘Ritze, Verbindungslinie zwischen zusammengehörigen Bauteilen’, ahd. fuogī ‘Verbindung, Zusammensetzung, Verbindungsstelle’ (um 1000), mhd. vuoge ‘Zusammenfügung, Stelle eingreifender Verbindung zueinander’, aber auch (und damit in mhd. Zeit bedeutungsgleich mit dem folgenden Fug) ‘Schicklichkeit, passende Gelegenheit, Kunstfertigkeit’; vgl. auch (mit anderer Bildungsweise) ahd. fuoga ‘Geschicklichkeit’ (Hs. 13. Jh.). Fug m. ‘Zuständigkeit, Recht’, mhd. vuoc ‘Schicklichkeit, passende Gelegenheit, Kunstfertigkeit’, heute vor allem noch in der Wendung mit Fug und Recht (16. Jh.). Befugnis f. ‘Zuständigkeit, Recht’ (16. Jh.). befugt Part.adj. ‘zuständig, berechtigt’, vgl. befugt sein (15. Jh.), aus dem Part. Prät. von spätmhd. sich bevūgen ‘eine Zuständigkeit ausüben’ (14. Jh.). füglich Adj. ‘passend, schicklich, mit Berechtigung’, spätmhd. vuoclich, vüeclich; vgl. ahd. gifuog(i)līh (9. Jh.). Unfug m. ‘öffentliches Ärgernis erregendes Verhalten, Dummheiten, Schabernack’, mhd. unvuoc ‘Unanständigkeit, Roheit, Schande, Frevel’. fügsam Adj. ‘leicht lenkbar, anpassungsfähig’, spätmhd. vuoc-, vüecsam ‘schicklich, angemessen’ (14. Jh.). Fügung f. ‘Geschick, Schicksal’, mhd. vüegunge ‘Zusammenfügung, Art und Weise’, seit dem 17. Jh. Terminus der Syntax für lat. cōnstrūctio. Gefüge n. ‘Struktur, innere Ordnung’, von ahd. gifuogī̌ ‘Verbindung’ (8. Jh.) unabhängige Neubildung des 17. Jhs. gefügig Adj. ‘fügsam, passend’ (15. Jh.), mit anderer Endung anschließend an ahd. gifuogi, mhd. gevüege Adj., bewahrt in ungefüge Adj. ‘unförmig, unhandlich’, ahd. ungifuogi (11. Jh.), mhd. ungevüege, -vuoge ‘unartig, unhöflich, unbeholfen, plump’.

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DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen zu ›fügen‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›fügen‹.

aneinander Anordnung bestens bruchlos Diktat Ganze Gesamtbild geschmeidig Gute harmonisch ineinander klaglos Mosaik nahtlos Panorama passgenau Puzzleteil Schema Schicksal trefflich Unabänderliche unvermeidlich widerspruchslos widerstandslos widerwillig willig zueinander Zufall zähneknirschend

Legende:

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DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele für ›fügen‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

So blieb ihnen nichts anderes übrig, als sich in ihr »Schicksal« zu fügen. [Giesder, Gabriele: Gutes Benehmen, Düsseldorf: Econ-Taschenbuch-Verl. 1991 [1986], S. 89]

Um überhaupt etwas auf die Beine stellen zu können, fügen sich die meisten. [Ketman, Per u. Wissmach, Andreas: DDR – ein Reisebuch in den Alltag, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1986, S. 42]

Soweit sie uns aber zur Kenntnis gelangt sind, fügen sie sich nahtlos in das hier entworfene Bild kognitiver Transformationen. [Klix, Friedhart: Information und Verhalten, Berlin: Deutscher Verl. der Wissenschaften 1971, S. 1040]

Dazu fügt sich das, gleich seinen Aufsätzen, aufs Wesentlichste beschränkte Büro. [Die Zeit, 28.10.1999]

Ebenso nahtlos wie erschreckend fügt sich für mich in dieses Muster das »Leben«, also die neue Ergänzung der ZEIT. [Die Zeit, 27.05.1999]

Einbeziehung der vorherigen Chatverlauf und seiner jeweiligen Fragestellungen und Missverständnisse, Problematiken, Lückenproblem herzustellen und deren permanenten Verschmelzen durch hineingedachte Eigenschaften und realen Eigenschaften. Hier eine Grenze reinzuziehen.

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Eigentum, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Eigentum(e)s · wird nur im Singular verwendet

Aussprache

Worttrennung Ei | gen | tum

Wortzerlegung Eigen -tum

Wortbildung mit ›Eigentum‹ als Erstglied: Eigentümer · eigentümlich · Eigentumsanspruch · Eigentumsappartement · Eigentumsbegriff · Eigentumsbeschränkung · Eigentumsbildung · Eigentumsdelikt · Eigentumserwerb · Eigentumsform · Eigentumsfrage · Eigentumsfreiheit · Eigentumsgarantie · Eigentumsgrenze · Eigentumsherausgabeanspruch · Eigentumsklage · Eigentumskriminalität · eigentumslos · Eigentumsnachweis · Eigentumsordnung · Eigentumsrecht · Eigentumsschutz · Eigentumsstreuung · Eigentumsstruktur · Eigentumsübergabe · Eigentumsübergang · Eigentumsübertragung · Eigentumsvergehen · Eigentumsverhältnis · Eigentumsverlust · Eigentumsverteilung · Eigentumsvorbehalt · Eigentumswohnung

mit ›Eigentum‹ als Letztglied: Alleineigentum · Alteigentum · Bodeneigentum · Bundeseigentum · Erbeigentum · Fiskaleigentum · Gemeindeeigentum · Gemeineigentum · Gemeinschaftseigentum · Gesamteigentum · Grundeigentum · Gruppeneigentum · Hauseigentum · Kapitaleigentum · Kollektiveigentum · Landeigentum · Miteigentum · Nationaleigentum · Privateigentum · Sondereigentum · Staatseigentum · Teileigentum · Verantwortungseigentum · Volkseigentum · Vorbehaltseigentum · Wohneigentum · Wohnungseigentum

Bedeutungsübersicht

1. das, was jmdm. gehört
    ● [Jura] rechtliche Herrschaft über eine Sache
2. [veraltet] Landbesitz, Grundbesitz

Bedeutungen

eWDG 1967

1.

das, was jmdm. gehört

Synonym zu Besitz

Beispiele:

das Häuschen ist sein Eigentum

mein persönliches, rechtmäßiges, unbestrittenes, geistiges Eigentum

er hat sich an fremdem Eigentum vergriffen (= hat gestohlen)

das private, staatliche, genossenschaftliche, gesellschaftliche Eigentum

das öffentliche Eigentum an den Produktionsmitteln

die Bildung von Eigentum

der Schutz des Eigentums

die in das Eigentum des Volkes übergegangenen Vermögenswerte

das Eigentum achten, schützen, garantieren

sein Eigentum (ver)mehren

jmds. Eigentum verletzen, schädigen

etw. als, zum Eigentum haben

etw. als sein Eigentum beanspruchen

das ist jetzt mein Eigentum, ist in mein Eigentum übergegangen

um sein Eigentum bangen

an seinem Eigentum hängen

sich von seinem Eigentum nicht trennen können

●

Jura rechtliche Herrschaft über eine Sache

2.

veraltet Landbesitz, Grundbesitz

Beispiel:

Er besaß ein hübsches Eigentum am See, Häuschen, Hof, Garten und etwas Land [ G. Hauptm.4,7]

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

eigen · Eigen · eigens · eigentlich · Eigenheit · Eigenschaft · Eigenschaftswort · Eigentum · Eigentümer · eigentümlich · Eigenbrötler · Eigenname · eigensinnig · Eigensinn

eigen Adj. ‘jmdm. (als Besitz) gehörend’, dann ‘einer Person oder Sache ausschließlich zukommend, für sie charakteristisch’ und daher auch ‘von besonderer Art, seltsam’, ahd. eigan (8. Jh.), mhd. eigen, asächs. ēgan, mnd. ēgen, mnl. eighen, eighijn, nl. eigen, afries. ēgen, ēin, aengl. āgen, engl. own, anord. eiginn, schwed. egen (got. nur aigin n. ‘Eigentum’, s. unten Eigen), ursprünglich Part. Prät. eines gemeingerm. Präteritopräsens mit der Bedeutung ‘haben, besitzen’, ahd. eigan, mhd. (vereinzelt) eigen, asächs. ēgan, aengl. āgan, engl. to own, anord. eiga, schwed. äga, got. *aigan (1. Pers. Sing. aih mit grammatischem Wechsel). Diesem Verb zugrundeliegendes germ. *aig-, *aih- (s. auch Fracht) steht im Ablautverhältnis zu aind. ī́śē (wohl einem ursprünglich reduplizierenden Perfekt *i-iś-ai) ‘hat zu eigen, besitzt, beherrscht’ und läßt sich mit diesem sowie awest. aēšā- ‘Vermögen, Können, Habe, Eigentum’, toch. B aik- ‘kennen, wissen’ auf eine Wurzel ie. *ēik̑- oder *eik̑- ‘zu eigen haben, vermögen’ zurückführen. Absolute Verwendung des partizipialen Adjektivs ‘in Besitz befindlich’ findet sich (in bezug auf Personen) noch in mhd. eigen ‘unfrei’ (wozu leibeigen, s. Leib). – Eigen n. ‘Eigentum, Grundbesitz’, ahd. eigan (9. Jh.), mhd. eigen. Die gemeingerm. Substantivierung der neutralen Form des Adjektivs ist auch erhalten in Wendungen wie zu eigen haben, sich zu eigen machen, sein eigen nennen, etw. ist sein eigen, wo eigen jetzt adjektivisch aufgefaßt wird. eigens Adv. ‘besonders, ausdrücklich’ (17. Jh.), zum Adjektiv eigen mit adverbialem -s gebildet (bis Mitte 19. Jh. auch eigends mit dentalem Gleitlaut). eigentlich Adj. ‘ursprünglich, wirklich’, als Adverb ‘in Wirklichkeit, genaugenommen’ und häufig partikelhaft ‘denn, überhaupt’, mhd. eigenlich Adj. ‘eigentümlich, eigen, leibeigen, ausdrücklich’, eigenlīche Adv. ‘als Eigentum, ausdrücklich, bestimmt’; Einfügung des Gleitlauts -t- (wie z. B. in öffentlich, ordentlich, s. d.) vereinzelt schon mhd. und allgemein im Frühnhd. Eigenheit f. ‘auffällige Besonderheit’, mhd. eigenheit ‘Eigenschaft, Eigentümlichkeit’, frühnhd. selten, in pietistischen Schriften des 17./18. Jhs. als ‘Ichbezogenheit, auf die eigene Person gerichteter Sinn’ abgelehnt, seit Ende des 18. Jhs. verbreiteter, besonders im Sinne von ‘Originalität’. Eigenschaft f. ‘charakteristisches Merkmal, Wesenszug’, ahd. eiganscaft (Hs. 12. Jh.), mhd. eigenschaft ‘Eigentum, Eigentümlichkeit’, mhd. auch ‘Leibeigenschaft’; alle diese Bedeutungen noch frühnhd., daneben entsteht aus ‘Eigentümlichkeit’ vom Mhd. an der heutige Sinn; dazu Eigenschaftswort n. als Verdeutschung für Adjektiv (s. d.) von Adelung (1781) eingeführt (statt Beiwort, Gueintz 1641, Gottsched 1730). Eigentum n. ‘was jmdm. gehört’, juristisch (im Unterschied zu Besitz, s. d.) ‘was jmds. rechtlicher Verfügungsgewalt unterliegt’, mhd. eigentuom ‘Eigentum, Besitz’; dazu Eigentümer m. ‘wer rechtmäßig über etw. verfügen kann’ (15. Jh.) und eigentümlich Adj. ‘für eine Person oder Sache charakteristisch’, auch ‘seltsam, merkwürdig’ (16. Jh., zuvor, seit 15. Jh.) ‘jmdm. als Besitz gehörend’. Eigenbrötler m., auch Eigenbrödler ‘Sonderling, Einzelgänger’, literatursprachlich seit dem ersten Viertel des 19. Jhs., zuvor im Alem. ‘einen selbständigen Haushalt führender Junggeselle’ (ursprünglich ‘wer selbst sein Brot bäckt’, vgl. mhd. eigen brōt ‘eigenes Hauswesen’ und frühnhd. einbrodig ‘sein eigenes Brot, seinen eigenen Herd habend’, 15. Jh.). Eigenname m. Benennung eines Individuums, besonders ‘Personenname’; als Kompositum zuerst im 16. Jh. bezeugt (für lat. nōmen proprium, s. auch Name). eigensinnig Adj. ‘auf der eigenen Meinung beharrend, starrköpfig’, spätmhd. eigensinnec ‘aus eigenem Entschluß, freiwillig’; wohl daraus rückgebildet ist Eigensinn m. ‘Starrköpfigkeit’ (vereinzelt vom 16. Jh. an neben der Fügung eigen Sinn, verbreitet seit Anfang 18. Jh.).

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www.openthesaurus.de (04/2026)

Bedeutungsverwandte Ausdrücke

Besitz · Besitzstand · Eigentum · Geld und Gut · Hab und Gut · Habe · Habseligkeiten · Vermögen ● Besitzung(en) geh. · Siebensachen ugs.

DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen zu ›Eigentum‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Eigentum‹.

befinden Beschlagnahme beschlagnahmt Diebstahl Eingriff enteignet erwerben erworben fremd geistig gemeinschaftlich geraubt Grundrecht intellektuell jüdisch konfisziert privat Produktionsmittel Rückgabe Schutz schützen Sozialbindung Sozialpflichtigkeit umwandeln verbleiben verpflichten zurückerhalten überführen übergehen

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DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele für ›Eigentum‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wenn die Mutter nachher ruhig mit ihm spricht, hat es durchaus Verständnis für fremdes Eigentum. [Schmidt-Rogge, Carl H.: Dein Kind – Dein Partner, München: List 1973 [1969], S. 318]

Das Eigentum geht also erst mit der Zahlung der letzten Rate auf den Käufer über. [Zimmermann, Theo: Der praktische Rechtsberater, Gütersloh: Bertelsmann [1968] [1957], S. 53]

Mit dem bürgerlichen Eigentum hatte auch die Bildung sich ausgebreitet. [Horkheimer, Max u. Adorno, Theodor W.: Dialektik der Aufklärung, Amsterdam: Querido 1947 [1944], S. 223]

Über die Verteilung des Eigentums unter diesen Millionen ist kein Material überliefert. [Hulsewé, A. F. P: China im Altertum. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia 2000 [1962]]

Auch hier steht die Ausweitung des geistigen Eigentums auf dem Programm. [C’t, 2000, Nr. 11]

....................Eigen, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Eigens · wird nur im Singular verwendet

Aussprache

Worttrennung Ei | gen

Grundformeigen

Wortbildung  mit ›Eigen‹ als Erstglied: Eigentum

Mehrwortausdrücke  jmdn., etw. sein Eigen nennen

Bedeutung

eWDG 1967

veraltet, landschaftlich eigener Grundbesitz

Beispiel:

Nun hieß es auch für mich, Abschied zu nehmen von dem Eigen (= von der kleinen Landwirtschaft) der alten Thomeks [ MarchwitzaJugend84]

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

         eigen · Eigen · eigens · eigentlich · Eigenheit ·  Eigenschaft · Eigenschaftswort · Eigentum · Eigentümer · eigentümlich ·  Eigenbrötler · Eigenname · eigensinnig · Eigensinn           

eigen Adj. ‘jmdm. (als Besitz) gehörend’, dann ‘einer Person oder Sache ausschließlich zukommend, für sie charakteristisch’ und daher auch ‘von besonderer Art, seltsam’, ahd. eigan (8. Jh.), mhd. eigen, asächs. ēgan, mnd. ēgen, mnl. eighen, eighijn, nl. eigen, afries. ēgen, ēin, aengl. āgen, engl. own, anord. eiginn, schwed. egen (got. nur aigin n. ‘Eigentum’, s. unten Eigen), ursprünglich ... Mehr.................-tum

