Evolution und Integration durch Kunst und Gesellschaft

Aus Globale-Schwarm-Intelligenz

Sonnenuntergang: Aussicht von meinem Balkon über Berlin.

1. Plastische Anthropologie 51:49- Ausgangspunkt, Leitfrage und Arbeitszweck- des Integrationsmodell.

Die Plastische Anthropologie 51:49 ist als Methode, Programm und Pilotprojekt angelegt. Sie dient der Entwicklung eines Prototyps eines neuen Bewusstseins, das durch ein Prüfmodell trainiert und überprüfbar gemacht wird.

Die durchgehende Leitfrage lautet: Warum zerstört der Mensch seine eigenen Existenzbedingungen? Warum ist er nicht bereit, von der Natur zu lernen oder den eigenen Körperorganismus als Vorbild zu nehmen, obwohl er über Wahrnehmung, Denken, Sprache, Technik, Institutionen, historische Erfahrung und eine hohe Fähigkeit zur Modellbildung verfügt?

  1. Die Grundantwort dieses Projekts lautet, dass die Hauptursache nicht in einem bloßen Mangel an Intelligenz liegt, sondern in einer historisch gewachsenen Entkopplung zwischen symbolischer Geltung, sozialem Erfolg und den realen Wirkungs- und Stoffwechselbedingungen des Lebens.
  2. Der Mensch lernt dort zuverlässig, wo Material, Funktion und Widerstand unmittelbare Rückmeldung erzwingen.
  3. Er lernt dagegen oft verzerrt oder zu spät dort, wo Schäden symbolisch verdeckt, verzögert, ausgelagert oder institutionell abgefedert werden. Daraus entsteht eine Erfolgsform, die ihre eigenen Tragschichten angreift und sich dennoch weiterhin als Erfolg bestätigen kann.
  4. Das Projekt versteht sich deshalb nicht als Meinungssystem, nicht als parteipolitische Doktrin und nicht als moralisierende Weltanschauung, sondern als technē-basierte Prüfverfassung.
  5. Es geht darum, Modelle, Institutionen, Selbstdeutungen und Geltungsansprüche wieder an Tragfähigkeit, Stoffwechsel, Konsequenz, Haftung und Gemeinsinn rückzubinden und diese Rückbindung als öffentlichen Prüfbetrieb sichtbar, trainierbar und kulturell anschlussfähig zu machen.

2. Grunddiagnose: die tragschichtzerstörende Entkopplungsordnung- Die Gegenwart wird im Rahmen als tragschichtzerstörende Entkopplungsordnung beschrieben.

  1. Gemeint ist eine historische Erfolgs- und Geltungsarchitektur, in der gesellschaftlich belohnte Dynamiken ihre eigenen Voraussetzungen systematisch überfahren, während die sichtbaren Belohnungen kurzfristig positiv ausfallen.
  2. Das zentrale Problem ist nicht, dass es zu wenige Verbindungen gäbe.
  3. Im Gegenteil: Moderne Gesellschaften sind hoch gekoppelt.
  4. Märkte, Medien, Institutionen, Rollen, Aufmerksamkeitsökonomien, Macht- und Belohnungssysteme greifen eng ineinander.
  5. Die Krise entsteht dort, wo diese Kopplungen zwar stark, aber einseitig sind: Geltung, Wettbewerb, Verwertung und Status werden verstärkt, während die Rückbindung an Wirkungsgrenzen, Regeneration, Milieu, Gemeinsinn und Revisionspflicht geschwächt wird.
  6. Damit verschiebt sich das Verhältnis von Erfolg und Tragfähigkeit. Kurzfristig erfolgreiche Formen können langfristig zerstörerisch sein.
  7. Schäden kehren erst spät, verteilt und oft erst katastrophisch zurück.
  8. Das Projekt diagnostiziert darin keine bloße moralische Verfehlung, sondern eine systemische Rückkopplungsstörung: starke Geltungskopplungen bei schwacher Tragfähigkeits- und Stoffwechselrückkopplung.

3. Wirkungswelt, Dingwelt und Geltungswelt-Ein Grundpfeiler des Systems ist die Unterscheidung zwischen Wirkungswelt, Dingwelt und Geltungswelt.