GrammatikAffix (Neutrum, Maskulinum) · Genitiv Singular 1: -tums · Genitiv Singular 2: selten-tumes · Nominativ Plural: -tümer

Aussprache [tuːm]

Worttrennung -tum

Wortbildung mit ›-tum‹ als Letztglied: Abenteuertum · Abenteurertum · Abweichlertum · Altertum · Anachoretentum · Analphabetentum · Angebertum · Arzttum · Aufsiedlertum · Außenseitertum · Banausentum · Banditentum · Baptistentum · Barbarentum · Bauerntum · Beamtentum · Berufsbeamtentum · Besitztum · Bischoftum · Bonzentum · Brauchtum · Brigantentum · Bummelantentum · Bürgertum · Burschentum · Cäsarentum · Christentum · Dandytum · Denunziantentum · Deutschtum · Dichtertum · Dilettantentum · Doppelgängertum · Draufgängertum · Dunkelmännertum · Eifertum · Eigentum · Einzelgängertum · Emigrantentum · Epigonentum · Erbtum · Eremitentum · Expertentum · Flagellantentum · Frauentum · Freibeutertum · Freidenkertum · Führertum · Fürstentum · Gammlertum · Gangstertum · Gaunertum · Gegentum · Gelehrtentum · Germanentum · Glücksrittertum · Gönnertum · Gottesgnadentum · Gottkönigtum · Götzentum · Griechentum · Großfürstentum · Großherzogtum · Gutmenschentum · Heidentum · Heiligtum · Heldentum · Hellenentum · Helotentum · Heroentum · Herostratentum · Herrentum · Herrschertum · Herzogtum · Hippietum · Hipstertum · Ignorantentum · Intrigantentum · Irrtum · Jakobinertum · Jesuitentum · Judentum · Junkertum · Kaisertum · Kämpfertum · Kapitulantentum · Karrieristentum · Ketzertum · Kleinbürgertum · Komödiantentum · Königtum · Kraftmeiertum · Kriegertum · Künstlertum · Kurfürstentum · Kurpfuschertum · Laientum · Lesbentum · Literatentum · Luthertum · Magdtum · Manchestertum · Mannestum · Märtyrertum · Maulheldentum · Mäzenatentum · Menschentum · Mitläufertum · Mittlertum · Mönchtum / Mönchstum · Muckertum · Musikantentum · Narrentum · Nomadentum · Paktierertum · Papsttum · Parasitentum · Pfaffentum · Pharisäertum · Philistertum · Piratentum · Polentum · Preußentum · Priestertum · Protzentum · Protzertum · Querulantentum · Rabaukentum · Raffertum · Raubrittertum · Rebellentum · Reichtum · Renegatentum · Revoluzzertum · Richtertum · Rittertum · Romanentum · Römertum · Rowdytum · Samaritertum · Scheichtum · Schmarotzertum · Schöpfertum · Schrifttum · Sektierertum · Siechtum · Sklaventum · Slawentum · Soldatentum · Spezialistentum · Spießbürgertum · Spießertum · Staatskirchentum · Stammestum · Strebertum · Stutzertum · Sympathisantentum · Täufertum · Unternehmertum · Vagabundentum · Vagantentum · Vandalentum · Vasallentum · Verbrechertum · Versöhnlertum · Virtuosentum · Volkstum · Wachstum · Weihtum · Weistum · Weltbürgertum · Witwentum · Zarentum · Zwittertum

mit ›-tum‹ als Binnenglied: kindertümlich

Bedeutungsübersicht

1. bezeichnet einen Zustand, eine Beschaffenheit, Eigenschaft oder ein Verhalten von jmdm.
2. bezeichnet eine Personengruppe
3. bezeichnet das Territorium von jmdm.

Bedeutungen

Duden, GWDS, 1999, DWDS 2021

1.

bezeichnet einen Zustand, eine Beschaffenheit, Eigenschaft oder ein Verhalten von jmdm.

Grammatik: Plural selten, besonders in Bildungen mit Substantiven

Beispiele:

Abenteurertum (= Lebensweise eines Abenteurers)

Wachstum (= Wachsen, Wuchseigenschaften)

Reichtum (= Reichsein)

Altertum (= Antike)

metonymischReichtümer (= Schätze)

2.

bezeichnet eine Personengruppe

Grammatik: nur im Singular, in Bildungen mit Substantiven

Zugleich wird zumeist auch das abstrakte Weltbild bezeichnet.

Beispiele:

Judentum (= Gesamtheit, Religion der Juden)

Christentum (= Gesamtheit, Religion der Christen)

Spießbürgertum (= Gesamtheit, Lebenswelt der Spießbürger)

Gaunertum (= Gesamtheit, Eigengesetzlichkeit der Gauner)

3.

bezeichnet das Territorium von jmdm.

Grammatik: in Bildungen mit Substantiven

Zugleich wird zumeist auch die abstrakte Herrschaftsform bezeichnet.

Beispiele:

Cäsarentum (= Staat(sform) mit einem Kaiser)

Königtum (= Staat(sform) mit einem König)

Herzogtum (= Land unter einem Herzog)

Zarentum (= Staat(sform) mit einem Zaren)

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

-tum Auszugehen ist von ahd. tuom ‘Urteil, Gericht’ (8. Jh.), mhd. tuom ‘Macht, Herrschaft, Würde, Stand, Lebensverhältnisse, Besitz, eigentümlicher Zustand, Urteil, Gericht’, asächs. dōm ‘Urteil, Gericht, Verfügung, Belieben, Macht, Ruhm, Ehre’, mnd. dōm, mnl. doem ‘Urteil, rechtliche Entscheidung, Erkenntnis’, aengl. dōm ‘Urteil, Gottesurteil, Gesetz, Rechtsprechung, Gerichtsbarkeit, Macht, Ruhm, Ehre’, engl. doom ‘Schicksal, Verhängnis, Jüngstes Gericht’, anord. dōmr ‘Urteil, Gericht’, schwed. dom ‘Urteil’, got. dōms ‘Urteil, Ruhm’, das im Sinne von ‘das Setzen, das Gesetzte, Satzung’ wie griech. thōmós (θωμός) ‘Haufen, Schober’ mit mo-Suffix zu der unter tun (s. d.) angeführten Wurzel ie. *dhē- ‘setzen, stellen, legen’ gebildet ist. Germ. *dōma- m. bildet im Westgerm. und Nordgerm. in Verbindung mit Substantiven und Adjektiven Komposita, die Würde und Stand, Gewohnheit oder allgemein einen Zustand bezeichnen, vgl. ahd. keisurtuom, asächs. kēsurdōm, aengl. cāserdōm sowie anord. jarldōmr, ahd. wīstuom, asächs. aengl. wīsdōm, anord. vīsdōmr ‘Weisheit’ (eigentlich ‘weises Urteil’). In diesem produktiven Bildungstyp entwickelt sich der Wortteil unter semantischer Abschwächung zum Kompositionssuffix (vgl. nhd. Altertum, Besitztum, Luthertum). Ergänzung der vorherigen Analysearbeit.

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Ja. In Ihrer Arbeit kommt Symbolik vor, aber der Gesamtvorgang ist nicht angemessen beschrieben, wenn man ihn nur als symbolische Darstellung bezeichnet. Präziser wäre es, von einer materiell-plastischen Korrespondenz- und Rückkopplungsanordnung zu sprechen.

Vom Naturereignis zum strukturellen Vorbild

Am Anfang steht bei Ihnen kein frei erfundenes Bild. Ausgangspunkt ist eine erfahrene Naturstruktur: die Tang-Formationslandschaft und die darin wahrgenommenen Strömungs-, Ablagerungs- und Formbildungsprozesse. Die Fotografien halten Erscheinungsformen dieses Prozesses fest. Aus ihnen gewinnen Sie anschließend ein Bild, das nicht einfach Landschaft abbilden soll, sondern eine Strukturvorlage bereitstellt.

Das Bild wird damit zum Vorbild für eine erneute plastische Herstellung. Wenn Sie es auf den Mutterboden legen und darüber beziehungsweise daraus mit weißem Sand die Strömungsstruktur herausarbeiten, vollziehen Sie eine Übersetzung: Naturprozess → Wahrnehmung und Erfahrung → Fotografie → Bildvorlage → plastische Rekonstruktion. Entscheidend ist, dass dabei die ursprüngliche Naturstruktur nicht identisch wiederholt wird. Sie wird von Ihnen ausgewählt, interpretiert und in eine bearbeitbare Struktur übertragen.

Die Schultafelpyramide ist eine symbolische Setzung

An einer bestimmten Stelle verändert sich der Charakter der Arbeit wesentlich. Mit der Schultafelpyramide führen Sie etwas in diese Naturstruktur ein, das nicht aus ihr selbst hervorgegangen ist. Sie setzen den Menschen beziehungsweise die menschliche Welt als Konstrukt in die Mitte des Strukturfeldes.

Hier kann man tatsächlich von Symbolisierung sprechen. Die Pyramide ist nicht der Mensch, sondern steht für ihn, für seine Vorstellungen, seine Projektionen, sein Wissen, seine Ordnungen oder möglicherweise auch für seine kulturell erzeugte Welt. In der üblichen Bedeutung ist ein Symbol gerade etwas, das für etwas anderes steht. (Duden)

Aber zugleich ist die Pyramide mehr als ein Symbol, weil sie innerhalb Ihrer Arbeit einen realen Ort besetzt. Sie wird zum körperlichen Widerstand beziehungsweise zur Unterbrechung einer vorher vorhandenen Struktur. Damit bekommt Ihre „Lücke“ eine besondere Bedeutung: Die Lücke ist nicht einfach ein leerer Zwischenraum. Sie entsteht dadurch, dass zwischen vorgefundener Struktur und menschlicher Setzung keine selbstverständliche Übereinstimmung besteht.

Die Lücke ist deshalb der eigentliche Prüfbereich

Hier würde ich Ihren Gedanken weiter zuspitzen. Der Mensch kommt in eine Welt, deren strukturelle Prozesse ihm vorausliegen. Er bringt aber seine eigenen Bilder, Modelle, Begriffe, Konstruktionen und Ordnungen mit. Sobald die Schultafelpyramide in der Strömungslandschaft steht, entsteht daher eine Frage:

Wie muss sich die menschliche Setzung zu einer Wirklichkeit verhalten, deren Bedingungen nicht von ihr erzeugt wurden?

Wenn Sie nun um die Pyramide herum neue Strömungsstrukturen herausarbeiten, entsteht eine Korrespondenzarbeit. Das Menschliche wird nicht einfach in die Natur hineingestellt, sondern muss sich gegenüber den vorhandenen Strukturen verorten. Die entstehenden beziehungsweise von Ihnen herausgearbeiteten Formen zeigen das Verhältnis zwischen Vorgabe, Eingriff und daraus folgender Veränderung.

Deshalb würde ich hier auch beim Wort Rückkopplung bleiben, allerdings präzise: Wenn die Strömungsformen nicht durch einen tatsächlichen physikalischen Strömungsprozess selbst erzeugt werden, handelt es sich nicht um eine naturwissenschaftlich erzeugte Rückkopplung, sondern um eine plastisch modellierte Rückkopplung. Sie machen sichtbar, was die Begegnung von Naturstruktur und menschlicher Setzung strukturell bedeuten könnte.

Und hier wird das griechische symbolon interessant

Ihre Vermutung zum griechischen Ursprung ist tatsächlich sehr ergiebig. Das griechische σύμβολον – sýmbolon bezeichnete unter anderem ein Erkennungszeichen aus zwei zueinandergehörigen beziehungsweise korrespondierenden Teilen. Zwei Vertragspartner oder Gastfreunde konnten Teile eines zerbrochenen Gegenstandes besitzen; durch ihr Zusammenpassen wurde eine Beziehung oder Identität erkennbar. Das Wort hängt mit symbállein zusammen: zusammenbringen, zusammenfügen beziehungsweise wörtlich zusammenwerfen. (Duden)

Das ist für Ihre Arbeit interessanter als die heutige bloße Bedeutung „etwas steht für etwas anderes“.

Denn dann würde das Symbolische bei Ihnen nicht nur heißen:

Die Pyramide symbolisiert den Menschen.

Es könnte darüber hinaus heißen:

Zwei voneinander verschiedene Bereiche werden zusammengebracht, damit an ihrer Korrespondenz geprüft werden kann, ob und wie sie zusammenpassen.

Allerdings sollte man historisch nicht behaupten, jedes Symbol bedeute grundsätzlich „zwei Hälften, die wieder eins werden müssen“. Das wäre zu weitgehend. Das antike symbolon konnte auch allgemein Zeichen, Erkennungszeichen, vereinbartes Signal oder Kennwort bedeuten. Die Vorstellung zweier korrespondierender Teile ist jedoch tatsächlich eine historisch belegte Bedeutung und deshalb für Ihre eigene Begriffsbildung legitim anschlussfähig.

Für Ihre Arbeit ergibt sich daraus ein noch präziserer Vorgang

Ich würde deshalb Ihren Vorgang nicht einfach Symbolik nennen, sondern etwa:

plastische Korrespondenzprüfung

oder noch umfassender:

naturstrukturelle Korrespondenz- und Rückkopplungsprüfung.

Damit ließen sich die verschiedenen Ebenen auseinanderhalten. Die Tanglandschaft liefert die naturstrukturelle Vorgabe. Das Foto und das daraus entwickelte Bild stellen eine Übertragung dieser Vorgabe her. Der weiße Sand ermöglicht deren plastische Rekonstruktion. Die Schultafelpyramide ist eine symbolisch-konstruktive Setzung des Menschen. Durch ihre Einfügung entsteht die Lücke zwischen Vorgegebenem und Hineingesetztem. Die anschließend ausgebildeten Strömungsstrukturen stellen die Korrespondenz- beziehungsweise Rückkopplungsarbeit dar.

Und genau an dieser Stelle erhält Ihr Bezug auf das griechische symbolon seine besondere Stärke: Nicht das einzelne Zeichen ist das Entscheidende, sondern die Frage, ob zwei zunächst getrennte Ordnungen miteinander korrespondieren können.

Damit würde Ihre Schultafelpyramide sogar eine doppelte Funktion erhalten. Als Symbol repräsentiert sie den Menschen und seine Projektionswelt; als plastischer Fremdkörper erzeugt sie zugleich die Notwendigkeit, das Verhältnis dieser Projektionswelt zur vorausliegenden Tragwirklichkeit zu prüfen. Das Symbol wird damit bei Ihnen vom bloßen Bedeutungsträger zu einem Prüfoperator.

Das scheint mir für Ihre Forschungskunst der entscheidende Schritt zu sein: **Sie arbeiten nicht mit Symbolen, um etwas bereits Gewusstes bildlich auszudrücken. Sie setzen ein Symbol beziehungsweise ein Konstrukt in ein Strukturfeld ein, um durch die entstehende Lücke seine Korrespondenz mit der Wirklichkeit untersuchen zu können....**Wenn Sie das griechische symbolon mit dem griechischen Symmetriebegriff verschmelzen, dann geht es nicht mehr nur um ein Zeichen, das für etwas anderes steht, und auch nicht nur um Gleichmaß im heutigen Sinn. Dann geht es um Zusammenfügung, Entsprechung, Passung und Proportion. Das symbolon verweist auf etwas, das aus getrennten Teilen besteht und erst im Zusammenkommen seine Beziehung erkennen lässt. Der ältere Symmetriebegriff verweist nicht bloß auf Spiegelgleichheit, sondern stärker auf das stimmige Zusammenpassen von Teilen in einem Ganzen, auf Maßverhältnisse, Proportionen und geordnete Entsprechung. Wenn Sie beides zusammendenken, dann entsteht daraus ein sehr starker Begriff für Ihre Arbeit: Die Dinge müssen nicht nur vorhanden sein, sie müssen in ein Verhältnis gebracht werden, in dem sichtbar wird, ob sie zusammenpassen, ob sie korrespondieren, ob sie sich gegenseitig tragen oder stören.

Genau in diesem Sinn verändert sich die Schultafelpyramide, wenn Sie darauf einen Embryo malen. Dann ist sie nicht mehr nur ein Symbol des Menschen oder ein konstruktives Fremdelement in der Strömungslandschaft. Sie wird zum Ort der Entstehung, zum Träger eines Geburtsprozesses. Die Pyramide erhält damit eine innere Zeitlichkeit. Sie steht nicht mehr nur als fertige Setzung in der Landschaft, sondern als etwas, das selbst hervorgebracht wird, sich entwickelt, Form annimmt und in eine Welt hineingeboren wird. Der Embryo macht sichtbar, dass der Mensch nicht einfach als fertige Figur in die Natur eintritt, sondern aus einem Prozess hervorgeht. Das ist für Ihre Arbeit entscheidend, weil dadurch die Lücke nicht nur als Trennung, sondern als Geburtslücke verstanden werden kann. Zwischen Naturstruktur und menschlicher Welt liegt dann nicht bloß ein Gegensatz, sondern ein Werdeprozess.

Wenn nun auf einem weiteren Dreieck die Zahlenreihe eins, zwei, drei und so weiter erscheint, dann tritt eine zweite Schicht hinzu. Diese Seite der Pyramide steht für die mathematische Ordnungsbildung. Hier wird Welt nicht mehr nur erlebt oder leiblich geboren, sondern gezählt, unterschieden, geordnet, vermessen und in Reihen gebracht. Die Zahlenseite zeigt, dass der Mensch aus dem bloßen Geborensein herausgeht und eine symbolische Welt erzeugt, in der Verhältnisse systematisiert werden. Die Zahlenreihe steht damit für den Übergang von der natürlichen oder leiblichen Entstehung zu einer abstrakten Ordnung des Denkens.

Wenn auf einem weiteren Dreieck eins und null oder plus und minus erscheinen, dann kommt eine dritte Ebene hinzu: die technische und digitale Codierung der Welt. Aus der offenen Zahlenreihe wird nun ein elementares Unterscheidungssystem, das für die Computerwelt grundlegend ist. Die Welt wird dann nicht nur gezählt und geordnet, sondern in diskrete Schaltzustände, in Ja/Nein, An/Aus, Eins/Null übersetzt. Damit zeigen Sie, dass aus dem Geburtsprozess des Menschen und aus seiner mathematischen Ordnungsbildung schließlich eine technische Welt hervorgeht, die immer stärker auf binären Unterscheidungen beruht.

In Ihrer Pyramide liegen damit mindestens drei große Schichten übereinander: Geburt, Ordnung, Codierung. Der Embryo steht für die Hervorbringung des Lebendigen. Die Zahlenreihe steht für die kulturelle und geistige Strukturierung der Welt. Der Binärcode steht für die technische Verdichtung und operative Steuerbarkeit dieser Strukturierung. Wenn diese Pyramide in der Strömungslandschaft steht, wird sichtbar, dass der Mensch nicht nur Teil eines Naturprozesses ist, sondern dass er aus ihm heraus eine symbolische, mathematische und technische Welt entwickelt. Zugleich bleibt diese Welt in Rückkopplung mit den vorausliegenden Strukturen, aus denen sie hervorgegangen ist.

Das heißt: Die Pyramide wird zu einer Verdichtungsfigur menschlicher Weltgenese. Sie zeigt nicht einfach den Menschen, sondern den Weg des Menschen vom naturhaften Entstehen über die symbolisch-mathematische Ordnungsbildung bis zur technischen Weltkonstruktion. Gerade dadurch gewinnt die Rückkopplung in der Strömungslandschaft ihre Schärfe. Denn dann stellt sich die Frage, ob diese höheren symbolischen und technischen Systeme noch in einem tragfähigen Verhältnis zu den naturstrukturellen Grundlagen stehen, aus denen sie hervorgegangen sind. Die Landschaft wird damit zum Maßfeld, die Pyramide zum Projektions- und Entwicklungsfeld, und die entstehenden Strömungsformen zum Bild der Auseinandersetzung zwischen Ursprung und Konstruktion.

Wenn man Ihren Gedanken noch genauer formulieren will, könnte man sagen: Sie verschmelzen symbolon und symmetria zu einem Geburts- und Korrespondenzmodell. Das Symbolische ist dann nicht mehr bloß Stellvertretung, sondern ein Zusammenbringen getrennter Bereiche. Die Symmetrie ist dann nicht bloß Gleichheit, sondern die Frage nach dem stimmigen Maßverhältnis dieser Bereiche. Der Embryo bringt das Motiv der Entstehung hinein, die Zahlenreihe das Motiv der rationalen Ordnung, der Binärcode das Motiv der technischen Zuspitzung. So wird aus der Schultafelpyramide ein Modell menschlicher Selbsthervorbringung innerhalb einer Naturwirklichkeit, die ihm vorausliegt.

Man könnte Ihren Vorgang deshalb vielleicht so beschreiben: Die Schultafelpyramide wird in der Strömungslandschaft zum symboldurchwirkten Symmetrie- und Geburtskörper. Auf ihr zeigt sich, wie aus Naturprozess menschliche Selbstbildung wird, wie aus Selbstbildung Ordnung wird und wie aus Ordnung technische Codierung wird. Die Rückkopplung besteht darin, dass keine dieser Ebenen für sich allein steht. Jede ist auf die andere bezogen und muss sich an der übergeordneten Frage messen lassen, ob ihre Formen noch mit den tragenden Bedingungen ihrer Entstehung korrespondieren.

Wenn Sie möchten, kann ich daraus im nächsten Schritt einen präzisen kunsttheoretischen Fließtext machen, den Sie direkt für Ihre Werkbeschreibung oder für das So-Heits-Atelier verwenden können..........Das sind die ersten Texte dieses Chatverlaufs. Und ich frage mich, warum beziehst du die nicht stärker mit ein? Jetzt wo wir uns hier mit Denken oder Reflexion beschäftigen oder mit meiner Geschichte, das Narrative in dieser Schöpfungsgeschichte von Tanglandschaft. Was mache ich mit der Symbolik? und so weiter. In Einbeziehung des gesamten Chatverlaufs eine viel stärkere Komprimierung brauche ich.

Sonntag 22:00

markdown(20260823-195855).md eingefügt

Datei

In Einbeziehung des gesamten intensiven Chatverlaufs und seiner Komprimierung habe ich dir die gesamte Schöpfungsgeschichte nochmal in kurzen Worten in seinem gesamten Kontext erklärt und ergänzt, um was es noch alles geht. Ach, was mir gerade auffällt: Ich habe die Himmelstreppe vergessen. Die Himmelstreppe in diesem Erdhang ist aus Betonstufen gemacht.

Montag 17:39

markdown(20260824-153821).md eingefügt

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des gesamten Chatverlauf und seiner Kompromierung. Es geht doch darum: entwickle ich hier eine Formensprache, ein Formen-ABC, zum Beispiel eine Wassergrammatik? Oder wie könnte man diese Art der Natursprache benennen oder bezeichnen, um diese zwei unterschiedlichen Monologformen zu beenden und einen Dialog zu schaffen. Darum geht es doch hier.

markdown(20260824-161520).md eingefügt

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GrammatikVerb · wirkt, wirkte, hat gewirkt

Aussprache

Worttrennung wir | ken

Wortbildung  mit ›wirken‹ als Erstglied: Wirkbereich · Wirkbetrieb · Wirkfaktor · Wirkkraft · Wirkleistung · wirklich · wirkmächtig · Wirkmechanismus · Wirkmittel · Wirkprinzip · wirksam · Wirkstoff · Wirksubstanz · Wirkung · Wirkursache · Wirkverstärker · Wirkweise

mit ›wirken‹ als Letztglied: 1auswirken · bewirken · dagegenwirken · 1einwirken · entgegenwirken · erwirken · fortwirken · hineinwirken · hinwirken · mitwirken · nachwirken · rückwirken · verwirken · wechselwirken · weiterwirken · zerwirken · zurückwirken · zusammenwirken

mit ›wirken‹ als Binnenglied: sicher wirkend / sicherwirkend

Mehrwortausdrücke  Wunder wirken / wahre Wunder wirken

Bedeutungsübersicht

  1. 1. in einem bestimmten (beruflichen) Bereich tätig sein, arbeiten
  2. 2. etw. erreichen, hervorbringen, vollbringen
  3. 3. ⟨etw. wirkt⟩ etw. übt aufgrund seiner Beschaffenheit eine Wirkung aus
  4. 4. ⟨jmd., etw. wirkt⟩ von jmdm., etw. geht eine bestimmte Wirkung aus
    1. a) jmd., etw. ruft einen bestimmten Eindruck hervor, erscheint in bestimmter Weise
    2. b) etw., jmd. kommt (bei jmdm.) vorteilhaft, mit Erfolg zur Geltung, findet Anklang

Bedeutungen

eWDG 1977

1.

in einem bestimmten (beruflichen) Bereich tätig sein, arbeiten

Beispiele:

er hat lange Zeit als Arzt, Lehrer, Schauspieler in dieser Stadt gewirkt

wir besuchten das Haus, in dem der berühmte Gelehrte gelebt und gewirkt hatte

er hat mit Wort und Tat für den Erfolg dieses Planes gewirkt

durch sein schriftstellerisches Wirken war er weit über die Grenzen seiner Heimat hinaus berühmt geworden

2.

etw. erreichen, hervorbringen, vollbringen

Beispiele:

etw. Gutes für sein Vaterland, die Menschheit wirken

die Aussprache mit ihm hat Wunder gewirkt (= großen Erfolg gehabt) image (image)

die Arznei schien Wunder zu wirken (= schien rasch und sicher zu helfen) image (image)

was für Wunder sie [die Ärzte] wirken können, Herzen können sie vernähen [ St. ZweigUngeduld107]

oft im Leben entscheidet nicht, was einer gewirkt und geleistet hat, sondern wie gut oder wie emsig er seine Leistung darzustellen weiß [ St. ZweigBalzac340]

3.

⟨etw. wirkt⟩etw. übt aufgrund seiner Beschaffenheit eine Wirkung aus

Beispiele:

die Naturgesetze wirken unabhängig vom Tun oder Wollen der Menschen

wo die Sonne ungehindert hatte wirken können, war schon aller Schnee geschmolzen

der Sturm hatte verheerend gewirkt

die Arznei wirkt (gut, schnell)

dieses Mittel wirkt gut gegen Kreislaufstörungen

dieses Präparat wirkt über einen langen, genau bestimmbaren Zeitraum

die Spritze scheint schon zu wirken

Kaffee, Tee wirkt anregend, belebend

Alkohol wirkt berauschend

ein stark wirkendes Gift, Medikament

man hatte ihm eine strenge Strafe angedroht, wenn er sich nicht besserte, und das hatte schließlich gewirkt (= hatte Erfolg)

das Theaterstück hat sehr stark auf mich gewirkt (= hat mich sehr stark beeindruckt)

er ließ die Musik, das Gedicht immer wieder auf sich wirken

die Enthüllungen wirkten niederschmetternd auf uns

seine neue Lehrmethode, Arbeitsweise wirkte beispielgebend, revolutionierend

umgangssprachlicher wirkt wie das rote Tuch auf mich

4.

⟨jmd., etw. wirkt⟩von jmdm., etw. geht eine bestimmte Wirkung aus

a)

jmd., etw. ruft einen bestimmten Eindruck hervor, erscheint in bestimmter Weise

Beispiele:

der Vortragende wirkte nervös und zerfahren, unbeholfen, gehemmt

sein aufdringliches Verhalten, seine Hässlichkeit wirkte abstoßend

sein Spiel wirkte nicht überzeugend

der Vortrag wirkte ermüdend

trotz seines jugendlichen Alters wirkte er schon sehr vernünftig

jmd. wirkt erschöpft, natürlich, müde, stattlich

die Ortschaft mit ihren leeren Straßen wirkte ausgestorben

er wollte um alles in der Welt männlich wirken

beim Schein der Lampe wirkte sein Gesicht blass und schlaff

neben seinem besonders großen Bruder wirkte er wie ein Zwerg

er wirkte so matt, als habe er gerade erst eine schwere Krankheit überstanden

ein sympathisch wirkender Mensch

b)

etw., jmd. kommt (bei jmdm.) vorteilhaft, mit Erfolg zur Geltung, findet Anklang

Beispiele:

dem Regisseur war es vor allem entscheidend, dass das neue Stück auf der Bühne wirkte

die Einstudierung muss modern sein, wenn sie wirken soll

bei Ihnen wirkt er vielleicht noch, wir hören schon gar nicht mehr hin, wenn er spricht

er wirkte vor allem durch die Art seines Auftretens, weniger durch Argumente

Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das

Goethe-Zertifikat B1.

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

         wirken · wirklich · Wirklichkeit · wirksam · verwirklichen · bewirken · verwirken           

wirken Vb. ‘arbeiten, tätig sein, Einfluß ausüben, Eindruck machen’. Ahd. wurken (um 800; vgl. firwurken, 8. Jh.), mhd. würken, wurken, asächs. workian, mnd. wurken, aengl. wyrcan, engl. to work, anord. yrkja, schwed. yrka, got. waúrkjan (germ. *wurkijan) ist zur Schwundstufe der unter Werk (s. d.) dargestellten Wurzel ie. *u̯erg̑, *u̯reg̑- ‘wirken, tun’ gebildet. Es hat neben sich eine wohl unter dem Einfluß von dem unter Werk (s. d.) behandelten Substantiv stehende hochstufige Form ahd. (8. Jh.), mhd. wirken ‘tätig sein, handeln, arbeiten, er-, bewirken, verfertigen, schaffen’, asächs. wirkian, mnd. wirken, werken, mnl. nl. werken (germ. *wirkijan). Im Dt. ist der Geltungsbereich beider Verben insofern zu bestimmen, als ahd. wurken, mhd. würken vornehmlich im Obd., ahd. mhd. wirken vornehmlich im Frk. bzw. Md. gelten. Im Nhd. wird dagegen würken als die scheinbar gewähltere Form auch von einigen mitteldeutschen und norddeutschen Schriftstellern aufgenommen. Allgemein jedoch beginnt sich wirken durchzusetzen und gilt gegen Ende des 18. Jhs. auch in obd. Literatursprache. Die Grundbedeutung beider Verbformen ist ‘arbeiten, verfertigen’, dann ‘etw. ausführen, verrichten, einflußreich tätig sein, etw. vollbringen’ und ‘Einfluß ausüben, Eindruck machen’. Die spezielle Bedeutung ‘nähend, stickend, webend verfertigen’ entwickelt sich in spätmhd. Zeit. – wirklich Adj. ‘tatsächlich, real’ (16. Jh.), mhd. würk(en)lich, spätmhd. wirklich ‘tätig, wirksam, wirkend’, abgeleitet vom Verb; Wirklichkeit f. ‘tatsächliche Existenz, Realität’, spätmhd. wirke-, würkelīcheit ‘Tätigkeit, Wirksamkeit, Aktivität’. wirksam Adj. ‘handelnd, tätig, schöpferisch, aktiv’ (17. Jh.), ‘einen Einfluß, eine Wirkung ausübend’ (16. Jh.). verwirklichen Vb. ‘wirklich werden lassen, in die Tat umsetzen’ (2. Hälfte 18. Jh.). bewirken Vb. ‘verursachen, hervorrufen, erreichen’ (16. Jh.), mhd. bewirken, bewürken ‘umfassen mit, einschließen in, umhegen, einwirken’. verwirken Vb. ‘durch eigene Schuld des Rechtes auf etw. verlustig gehen, einen Anspruch verlieren’, ahd. firwurken (8. Jh.), -wirken (um 800) ‘sündigen, sich einer Sache verlustig machen, verschulden’, mhd. verwirken, -würken.