  1. Wirkungswelt bezeichnet das Gefüge realer Prozesse, Kräfte, Belastungen, Übergänge, Abhängigkeiten, Widerstände, Folgewirkungen und zeitlichen Verzögerungen.
  2. In dieser Perspektive ist nichts isoliert. Alles steht in realen Zusammenhängen von Entstehung, Erhaltung, Umformung und Zerfall.
  3. Wirklichkeit ist hier primär kein fertiger Bestand von Dingen, sondern ein Geschehen von Wirkungen.
  4. Dingwelt entsteht durch eine menschliche Ausschnittsoperation. Aus einem Prozesszusammenhang wird ein Gegenstand herausgelöst, stabilisiert, benannt und handhabbar gemacht.
  5. Diese Operation ist notwendig, weil ohne Objektbildung weder Handwerk noch Technik, weder Kunst noch Wissenschaft möglich wären.
  6. Problematisch wird sie erst dann, wenn vergessen wird, dass der Gegenstand weiterhin an verborgene Wirkzusammenhänge gekoppelt bleibt.
  7. Das Ding erscheint dann als selbstständige Einheit, obwohl es tatsächlich ein fixierter Ausschnitt aus einem größeren Prozessgeschehen ist.
  8. Geltungswelt entsteht, wenn auf die Dingwelt eine symbolische Schicht gelegt wird. In ihr werden Werte, Rollen, Rechte, Eigentumsformen, Narrative, Institutionen, Rangordnungen, Identitäten und Wahrheitsansprüche organisiert.
  9. Diese Schicht ist nicht unwirklich, sondern real wirksam. Problematisch wird sie dort, wo sie ihre Abhängigkeit von der Wirkungswelt verdrängt und sich als selbsttragend ausgibt.
  10. Dann verwandelt sich Symbolik in eine Unverletzlichkeitswelt, in der Geltung so behandelt wird, als habe sie die Wirkungsbedingungen ersetzt.
  11. Dass Dingwelt und Geltungswelt nur dann tragfähig sind, wenn ihre Rückbindung an die Wirkungswelt sichtbar und prüfbar bleibt.

4. Das Vier-Ebenen-Prüfraster als Zuständigkeits- und Rückkopplungsarchitektur-Das zentrale Arbeitsinstrument des Projekts ist das Vier-Ebenen-Modell.

  1. Es kann als Vier-Ebenen-Prüfraster, Zuständigkeitsraster, Rückkopplungsarchitektur oder Ebenen-Prüfsystem bezeichnet werden. Gemeint sind keine voneinander getrennten Welten, sondern unterschiedliche Zuständigkeitsschichten derselben Wirklichkeit.
  2. E1 bezeichnet die Ebene des Funktionierens, der materiell-physikalischen Wirkzusammenhänge und der Tragfähigkeit. Hier wirken Kräfte, Energieflüsse, Widerstände, Belastungen, Stabilität, Bruch, Reibung, Zeit und irreversible Konsequenzen. E1 ist nicht verhandelbar. Seine Bedingungen gelten unabhängig davon, ob sie anerkannt, gedeutet oder verdrängt werden.
  3. E2 bezeichnet die Ebene des Stoffwechsels, des Lebens und der Regeneration. Hier erscheinen Atmung, Ernährung, Erschöpfung, Heilung, Wachstum, Alterung, Schmerz, Verletzbarkeit, Bindung und rhythmische Aufrechterhaltung von Differenz. E2 ist die Ebene lebendiger Membranarbeit: Leben existiert nur als geregelter Austausch unter Bedingungen von Belastung, Grenze und Milieu.
  4. E3 bezeichnet die Ebene der Symbolik, der Geltung und der sozialen Konstruktion. Hier entstehen Sprache, Rollen, Eigentum, Recht, Geld, Werte, Institutionen, Identitäten, Erzählungen, Erfolgsbilder und kulturelle Selbstdeutungen. E3 ist notwendig, weil komplexe Gesellschaft ohne symbolische Koordination nicht existieren kann. Problematisch wird sie dort, wo sie ihre Herkunft aus E1 und E2 vergisst und ihre eigenen Setzungen als ursprüngliche Wirklichkeit behandelt.
  5. E4 bezeichnet die Ebene des Kopplungsdesigns, der Prüfung, Kalibrierung, Revision und Haftung. Hier wird entschieden, woran gemessen wird, welche Rückmeldungen zählen, welche Grenzen gelten, welche Stoppregeln greifen, wer revidieren muss und wer die Folgen trägt. E4 ist die operative Prüfverfassung des Systems. Sie macht sichtbar, wie E1, E2 und E3 miteinander verbunden, verschoben, überdehnt oder korrigiert werden.