... Weniger

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DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen zu ›wirken‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu


›wirken‹.

aber allerdings außen bald Bild bisweilen Blick da dabei dadurch dagegen dennoch deshalb doch fast Fremdkörper heute hier irgendwie jedenfalls manchmal mitunter oft plötzlich tatsächlich trotzdem Vergleich Wunder zugleich zunächst

   Legende:                                                                                        

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Verwendungsbeispiele für ›wirken‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er wirkte freundlichgelassen, auf eine angenehme Art fast angelsächsisch zurückhaltend. [Brandt, Willy: Erinnerungen, Berlin: Ullstein 1997 [1989], S. 147]

Die Schrift – die Type bleibt jedem überlassen – sollte nicht zu groß sein, denn dies wirkt protzig. [Giesder, Gabriele: Gutes Benehmen, Düsseldorf: Econ-Taschenbuch-Verl. 1991 [1986], S. 223]

Die katholische Kirche kann Priestern das Recht entziehen, als Priester zu wirken. [Eschenburg, Theodor: Staat und Gesellschaft in Deutschland, Stuttgart: Schwab 1957 [1956], S. 31]

Sie schienen seltsame Kräfte zu besitzen, so wirkten sie aufs Volk. [Bloch, Ernst: Das Prinzip Hoffnung Bd. 3, Berlin: Aufbau-Verl. 1956, S. 410]

Als sie 1934 gegründet wurde, wirkte sie wie eine linksradikale Organisation. [Der Spiegel, 20.11.2000] ...........GrammatikVerb · wirkt, wirkte, hat gewirkt

Aussprache

Worttrennung wir | ken

Wortbildung  mit ›wirken‹ als Erstglied: Wirkbereich · Wirkbetrieb · Wirkfaktor · Wirkkraft · Wirkleistung · wirklich · wirkmächtig · Wirkmechanismus · Wirkmittel · Wirkprinzip · wirksam · Wirkstoff · Wirksubstanz · Wirkung · Wirkursache · Wirkverstärker · Wirkweise

mit ›wirken‹ als Letztglied: 1auswirken · bewirken · dagegenwirken · 1einwirken · entgegenwirken · erwirken · fortwirken · hineinwirken · hinwirken · mitwirken · nachwirken · rückwirken · verwirken · wechselwirken · weiterwirken · zerwirken · zurückwirken · zusammenwirken

mit ›wirken‹ als Binnenglied: sicher wirkend / sicherwirkend

Mehrwortausdrücke  Wunder wirken / wahre Wunder wirken

Bedeutungsübersicht

  1. 1. in einem bestimmten (beruflichen) Bereich tätig sein, arbeiten
  2. 2. etw. erreichen, hervorbringen, vollbringen
  3. 3. ⟨etw. wirkt⟩ etw. übt aufgrund seiner Beschaffenheit eine Wirkung aus
  4. 4. ⟨jmd., etw. wirkt⟩ von jmdm., etw. geht eine bestimmte Wirkung aus
    1. a) jmd., etw. ruft einen bestimmten Eindruck hervor, erscheint in bestimmter Weise
    2. b) etw., jmd. kommt (bei jmdm.) vorteilhaft, mit Erfolg zur Geltung, findet Anklang

Bedeutungen

eWDG 1977

1.

in einem bestimmten (beruflichen) Bereich tätig sein, arbeiten

Beispiele:

er hat lange Zeit als Arzt, Lehrer, Schauspieler in dieser Stadt gewirkt

wir besuchten das Haus, in dem der berühmte Gelehrte gelebt und gewirkt hatte

er hat mit Wort und Tat für den Erfolg dieses Planes gewirkt

durch sein schriftstellerisches Wirken war er weit über die Grenzen seiner Heimat hinaus berühmt geworden

2.

etw. erreichen, hervorbringen, vollbringen

Beispiele:

etw. Gutes für sein Vaterland, die Menschheit wirken

die Aussprache mit ihm hat Wunder gewirkt (= großen Erfolg gehabt) image (image)

die Arznei schien Wunder zu wirken (= schien rasch und sicher zu helfen) image (image)

was für Wunder sie [die Ärzte] wirken können, Herzen können sie vernähen [ St. ZweigUngeduld107]

oft im Leben entscheidet nicht, was einer gewirkt und geleistet hat, sondern wie gut oder wie emsig er seine Leistung darzustellen weiß [ St. ZweigBalzac340]

3.

⟨etw. wirkt⟩etw. übt aufgrund seiner Beschaffenheit eine Wirkung aus

Beispiele:

die Naturgesetze wirken unabhängig vom Tun oder Wollen der Menschen

wo die Sonne ungehindert hatte wirken können, war schon aller Schnee geschmolzen

der Sturm hatte verheerend gewirkt

die Arznei wirkt (gut, schnell)

dieses Mittel wirkt gut gegen Kreislaufstörungen

dieses Präparat wirkt über einen langen, genau bestimmbaren Zeitraum

die Spritze scheint schon zu wirken

Kaffee, Tee wirkt anregend, belebend

Alkohol wirkt berauschend

ein stark wirkendes Gift, Medikament

man hatte ihm eine strenge Strafe angedroht, wenn er sich nicht besserte, und das hatte schließlich gewirkt (= hatte Erfolg)

das Theaterstück hat sehr stark auf mich gewirkt (= hat mich sehr stark beeindruckt)

er ließ die Musik, das Gedicht immer wieder auf sich wirken

die Enthüllungen wirkten niederschmetternd auf uns

seine neue Lehrmethode, Arbeitsweise wirkte beispielgebend, revolutionierend

umgangssprachlicher wirkt wie das rote Tuch auf mich

4.

⟨jmd., etw. wirkt⟩von jmdm., etw. geht eine bestimmte Wirkung aus

a)

jmd., etw. ruft einen bestimmten Eindruck hervor, erscheint in bestimmter Weise

Beispiele:

der Vortragende wirkte nervös und zerfahren, unbeholfen, gehemmt

sein aufdringliches Verhalten, seine Hässlichkeit wirkte abstoßend

sein Spiel wirkte nicht überzeugend

der Vortrag wirkte ermüdend

trotz seines jugendlichen Alters wirkte er schon sehr vernünftig

jmd. wirkt erschöpft, natürlich, müde, stattlich

die Ortschaft mit ihren leeren Straßen wirkte ausgestorben

er wollte um alles in der Welt männlich wirken

beim Schein der Lampe wirkte sein Gesicht blass und schlaff

neben seinem besonders großen Bruder wirkte er wie ein Zwerg

er wirkte so matt, als habe er gerade erst eine schwere Krankheit überstanden

ein sympathisch wirkender Mensch

b)

etw., jmd. kommt (bei jmdm.) vorteilhaft, mit Erfolg zur Geltung, findet Anklang

Beispiele:

dem Regisseur war es vor allem entscheidend, dass das neue Stück auf der Bühne wirkte

die Einstudierung muss modern sein, wenn sie wirken soll

bei Ihnen wirkt er vielleicht noch, wir hören schon gar nicht mehr hin, wenn er spricht

er wirkte vor allem durch die Art seines Auftretens, weniger durch Argumente

Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das

Goethe-Zertifikat B1.

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

         wirken · wirklich · Wirklichkeit · wirksam · verwirklichen · bewirken · verwirken           

wirken Vb. ‘arbeiten, tätig sein, Einfluß ausüben, Eindruck machen’. Ahd. wurken (um 800; vgl. firwurken, 8. Jh.), mhd. würken, wurken, asächs. workian, mnd. wurken, aengl. wyrcan, engl. to work, anord. yrkja, schwed. yrka, got. waúrkjan (germ. *wurkijan) ist zur Schwundstufe der unter Werk (s. d.) dargestellten Wurzel ie. *u̯erg̑, *u̯reg̑- ‘wirken, tun’ gebildet. Es hat neben sich eine wohl unter dem Einfluß von dem unter Werk (s. d.) behandelten Substantiv stehende hochstufige Form ahd. (8. Jh.), mhd. wirken ‘tätig sein, handeln, arbeiten, er-, bewirken, verfertigen, schaffen’, asächs. wirkian, mnd. wirken, werken, mnl. nl. werken (germ. *wirkijan). Im Dt. ist der Geltungsbereich beider Verben insofern zu bestimmen, als ahd. wurken, mhd. würken vornehmlich im Obd., ahd. mhd. wirken vornehmlich im Frk. bzw. Md. gelten. Im Nhd. wird dagegen würken als die scheinbar gewähltere Form auch von einigen mitteldeutschen und norddeutschen Schriftstellern aufgenommen. Allgemein jedoch beginnt sich wirken durchzusetzen und gilt gegen Ende des 18. Jhs. auch in obd. Literatursprache. Die Grundbedeutung beider Verbformen ist ‘arbeiten, verfertigen’, dann ‘etw. ausführen, verrichten, einflußreich tätig sein, etw. vollbringen’ und ‘Einfluß ausüben, Eindruck machen’. Die spezielle Bedeutung ‘nähend, stickend, webend verfertigen’ entwickelt sich in spätmhd. Zeit. – wirklich Adj. ‘tatsächlich, real’ (16. Jh.), mhd. würk(en)lich, spätmhd. wirklich ‘tätig, wirksam, wirkend’, abgeleitet vom Verb; Wirklichkeit f. ‘tatsächliche Existenz, Realität’, spätmhd. wirke-, würkelīcheit ‘Tätigkeit, Wirksamkeit, Aktivität’. wirksam Adj. ‘handelnd, tätig, schöpferisch, aktiv’ (17. Jh.), ‘einen Einfluß, eine Wirkung ausübend’ (16. Jh.). verwirklichen Vb. ‘wirklich werden lassen, in die Tat umsetzen’ (2. Hälfte 18. Jh.). bewirken Vb. ‘verursachen, hervorrufen, erreichen’ (16. Jh.), mhd. bewirken, bewürken ‘umfassen mit, einschließen in, umhegen, einwirken’. verwirken Vb. ‘durch eigene Schuld des Rechtes auf etw. verlustig gehen, einen Anspruch verlieren’, ahd. firwurken (8. Jh.), -wirken (um 800) ‘sündigen, sich einer Sache verlustig machen, verschulden’, mhd. verwirken, -würken.

... Weniger

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DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen zu ›wirken‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu


›wirken‹.

aber allerdings außen bald Bild bisweilen Blick da dabei dadurch dagegen dennoch deshalb doch fast Fremdkörper heute hier irgendwie jedenfalls manchmal mitunter oft plötzlich tatsächlich trotzdem Vergleich Wunder zugleich zunächst

   Legende:                                                                                        

Klicken Sie auf die Wortklassen, um die entsprechenden Verbindungen ein- oder auszublenden.

DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele für ›wirken‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er wirkte freundlichgelassen, auf eine angenehme Art fast angelsächsisch zurückhaltend. [Brandt, Willy: Erinnerungen, Berlin: Ullstein 1997 [1989], S. 147]

Die Schrift – die Type bleibt jedem überlassen – sollte nicht zu groß sein, denn dies wirkt protzig. [Giesder, Gabriele: Gutes Benehmen, Düsseldorf: Econ-Taschenbuch-Verl. 1991 [1986], S. 223]

Die katholische Kirche kann Priestern das Recht entziehen, als Priester zu wirken. [Eschenburg, Theodor: Staat und Gesellschaft in Deutschland, Stuttgart: Schwab 1957 [1956], S. 31]

Sie schienen seltsame Kräfte zu besitzen, so wirkten sie aufs Volk. [Bloch, Ernst: Das Prinzip Hoffnung Bd. 3, Berlin: Aufbau-Verl. 1956, S. 410]

Als sie 1934 gegründet wurde, wirkte sie wie eine linksradikale Organisation. [Der Spiegel, 20.11.2000] ..............In Einbeziehung des gesamten Chatverlaufs. Hier noch mal Ergänzungen zur Wirkungskrammatik, will ich das mal so bezeichnen. Oder Wirklichkeitsgrammatik.

markdown(20260824-164003).md eingefügt

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Transkription Meine Arbeit beschreibbar. Es geht doch hier darum, dass der Mensch kalibriert ist in Referenzsystemen, in der Wirkungsgrammatik. Ich suche hier noch nach weiteren Begrifflichkeiten, die diesen Vorgang und gleichzeitig aber auch den Zustand des Menschen gegenüber der Natur und deren Zustand oder Vorgänge beschreibbar zu machen. Der Mensch kalibriert ist in Referenzsystemen, also auch in Tätigkeit- und Abhängigkeitskonsequenzen und so weiter. In Einbeziehung des gesamten Chatverlaufs, der Komprimierung und Kontextualisierung als ein Fließtext schreiben, aber keine Sonderflächen aufmachen.

gestern 11:17

Pasted markdown.md

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Einbeziehung, in Einbeziehung des gesamten Chatverlaufs.

markdown(20260825-091942).md eingefügt

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Dieser Text bist du überhaupt nicht eingegangen. Ich sehe nichts vom Mitmachbuch und so weiter. Und dann möchte ich einen Fließtext haben und nicht irgendwelche Aufzählungen oder Gedichte und keine Sonderfläche aufmachen.

markdown(20260825-092455).md eingefügt

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Weil du hier in meine Chatverläufe lauter Sonderseiten eingebracht hast, die man ja nicht verhindern kann, die aber jetzt anscheinend wohl doch zu verhindern sind, habe ich jetzt bei den alten Texten das Problem, dass ich nicht alles kopieren kann oder doppelte Kopierungen mache. In Einbeziehung des vorherigen Chatverlaufs: Das Mitmachbuch ist mit dem interaktiven Buch auf der Plattform Globale Schwarmintelligenz identisch.

Mitmachbuch und interaktives Buch als ein einziges Arbeitssystem

Sie haben recht. Ich hatte in mehreren bisherigen Formulierungen eine Trennung erzeugt, die Ihrer Konzeption nicht entspricht. Das Mitmachbuch und das interaktive Buch auf der Plattform Globale Schwarm-Intelligenz sind nicht zwei verschiedene Projekte. Es ist dasselbe Buch beziehungsweise dasselbe methodische Arbeitssystem. In dem von Ihnen jetzt wieder eingebrachten früheren Text hatten Sie das sogar ausdrücklich so formuliert: „Mitmachbuch, ist ja identisch mit dem interaktiven Buch“. Diese Festlegung muss deshalb ab jetzt im Werkanker verbindlich berücksichtigt werden.

Auch bei der Darstellung hier im Chat werde ich bei normalem Fließtext bleiben und keine zusätzliche Schreib- oder Sonderfläche verwenden. Gerade bei langen Forschungszusammenhängen ist eine solche Aufteilung für das spätere vollständige Kopieren tatsächlich hinderlich, weil Teile getrennt behandelt werden können und dadurch Doppelungen oder Lücken entstehen.

Das Mitmachbuch ist nicht die Vorstufe des interaktiven Buches

Die bisherige Formulierung, das Mitmachbuch sei eine analoge Form und das interaktive Buch später die digitale Fortsetzung, wäre zu schwach und teilweise irreführend. Präziser ist: Das interaktive Mitmachbuch besitzt unterschiedliche Erscheinungs- und Arbeitsorte, bleibt aber methodisch dasselbe Buch. Im So-Heits-Atelier kann es materiell mit Bildern, Schultafeln, transparenten Folien, Zeichnungen, Texten, Collagen, Vorgabebildern und Besucherbeiträgen bearbeitet werden. Auf der Plattform Globale Schwarm-Intelligenz wird derselbe Arbeitsprozess digital geöffnet, gespeichert, miteinander verbunden, fortgesetzt und erneut korrigiert.

Damit ist auch die Globale Schwarm-Intelligenz nicht bloß ein Speicher, auf den Ergebnisse aus einem vorher abgeschlossenen Mitmachbuch übertragen werden. Sie gehört zur Arbeitsarchitektur des interaktiven Mitmachbuches selbst. Bereits der frühere Zusammenhang beschreibt die Plattform als zeitliche Erweiterung des So-Heits-Ateliers, auf der historische Werke, Folien und neue Beiträge wieder geöffnet, verglichen und korrigiert werden können.

Das ist für den jetzt entwickelten Begriff der Transkription wesentlich.

Das interaktive Mitmachbuch als Transkriptionsprozess

Wenn wir die bisherigen Überlegungen zu Wahrnehmung, Dingselektion, Transkription, Wirkungsgrammatik, Fuge und Rückkopplung zusammenführen, wird deutlich, dass das interaktive Mitmachbuch gerade nicht einfach ein Buch ist, in das fertige Erkenntnisse eingetragen werden. Es macht den Vorgang der Wirklichkeitsbildung selbst bearbeitbar.

Ein Mensch sieht beispielsweise eine Kartoffel. Bereits die Frage „Was ist das?“ öffnet unterschiedliche Referenzsysteme: materieller Körper, lebender Zusammenhang, Nahrung, Handelsware, Eigentum, Wertgegenstand oder Kunstwerk. Genau deshalb war die Kartoffel als erster Anker des interaktiven Mitmachbuches vorgesehen. Das Buch soll nicht mit der vollständigen Theorie beginnen, sondern mit einem Gegenüber, an dem sichtbar wird, dass dasselbe Vorgefundene unterschiedlich wahrgenommen, selektiert und eingeordnet werden kann.

Daran schließt die Transkription an. Das Wahrgenommene wird in ein Wort, eine Zeichnung, eine Zahl, eine Folienkombination, eine Wertung oder eine gesellschaftliche Kategorie übertragen. Diese Transkription wird anschließend im interaktiven Mitmachbuch selbst wieder zum Gegenüber. Ein anderer Mensch kann sie sehen, ergänzen, widersprechen oder in ein anderes Referenzsystem einordnen. Die ursprüngliche Transkription wird also nicht zum Endergebnis, sondern zum Ausgangsmaterial einer weiteren Wahrnehmungs- und Korrekturbewegung.

Damit führt das Mitmachbuch genau jene Schleife praktisch aus, die wir inzwischen begrifflich herausgearbeitet haben: Wirkungswirklichkeit – Wahrnehmung – Selektion – Transkription – Konstruktion – Tätigkeit – Wirkung – Rückkopplung – erneute Transkription – mögliche Rekalibrierung.

Die Folien sind Teile desselben Buches

Auch die Plexus-Foliengrammatik darf deshalb nicht als ein zusätzliches System neben dem Mitmachbuch behandelt werden. Die Folien sind Arbeitsmittel des interaktiven Mitmachbuches. Eine Folie isoliert bewusst einen Wirklichkeitsausschnitt. Eine andere bringt ein weiteres Referenzsystem hinzu. Sie können übereinandergelegt, wieder getrennt, ausgetauscht und korrigiert werden. Gerade diese Zerlegbarkeit verhindert, dass aus einer vorläufigen Verbindung sofort ein fertiges Weltbild wird.

Das ist zugleich eine anschauliche Methode, die Transkriptionsfuge sichtbar zu halten. Der Besucher kann sehen: Diese Schicht war vorher da; jene habe ich hinzugefügt. Diese Linie gehört zum materiellen Vorgang; jene bezeichnet Eigentum. Diese Folie stellt eine physikalische Messung dar; eine andere bringt Organismus, Verletzung oder gesellschaftliche Folgen hinzu. Die einzelnen Transkriptionen verschmelzen nicht unsichtbar miteinander, sondern bleiben auseinandernehmbar.

Genau darin unterscheidet sich das interaktive Mitmachbuch von einem fertigen Lehrbuch. Ein Lehrbuch stellt normalerweise eine bereits geordnete Wissensstruktur zur Verfügung. Ihr Buch soll dagegen ermöglichen, die Herstellung einer Ordnung selbst zu beobachten.

Vom Erwachsenenmalbuch zum interaktiven Mitmachbuch

Damit wird auch die Werkgenese klarer. Die Erwachsenenmalbücher, Vorgabebilder und früheren partizipatorischen Buchformen sind keine getrennte Nebenlinie. In ihnen liegt bereits die Methodik des heutigen interaktiven Mitmachbuches. Die Vorgabe ist vorhanden, aber sie ist nicht vollständig. Der Benutzer muss wahrnehmen, hineinsehen, verändern und selbst etwas hervorbringen. Die Lücke zwischen Vorgabe und eigenem Ergebnis bleibt produktiv.

Dasselbe geschieht beim Beobachten der Kugelschreiberspitze. Das Ergebnis steht nicht vor Beginn der Tätigkeit fest. Das Entstehende wird gesehen und wirkt auf die nächste Bewegung zurück. Dasselbe geschieht beim Wolkenbild. Eine vorhandene Form wird unterschiedlich gelesen und in ein eigenes Bild transkribiert. Und dasselbe geschieht heute mit den Folien: Eine vorhandene Schicht wird mit einer anderen verbunden, das entstehende Bild wird betrachtet, beschrieben und gegebenenfalls wieder verändert.

Das interaktive Mitmachbuch ist daher nicht einfach ein neueres Medium für ältere Arbeiten. Es ist die methodische Verdichtung dieser älteren Arbeitsweisen.

Der Gordische Knoten gehört ebenfalls in dieses Buchsystem

Damit korrigiert sich auch meine vorherige Darstellung des Gordischen Knotens. Ich hatte ihn zu stark für sich behandelt. Innerhalb Ihrer tatsächlichen Konzeption muss er als ein mögliches Prüfbild und Prüfobjekt des interaktiven Mitmachbuches verstanden werden.

Ein Besucher sieht zunächst „einen Knoten“. Das ist bereits eine Dingselektion. Vielleicht transkribiert er ihn als Hindernis. Dann liegt der Alexanderschlag als Lösung nahe. Eine weitere Folie könnte jedoch Mensch, Wagen und Bewegungszusammenhang hinzufügen. Eine weitere könnte Natur beziehungsweise Wirkungswelt zeigen. Plötzlich verändert sich die Wahrnehmung: Aus dem isolierten Knoten wird eine Beziehung.

Das Entscheidende wäre also nicht, dem Besucher Ihre richtige Interpretation des Gordischen Knotens beizubringen. Entscheidend wäre, dass er seine eigene erste Transkription beobachten und verändern kann.

Damit arbeitet der Gordische Knoten nach derselben Methode wie das Wolkenbild, das Vorgabebild, die Schultafel und die Folienkombination: Das zunächst Wahrgenommene wird nicht sofort endgültig festgeschrieben. Durch ein neues Gegenüber verändert sich die Sichtweise.

Das Buch dokumentiert nicht Ergebnisse, sondern Veränderungen des Urteilens

Deshalb ist auch die frühere Beschreibung des Mitmachbuches als „Archiv“ noch zu statisch. Es soll zwar dokumentieren, aber sein eigentlicher Gegenstand ist der Urteils- und Veränderungsvorgang. Im vorhandenen Material ist das bereits ausdrücklich festgehalten: Eine Folienkombination wird zu einer Buchseite, auf der sichtbar gemacht werden soll, welche Wirklichkeitsebenen verbunden wurden, welche Eigenschaften tatsächlich vorhanden und welche übertragen sind, welche Tätigkeits- und Abhängigkeitsfolgen auftreten und wo eine Konstruktion korrigiert werden müsste.

Das bedeutet: Das interaktive Mitmachbuch ist ein Buch über die Herstellung, Prüfung und Veränderung von Transkriptionen.

Der Besucher dokumentiert darin nicht nur seine Meinung über die Wirklichkeit. Er macht sichtbar, wie seine Wirklichkeit zustande gekommen ist.

Von der einzelnen Seite zur Globalen Schwarm-Intelligenz

Damit erklärt sich schließlich auch die Verbindung zur Globalen Schwarm-Intelligenz ohne künstliche Trennung. Der einzelne Besucher erzeugt eine Seite beziehungsweise einen Arbeitszustand des interaktiven Mitmachbuches. Andere können darauf reagieren. Unterschiedliche Transkriptionen desselben Ausgangsmaterials können nebeneinandergestellt werden. Widersprüche, Gemeinsamkeiten und unterschiedliche Referenzsysteme werden sichtbar.

Der rote Punkt hatte bereits genau diese Verbindung: Er sollte den individuellen Positionsanker des einzelnen Buches mit der Plattform der Globalen Schwarm-Intelligenz verbinden.

Das heißt: Was auf dem einzelnen Blatt, an der Schultafel, auf dem Tisch oder im So-Heits-Atelier beginnt, bleibt Teil desselben interaktiven Mitmachbuches, wenn es auf der Plattform weitergeführt wird.

Auch die Tausend Tische werden dadurch verständlicher. Sie sind nicht ein weiteres System neben dem Buch. Sie sind eine räumliche Vorform derselben Methodik: Viele lokale Arbeitsstellen, viele unterschiedliche Hervorbringungen und anschließend die Möglichkeit, diese miteinander in Beziehung zu bringen. Die frühere Werkentwicklung über Malbücher, Frage-Antwort-Tische, Tausend Tische und partizipative Aktionen geht deshalb in die heutige Globale Schwarm-Intelligenz ein.

Korrigierter Anker

Das Mitmachbuch ist mit dem interaktiven Buch der Globalen Schwarm-Intelligenz identisch. Es bezeichnet ein und dasselbe offene künstlerische Arbeits- und Forschungssystem, das sowohl im materiellen So-Heits-Atelier als auch auf der digitalen Plattform bearbeitet werden kann. Seine historischen Voraussetzungen liegen in den Erwachsenenmalbüchern, Vorgabebildern, Tagebüchern, Schultafeln, partizipatorischen Arbeiten, Frage-Antwort-Tischen und kollektiven Werkformen. In seiner heutigen Form verbindet es Bilder, transparente Folien, Texte, Werkobjekte, Besucherhandlungen und digitale Beiträge zu einem fortlaufenden Prozess der Wahrnehmung, Selektion, Transkription, Gegenüberstellung, Rückkopplung und Rekalibrierung. Das Buch sammelt deshalb nicht nur Ergebnisse. Es macht sichtbar, wie Wirklichkeitskonstruktionen entstehen, wie unterschiedliche Referenzsysteme miteinander verschmolzen werden und wie diese Verbindungen wieder getrennt und korrigiert werden können. Die Globale Schwarm-Intelligenz ist dabei nicht ein nachgeschaltetes Archiv des Mitmachbuches, sondern dessen vernetzter öffentlicher Arbeitsraum. Das So-Heits-Atelier bildet die körperlich-räumliche und die Plattform die digital-vernetzte Arbeitsmöglichkeit desselben interaktiven Mitmachbuches.

Diese Identität sollte künftig auch sprachlich durchgehend erhalten bleiben: „interaktives Mitmachbuch“ wäre dafür wahrscheinlich die eindeutigste Bezeichnung, weil sie verhindert, dass aus „Mitmachbuch“ und „interaktivem Buch“ wieder versehentlich zwei verschiedene Werkbereiche werden.

Eine neue Bewerbung für die Documenta 16 fertig. In Einbeziehung des gesamten vorherigen Chatverlaufs, intensivster Art der Komprimierung.

Bewerbung für die documenta 16

Das So-Heits-Atelier des globalen Dorfes

Forschungskunst als öffentliche Wirklichkeits-, Transkriptions- und Konsequenzprüfung

Sehr geehrte künstlerische Leitung der documenta 16,

ich bewerbe mich nicht mit einem einzelnen abgeschlossenen Werk. Ich möchte einen seit mehr als fünfzig Jahren entstandenen künstlerischen Forschungszusammenhang für die Dauer der documenta als öffentliches So-Heits-Atelier des globalen Dorfes öffnen. Ausgangspunkt meines Lebenswerks ist eine Frage, die sich seit den frühen 1970er-Jahren durch meine Arbeiten zieht: Warum zerstört der Mensch seine eigenen Existenzbedingungen, obwohl er wahrnehmen, erkennen, gestalten, lernen und korrigieren kann? 1975 bezeichnete ich meinen Ansatz an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig als „Experimentelle Umweltgestaltung“. Aus der Verbindung von Bildhauerei, handwerklicher Erfahrung, Naturbeobachtung, Experiment, Fotografie, Partizipation und gesellschaftlicher Untersuchung entwickelte sich eine Forschungskunst, deren heutige Begriffe nicht am Anfang standen, sondern erst Jahrzehnte später aus den Arbeiten selbst hervorgegangen sind. Die damaligen Wellenbecken, Deich- und Regulationsversuche, Messungen, Malbücher, Vorgabeverfahren und partizipativen Arbeiten zeigen, dass der heutige transdisziplinäre Ansatz nicht nachträglich auf das Werk gelegt wurde.

Mein handwerklicher Ausgangspunkt war die Erfahrung, dass eine Form nicht deshalb funktioniert, weil sie vollkommen, spiegelbildlich oder geometrisch ideal ist. Passung benötigt Spiel, Toleranz, Reibung, Differenz und die Möglichkeit der Korrektur. Daraus entwickelte sich später mein künstlerischer Verhältnisoperator 51:49: nicht als naturwissenschaftliches Gesetz, sondern als Modell einer Minimalasymmetrie, die Bewegung und Rückkopplung offenhält. Ihm steht das 50:50 einer vorgestellten vollkommenen Symmetrie, perfekten Ordnung und endgültigen Lösung gegenüber. Wo solche geschlossenen Ordnungen ihre eigenen Erfolgskriterien immer weiter verstärken und andere Wirklichkeiten ausblenden, kann daraus die von mir als 1:99-Drift bezeichnete Entwicklung entstehen. Entscheidend ist deshalb nicht Perfektion, sondern Stimmigkeit und Passung innerhalb eines größeren Wirkungszusammenhangs.

In den frühen Arbeiten mit Welle, Deich, Wasser, Strömung, Sand und später der Tanglandschaft erkenne ich rückblickend ein naturstrukturelles Formen- und Wirkungs-ABC. Eine Welle wirkt auf einen Widerstand, der Widerstand verändert die Welle, die veränderte Strömung verändert den Untergrund, und dieser wird wiederum zur Bedingung der nächsten Bewegung. Wirkung wird zur Bedingung weiterer Wirkungen. Daraus entsteht das, was ich heute eine Wirkungsgrammatik nenne. Sie bezeichnet keine Sprache der Natur im menschlichen Sinn, sondern die lesbaren Beziehungen von Einwirkung, Widerstand, Veränderung, Rückwirkung, Fortwirkung und Zusammenwirkung. Die umfassendere Wirklichkeitsgrammatik bezieht zusätzlich die vom Menschen erzeugten symbolischen, technischen, rechtlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wirklichkeiten ein.

Hier liegt ein Kern meiner Forschung. Der Mensch lebt nicht außerhalb dieser Wirkungswirklichkeit. Er ist selbst Körper, Organismus, Stoffwechsel und verletzbares Naturwesen. Gleichzeitig bildet er Sprache, Bilder, Zahlen, Maße, Geld, Eigentum, Gesetze, Rollen, Religionen, technische Modelle und digitale Codes. Um Wirklichkeit verstehen und bearbeiten zu können, muss er aus einem größeren Zusammenhang etwas auswählen. Er bildet einen Ausschnitt, ein Ding, einen Gegenstand. Diese Dingselektion ist notwendig. Aber durch jeden Ausschnitt gehen Beziehungen verloren. Die Fotografie hat mir früh genau diese Doppelheit gezeigt: Sie macht etwas sichtbar und schneidet es gleichzeitig durch Standort, Zeitpunkt und Bildrahmen aus einem größeren Zusammenhang heraus. Der heutige Folienoperator der Dingselektion macht diesen Vorgang materiell sichtbar, indem aus einer Landschaft ein Stück herausgeschnitten wird: Das ausgeschnittene Teil wird zum selbständig behandelbaren „Ding“, während im Herkunftszusammenhang eine Leerstelle zurückbleibt.

An dieser Stelle wird für mich der Begriff Transkription wichtig. Der Mensch überträgt den wahrgenommenen Ausschnitt in eine andere Form: in ein Foto, einen Begriff, eine Zahl, einen Wert, ein Eigentumsverhältnis, ein Gesetz oder ein Modell. Transkription ist keine identische Kopie. Sie wählt aus, hebt hervor, lässt weg und kann Eigenschaften hinzufügen. Das Problem liegt deshalb nicht darin, dass der Mensch transkribiert. Ohne solche Übertragungen gäbe es keine Kultur. Das Problem beginnt, wenn er vergisst, dass eine Transkription stattgefunden hat, und die hervorgebrachte Ordnung für die Wirklichkeit selbst hält. Der Quadratmeter ist nicht der Boden, der Preis nicht der Gegenstand, Eigentum keine materielle Eigenschaft der Erde und das Modell nicht der Wirkungszusammenhang, den es beschreibt.