5. Feindifferenzierung von E3 und E4-Zur begrifflichen Schärfung kann E3 intern weiter unterschieden werden.

  1. E3A bezeichnet referenzgebundene Beschreibungssprache.
  2. Hier werden Zustände, Flüsse, Belastungen, Materialeigenschaften, Grenzen und Veränderungen so beschrieben, dass sie an E1 und E2 anschließbar bleiben.
  3. E3B bezeichnet Geltungs-, Identitäts- und Projektionssprache.
  4. Hier entstehen Besitz, Rang, moralische Überhöhungen, Selbstzwecke, Unverletzlichkeitsbilder, ideologische Fixierungen und Erfolgsnarrative.

5. A. Feindifferenzierung Auch E4 lässt sich differenzieren. E4A bezeichnet die Mess-, Kalibrier- und Prüfarchitektur. .

  1. Hier liegen Indikatoren, Vergleichsgrößen, Toleranzfelder, Schwellwerte, Modellannahmen und Revisionsfenster. E4B bezeichnet die Entscheidungs-, Stopp- und Haftungsarchitektur.
  2. Hier entscheidet sich, ob Rückmeldungen tatsächlich wirksam werden, ob Korrektur erfolgt oder ob Folgen symbolisch neutralisiert bleiben.
  3. Eine Hauptdrift moderner Ordnungen besteht darin, dass E3B häufig wie E3A spricht, also Projektion als Beschreibung ausgibt, und dass E4 von E3B-Interessen besetzt wird.
  4. Dann bleibt Prüfung formal erhalten, verliert aber ihre Rückkopplungsfunktion. Genau an diesem Punkt setzt die Kritik des Projekts an.

6. Kopplung, Rückkopplung, Entkopplung, Kuppelei und Korruption-Leitbegriff des Projekts ist Rückkopplung, Grundbegriff ist Kopplung.

  1. Kopplung bezeichnet reale Bindung, Verbindung, Anschluss und Wirkübertragung zwischen Elementen, Prozessen oder Registern.
  2. Sie ist nicht auf Technik beschränkt, sondern umfasst physikalische, biologische, soziale, institutionelle, sprachliche und symbolische Verbindungen.
  3. Rückkopplung bezeichnet jene qualifizierte Form von Kopplung, in der die Folgen eines Vorgangs in seine weitere Steuerung zurückkehren.
  4. Erst dadurch werden Lernen, Korrektur, Haftung und Verantwortung möglich. Nicht jede Kopplung ist bereits Rückkopplung. Ein System kann hoch gekoppelt und zugleich lernblind sein, wenn reale Folgen nicht in Entscheidungen zurückwirken dürfen.
  5. Entkopplung bezeichnet die Störung oder Verdrängung dieser Rückführung.
  6. Die Krise der Gegenwart ist aus dieser Perspektive vor allem eine Entkopplungskrise: starke Selbstverstärkung innerhalb der Geltungsordnung bei geschwächter Rückführung aus Wirkungs- und Stoffwechselzusammenhängen.
  7. Kuppelei bezeichnet eine besondere Form der Verbindung: das interessengeleitete, asymmetrische, oft verdeckte Einfädeln von Rollen, Vorteilen, Personen, Ressourcen und Deutungen. Kuppelei stellt Verbindungen her, ohne tragfähige Rückkopplung zu sichern.
  8. Korruption bezeichnet darüber hinaus die Zersetzung der Prüf-, Revisions- und Haftungsordnung selbst.
  9. In diesem System ist Korruption daher nicht nur Bestechung, sondern Prüfkorruption oder Rückkopplungskorruption: E4 wird von E3-Interessen so besetzt, dass Korrektur nur noch simuliert, nicht mehr vollzogen wird.

7. 51:49 als Betriebsmaßstab und 50:50 als Gegenmodell-Das tragende Hauptmodell des Projekts ist die Formel 51:49.

  1. Sie bezeichnet keine numerische Dogmatik, sondern die Verhältnislehre minimaler Asymmetrie.
  2. Gemeint ist der notwendige Vorrang von Differenz, Rückwirkung, Korrektur, Toleranz und Richtung gegenüber perfekter Selbstschließung.
  3. Ohne minimale Asymmetrie gibt es keine Regelung, keine Passung, keine lernfähige Stabilität, keine Formbildung und keine Verantwortung. 51:49 ist daher die Formel des lebendigen Maßes.
  4. Dem gegenüber steht das Gegenmodell des spiegelbildlichen 50:50-Symmetriedualismus.
  5. Gemeint ist nicht die ältere griechische Idee stimmiger Proportion, sondern die moderne Verengung auf perfekte Spiegelgleichheit, perfekte Form, perfekte Ordnung, perfekte Gesetzgebung, perfekte Beherrschbarkeit und glatte Deckung von Modell und Wirklichkeit.
  6. In dieser Logik erscheinen Rest, Reibung, Abweichung, Grenzbedingung und Revisionsbedarf als Störung.
  7. Die zivilisatorische Drift entsteht dort, wo E1 und E2 weiterhin nach 51:49 arbeiten, während E3 und E4 kulturell dem 50:50-Ideal unterworfen werden.
  8. Das Prüfsystem ist die methodische Gegenbewegung zu dieser Verwechslung.
  9. Es macht die Vorrangigkeit des lebendigen Maßes wieder sichtbar.

8. Der Mensch als plastische Koppelung oder Membran. Der Mensch wird in diesem Projekt nicht als isoliertes Subjekt, als selbstbegründetes Ich oder als reines Bewusstseinszentrum verstanden, sondern als plastische Membran-Koppelung. Ein Ich-Bewusstsein kann nur in einem Referenzsystem entstehen, also dort, wo zwischen Maximum und Minimum eine Grenzsetzung besteht und wo Freiheit, Autonomie und Unabhängigkeit erfahren und empfunden werden können; andernfalls entstehen Kipppunkte. Daraus entsteht individuelle Verantwortlichkeit, rückgebunden an E1: an Tätigkeit, Abhängigkeit und deren Konsequenzen – an das Nicht-Verhandelbare.

  1. .Gemeint ist ein in Abhängigkeiten hervorgebrachtes, in Wirkungen, Stoffwechsel, Tätigkeiten, Rückmeldungen und Formungsprozessen stehendes Gefüge.
  2. Abhängigkeit ist in dieser Perspektive nicht Mangel, sondern Grundbedingung realer Existenz. Nichts steht aus sich allein.
  3. Die besondere Stellung des Menschen liegt nicht darin, aus E1 und E2 herauszufallen, sondern darin, dass er seine Kopplungen symbolisch verdoppeln, modellieren, institutionalisieren, inszenieren, verdecken und prüfend zurückbinden kann.
  4. Gerade darin liegt seine besondere Größe und seine besondere Gefahr.
  5. Er kann seine Abhängigkeiten denken, aber auch vergessen machen.
  6. #Er kann Modelle bilden, aber auch Modell und Wirklichkeit verwechseln.
  7. Er kann Rechenschaft einführen, aber auch Prüfarchitekturen gegen Rückkopplung abschirmen.
  8. Diese Bestimmung ist anschlussfähig an die Unterscheidung von plastischer und skulpturaler Identität. Plastisch ist der Mensch dort, wo Formung unter Widerstand, Nacharbeit und Korrektur geschieht.
  9. Skulptural wird er dort, wo Setzungen, Rollen und Eigenschaften verhärtet werden und ihre Herstellungsbedingungen verdrängen.

9. Milieu, Membran und die operative Überwindung des falschen Innen-Außen-Dualismus-Umwelt wird hier so verstanden, wie man Umwelt vor 50 Jahren noch verstand: als etwas, dessen Teil man selbst war.