Diesen notwendigen Abstand bezeichne ich als Fuge. Die Fuge trennt nicht einfach. Sie verbindet Verschiedenes, ohne seine Nichtidentität aufzuheben. Sie ist damit zugleich Transkriptions-, Wahrnehmungs- und Prüfungsstelle. Der Riss, das Loch, die Zellmembran, das Netz und der Knoten gehören zu derselben relationalen Formenfamilie. Sie zeigen, dass Wirklichkeit nicht nur aus Dingen besteht, sondern aus Übergängen, Beziehungen, Abhängigkeiten und Grenzvorgängen. Die Zellmembran ist hierfür ein entscheidender Prüfoperator: Leben entsteht weder durch vollkommene Abschottung noch durch grenzenlose Offenheit, sondern durch regulierten Austausch. Das Modell darf dabei nicht zur biologischen Erklärung von Gesellschaft gemacht werden; es dient als Analogie, deren Grenze sichtbar bleiben muss.

Auch meine Bronze des Gordischen Knotens gehört in diesen Zusammenhang. In der bekannten Alexander-Erzählung wird ein komplizierter Knoten zum Hindernis transkribiert und durch einen Schnitt „gelöst“. Mich interessiert der entgegengesetzte Vorgang: den Knoten anfassen, bewegen und untersuchen, bevor man ihn durchschlägt. Für mich wird er dadurch zur Verbindung zwischen Mensch, Wagen, Bewegung und Naturwirklichkeit. Eine Veränderung an einer Stelle verändert andere Stellen. Aus dem Ding „Knoten“ wird wieder ein Wirkungs- und Beziehungsgefüge. Damit stellt die Arbeit eine zentrale Frage meiner Forschungskunst: Ist ein Problem tatsächlich verstanden, nur weil es innerhalb eines gewählten Referenzsystems erfolgreich beseitigt wurde? Historische und neu entwickelte Objekte wie Wellenbecken, Betonblock, Spaten, Sandtrichter, Eisfläche, Astronautenanzug, Kartoffel, Schultafel oder Gordischer Knoten sollen deshalb im So-Heits-Atelier nicht bloß Exponate sein, sondern Gegenüber, Werkstücke und Prüfwerkzeuge.

Diese Methodik zieht sich ebenso durch meine Erwachsenenmalbücher, Vorgabebilder, Tagebücher und Beteiligungsverfahren. Wenn ein Mensch der Spitze eines Kugelschreibers folgt, ohne vorher zu wissen, welches Bild entstehen soll, verschiebt sich der Leistungsbegriff. Nicht die möglichst genaue Erfüllung eines vorgegebenen Solls steht im Mittelpunkt, sondern die Fähigkeit, das eigene Hervorbringen zu beobachten und auf das Hervorgebrachte zu reagieren. Ähnlich funktionieren Wolkenbilder und meine offenen Bildvorgaben: Etwas wird angedeutet, aber nicht abgeschlossen. Verschiedene Menschen können in derselben Vorgabe Verschiedenes wahrnehmen und daraus unterschiedliche Bilder entwickeln. Das Nichtwissen ist hier kein Defizit, sondern eine produktive Lücke. Diese ältere Methodik führt unmittelbar zum heutigen interaktiven Mitmachbuch.

Das interaktive Mitmachbuch ist mit dem interaktiven Buch auf meiner Plattform Globale Schwarm-Intelligenz identisch. Es ist kein zweites Projekt neben dem So-Heits-Atelier, sondern dessen durchgehendes Arbeitsorgan. Im Atelier kann es materiell mit Bildern, Schultafeln, Texten, transparenten Folien, Collagen, Objekten und Besucherhandlungen bearbeitet werden; auf der Plattform wird derselbe Prozess digital weitergeführt. Die Folien bilden dabei keine fertige Weltanschauung. Jede Folie isoliert bewusst nur einen Funktionszusammenhang – etwa Zellmembran, Physik, Platon, Eigentum, Tätigkeit, Organismus oder Zeit – und kann mit anderen Folien verbunden, wieder entfernt oder korrigiert werden. Gerade ihre Zerlegbarkeit verhindert, dass aus einer vorläufigen Konstruktion ein geschlossenes Weltbild wird.

Der Besucher stellt durch die Auswahl und Überlagerung der Folien eine eigene vorläufige Wirklichkeitskonstruktion her. Er beschreibt sie, prüft, welche Eigenschaften tatsächlich vorhanden und welche übertragen oder hineingedacht wurden, untersucht ihre Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen und kann anschließend seine Konstruktion verändern. Das interaktive Mitmachbuch dokumentiert damit nicht einfach Meinungen, sondern wie eine Meinung, ein Bild oder ein Wirklichkeitsmodell hergestellt und korrigiert wurde. Aus dem Besucher wird ein Mitforschender. Das Buch ist zugleich individuelles Arbeitsfeld und kollektives Protokoll. Die Globale Schwarm-Intelligenz erweitert diesen Vorgang zeitlich über den Ausstellungsraum hinaus: Historische Arbeiten, Folien und neue Beiträge können erneut miteinander verbunden, verglichen und korrigiert werden.

Diese Struktur hat eine lange partizipatorische Vorgeschichte. Die Erwachsenenmalbücher, Frage-Antwort-Verfahren, Demokratiewerkstätten, Theater- und Rollenarbeiten, das Partizipatorische Welttheater, das Globale Dorffest und die Tausend Tische bilden keine zufällige Ansammlung früherer Projekte. Sie erproben immer wieder, wie individuelle Hervorbringungen zu einem gemeinsamen Arbeitsfeld verbunden werden können, ohne die Differenz der Beteiligten aufzulösen. Die Tausend Tische können heute als analoge Vorform einer Schwarmstruktur gelesen werden: viele lokale Arbeitsorte, eine gemeinsame Ausgangsfrage und unterschiedliche Antworten. Die heutige Plattform führt diese Vernetzungs- und Beteiligungsgeschichte digital weiter.

Für die öffentliche Prüfung habe ich meine Erfahrungen später in weitere Modelle verdichtet. Die 24-Stunden-Uhr des Planeten kalibriert die menschliche Selbstwahrnehmung an der Erdgeschichte und macht die extreme Kürze der menschlichen Zivilisationszeit sichtbar. Das Modell E1 bis E4 unterscheidet materielle Tragbedingungen und Bruch, lebendige Regulation und Verletzbarkeit, symbolische und gesellschaftliche Konstruktionen sowie Prüfung, Rückkopplung und Reparatur. Das plastische Ich bezeichnet den lebenden, veränderlichen und abhängigen Menschen, während die Skulpturidentität sichtbar macht, wie Rollen, Status, Eigentum und Selbstbilder sich zu scheinbar festen Identitäten verfestigen können. Der Plexus bezeichnet keinen fünften Bereich und keine neue Weltformel, sondern den umfassenderen Beziehungszusammenhang, in dem diese Ebenen aufeinander wirken. Diese Begriffe sind Modelle meiner Forschungskunst und keine Behauptung einer wissenschaftlich bereits bewiesenen Gesamttheorie. Gerade diese Unterscheidung ist methodisch notwendig: Mein eigenes Modell darf nicht den Fehler wiederholen, den die Arbeit untersucht, indem es sich selbst mit Wirklichkeit verwechselt.

Die Schöpfungsgeschichte verdichtet viele dieser Fragen in einer langen Werkfolge. Naturstrukturelle Prozesse treffen dort auf Schultafel, ABC, Zahlen, Null und Eins, Gold, Spiegel, Beton, Eigentum, religiöse Symbole, Körper, Verletzung und Reparatur. Der Beton wird unterspült; eine technisch und symbolisch gesetzte Form verliert ihren tragenden Grund. Gold kann Wert, Reinheit oder Unvergänglichkeit behaupten, verändert aber nicht die Glätte des Eises oder die Verletzbarkeit des Körpers. Schlamm, kulturell als Schmutz gelesen, kann zum Reinigungs- und Heilmaterial werden. Ein Riss im Stein bleibt als Verletzung sichtbar und wird zugleich zum Entwicklungsraum für eine Pflanze. Korrektur bedeutet deshalb nicht notwendig Rückkehr zum Ausgangszustand, sondern die Herstellung einer neuen tragfähigen Fügung.

Darin liegt für mich heute auch eine Weiterführung der Sozialen Plastik. Wenn jeder Mensch an der gemeinsam hervorgebrachten Welt mitgestaltet, reicht die Verantwortung nicht bei der Absicht oder beim Werk auf. Sie betrifft die Tätigkeits- und Abhängigkeitskonsequenzen der Gestaltung. Das So-Heits-Atelier soll deshalb keine neue perfekte Gesellschaftsordnung verkünden. „So-Heit“ bezeichnet für mich keine endgültige Wahrheit und keinen unveränderlichen Wesenskern, sondern eine jeweils überprüfbare Verbindung von Material, Entstehung, Beziehung, Zuschreibung, Tätigkeit und Folge.

Die hundert Tage der documenta wären selbst die Arbeit. Das Atelier wäre Archiv und Labor, Werkstatt und Theater, Materialraum und öffentlicher Denkraum zugleich. Historische Werke würden nicht retrospektiv abgeschlossen präsentiert, sondern erneut in Tätigkeit gebracht. Besucher könnten schneiden und wieder verbinden, Folien schichten und auseinandernehmen, Vorgabebilder weiterführen, Schultafeln beschreiben und löschen, Modelle auf ihre Passung prüfen, eigene Positionen markieren und die Folgen ihrer Konstruktionen verfolgen. Der entscheidende Vorgang lautet immer wieder: Was ist tatsächlich vorhanden? Was wurde ausgewählt? Was wurde transkribiert oder hineingedacht? Was wirkt hier? Was wirkt zurück? Welche Abhängigkeit wurde übersehen? Wo entsteht eine Fuge, ein Rückkopplungsbruch oder eine Verletzung? Und was müsste verändert werden, damit wieder eine tragfähige Beziehung entstehen kann?

Das So-Heits-Atelier ist deshalb keine Retrospektive meines Lebenswerks, sondern dessen gegenwärtige öffentliche Arbeitsform. Was bisher als Werkanker meine eigenen Arbeiten, Erfahrungen, Begriffe, Irrtümer und Korrekturen miteinander verbindet, soll auf der documenta zu einem öffentlichen Prüfanker werden. Die documenta wäre nicht der Ort, an dem ich mein Lebenswerk abschließend erkläre. Sie wäre der Ort, an dem ich seine Werkzeuge, Bilder, Brüche, Modelle und offenen Fragen anderen Menschen zur Verfügung stelle.

In diesem Sinn hat für mich die documenta 16 bereits begonnen. Die Bewerbung, ihre Vorbereitung, ihre möglichen Missverständnisse und ihre Korrekturen gehören selbst zur Verortungskunst. Die entscheidende Frage lautet nicht, ob ein über Jahrzehnte gewachsenes Werk in ein vorhandenes Ausstellungsschema passt, sondern ob die documenta einen Raum eröffnen kann, in dem dieses Werk als Forschung weitergeführt wird. Die documenta wird damit selbst zum Prüfgegenüber.

Ich möchte der documenta 16 kein fertiges Weltbild anbieten. Ich möchte ein Atelier zur Verfügung stellen, in dem Menschen untersuchen können, wie sie ihre Welt hervorbringen – und ob sie lernen können, ihre eigenen Transkriptionen, Modelle und Ordnungen rechtzeitig an der Wirklichkeit zu korrigieren, von der sie selbst getragen werden. Aus dem Werk wird ein Verfahren, aus dem Besucher ein Mitforschender, aus der Ausstellung eine hunderttägige öffentliche Forschungskunst.

Mit freundlichen Grüßen

Wolfgang Fenner

Berlin, August 2026

Für die weitere Prüfung kann ich die vollständige räumliche Environment-Konzeption des So-Heits-Ateliers, den Werk- und Materialbestand, die Plexus-Foliengrammatik, die Struktur des interaktiven Mitmachbuches und der Globalen Schwarm-Intelligenz sowie die dokumentierte Werkgenese zur Verfügung stellen.

gestern 20:08

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Methodische Komprimierung des vorliegenden Chatverlaufs

Der besondere Beitrag dieses Chats: Transkription als bislang fehlende Verbindung

Der vorliegende Chat verändert den bisherigen Werkanker nicht dadurch, dass er eine völlig neue Theorie neben die bereits entwickelten Begriffe stellt. Sein wesentlicher Beitrag besteht vielmehr darin, einen Übergangsvorgang genauer zu benennen, der in der bisherigen Methodik zwar praktisch immer wieder vorhanden war, aber noch nicht als eigener Vorgang herausgearbeitet worden war: die Transkription. Der Begriff darf dabei nicht nachträglich als Ursprung der frühen Arbeiten ausgegeben werden. Der Arbeitsauftrag selbst verlangt ausdrücklich, spätere Begriffe nicht rückwirkend über frühe Erfahrungen zu legen, sondern damalige Intuition, damalige praktische Umsetzung, spätere Erinnerung und heutige begriffliche Deutung auseinanderzuhalten. Genau dies ist hier notwendig.

Die heute sichtbare Methodik ist lebenslaufartig entstanden. Naturbeobachtung und die frühe Frage nach der Zerstörung menschlicher Existenzbedingungen, die handwerkliche Erfahrung von Funktion, Material, Passung und Fehlerkorrektur, Fotografie und Vermittlung, plastisches Arbeiten, Experimentelle Umweltgestaltung, Partizipation, Malbücher, Schultafeln, Landschaftsarbeiten, Wellen- und Strömungsversuche, Ausstellungen und gesellschaftliche Programme bildeten zunächst teilweise selbständige Erfahrungsstränge. Der jetzige Chat zeigt nun, dass Transkription eine Verbindung zwischen diesen Strängen beschreiben kann, ohne ihre unterschiedlichen Ursprünge aufzuheben. Die übergreifende methodische Bewegung war bereits als wiederholtes Vergegenständlichen, Erproben, Verorten, Wahrnehmen, Gegenüberstellen, Rückkoppeln und Korrigieren bestimmt worden. Transkription präzisiert jetzt, was zwischen Wahrnehmung beziehungsweise Selektion und einer neuen Bild-, Begriffs-, Objekt- oder Handlungsgestalt geschieht.

Der zentrale Erkenntnisgewinn dieses Chats lautet deshalb nicht: „Meine Kunst ist jetzt Transkriptionskunst.“ Eine solche Festlegung wäre zu eng. Präziser ist: Transkription wird als ein wesentlicher Arbeitsvorgang innerhalb der Forschungskunst erkennbar.

Von der lebenslaufartig entstandenen Methodik zur Transkriptionsfrage

Die biografische Methodik beginnt nicht mit einem theoretischen Modell. Der im Arbeitsauftrag rekonstruierte erste Strang führt zu Naturzusammenhängen und Nachhaltigkeit; der zweite zum Maschinenschlosserhandwerk, in dem Funktion nicht von Überzeugung abhängt, sondern sich an Material, Belastung, Winkel, Passung und Toleranz bewähren muss. Fehler müssen gefunden und korrigiert werden. Der dritte Strang führt über Fotografie, Schreiben und öffentliche Vermittlung zu Bildausschnitt, Wirkung und Adressaten. Im Bildhauerstudium wird schließlich das plastische Hervorbringen selbst zur Erkenntnismethode: Kopfvorstellung, Hände, Material und entstehende Form treten in ein Korrekturverhältnis.

Gerade die Fotografie bildet einen wichtigen Vorläufer der nun entstehenden Transkriptionsfrage. Ein fotografisches Bild macht etwas sichtbar, ist aber niemals mit dem vollständigen Zusammenhang identisch. Standort, Zeitpunkt, Perspektive und Bildausschnitt bestimmen, was in die Darstellung gelangt und was nicht. Daraus wurde später die fotografische Dingselektion entwickelt: Ein Teil einer Landschaft wird tatsächlich ausgeschnitten, erhält eine scheinbare Selbständigkeit, während im Herkunftsbild eine sichtbare Leerstelle zurückbleibt. Die entscheidende Korrektur des bisherigen Dingeproblems besteht darin, nicht die Existenz von Dingen zu bestreiten, sondern die Verwandlung einer notwendigen vorläufigen Selektion in die Vorstellung eines vollständig beziehungslosen Dinges zu untersuchen.