  1. Der Begriff „Umwelt“ wird im Projekt nicht als undifferenziertes Gegenüber eines autonomen Subjekts verwendet.
  2. Präziser ist der Begriff des Milieus.
  3. Gemeint ist jeweils ein konkreter Teilbereich von Stoff-, Energie-, Informations- und Belastungsflüssen, in dem ein Organismus oder ein System tatsächlich steht.
  4. Der Mensch ist darin nicht Außeninstanz, sondern selbst lokale Milieuform.
  5. Die Trennung von innen und außen wird nicht metaphysisch, sondern operativ über die Membran gedacht.
  6. Die Zellmembran ist deshalb ein Leitbild des Projekts: Sie zeigt, dass Stabilität nur als geregelter Austausch existiert.
  7. Ein absolutes Innen und ein absolutes Außen sind bereits spätere symbolische Übertreibungen.
  8. Das moderne Besitz-, Isolations- und Selbstbegründungsdenken erscheint in dieser Perspektive nicht als Ursprung, sondern als sekundäre Geltungsüberlagerung.

10. Modell, Maß, Werk und das Eigenschaftsparadox- Der Modellbegriff bildet das Scharnier zwischen E3 und E4.

  1. Ein Modell ist nicht bloß eine vereinfachte Darstellung, sondern eine maßsetzende, zweckgebundene und notwendig verkürzte Vorform von Wirklichkeitsbearbeitung. Es bestimmt, was relevant ist, was ausgeblendet wird, welchem Zweck eine Form dienen soll und welche Rückkopplungen zugelassen oder verdeckt werden. Ein Modell ist daher immer schon eine Auswahl, eine Setzung und ein Risiko.
  2. Das Werk ist nicht einfach die Umsetzung eines Gedankens, sondern die plastisch gewordene Kopplung von Modell, Material, Werkzeug, Zeit, Widerstand und Konsequenz. Im Zwischenraum zwischen Modell und Werk liegt die eigentliche Prüfzone. Dort zeigt sich, ob ein Modell tragfähig, kalibrierbar, verwerfbar oder korrigierbar ist. Dort treten Toleranz, Scheitern, Nacharbeit und Loslassentscheidung auf.
  3. Hier setzt auch das Eigenschaftsparadox ein. Im Denken können Eigenschaften hineingedacht, überhöht und kohärent organisiert werden, ohne dass sie mit den realen Eigenschaften von E1 und E2 identisch sind. Denken ist eine verletzungsarme Simulationsleistung. Gerade deshalb ist es mächtig und driftgefährdet zugleich. Das Projekt richtet sich nicht gegen Denken, sondern gegen die Verwechslung von Denk-Kohärenz mit Welt-Kopplung.

11. Die Menschenwelt als Kunstwerk und Kunst als Prüfwerkstatt

  1. Die Menschenwelt wird in diesem Projekt als Kunstwerk verstanden, nicht im dekorativen, sondern im methodischen Sinn. Gemeint ist eine Welt, die durch Auswahl, Rahmung, Werkzeuggebrauch, Überformung, Inszenierung, Projektion und Rezeption hervorgebracht wird.
  2. In diesem Sinn erscheinen mindestens drei Kunstwerke zugleich: die Zivilisationsgeschichte als kollektive Symbol-, Rollen-, Werkzeug- und Institutionswelt; der Mensch selbst als sich formendes und inszenierendes Wesen; und der Rezipient als geformtes Wahrnehmungs-, Identifikations- und Urteilswesen.
  3. Als viertes Kunstwerk kann die Prüf- und Sichtbarmachungsarchitektur selbst verstanden werden. Der Kontextanker, die Kontextuarealisierung und der öffentliche Prüfbetrieb sind nicht bloß neutrale Beschreibung, sondern bewusst gebaute Werkformen. Ihr Unterschied zu skulpturalen Geltungssystemen besteht darin, dass sie ihre Revisionspflicht ausdrücklich mitführen müssen.
  4. Kunst ist deshalb im Projekt keine Verzierung, sondern Prüfwerkstatt.
  5. Im Entwurf beginnt sie im Als-ob, in der Fiktion und in der Intuition; in der Werkpraxis trifft sie jedoch auf Material, Werkzeug, Zeit, Fehler und Grenzen.
  6. Gerade dadurch macht sie die Differenz zwischen Symbolwelt und Wirkungswelt anschaulich und prüfbar.