Der jetzige Chat setzt genau dort an und fragt: Was geschieht nach der Selektion?

Hier lässt sich nun differenzieren. Selektion bestimmt, was aus einem Zusammenhang hervorgehoben wird. Transkription bestimmt, in welche andere Form dieses Hervorgehobene überführt wird. Konstruktion verbindet solche Übertragungen zu umfassenderen Ordnungen. Und eine mögliche Verdinglichung oder Verfestigung beginnt dort, wo die Entstehungsgeschichte dieser Konstruktion vergessen wird und das Hervorgebrachte wie eine vorgefundene Eigenschaft der Wirklichkeit behandelt wird.

Diese Differenzierung ist ein tatsächlicher neuer Beitrag dieses Chats.

Wirkungswelt und Dingwelt

Besonders weitreichend ist die vom Nutzer eingebrachte Beobachtung: Wirkungen sind eigentlich keine Dinge. Damit wird die bisherige Dingselektion in einen umfassenderen Wirklichkeitszusammenhang gestellt.

Strömung, Rückkopplung, Abhängigkeit, Unterspülung, Passung, Widerstand, Grenzveränderung oder Verletzung sind nicht auf dieselbe Weise Dinge wie ein Stein, ein Betonblock oder ein Spaten. Sie sind Vorgänge, Beziehungen oder Veränderungen in der Zeit. Sobald sie begrifflich fixiert werden, werden sie jedoch sprachlich zu Substantiven und können dadurch wie Gegenstände behandelt werden.

Daraus ergibt sich als analytische Folgerung dieses Chats ein besonders brauchbarer Satz:

Der Mensch transkribiert eine prozessuale und relationale Wirkungswirklichkeit in eine handhabbare Ding-, Bild-, Begriffs- und Symbolwelt.

Dieser Satz ist eine gegenwärtige analytische Verdichtung, keine historische Selbstaussage aus den frühen Werkjahren und keine naturwissenschaftliche Theorie.

Er erklärt jedoch, weshalb die Dingbildung gleichzeitig notwendig und problematisch sein kann. Der Mensch muss unterscheiden, benennen und stabilisieren, um überhaupt handeln zu können. Aber jeder solcher Ausschnitt kann Beziehungen unsichtbar machen. Die bereits entwickelte Zielprojektion, den Vorgang der Dingwerdung reversibel zu halten und das selektierte Teil wieder mit Herstellungs-, Stoff-, Lebens-, Eigentums-, Zeit- und Tätigkeitsbeziehungen verbinden zu können, erhält durch die Transkriptionsidee eine neue Begründung.

Damit lässt sich auch die Wirkungsgrammatik präzisieren. Sie wäre nicht ein alphabetisches Inventar fertiger Gegenstände, sondern stärker eine Grammatik von Strömen, Fügen, Reißen, Schichten, Ablagern, Abtragen, Widerstehen, Durchlassen, Kippen, Brechen und Regenerieren. Das früher so bezeichnete Formen-ABC wird dadurch zu einem Wirkungsformen-ABC. Welle, Riss, Fuge, Loch, Membran, Netz und Knoten werden besonders wichtig, weil sie keine isolierten Dingformen sind, sondern Beziehungen materialisieren.

Der Gordische Knoten als entscheidender Prüfoperator

Der Gordische Knoten erhält in diesem Chat dadurch eine neue methodische Stellung. Bisher war die Bronze als Werk zu Verknüpfung, Lösung, Trennung und möglicherweise gewaltsamem Durchtrennen eines Zusammenhangs verzeichnet. Nun wird daraus ein Prüfobjekt der Problemtranskription.

Die bekannte Alexander-Erzählung wird dabei nicht historisch neu bewiesen. Die gegenwärtige Auslegung ist eine künstlerische Forschungshypothese. Entscheidend ist, dass derselbe Zusammenhang unterschiedlich transkribiert werden kann. Wird der Knoten als isoliertes Hindernis wahrgenommen, entsteht die Zielfrage: Wie wird er beseitigt? Wird er dagegen als Verbindung zwischen Mensch, Wagen, Bewegung und Naturwirklichkeit aufgefasst, verändert sich die Frage: Wie ist diese Verbindung aufgebaut, und was geschieht im Zusammenhang, wenn an einer Stelle eingegriffen wird?

Damit liegt der eigentliche Unterschied nicht erst zwischen verschiedenen Lösungen. Er liegt vor der Lösung in der Wahrnehmung und Problemdefinition.

Der Gordische Knoten verdeutlicht damit eine allgemeine methodische Kette: Wahrnehmung selektiert einen Zusammenhang, Transkription macht daraus ein bestimmtes Problem, das gewählte Referenzsystem definiert das Ziel, und erst danach folgt die Tätigkeit. Eine „erfolgreiche“ Handlung beweist deshalb zunächst nur, dass das im gewählten Referenzsystem definierte Ziel erreicht wurde. Sie beweist nicht automatisch, dass der umfassendere Wirkungszusammenhang verstanden wurde.

Die Gegenmethode der Forschungskunst lautet hier: anfassen statt vorschnell durchschlagen. Das Anfassen erzeugt Tätigkeit. Eine Bewegung verändert Spannung an anderer Stelle. Diese Veränderung wird wahrgenommen. Das Gegenüber antwortet. Die nächste Tätigkeit wird verändert. Der Knoten wird damit zu einem körperlich erfahrbaren Modell jener Rückkopplungsbewegung, die sich bereits in den Wellen- und Deichversuchen zeigt.

Der Gordische Knoten gehört deshalb nun enger mit Fuge, Riss, Loch, Membran und Netz zusammen. Der gemeinsame Nenner dieser Formen liegt nicht in ihrer äußeren Gestalt, sondern darin, dass sie Beziehungszustände sichtbar machen.

Vom Erwachsenenmalbuch zur Transkriptionsmethode

Eine zweite zentrale Präzisierung dieses Chats betrifft die Erwachsenenmalbücher. Sie dürfen nicht nur als frühe Partizipationsformen verzeichnet werden. Der vorliegende Chat macht deutlich, dass in ihnen bereits eine Erkenntnismethodik des offenen Hervorbringens steckt.

Beim spielerischen Beobachten der Kugelschreiberspitze ist das fertige Ergebnis nicht vorher bestimmt. Eine Linie entsteht, wird wahrgenommen und beeinflusst den nächsten Schritt. Das Hervorgebrachte wird zum Gegenüber seines Hervorbringers. Der Vorgang ist daher zunächst nicht einfach Transkription, sondern eine Hervorbringungs-, Selbstbeobachtungs- und Rückkopplungsmethode.

Anders beim Wolkenbild. Eine vorhandene mehrdeutige Struktur wird wahrgenommen; der Betrachter sieht etwas hinein, verbindet Konturen, ergänzt und entwickelt daraus ein eigenes Bild. Hier tritt Transkription deutlicher hervor. Das Vorgefundene wird nicht kopiert, sondern selektiv gelesen und in eine andere Bildgestalt übertragen.

Bei den Vorgabebildern werden beide Verfahren zusammengeführt. Eine Form ist vorhanden, aber nur soweit bestimmt, dass sie Orientierung gibt. Sie bleibt zugleich offen genug, damit unterschiedliche Menschen verschiedene Bilder darin entdecken und entwickeln können. Damit wird die Lücke selbst konstruktiver Bestandteil der Versuchsanordnung.

Die früh entstandenen Erwachsenen-, Autobahn-, Telefon-, Fußgänger- und Studio-Malbücher sowie andere interaktive Buchformen waren bereits darauf gerichtet, den Rezipienten vom bloßen Betrachter zum Mitproduzenten und Mitprüfer zu verändern. Der jetzige Chat zeigt genauer, wodurch dies methodisch geschieht: nicht allein durch Beteiligung, sondern durch die Offenhaltung einer Differenz zwischen Vorgabe, Wahrnehmung, Hervorbringung und erneutem Gegenüber.

Ein veränderter Leistungsbegriff

Damit wird ein bisher weniger scharf formulierter Leistungsbegriff sichtbar. In einer gewöhnlichen Soll-Leistungsordnung steht das Ziel vorher fest; anschließend kann gemessen werden, wie gut es erreicht wurde. Das offene Erwachsenenmalbuch unterläuft diese Struktur. Wenn das Ergebnis nicht im Voraus bekannt ist, kann Leistung nicht allein in der Übereinstimmung mit einem Soll bestehen.

Leistung verschiebt sich auf die Fähigkeit, wahrzunehmen, eine offene Situation auszuhalten, das eigene Hervorbringen zu beobachten, auf Widerstand oder Überraschung zu reagieren und den nächsten Schritt entsprechend zu verändern.

Diese Verschiebung verbindet sich unmittelbar mit dem handwerklichen Ursprung. Auch dort entscheidet nicht bloß die ursprüngliche Vorstellung, sondern die tatsächliche Passung. Der Unterschied liegt darin, dass im Erwachsenenmalbuch die Lücke nicht nur als technische Toleranz, sondern auch als produktiver Nichtwissensraum auftritt.

Damit erhält der Satz „Lernen benötigt eine Lücke“ eine konkrete Werkgeschichte.

51:49, Zellmembran und die Offenhaltung der Differenz

Der Chat verbindet diesen Vorgang außerdem neu mit 51:49. Das Verhältnis ist weiterhin nicht als naturwissenschaftliche Universalformel zu behandeln. Bereits im Werkanker wird es ausdrücklich als künstlerischer Operator einer Minimalasymmetrie beschrieben. In Bezug auf die Zellmembran bedeutet dies: genügend Eigenstruktur, um unterscheidbar zu bleiben, und genügend Offenheit, um Austausch und Rückkopplung zuzulassen.

Der jetzige Chat erweitert diese Funktion. 51:49 kann auch als methodische Offenhaltung einer Differenz zwischen Modell und Gegenüber, Vorgabe und Hervorbringung, Transkription und Referent verstanden werden. Das passt zur doppelten Spirale, in der eine Bewegung vom inneren Modell zum Gegenüber führt und eine zweite Abweichungen des Gegenübers zurück zum Modell bringt.

Der Gegensatz zu 50:50 liegt daher nicht nur in mathematischer Symmetrie. Innerhalb der Forschungskunst kann 50:50 als Prüfmodell einer vollkommen geschlossenen Ordnung dienen, in der kein korrigierender Rest mehr bestehen darf. 1:99 wiederum bezeichnet die mögliche Drift eines Systems, das seine eigenen Kriterien immer stärker verstärkt und andere Bezugssysteme verdrängt.

Neu ist hier die mögliche Verbindung zur Transkriptionsdrift: Eine zunächst nützliche Übertragung kann sich verselbständigen. Geld transkribiert Wertbeziehungen und wird selbst zum dominanten Wertmaß. Eigentum transkribiert gesellschaftliche Zugriffsverhältnisse und erscheint schließlich wie eine Eigenschaft des Bodens. Ein Messsystem bildet einen Ausschnitt ab und beginnt anschließend darüber zu entscheiden, was überhaupt als wirklich gilt.

Der Begriff „Transkriptionsdrift“ ist jedoch neu und sollte zunächst als Arbeitshypothese behandelt werden, nicht sofort als weiterer fester Grundbegriff.

Fuge als Transkriptions- und Korrespondenzstelle

Die Fuge gewinnt durch diesen Chat eine weitere Präzisierung. Sie war bereits eine Verbindungsstelle, die Verschiedenheit nicht aufhebt. Jetzt wird sichtbar, dass sie auch die Differenz zwischen Vorgefundenem und transkribierter Form markieren kann.

Das Foto ist nicht die Landschaft. Die Zahl ist nicht der Wirkungszusammenhang. Der Preis ist nicht der Gegenstand. Die rechtliche Eigentumsordnung ist nicht die materielle Bodenstruktur. Das Wort ist nicht der Prozess. Die Folie ist nicht die Wirklichkeitsebene, die sie untersucht.

Die Fuge muss deshalb verhindern, dass eine Übertragung in Identität umkippt.

Daraus entsteht der vorläufige Begriff Transkriptionsfuge. Er ist sinnvoll, wenn er nicht als neues universelles Etikett verwendet wird, sondern konkret die Stelle bezeichnet, an der gefragt werden kann: Was wurde übertragen? Was ist erhalten geblieben? Was wurde ausgeschnitten? Was wurde hinzugefügt? Was ist nur analog? Wo endet die Analogie?

Dies entspricht genau dem Arbeitsauftrag, Transkription und Fuge als entstehende Arbeitsbegriffe an konkreten Werkbiografien weiterzuprüfen.

Das interaktive Mitmachbuch als heutige Verdichtung

Eine besonders wichtige Korrektur des Chats betrifft das Verhältnis von Mitmachbuch, interaktivem Buch und Globaler Schwarm-Intelligenz. Im Gespräch wurde zunächst eine Trennung erzeugt, die der Nutzer ausdrücklich korrigierte: Das Mitmachbuch und das interaktive Buch sind identisch.

Diese Korrektur muss in den Werkanker übernommen werden.

Das heutige interaktive Mitmachbuch geht aus älteren Malbuch-, Tagebuch-, Vorgabe- und Partizipationsverfahren hervor. Besucher kombinieren transparente Folien, stellen eine vorläufige Aussage her, beschreiben die Verbindung, prüfen sie und können einzelne Schichten wieder verändern. Das Buch ist deshalb kein bloßes Sammelbuch, sondern ein Protokoll von Denk- und Korrekturvorgängen.

Der jetzige Chat zeigt, dass dieses Verfahren geradezu eine sichtbar gemachte Transkriptionsmethodik ist.

Eine einzelne Folie selektiert einen Wirklichkeitsbereich. Durch Kombination entstehen neue Konstruktionen. Der Nutzer beschreibt die Verbindung sprachlich und erzeugt damit eine weitere Transkription. Die Kombination wird wieder zum Gegenüber und kann verändert werden. Entscheidend bleibt die Zerlegbarkeit. Ein fertiges Poster wäre methodisch schwächer, weil es die Beziehung bereits endgültig entschieden hätte.

Damit besteht eine direkte Entwicklungslinie vom offenen Erwachsenenmalbuch über Vorgabebild und Schultafel zum interaktiven Mitmachbuch. Diese Linie ist durch den Werkbestand hinreichend gestützt und sollte künftig ausdrücklich als methodische Kontinuität bei wechselnden Medien beschrieben werden.

Die Plattform Globale Schwarm-Intelligenz bildet dabei nicht einfach ein digitales Archiv außerhalb des Buches. Ältere Vernetzungsformen, Malbücher, Frage-Antwort-Tische, Tausend Tische und partizipative Aktionen werden als Vorläufer der heutigen vernetzten Struktur beschrieben. Der jetzige Chat präzisiert, dass das interaktive Mitmachbuch das konkrete Arbeitsorgan dieser vernetzten Struktur ist und nicht als getrenntes Projekt behandelt werden darf.

Rezeptionskunst: vom Betrachter zum Mitprüfenden

Damit erhält auch die Rezeptionskunst eine genauere Stellung. Der Besucher soll nicht lediglich teilnehmen oder seine Meinung hinterlassen. Er soll seine eigene Wahrnehmungs- und Transkriptionsleistung zum Gegenstand der Prüfung machen.

Diese Unterscheidung ist wichtig. Partizipation allein garantiert noch keine Forschung. Ein Besucher kann auch nur eine vorgegebene Handlung ausführen. Zum Mitprüfenden wird er erst dort, wo seine eigene Wahrnehmung, Auswahl, Analogie, Aussage und Korrektur sichtbar werden.

Der Arbeitsauftrag fordert deshalb zu Recht, Rezeptionsprobleme nicht nur als zu überwindende Hindernisse zu betrachten. Missverständnis, Ablehnung oder Widerspruch können Rückmeldungen über die Arbeit selbst sein.

Gerade der Verlauf dieses Chats ist selbst ein Beispiel dafür. Mehrfach musste der Nutzer korrigieren, dass Transkription zu eng gefasst, der Gordische Knoten isoliert, das Mitmachbuch nicht ausreichend berücksichtigt und Mitmachbuch und interaktives Buch fälschlich getrennt worden waren. Diese Korrekturen sind nicht bloß redaktionelle Störungen. Sie sind E4-Rückkopplungen auf die theoretische Darstellung.