12. Der Objekt-, Collagen- und Analogienparcours steht im Interaktiven Buch als Prüfmaschine zur Verfügung.

  1. Die im Verlauf entwickelten Objekte und Analogien sind keine bloßen Illustrationen, sondern plastische Denk- und Erfahrungsmaschinen.
  2. Sie machen Ebenenfehler, Scheinkopplungen und Geltungsüberlagerungen konkret.
  3. Das Schwimmen zeigt Freiheit als gekonnte Kopplung im Medium und nicht als Entkopplung von Bedingungen.
  4. Das Flugzeug und der Astronautenanzug zeigen technische Abschirmung, die nur tragfähig bleibt, solange Versorgung, Energie und Stoffwechselersatz mitgeführt werden.
  5. Die Eisfläche zeigt Tragfähigkeit und Gefahr; ihre Vergoldung zeigt die symbolische Überblendung realer Rückmeldungen.
  6. Nasser Sand, eingefrorene Eigentumsform und vergoldeter Spaten zeigen, dass symbolische Ordnung oft erst durch energieintensive Eingriffe material durchgesetzt werden muss.
  7. Die Kartoffel zeigt die Differenz von Milieu, Nahrung, Verwesung, Keimfähigkeit und symbolischer Vergötzung.
  8. Die Schultafel mit Kreide verkörpert eine demokratische Revisionsoberfläche; ihre Vergoldung markiert die Zerstörung der Lernfunktion durch Herrschaftsgeltung.
  9. Die Gletschermühle bildet E1 und E2 als nicht verhandelbaren prozessualen Maßstab ab. Das in die Sandbank laufende Schiff zeigt die Rückkehr realer Maßstäbe trotz technischer Wirksamkeit.

Alle diese Prüfobjekte führen denselben Grundsatz vor: Symbolische Aufladung kann Status, Orientierung und Deutung erzeugen, aber sie ersetzt nicht die Tragschichten von E1 und E2.

13. Der griechische Tiefenhorizont der Techne dient als Vorbild für eine neue Kunstgesellschaft, die ‚So-Heits-Gesellschaft‘: eine Weisheitsgesellschaft des Polyhistors, in der alle Menschen mithilfe der KI, zu spielerischen Wissenschaftlern werden.

  1. Zur begrifflichen Verdichtung stützt sich das Projekt auf ein funktionales griechisches Kernvokabular. Maß, Passung und Grenze werden durch μέτρον, κανών, καιρός und πέρας getragen.
  2. Maß ist hier nicht abstrakte Formalität, sondern Angemessenheit unter Bedingungen.
  3. Die ältere συμμετρία meint stimmige Proportion und Zusammenmessbarkeit, nicht primär spiegelbildliche Gleichheit.
  4. Damit steht sie näher am 51:49-Prinzip als an der modernen Perfektionssymmetrie.
  5. Für Werk und Hervorbringung tragen τέχνη, ποίησις, πρᾶξις, ἔργον, ὕλη und ἁρμογή die Logik von Können, Handlung, Material und Fügung.
  6. Für Urteil und Rechenschaft stehen λόγος, κρίσις und φρόνησις.
  7. Für die gesellschaftliche Seite stehen κοινόν, κοινωνία und λειτουργία als Begriffe des Gemeinsamen, der Teilhabe und des öffentlichen Beitrags.
  8. Dem gegenüber markieren χρηματιστική, πλεονεξία, ὕβρις, ἰδιώτης und διαφθορά jene Driftformen, in denen Maß, Gemeinsinn und Prüfstruktur zugunsten von Mehrungszwang, Selbstüberhebung, Privatisierung und Zersetzung verdrängt werden.
  9. Dieses griechische Feld dient nicht als Bildungsschmuck, sondern als historischer Resonanzraum eines handwerklich-praktischen Maßdenkens.