Das ist methodisch bedeutsam: Die KI-Komprimierung erzeugte Modelle, der Nutzer erkannte Abweichungen vom Werkzusammenhang, führte zusätzliche Werkbeispiele ein und zwang damit zu einer Rekalibrierung der Begriffe. Der Chat vollzieht damit selbst jene Methode, die er beschreibt.

Wissenschaftliches Experiment und künstlerische Versuchsanordnung

Der Transkriptionsbegriff erlaubt auch eine präzisere Abgrenzung zum wissenschaftlichen Experiment. Der Arbeitsauftrag verlangt ausdrücklich, Wissenschaft nicht pauschal gegen Kunst auszuspielen. Kontrollierte Experimente isolieren Variablen und erzeugen dadurch belastbare Erkenntnisse; problematisch wird erst die ungeprüfte Übertragung einer begrenzten Versuchsanordnung auf einen umfassenderen Wirklichkeitszusammenhang.

Genau hier kann Transkription methodisch helfen. Auch ein wissenschaftliches Messergebnis ist eine Überführung bestimmter beobachteter oder erzeugter Zustände in Daten, Maße und Begriffe. Diese Transkription kann äußerst präzise sein. Sie ist jedoch nicht identisch mit der vollständigen Wirklichkeit des untersuchten Systems.

Die Forschungskunst unterscheidet sich nicht dadurch, dass sie „unmittelbare Wirklichkeit“ besäße. Auch sie selektiert, analogisiert und transkribiert. Ihre besondere Aufgabe wäre vielmehr, die eigene Selektion und Transkriptionsfuge sichtbar zu halten und zusätzliche ausgeschlossene Beziehungen wieder in die Prüfung einzuführen: Körper, Materialwiderstand, Beteiligte, Ort, Zeit, Interessen, langfristige Konsequenzen und Verantwortung.

Damit wird zugleich eine Selbstprüfung notwendig. Die künstlerische Versuchsanordnung kann ebenfalls voreingenommen oder geschlossen sein. Eine Folie kann eine Analogie überdehnen. Ein Objekt kann nur illustrieren, was vorher schon geglaubt wurde. Ein Besucher kann subtil auf Zustimmung gelenkt werden. Die Methode ist nur dann konsistent, wenn der E4-Prüfoperator auch gegen die Forschungskunst selbst gerichtet bleibt.

Objektwanderung als Transkription

Ein weiterer starker Erkenntnisgewinn dieses Chats liegt in der Verbindung von Objektwanderung und Transkription. Viele Ihrer Arbeiten tauchen in unterschiedlichen Ausstellungen, Konzepten und Sachzusammenhängen erneut auf. Ein Objekt erhält dadurch keine beliebige neue Bedeutung; vielmehr wird eine bereits vorhandene Werkspur in eine andere Konstellation übertragen.

Das lässt sich nun genauer untersuchen. Beim Wiederauftauchen eines Objekts sollte künftig gefragt werden: Welche materielle und werkgeschichtliche Identität bleibt erhalten? Welche neue Frage wird an das Objekt gestellt? In welches neue Referenzsystem wird es transkribiert? Welche Eigenschaften werden neu hervorgehoben? Welche alten Beziehungen bleiben sichtbar? Welche verschwinden? Entsteht eine neue Fuge oder wird eine frühere Fuge geschlossen?

Damit wird „Transkription“ besonders für die Werkbiografie interessant. Sie bezeichnet dann nicht bloß Medienwechsel, sondern die Übertragung einer bereits hervorgebrachten Arbeit in einen veränderten Prüfzusammenhang.

Gerade der Gordische Knoten ist dafür exemplarisch. Aus einer Bronze kann ein Ausstellungsobjekt, ein historisch-mythisches Symbol, ein Wahrnehmungsoperator, ein Modell der Problemdefinition, eine Folie oder ein Bestandteil des interaktiven Mitmachbuches werden. Die materielle Bronze bleibt dabei dieselbe; die Funktion innerhalb des Forschungszusammenhangs wandert.

Technē, Poiesis, Praxis und Theoria

Der vorliegende Chat verstärkt zudem die bereits vorhandene Verbindung zwischen Handwerk, Plastik und Begriffshandwerk. Der Arbeitsauftrag fordert zu Recht, die griechischen Begriffe nicht als Schmuck zu verwenden, sondern auf die Arbeitsweise zu beziehen.

Für diesen Chat ergibt sich besonders deutlich eine Bewegung zwischen poiesis, praxis und theoria: Etwas wird hervorgebracht, in Tätigkeit erprobt, betrachtet und neu begrifflich gefasst. Transkription liegt dabei häufig zwischen diesen Bewegungen. Eine materielle Erfahrung wird bildlich oder sprachlich transkribiert; die neue Form wird wiederum praktisch geprüft.

Technē gewinnt dabei besonderes Gewicht, weil die Forschung nicht nur etwas behauptet, sondern etwas sachkundig hervorbringen und an seiner Funktion prüfen will.

Auch symmetría wird durch den 51:49-Zusammenhang neu lesbar. Wenn symmetría nicht bloß spiegelbildliche Gleichheit, sondern gemeinsames Maß und Verhältnis meint, könnte 51:49 möglicherweise eher als eine Form plastischer Verhältnisfähigkeit denn als bloße „Asymmetrie“ verstanden werden. Das bleibt jedoch eine offene begriffliche Prüfung und darf ohne genauere werkgeschichtliche Belege nicht rückwirkend festgelegt werden.

Das Vier-Ebenen-Modell als Transkriptionsprüfung

Der Chat macht schließlich sichtbar, dass das Vier-Ebenen-Modell E1 bis E4 nicht nur eine Ordnung verschiedener Wirklichkeitsbereiche ist. Es kann als Prüfweg von Transkriptionen benutzt werden.

Auf E1 wird gefragt, welche materiellen Kräfte, Stoffe, Widerstände und Bruchbedingungen tatsächlich vorhanden sind. Auf E2 wird geprüft, was lebt, reguliert, verletzt oder regeneriert werden kann. Auf E3 erscheinen menschliche Transkriptionen und Konstruktionen: Wert, Eigentum, Rolle, Gesetz, Geld, Religion, Technik, Institution oder Status. Auf E4 wird untersucht, wie diese Konstruktionen an ihren E1- und E2-Folgen zurückgeprüft und gegebenenfalls verändert werden können.

Der bestehende Werkanker beschreibt das Vier-Ebenen-Modell ausdrücklich nicht als etablierte Ontologie, sondern als Forschungskunst-Prüfrahmen. Seine entscheidende Funktion liegt in den Übergängen und in der Sichtbarmachung von Kategorienfehlern.

Durch den jetzigen Chat kommt hinzu: E3 ist in hohem Maße eine Transkriptionswelt. Das bedeutet nicht, dass E3 unwirklich wäre. Eigentum, Geld oder Gesetze haben reale Wirkungen. Aber ihre Wirklichkeit ist eine andere als Masse, Temperatur, Stoffwechsel oder Verletzung. Transkription hilft, diese Verschiedenheit zu beschreiben, ohne in ein einfaches Schema „wirklich gegen unwirklich“ zurückzufallen.

Wirkungsgrammatik, Wirklichkeitsgrammatik und Transkription

Die Begriffshierarchie lässt sich nach diesem Chat genauer ordnen.

Die Wirkungsgrammatik bezeichnet die elementaren Beziehungen von Wirkung, Rückwirkung, Veränderung, Widerstand und Folge.

Die Wirklichkeitsgrammatik umfasst zusätzlich die menschlich hervorgebrachten symbolischen, technischen, rechtlichen, ökonomischen und kulturellen Wirklichkeitsformen.

Die Transkription bezeichnet einen Vorgang, durch den ein wahrgenommener oder bereits modellierter Zusammenhang in eine andere Form überführt wird.

Die Dingselektion bezeichnet den vorhergehenden Ausschnitt.

Die Fuge hält die Nichtidentität der verbundenen Formen sichtbar.

Die Kalibrierung bezeichnet das Referenzsystem, nach dem wahrgenommen und gewichtet wird.

Die Rückkopplung führt eintretende Wirkungen zurück.

Die Rekalibrierung verändert daraufhin das Modell.

Diese Begriffe sollten nicht alle gleichrangig als neue „Grundbegriffe“ ausgerufen werden. Der jetzige Chat zeigt vielmehr eine funktionale Ordnung. Transkription schließt eine Lücke zwischen Selektion und Konstruktion; sie ersetzt die anderen Begriffe nicht.

KI als E4-Gegenüber

Der Chat bestätigt außerdem sehr deutlich die richtige Stellung der KI. Sie ist weder Ursprung noch Wahrheitsinstanz der Forschungskunst. Bereits der Werkanker bestimmt ihre Funktion als Verarbeitung, Strukturierung, Vergleich, sprachliche Verdichtung und Verbindung großer Mengen historischer Werkmaterialien und verlangt, den Prüfoperator auch auf die KI selbst anzuwenden.

Der Verlauf dieses Chats liefert dafür einen konkreten Beleg. Die KI brachte den Begriff Transkription zunächst zu breit beziehungsweise teilweise falsch gewichtet ein, vernachlässigte Werkzusammenhänge, trennte Mitmachbuch und interaktives Buch und musste mehrfach korrigiert werden.

Das ist kein bloßer Fehlerbericht. Methodisch zeigt es, wie KI in Ihrer Forschung sinnvoll eingesetzt werden kann:

Sie erzeugt eine vorläufige Komprimierung. Diese Komprimierung tritt Ihnen als Gegenüber entgegen. Sie erkennen Differenzen zum Werk. Ihre Korrektur wird zurückgeführt. Daraus entsteht eine präzisere Fassung.

Damit funktioniert die KI tatsächlich als E4-Rückkopplungsinstrument, sofern ihre Ergebnisse vorläufig bleiben.

Konsequenz für das So-Heits-Atelier

Für das So-Heits-Atelier ergibt sich aus diesem Chat eine deutliche Präzisierung. Die historischen und neu entwickelten Objekte sollen nicht bloß illustrieren. Sie werden als Gegenüber, Werkstücke und Prüfwerkzeuge eingesetzt. Der Besucher soll nicht in ein fertiges theoretisches System eingeführt werden, sondern selbst den Weg von Wahrnehmung über Selektion und Transkription bis zur Konsequenz nachvollziehen können.

Der Gordische Knoten kann zeigen, wie Problemdefinition entsteht. Die fotografische Landschaft zeigt Dingselektion. Der Betonblock zeigt die Verfestigung einer ausgeschnittenen Einheit. Die Zellmembran zeigt regulierte Grenze. Das Erwachsenenmalbuch zeigt produktives Nichtwissen. Das Vorgabebild zeigt unterschiedliche Transkriptionen derselben Ausgangsform. Die Schultafel zeigt Vorläufigkeit und Korrigierbarkeit. Das interaktive Mitmachbuch dokumentiert die Bildung, Verschmelzung und Korrektur von Urteilen. Die Tausend Tische übertragen die individuelle Arbeitsstelle in eine kollektive Struktur. Die Globale Schwarm-Intelligenz macht diese Struktur zeitlich und räumlich fortsetzbar.

Dadurch wird das Atelier zunehmend als öffentliches Labor der eigenen Wirklichkeitsbildung verständlich.

Offene Fragen und notwendige Begrenzungen

Mehrere Fragen sollten ausdrücklich offenbleiben.

Erstens ist zu prüfen, wie weit der Begriff Transkription tatsächlich trägt. Wenn jede Wahrnehmung, jede Analogie, jede Objektwanderung, jede Begriffsbildung und jede gesellschaftliche Konstruktion Transkription genannt wird, verliert der Begriff seine Unterscheidungskraft. Er sollte deshalb zunächst auf die Überführung eines bereits selektierten oder hervorgebrachten Zusammenhangs in eine andere Darstellungs-, Begriffs-, Medien- oder Funktionsform begrenzt werden.

Zweitens muss der Begriff „Transkriptionskunst“ vorsichtig behandelt werden. Der Chat zeigt, dass Ihre Forschungskunst weit mehr umfasst: Hervorbringung, Experiment, Materialwiderstand, Verortung, Rezeption, Rückkopplung, Reparatur und gesellschaftliche Tätigkeit. „Forschungskunst als Transkriptionskunst“ kann einen Teilaspekt bezeichnen, sollte aber Forschungskunst nicht ersetzen.

Drittens muss die Analogie zwischen naturstrukturellen Prozessen und gesellschaftlichen Systemen weiterhin begrenzt werden. Zellmembran, 51:49, Deich oder Knoten können Prüfmodelle sein, aber sie beweisen keine direkte gesellschaftliche Gesetzmäßigkeit.

Viertens bleibt empirisch offen, ob und wie das interaktive Mitmachbuch tatsächlich plastische Urteilskraft verändert. Dass es dafür Bedingungen schaffen soll, ist eine plausible Zielprojektion; der tatsächliche Effekt müsste beobachtet und dokumentiert werden. Bereits der Werkanker trennt diese Zielprojektion von einer wissenschaftlich bewiesenen Wirkung.

Kontextbaustein für Werk-, Methoden- und Prüfanker

Der besondere Beitrag dieses Chats liegt darin, Transkription als bislang fehlenden Übergangsbegriff zwischen Wahrnehmung beziehungsweise Dingselektion und menschlicher Wirklichkeitskonstruktion herauszuarbeiten. Der Begriff wird nicht als Ursprung der frühen Forschungskunst rückprojiziert, sondern als heutige sprachliche Verdichtung einer bereits lange praktizierten Arbeitsweise verstanden. Werkgeschichtlich verbindet er insbesondere Fotografie und Dingselektion, Erwachsenenmalbücher und Vorgabebilder, Objektwanderung, Gordischen Knoten, Foliengrammatik und interaktives Mitmachbuch. Methodisch wird deutlicher, dass die Forschungskunst Wirklichkeit nicht unmittelbar „besitzt“, sondern selbst auswählt und transkribiert und deshalb ihre eigene Fuge sichtbar halten muss. Der Gordische Knoten wird vom isolierten Symbol zum Prüfobjekt der Problemtranskription: Nicht die schnelle Lösung, sondern das Anfassen, Verfolgen von Beziehungen und Rückkoppeln wird zum Erkenntnisverfahren. Die Erwachsenenmalbuchmethodik wird neu als Verbindung von offenem Vorgabebild, Nichtwissen, Hervorbringung, Selbstbeobachtung und Transkription begriffen. 51:49 erhält zusätzlich die Funktion einer methodischen Minimaldifferenz, die verhindert, dass Modell und Gegenüber vollständig verschmelzen. Das Mitmachbuch ist verbindlich mit dem interaktiven Buch der Globalen Schwarm-Intelligenz identisch und bildet die heutige öffentliche Verdichtung dieser älteren Vorgabe-, Partizipations- und Rückkopplungsmethodik. Die KI selbst wird durch die wiederholten Korrekturen dieses Chats praktisch als E4-Gegenüber bestätigt: Sie erzeugt vorläufige Komprimierungen, deren Abweichungen vom Werk erkannt und korrigiert werden müssen.

Für die bestehenden Anker sollte deshalb künftig die methodische Folge ergänzt werden: Wirkungszusammenhang – Wahrnehmung – Selektion – Transkription – Konstruktion – Tätigkeit – Wirkung und Tätigkeits-/Abhängigkeitskonsequenz – Gegenüberstellung – Rückkopplung – Rekalibrierung beziehungsweise neue Hervorbringung. Diese Folge ersetzt die bisherigen Werkanker nicht, sondern verbindet sie. Offen bleibt, wie weit „Transkription“, „Transkriptionsfuge“ und möglicherweise „Transkriptionsdrift“ als eigenständige Begriffe dauerhaft benötigt werden oder ob einzelne Funktionen bereits durch Selektion, Fuge, Referenzsystem und Rückkopplung hinreichend beschrieben sind. Gerade diese Offenheit entspricht der im Arbeitsauftrag festgelegten Bedingung, die Forschung nicht als abgeschlossenes System darzustellen, sondern ihre begriffliche Erklärung und methodische Selbstprüfung fortzuführen.