14. Selbstzerstörungsmechanismus und Kapitalismus als Hauptfall

  1. Der Selbstzerstörungsmechanismus der Menschheit wird im Projekt nicht als einfache biologische Bestimmung verstanden, sondern als historisch verstärkte, psychologisch belohnte und institutionell reproduzierte Drift.
  2. E2-nahe Dispositionen wie Belohnungssuche, Statussensibilität, Imitation, Konkurrenz und kurzfristige Entlastung werden in E3 und E4 durch Märkte, Eigentumsordnungen, Medien, Institutionen und Erfolgsnarrative in eine dauerhafte Selektionsarchitektur überführt.
  3. In diesem Zusammenhang ist Kapitalismus ein zentraler historischer Hauptfall, jedoch nicht der einzig denkbare Begriff.
  4. Präziser spricht das Projekt von einer entkoppelten Erfolgsordnung oder einer tragschichtenzehrenden Steigerungsdynamik.
  5. Kritisch wird sie durch die Leitfrage bestimmt: Welche Erfolgsform zerstört ihre eigenen Voraussetzungen? Dort, wo kurzfristige Gewinne in Geld, Macht, Sichtbarkeit und Status unmittelbar belohnt werden, während langfristige Schäden externalisiert, verzögert oder semantisch umcodiert bleiben, entsteht eine rückkopplungsblinde Selektionsdrift.
  6. Der Mensch modelliert sich dann selbst als Ware, Marke, Portfolio und Unternehmer seiner selbst. Das Geltungs-Ich verdrängt das Kopplungs-Ich.

15. Der positive Gegenbegriff: die prüffähige Rückkopplungsgesellschaft

  1. Der positive Gesellschaftsbegriff des Projekts lautet prüffähige Rückkopplungsgesellschaft im 51:49-Sinn. Gemeint ist keine perfekte, konfliktfreie Ordnung, sondern eine Gesellschaft, in der Geltungsformen, Institutionen, Modelle und Erfolgsdefinitionen ihre Tragschichten sichtbar mitführen und über offene Prüf-, Revisions- und Haftungsstrukturen korrigierbar bleiben.
  2. Eine solche Ordnung ist nicht durch makellose Stabilität gekennzeichnet, sondern durch lernfähige Membranen, klare Toleranzfelder, funktionierende Gegenüberstellungen, wirksame Stoppregeln und eine Kultur der Passungsprüfung. Maß, Nacharbeit, Loslassfähigkeit, Begrenzung und Gemeinsinn sind in ihr keine Störung, sondern Bedingungen von Dauerhaftigkeit.
  3. Der höchste Wert liegt nicht im maximalen privaten Zugriff, sondern im größten tragfähigen Beitrag zum gemeinsamen Zusammenhang.

16. Werkform, Plattform und methodische Selbstbindung-Die Plastische Anthropologie 51:49 versteht sich als öffentlicher Prüfbetrieb.

  1. Die daraus hervorgehende Institutsidee ist nicht als akademischer Status, sondern als Funktionsform gedacht: ein Institut für Konsequenz- und Rückkopplungsforschung, das Symbolwelten an Wirkungs-, Stoffwechsel- und Gemeinsinnsmaßstäbe rückbindet.
  2. Die Plattform Globale Schwarm-Intelligenz fungiert in diesem Zusammenhang als Mitmachbuch, Werkstatt, Archiv, Lernraum und Verstärker.
  3. Ihr Ziel ist es, Nutzer zu spielerischen Wissenschaftlern ohne Status zu machen, die Ebenen unterscheiden, Modelle prüfen und ihre Wahrnehmung rekalibrieren können.
  4. Methodisch gilt die Selbstbindung, dass neue Inhalte nicht ungeordnet angefügt werden, sondern als Ergänzung, Ersetzung oder Präzisierung mit klarer Zielstelle eingebracht werden.
  5. Diese Regel schützt den Arbeitskern davor, selbst zur vergoldeten Schultafel zu werden. Der Kontextanker bleibt damit offen für Revision, aber nicht beliebig.
  6. Er ist versionierbar, prüfbar und an die eigenen Maßstäbe rückgebunden.

17. Schlussformel-Die Plastische Anthropologie 51:49 beschreibt den Menschen und seine Zivilisationswelt als geschichtete, plastisch geformte Kopplungsordnung.

  1. Ihr Grundmaßstab ist die nicht verhandelbare Vorrangigkeit von Rückkopplung gegenüber Selbstschließung.
  2. Ihr zentrales Arbeitsinstrument ist das Vier-Ebenen-Prüfraster aus Wirkungszusammenhang, Stoffwechsel, Symbolik und Prüfarchitektur.
  3. Ihr Diagnosebegriff ist die tragschichtzerstörende Entkopplungsordnung mit rückkopplungsblinder Selektionsdrift.
  4. Ihre kritischen Grenzbegriffe sind Kuppelei und Korruption als Vermittlungs- und Zersetzungsformen zwischen Geltung und Prüfung. Ihr positiver Gegenbegriff ist die prüffähige Rückkopplungsgesellschaft im 51:49-Sinn.
  5. Ihre Werkform ist der öffentliche Prüfbetrieb. Ihr Ziel ist nicht Perfektion, sondern sichtbare Tragschichtbindung, offene Revisionsfähigkeit, kulturelle Wiederherstellung von Maß, Urteilskraft und Gemeinsinn sowie eine Symbolwelt, die ihre Herkunft aus Wirklichkeit, Stoffwechsel und Konsequenz nicht länger verdrängt.

Einstieg

Ich habe mich mein Leben lang gefragt: Warum zerstört der Mensch seine eigenen Existenzbedingungen? Damit wollte ich der zunehmenden Katastrophenwelt zuvorkommen. Die Antworten dazu finden Sie hier auf der Plattform. Wie würden Sie das Menschsein beschreiben? Wie beschäftigen Sie sich mit dem Menschsein? Es sind einfache Fragen. Gemeinsam mit Ihnen und der KI will ich darüber nachdenken und zugleich meine in 78 Jahren Forschung entstandene, komprimierte Antwort vorstellen.

Kernhypothese

Der Mensch ist ein überprüftes Überprüfungswesen. Er ist hervorgebracht durch Prüfung und fähig zur Prüfung, weil jede Tätigkeit in Abhängigkeiten steht und Konsequenzen erzeugt; diese Konsequenzen prüfen zurück und machen Urteil, Entscheidung und Verantwortung lernbar.

Maßstab

Nichtverhandelbar sind Existenz- und Lebensmaßstäbe, weil sie unabhängig von Zustimmung wirken. Physische Tragfähigkeit, Verletzbarkeit, Stoffwechselbedingungen, Regenerationszeiten und ökologische Randbedingungen setzen sich als Konsequenzen durch. Symbolwelten können diese Rückmeldungen verdecken oder verzögern, aber nicht außer Kraft setzen.

Methode

Die Plattform ist als öffentlicher Prüfbetrieb angelegt: künstlerische Praxis, handwerkliche Maßstäbe und begriffliche Arbeit werden so gekoppelt, dass Rückkopplung sichtbar und trainierbar wird. Das zentrale Werkzeug ist ein Zuständigkeitsraster aus vier Ebenen (E1–E4) und die bewusste Markierung von Übertragungen zwischen ihnen. KI wird dabei nicht als Autorität benutzt, sondern als Prüfinstrument: Antworten werden so umgeformt, dass sie an Tragfähigkeit und Stoffwechsel rückgebunden, auf Drift geprüft und revidierbar gemacht werden.

Orientierung

Wenn Sie beginnen wollen, nehmen Sie eine einfache Frage aus Ihrem Alltag und prüfen Sie sie mit E1–E4: Wo wirken physische Konsequenzen, wo biologische Abhängigkeiten, wo symbolische Geltung, und wo braucht es ein Kopplungsdesign, das Rückkopplung wieder herstellt? Ein kurzes Startbeispiel: Prüfbetrieb in 12 Sätzen

Urheberrechtliche Hinweise, Einladung & Vermächtnis

  1. Ich erhebe keinen Anspruch auf Urheberrecht, mit Ausnahme der Nutzung für kommerzielle Zwecke, die nicht erlaubt sind.
  2. Es ist mein Beitrag zur Gestaltung einer Zukunft, in der Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft nicht mehr getrennt sind. Ich heiße Sie in dieser globalen Bewegung willkommen. Näheres meinen blauen Navigationslinks zu folgen, und sehen Sie sich hierzu die verschiedensten Startseiten an um einen Einblick zu bekommen, wie sich dieses Kunstwerk globale Schwarmintelligenz entwickelt hat.
  3. Komplexität und Leseführung der Starteite als Zweitkontakt: biografischer Impuls, Institutsidee, Plattformzweck, Ausgangshypothese, Nichtverhandelbarkeit, Prüfbetrieb, Prüfoperator, E1–E4, Téchnē/Polis/Theater, künstlerische Zivilisationskritik.

Mit hoffnungsvollen Grüßen,

Wolfgang Fenner